In der Kultur- und Kreativwirtschaft selbstständig machen

Die Kultur- und Kreativwirtschaft steht den anderen Wirtschaftszweigen in nichts nach. Mit anteilig rund 63 Milliarden Euro an der deutschen Bruttowertschöpfung im Jahr 2012 lag die Kultur- und Kreativwirtschaft sogar vor der Chemischen Industrie und den Energieversorgern.

Innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft glänzt insbesondere der Teilmarkt der Software-/Games-Industrie durch seine Umsätze, die Anzahl der Unternehmen und die Zahl der Erwerbstätigen. Hier erfahren (angehende) Kulturschaffende mehr über das Marktpotenzial.

Die kreative Branche im Überblick

Zu den vielfältigen Produkten und Dienstleistungen der Kultur- und Kreativwirtschaft zählen u.a.:

  • ein Musikalbum, ein Buchcover-Layout, eine Website, ein Theaterstück, Skulpturen, Malereien, Fotografien, ein Film oder auch einfach nur Texte.

Was es also braucht, um hier Fuß zu fassen, sind eine ordentliche Portion Kreativität, handwerkliches bzw. technisches Geschick und ein Gespür für Formen, Farben und Trends. Das Fundament dieser kreativen Branche ist die Gruppe der schöpferisch und gestalterisch begabten Menschen.

Eine schöne Skulptur oder ein spannender Film sind vielleicht nicht so praktisch wie ein Topfkratzschwamm, aber sicherlich nicht weniger wichtig für unsere Gesellschaft. Und weniger dynamisch als die Industrie-Sektoren Automobil, Maschinenbau oder die Chemie ist sie auch nicht. Der Beitrag der Kultur- und Kreativwirtschaft zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung in Deutschland betrug laut BMWi im Jahr 2012 geschätzt rund 63 Milliarden Euro - ein Anteil von 2,4 %. Damit steht die Kultur- und Kreativwirtschaft der Finanzdienstleistungsbranche oder auch der Energieversorgung in nichts nach.

Beitrag zur gesamten Bruttowertschöpfung 2008 bis 2011

Bruttowertschöpfung Kultur- und Kreativwirtschaft(Bildquelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Destatis, 2013; Berechnungen des Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012)

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist besonders durch die Freien Berufe und die Klein(st)betriebe geprägt. Allerdings sind sie überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert und nicht, wie man vermuten mag, im öffentlichen (Museen, Theater, Orchester) oder zivilgesellschaftlichem Sektor (Kunstvereine, Stiftungen) tätig. Stattdessen liegt der Fokus zumeist auf der Schaffung, Produktion, Verteilung und medialen Verbreitung der kreativen Produkte und Dienstleistungen.

Zahlen und Daten zur kreativen Branche

2012 waren laut BMWi über eine Million Kulturschaffende erwerbstätig. Schätzungsweise 247.000 Menschen davon waren in Freien Berufen selbstständig oder gründeten ein Unternehmen und erzielten einen Gesamtumsatz von circa 143 Milliarden Euro. Zusammen mit den geringfügig Beschäftigten arbeiteten hier also insgesamt über 1,6 Millionen Erwerbstätige.

Von 2009 bis 2012 stieg der Umsatz in der Kultur- und Kreativwirtschaft im Schnitt um 2,1 % im Jahr an. Besonders positive Umsatzentwicklungen weisen die Software-/Games-Industrie mit einem jährlichen Plus um 7,4 %, die darstellenden Künste mit Steigerungen von 5,9 % pro Jahr, der Kunstmarkt mit jährlichen Gewinnen von 4,8 %, der Architekturmarkt mit jährlich 4,5 % und die Musikwirtschaft mit einem Wachstum um 3,2 % pro Jahr. Auch im Hinblick auf die Zahl der Unternehmen entwickelte sich die Software-/Games-Industrie vorbildlich. Mit 5,9 % Zuwachs pro Jahr steht sie vor der Designwirtschaft mit 4 % und den darstellenden Künsten mit 3,1 %.

