Beispiel-BWA: diese Erkenntnisse können Sie aus einer BWA gewinnen

Theorie zur BWA ist gut, aber Sie wollen mit der BWA als wichtiges Instrument der Unternehmensführung auch arbeiten. Daher zeigen wir Ihnen jetzt das Beispiel einer BWA mit echten Zahlen, damit Ihnen die Arbeit mit der BWA in Fleisch und Blut übergeht. Sie können sich außerdem ein BWA Exceltool herunterladen, mit dem Sie arbeiten können und das Ihnen hilft, beispielsweise Planungsszenarien für die wirtschaftliche Entwicklung Ihres Unternehmens aufzustellen.

Damit bekommen Sie Sicherheit im Umgang mit der BWA. Das hilft Ihnen beispielsweise beim Controlling für Ihr Unternehmen und wappnet Sie für alle Gespräche mit Ihrer Hausbank

Die BWA am konkreten Beispiel anschaulich erläutert

Die Beispiel-BWA veranschaulicht die wichtigsten BWA-Positionen und zeigt Ihnen, wie eine BWA Zeile für Zeile zu lesen ist. Außerdem erfahren Sie, wie Sie mit der BWA Ihren Unternehmensertrag feststellen. Am Schluss beantworten wir die Frage, ob Sie mit der BWA Ihre Liquidität steuern können und stellen Ihnen die Beispiel-BWA als Download zur Verfügung.

So sieht unsere Beispiel-BWA aus

Unsere Beispiel-BWA gliedert sich in folgende wesentliche Teilbereiche mit entsprechenden Unterposten:

  • Erträge
  • Kosten
  • EBIT als Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern
  • das neutrale Ergebnis
  • Ergebnis
Beispiel BWA mit fiktiven ZahlenBeispiel für eine BWA - betriebswirtschaftliche Auswertung

Aufbau der Beispiel-BWA im Detail

In jedem Bereich der BWA gibt es die sogenannten BWA-Zeilen bzw. Unterposten, die für eine feinere Gliederung sorgen. Sie finden zum Beispiel im Bereich "Erträge" die BWA-Zeilen Umsatz oder Warenverbrauch. Der Bereich Kosten umfasst zahlreiche BWA-Zeilen wie z.B. die Personalkosten. Außerdem enthält die BWA die folgenden Spalten:

  • Zahlen für den Berichtszeitraum
    Nehmen wir an, Sie haben die BWA für den Monat Dezember 2017 erstellt. Dann ist der Dezember 2017 der Zeitraum Ihrer BWA. Der Berichtszeitraum kann aber auch ein Quartal oder ein ganzes Jahr umfassen.
  • Zahlen für den Vergleichszeitraum
    Der Vergleichszeitraum für den Monat Dezember 2017 ist der Dezember des Vorjahres, also der Dezember 2016. Ist der Berichtszeitraum ein Quartal oder ein ganzes Jahr, dann fungiert als der Vergleichszeitraum das Vorjahresquartal oder das Vorjahr.
  • Veränderungen in Prozent
    Die Beispiel-BWA zeigt Ihnen die Veränderung der jeweiligen Werte gegenüber dem Vergleichszeitraum an - als Steigerung oder Rückgang in Prozent. In unserem Beispiel ist der Umsatz von 580.000 Euro auf 620.000 Euro gestiegen, der Zuwachs beträgt also 7%.
  • Quoten / Kennzahlen für Berichtszeitraum und Vergleichszeitraum
    In unserem Beispiel sehen Sie bei den Kennzahlen und Quoten die sogenannten Umsatzquoten. Dies bedeutet, dass der Umsatz als Referenzwert gesehen wird und 100 % entspricht. Somit ergibt sich bspw. bei den Personalkosten eine Personalkostenquote in Höhe von 27% im Berichtszeitraum. Die Personalkosten belaufen sich folglich auf 27% des Umsatzes. Im Vergleichszeitraum lag die Personalkostenquote noch bei 24% - sie ist also um 3%-Punkte gestiegen. 
     
TIPP

Die Vergleichszahlen und Abweichungen zeigen Ihnen, ob sich Ihr Unternehmen gut entwickelt.
Die Quoten zeigen Ihnen, ob zum Beispiel die Kostenstruktur Ihres Unternehmens vernünftig ist.

Was sagt die BWA aus? Wichtige Positionen genauer betrachtet

Als Unternehmer sollten Sie einen detaillierten Blick auf die  BWA-Positionen werfen, da Ihnen diese verschiedene Erkenntnisse zu Ihrer Unternehmensentwicklung liefern können:

  • Umsatz:
    In unserem Beispiel haben sich die Umsätze um 7% von 580.000 Euro auf 620.000 Euro erhöht. Grundsätzlich ist dies natürlich eine positive Entwicklung - sofern Sie nicht mit einem stärkeren Umsatz geplant haben.
  • betrieblicher Rohertrag
    Den Rohertrag erhalten Sie, wenn Sie den Warenverbrauch vom Umsatz abziehen. In unserem Beispiel ist der betriebliche Rohertrag sogar um 8% gestiegen. Das zeigt, dass der Unternehmer seinen Wareneinkauf im Griff hat. Entweder hat er günstigere Einkaufsquellen gefunden oder mit seinen Lieferanten besser Konditionen ausgehandelt. Oder hat es geschafft, beim Verkauf höhere Preise durchzusetzen.
  • Gesamtkosten:
    Die Gesamtkosten sind  im Beispiel allerdings um 13% gestiegen. Lagen sie im Vorjahr bei 193.500 Euro, summierten sie sich im aktuellen Zeitraum bzw. im Berichtsjahr auf 218.200 Euro. Den Hauptanteil bei dieser Kostensteigerung machen die Personalkosten aus. Sie erhöhten sich ebenfalls um 13% von 150.000 Euro auf 170.000 Euro. Ohne Zweifel können Kosten zunächst auch stärker steigen als der Umsatz - vor allem, wenn Kapazitäten aufgebaut werden. Mit dem Ziel einer profitablen Unternehmensführung ist ein gutes Kostenmanagement wichtig und Abweichungen sind stets auf ihre Plausibiltät zu prüfen, sodass ggf. Gegenmaßnahmen zeitnah ergriffen werden können.
  • EBIT:
    Das EBIT erhalten Sie, wenn Sie vom Rohertrag die Gesamtkosten abziehen. In unserem Beispiel ist das EBIT um 3% gestiegen. Die Kennzahl zeigt Ihnen die Ertragskraft des Unternehmens vor Finanzierungskosten und Steuern. Das EBIT ist für einen Investor von großer Bedeutung, denn damit kann er Unternehmen vergleichen, ohne dass Finanzierungssituation und steuerliche Gegebenheiten den Vergleich verzerren. Mithilfe des EBIT sieht der Investor, ob das Unternehmen im Kern profitabel ist. 
  • Zinsen / neutraler Aufwand:
    Diese Position zeigt den Zinsaufwand auf, den das Geschäft schultern muss, wenn das Unternehmen mit Fremdkapital finanziert ist. Der sonstige neutrale Aufwand ist all das, was an Kosten entsteht und nichts mit dem eigentlichen Geschäft zu tun hat, beispielsweise Zahlungen für Schadenersatz.
    In unserem Beispiel ist der Zinsaufwand um 4% von 26.000 Euro auf 25.000 Euro gesunken.
  • Neutraler Ertrag
    Entsteht in der Regel aus Zinserträgen und Sonderzahlungen, z.B. von Versicherungen. Auch diese Positionen haben mit der regulären Geschäftstätigkeit nichts zu tun. Die neutralen Erträge sind im Beispiel gestiegen. Daher hat sich das neutrale Ergebnis von -24.500 Euro auf -22.600 Euro verbessert.
  • Ergebnis vor Steuern:
    Dies ist das Gesamtergebnis des Berichtszeitraums. Es lässt Rückschlüsse darauf zu, ob sich das Unternehmen während des Geschäftsjahres in die richtige Richtung bewegt. In unserem Beispiel ist das Ergebnis vor Steuern um 4% von 176.000 Euro auf 183.200 Euro gestiegen.
  • Vorläufiges Ergebnis:
    Bedingt durch höhere Steuerzahlungen ist das vorläufige Ergebnis um 2% schlechter, als im Vorjahreszeitraum.

Aus diesen BWA-Positionen lassen sich wichtige Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung ableiten.

Welche Kennzahlen lassen sich aus der BWA ableiten?