Die Anzahl aller Erwerbstätigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft ist mit einer Wachstumsrate von 2,7 % im Jahr 2012 im Vergleich zu 2011 deutlich stärker gestiegen als in der Gesamtwirtschaft, die lediglich auf ein Wachstum von 1,4 % blickt. Die Zahl der Erwerbstätigen hat natürlich besonders in den Teilmärkten zugenommen, die auch ein vergleichsweise starkes Umsatzwachstum verzeichneten. Das sind erneut die Software-/Games-Industrie, die Designwirtschaft, die darstellenden Künste und der Architekturmarkt.

TIPP

Der Gründerwettbewerb Kultur- und Kreativpiloten Deutschland ist eine Initiative der Bundesregierung und ein bundesweiter Ideenwettbewerb für kreative Köpfe, die selbstständig sind oder die Existenzgründung planen. Zu gewinnen gibt es - neben dem Titel "Kreativpilot" - Erfahrungen, Wissen und Beratung von Experten und Branchenpiloten.

Kulturschaffende Berufe

Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen, wie beispielsweise der Einzelhandel oder das Verarbeitende Gewerbe, ist die Kultur- und Kreativwirtschaft deutlich weiter gefasst und deshalb auch etwas vielfältiger als andere Branchen. Autoren, Filmemacher, Musiker, Schauspieler, Spiele-Entwickler, Masken- und Bühnenbildner, Designer, Moderatoren, Lektoren, Architekten, Fotografen, Journalisten, Maler - sie alle und noch viele weitere Kultur- und Kreativschaffende sind Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft. Genauer gesagt, umfasst die Kultur- und Kreativwirtschaft elf Teilmärkte. Das sind:

  • Musikwirtschaft
  • Buchmarkt
  • Kunstmarkt
  • Filmwirtschaft
  • Rundfunkwirtschaft
  • Markt für darstellende Künste
  • Architekturmarkt
  • Designwirtschaft
  • Pressemarkt
  • Werbemarkt
  • Software-/ Games-Industrie
Teilmärkte der Kultur- und KreativwirtschaftElf Teilmärkte (Bildquelle: Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012, BMWi, 2009a)

Businessplan für die Kultur- und Kreativwirtschaft

Bei der Existenzgründung in der Kultur- und Kreativwirtschaft sollten Sie einen Businessplan erstellen - egal in welchem Bereich Sie sich selbstständig machen möchten. Ein Businessplan hilft Ihnen beim Entwickeln und Ausarbeiten Ihrer Geschäftsidee und ist spätestens beim Finanzierungsgespräch mit dem Bankberater zwingende Voraussetzung.

Über 200 Businessplanbeispiele
Ein Beispiel für den Businessplan können Sie als Grundlage nutzen, um Ihren eigenen, individuellen Businessplan für die Kultur- und Kreativwirtschaft zu erstellen. Unser Partner Formblitz verfügt über 200 Businessplanbeispiele, die alle zum Download angeboten werden.

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft

Potenzielle Kulturschaffende, die sich näher mit ihrer kreativen Branche auseinandersetzen möchten und wissen wollen, welche Teilmärkte exportstark sind oder bisher hohe Umsätze hatten, können ein Blick auf die wichtigsten Kennzahlen zu den Teilmärkten werfen. Die aktuellsten Zahlen sind im Februar 2014 erschienen und beziehen sich auf den Zeitraum 2009 bis 2012.

Pressemarkt als Teilmarkt

Der Pressemarkt erzielte 2012 einen Umsatz von 31,3 Milliarden Euro. Der Anteil von 21,9 % stellt die Umsatzstärke des Pressemarktes unter Beweis. Akteure des Pressemarktes sind selbstständige Journalisten und Pressefotografen, Korrespondenz- und Nachrichtenbüros, Verlage für Adressbücher, Zeitungen und Zeitschriften, Sonstige Verlagswesen (ohne Software) und der Einzelhandel mit Zeitschriften und Zeitungen.