Wichtige BWA-Kennzahlen sind die Wareneinsatzquote, Kostenquoten und Rentabilitätszahlen zum Beispiel die EBIT-Quote oder die Umsatzrentabilität.

  • Wareneinsatz = Bestandsveränderung + Wareneinkauf
    Der Wareneinsatz in unserem Beispiel ist um 5% gestiegen, während das Umsatzwachstum 7% beträgt. Wie bereits zuvor angemerkt, hat das Unternehmen im Bereich "Materialeinkauf" gut gearbeitet.
  • Wareneinsatzquote = Wareneinsatz / Umsatz
    In der Beispiel-BWA ist die Wareneinsatzquote von 33% auf 32% gesunken. Je niedriger die Wareneinsatzquote, desto profitabler ist in der Regel das Unternehmen. Sie kennen sicher den Spruch: "Im Einkauf liegt der Gewinn."
  • Kostenquoten = Kosten / Umsatz
    Im Beispiel sehen Sie, dass die Personalkostenquote von 26% auf 27% gestiegen ist. Auch die Gesamtkostenquote ist von 33% auf 35% angewachsen. Gerade im Betriebsvergleich sind solche Kostenquoten wichtig. Gerade wenn Sie über dem Branchenschnitt liegen, sollten Sie analysieren, was der Grund hierfür ist.
  • Die EBIT-Quote = EBIT / Umsatz
    Diese Kennzahl sagt Ihnen, wie viel EBIT Ihr Unternehmen bei 100 Euro Umsatz generiert. In unserem Beispiel liegt die EBIT-Quote für das Berichtsjahr bei 33%. Vor Zinsen und Steuern verdient das Unternehmen als 33 Euro. Im Vorjahr waren es 35% bzw. 35 Euro Profit pro 100 Euro Umsatz. Trotz des absolut höheren EBITs hat sich folglich die Profitabilität des Unternehmens verschlechtert.
  • Umsatzrentabilität = Vorläufiges Ergebnis / Umsatz
    Diese Zahl sagt Ihnen, wie viel Euro Gewinn Sie mit 100 Euro Umsatz erzielen. In unserem Beispiel sind dies 30% bzw. 30 Euro Gewinn vor Steuern bezogen auf 100 Euro Umsatz.

BWA-Kennzahlen sind für Sie als Gründer und Unternehmer ein wichtiges Instrument für Ihr Controlling.Verändert sich eine Kennzahl negativ, können Sie gegensteuern und Maßnahmen einleiten. In unserem Beispiel können Sie sich fragen, warum die Personalkostenquote um 1%-Punkt von 26% auf 27% gestiegen ist.

Ihre Geldgeber analysieren Ihre BWA genau und leiten daraus Kennzahlen ab. Gerade Banken haben einen Einblick in Branchenverhältnisse und können so Abweichungen bei wichtigen Kennzahlen feststellen. Für Ihr Rating bei den Banken ist es wichtig, dass Sie das Controlling-Instrument BWA souverän beherrschen.

Lässt die BWA Rückschlüsse auf die Finanzkraft Ihres Unternehmens zu?

Für eine tagesgenaue Liquidiätsplanung ist eine BWA zu ungenau. Aus dem BWA-Beispiel können wir aber grobe Rückschlüsse ziehen, ob das Unternehmen grundsätzlich finanzstark ist. Denn Sie können aus der BWA einen Näherungswert für den operativen Cashflow ableiten. 

Der operative Cashflow, der aus der BWA abgeleitet wird, berücksichtigt folgende Dinge jedoch nicht:

  • dass Umsätze nicht immer sofort auf das Bankkonto fließen, weil Ihr Kunde Zahlungsziele ausnutzt.
  • dass Rechnungen für Waren oder verschiedene Kostenpositionen nicht immer sofort vom Bankkonto abfließen, weil Sie wiederum Zahlungsziele ausnutzen.
  • dass die tatsächliche Liquiditätsentwicklung natürlich auch durch Einlagen von Eigentümern, erhaltene Finanzierungen und Tilgungen sowie durch Investitionen und Desinvestitionen bestimmt wird.

Wenn Sie den operativen Cashflow über einen langen Zeitraum betrachten, dann relativieren sich in der Regel die Effekte, die durch das Ausnutzen von Zahlungszielen entstehen.

So können Sie aus der BWA den operativen Cashflow wie folgt ableiten:

 BWA-PositionErläuterung
+UmsatzAusgangspunkt ist der Umsatz im Berichtszeitraum
-WareneinsatzDavon ziehen Sie den Wareneinsatz ab
-Gesamtkosten
+ Neutraler Aufwand
- Neutraler Ertrag
Ebenso ziehen Sie sämtliche Kosten ab,
rechnen Zinsen und neutralen Aufwand hinzu
und ziehen den neutralen Ertrag ab.
+AbschreibungenDie Abschreibungen müssen Sie hinzuaddieren.
Denn Sie sind in den Gesamtkosten enthalten,
führen aber nicht zum Geldabfluss. Denn dieses
Geld ist bereits im Rahmen Ihrer Investitionen
bezahlt worden.
operativer CashflowDiese Zahl zeigt Ihnen eine grobe Entwicklung
der Liquidität. Insbesondere bei einer Jahres-BWA
ist diese Zahl eine wertvolle Planungsgröße.

Dieses Schema berücksichtigt also keine Geldzuflüsse durch Eigentümer, Investoren oder durch Verkäufe von Firmenvermögen und keine Geldabflüsse durch Tilgungen von Unternehmensdarlehen, Rückzahlungen an Gesellschafter oder durch Investitionen.

Daher ist die BWA und der daraus abgeleitete operative Cashflow für eine tagesgenaue Berechnung der Liquidität nicht geeignet. Nur mit der Summen- und Saldenliste ist eine exakte Liquiditätsberechnung möglich. Denn die Summen- und Saldenliste zeigt alle Konten einer Unternehmensbuchhaltung und deren Anfangssalden, Endsalden sowie die Kontenbewegungen auf der Soll- und Haben-Seite. Daher können Sie für die exakte Berechnung der Liquidität die entsprechenden Konten aus der Summen- und Saldenliste heranziehen. Wie dies im Detail funktioniert, zeigen wir Ihnen im Abschnitt "SUSA - Summen- und Saldenliste".

Mit dem BWA-Tool eigene Analysen durchführen

Mit unserem BWA-Tool haben Sie einfaches Instrument zur Hand, wenn Sie eigene BWA-Analysen durchführen wollen. Sie bekommen damit Sicherheit im Umgang mit einer BWA und haben damit eine Hilfe für Arbeit an Ihrem Businessplan oder für das Gespräch mit Ihrer Hausbank.

Fazit: Erkenntnisse für das Controlling anhand der Beispiel-BWA

Mit der Beispiel-BWA haben wir Ihnen die BWA als Steuerungsinstrument und ihren Aufbau anschaulich dargestellt. 

So ermöglichen es Ihnen die BWA-Positionen bis zum betrieblichen Rohertrag, die grobe Ertragskraft Ihres Geschäftsmodells einzuschätzen. Der Bereich Gesamtkosten verdeutlicht Ihnen, welchen Aufwand Sie haben, um den betrieblichen Rohertrag zu erwirtschaften und vor allem, welche Kostenpositionen besonders ins Gewicht fallen.

Eine wesentliche Kennzahl ist das EBIT. Anhand des EBITs erkennen Sie, ob Ihr Unternehmen im operativen Geschäft Geld verdient. Das vorläufige Ergebnis zeigt Ihnen, ob Ihr Unternehmen im Verlauf eines Geschäftsjahres Gewinne macht.

Wichtige Kennzahlen beim Lesen und Verstehen einer BWA sind die Kostenquoten. Ganz wichtig dabei die Wareneinsatzquote, die Ihnen die grobe Ertragskraft Ihres Unternehmens verdeutlicht. Kostenquoten wie die Personalkostenquote sind wichtige Vergleichszahlen, insbesondere auch im Branchenvergleich.

Eine exakte Liquiditätsberechnung ist mit der BWA alleine nicht möglich. Im Rahmen einer Jahres-BWA lassen sich aber grobe Rückschlüsse ziehen, ob ein Unternehmen finanzkräftig ist. 

Der Nutzen einer BWA hängt natürlich davon ab, wie schnell Sie eine BWA erhalten. Je schneller Ihr Steuerberater die BWA erstellt, desto schneller können Sie bei Fehlentwicklungen einzelner BWA-Positionen gegensteuern.

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