Software- und Games-Industrie als Teilmarkt

Der dynamischste Teilmarkt innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft ist die Software- und Games-Industrie. Der Umsatz stieg um 24 % auf 30,1 Milliarden Euro im Jahr 2012. Dies macht die Software und Games-Industrie nach dem Pressemarkt zum zweitstärksten Teilmarkt der Kultur- und Kreativwirtschaft. Im Zeitraum 2009 bis 2012 stieg die Zahl der Erwerbstätigen um insgesamt 23,1 %. Der Teilmarkt besteht aus Akteuren Computerspiel-Verlage, Webportale, Entwicklung und Programmierung von Internetpräsentationen, Sonstige Softwareentwicklung und Verlegern von sonstiger Software.

Werbemarkt als Teilmarkt

Mit 24,9 Milliarden Euro entspricht der Umsatz des Werbemarktes einem Anteil von 17,4 % des Gesamtumsatzes der Kultur- und Kreativwirtschaft. Das macht den Teilmarkt zusammen mit dem Pressemarkt und der Software- und Games-Industrie zu den umsatzstärksten Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft. Allerdings ist der Werbemarkt nur geringfügig exportorientiert. Der Teilmarkt besteht aus den beiden Wirtschaftszweigen Werbeagenturen/Werbegestaltung sowie Vermarktung und Vermittlung von Werbezeiten/-flächen.

Designwirtschaft als Teilmarkt

Von 2009 bis 2012 entwickelte sich die Zahl der Unternehmen in der Designwirtschaft positiv. 2012 betrug der Umsatz in diesem Teilmarkt schätzungsweise 18,8 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anteil von 13,1 % am gesamten Umsatz der Kultur- und Kreativwirtschaft. Der Export von Schmuck, Gold- und Silberschmiedewaren ist leichter als der Handel mit Dienstleistungen wie Design und Fotografie, die eine starke Kommunikation erfordern. Teilhabende Wirtschaftszweige der Designwirtschaft sind das Industrie- , Produkt- und Modedesign, das Grafik- und Kommunikationsdesign, Interior Design und Raumgestaltung, Büros für Innenarchitektur, Werbegestaltung, Herstellung von Schmuck, Gold-, Silberschmiedewaren und selbstständige Fotografen.

Weitere Teilmärkte sind beispielsweise der Buchmarkt oder auch der Architekturmarkt, aber auch der umsatzschwächste Markt, nämlich der Kunstmarkt, ist Teil der kreativen Wirtschaft.

Buchmarkt als Teilmarkt

Die Anzahl der Unternehmen im Buchmarkt stieg im Zeitraum von 2009 bis 2012 kontinuierlich um 4 % an. Im Jahr 2012 wurde ein Umsatz von 14 Milliarden Euro erreicht, was einem Anteil von circa 10 % des Gesamtumsatzes der Kultur- und Kreativwirtschaft entspricht. Die Exportquote für den Buchmarkt beträgt 8 %. Davon überdurchschnittlich aktiv im Export sind Buchverlage, Antiquariate sowie Buchbindereien mit jeweils mehr als 10 %. Die teilhabenden Wirtschaftszweige beziehen sich auf selbstständige Schriftsteller, selbstständige Übersetzer, Buchverlage, Einzelhandel mit Büchern, Antiquariate und Buchbindereien.

Filmwirtschaft als Teilmarkt

Der Umsatz in der Filmwirtschaft stieg 2012 auf 9,4 Milliarden Euro an und machte 6,5 % des gesamten Umsatzes der Kultur- und Kreativwirtschaft aus. Im selben Jahr waren etwa 60.000 Erwerbstätige und rund 26.500 geringfügig Beschäftigte aktiv. Mit einer Exportquote von nicht einmal 2 % zählt die Filmwirtschaft zu den eher exportschwachen Teilmärkten innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Filmwirtschaft besteht aus sieben Teilbereichen. Das sind erstens selbstständige Bühnen-, Film-, TV-Künstler, zweitens Film-/TV-Produktion, drittens Nachbearbeitung/sonstige Filmtechnik, viertens Filmverleih und -vertrieb, fünftens Kinos, sechstens Einzelhandel mit bespielten Tonträgern und siebtens Videotheken.

Architekturmarkt als Teilmarkt

Im Jahr 2012 erzielte der Architekturmarkt einen geschätzten Umsatz in Höhe von 9,1 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anteil von 6,4 % am gesamten Umsatz der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ebenso wie die Filmwirtschaft ist auch der Architekturmarkt ein exportschwacher Teilmarkt. 2012 waren rund 41.000 Unternehmen aktiv, das sind 16,6 % aller Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Zu den Teilbereichen zählen Architekturbüros für Hochbau, Büros für Innenarchitektur, Architekturbüros für Orts-, Regional- und Landesplanung sowie selbstständige Restauratoren.

Rundfunkwirtschaft als Teilmarkt

Der Umsatz der Rundfunkwirtschaft betrug mit 7,3 Milliarden Euro im Jahr 2012 und damit etwa 1,4 % des gesamten Umsatzes in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Knapp 2.500 Beschäftigte zählte dieser Bereich, dies entspricht einem Anteil von 0,6 %. Die Rundfunkwirtschaft besteht aus selbstständigen Journalisten und Pressefotografen, Hörfunkveranstaltern und Fernsehveranstaltern.

Musikwirtschaft als Teilmarkt

Schätzungsweise rund 14.000 Unternehmen waren im Jahr 2012 aktiv. Gemeinsam erzielten sie einen Umsatz in Höhe von 6,9 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anteil von 4,8 % des gesamten Umsatzes der Kultur- und Kreativwirtschaft. Auch die Musikwirtschaft ist unterteilt - in ebenfalls elf Teilbereiche. Das sind selbstständige Musiker, Musik-/Tanzensembles, Tonstudios, Tonträgerverlage, Musikverlage, Theater-/Konzertveranstalter, Private Musical-/Theaterhäuser, Konzerthäuser, Erbringung von Dienstleistungen für die darstellende Kunst, Einzelhandel mit Musikinstrumenten, Einzelhandel mit bespielten Tonträgern und Herstellung von Musikinstrumenten.

Darstellende Künste als Teilmarkt

Seit 2009 zeichnete sich der Markt für darstellende Künste durch seine besondere dynamische Entwicklung aus. Am deutlichsten ist der Umsatz gestiegen, nämlich um circa 19 % auf 3,9 Milliarden Euro im Jahr 2012. Dies entsprach einem Anteil von 2,8 % am Gesamtumsatz der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg um 9,3 % auf über 35.000 Beschäftigte 2012 an. Die darstellende Künste unterteilen sich auf selbstständige Bühnen-, Film-, TV-Künstler, selbstständige Artisten und Zirkusbetriebe, Theaterensembles, Theater- und Konzertveranstalter, private Musical-/Theaterhäuser und Konzerthäuser, Varietés und Kleinkunstbühnen, Erbringung von Dienstleistungen für die darstellende Kunst sowie Kulturunterricht und Tanzschulen.

Kunstmarkt als Teilmarkt

Im Kunstmarkt konnte sich der Umsatz von 2009 bis 2012 um insgesamt 15 % steigern. 2012 wurden hier schätzungsweise rund 2,5 Milliarden Euro erzielt. Das sind 1,7 % des Gesamtumsatzes der Kultur- und Kreativwirtschaft. Das macht den Kunstmarkt zu einem der kleinsten Teilmärkte. Mit einer Exportquote im Zeitraum 2009 bis 2011 zwischen 8,6 und 10,3 % ist der Kunstmarkt allerdings gleichzeitig auch einer der exportstärksten Teilmärkte in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Teilbereiche sind selbstständige bildende Künstler, Einzelhandel mit Kunstgegenständen, Museumsshops und Einzelhandel mit Antiquitäten.

TIPP

Alle Zahlen, Daten und Fakten basieren auf dem vom BMWi herausgegebenen „Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012″.

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