Hochbegabung „salonfähig“ machen – Gründerin räumt mit Vorurteilen auf



Vorurteile gibt es leider viel zu oft, sie können sich gegen jede Bevölkerungsgruppe richten. Davon betroffen sind auch Hochbegabte, weiß unIQate-Gründerin Nicole Gerecht. Was sie mit ihrem frisch gegründeten Unternehmen dagegen tun möchte, weshalb sie sich zunächst ausschließlich auf hochbegabte Frauen fokussiert und wie sie auf das Thema überhaupt aufmerksam wurde, erfahrt ihr in dieser Gründerstory.

GründerDaily: Hallo Nicole. unIQate ist eine Plattform für Hochbegabte. Was darf man sich darunter vorstellen?

Nicole von unIQate: unIQate bringt Hochbegabte, Unternehmen und Themenexpertinnen und -experten nachhaltig zusammen. Für jede dieser drei Säulen bieten wir zugeschnittene Angebote, die schlussendlich aber wieder Hand in Hand gehen. Unser Ziel: Hochbegabung muss ‚salonfähig‘ werden – unbedingt auch am Arbeitsplatz, denn sie birgt ein absolut ungenutztes Potenzial – gesellschaftlich als auch wirtschaftlich.

unIQate; Nicole Gerecht
Hochbegabte haben im Beruf und Alltag mit Vorurteilen zu kämpfen. Das möchte unIQate-Gründerin Nicole Gerecht ändern. (Foto: Josepfine Neubert/ unIQate)

Statistisch gibt es mehr Hochbegabte als Ärzte in Deutschland. Leider fahren viele lieber mit angezogener Handbremse, als sich zu outen, da das Thema noch immer Befangenheit oder Vorurteile auslöst. Mit unIQate machen wir das Thema erstmals wirklich sichtbar und klären auf, stehen beratend zur Seite und vermitteln – für sämtliche Marktteilnehmer im Themenfeld.

GründerDaily: Unter anderem vermittelt ihr hochbegabte Frauen an Unternehmen. Versteht ihr euch insofern als eine Art spezialisiertes Jobportal?

Nicole von unIQate: In gewisser Weise ja. Unternehmen können sich als „Partnerunternehmen“ zertifizieren lassen, das heißt sie durchlaufen ein Seminar, das Basiswissen über „Hochbegabung am Arbeitsplatz und im Alltag“ vermittelt. Hierdurch signalisieren Unternehmen, dass sie ein Bewusstsein für die Thematik schaffen möchten und sind anders auf das Recruiting und schlussendlich Beschäftigen hochbegabter Erwachsener vorbereitet. Zusammen mit unIQate können dann Stellenangebote auf der Plattform eingestellt werden.

GründerDaily: Derzeit richtet sich euer Angebot ausschließlich an Frauen. Warum?

Nicole von unIQate: Durch meinen eigenen Werdegang ist es ausschließlich mit Frauen gestartet. Aber da ich schnell merkte, dass es hier tatsächlich Nachholbedarf gibt, blieb es vorerst so. Es werden deutlich weniger Frauen als hochbegabt identifiziert. Das Verhältnis ist drei zu eins, obwohl die Verteilung nahezu 50:50 ist. Die große Stärke der Anpassungsfähigkeit wird hier vielen von uns zum Verhängnis. Und das vermittelte Bild über Hochbegabung ist meist doch das „männliche Mathegenie“. Künftig werden wir aber auf „kooperieren, statt separieren“ setzen; die geschützten Bereiche – digital als auch offline – wird es aber nach wie vor für Frauen geben.

GründerDaily: Wie kam die Idee zu unIQate zustande?

Nicole von unIQate: Tatsächlich müsste ich hier sehr ausholen und persönlich werden. Die Kurzfassung ist, dass ich mich selbst erst durch eine Begegnung 2017 bei einer Begabungsdiagnostikerin testen ließ. Das Thema Hochbegabung hätte mir ferner nicht sein können, dabei bediente ich alle Klassiker: vom ständigen Gefühl des Andeeins, Leistungsdrosselung, um nicht anzuecken, und dem daraus entstehenden Gefühl des Unglücklichseins – man steht nicht zu sich.

unIQate
unIQate will Hochbegabte, Unternehmen und Experten zusammenbringen – und so bislang verstecktes Potenzial fördern. (Foto: unIQate)

Aber ab dem Moment, in dem ich das Ergebnis in den Händen hielt, wollte ich etwas schaffen, das ich selbst gebraucht hätte – denn in dem Moment fragte ich mich, wie viele da draußen immer noch mit sich hadern, weil sie gar nicht wissen, dass sie „einfach nur hochbegabt“ sind. Nun kenne ich die Zahlen und stehe noch überzeugter hinter der Mission und Vision von unIQate.

GründerDaily: Die unIQate GmbH führte bis vor kurzem noch offiziell den Anhang „in Gründung“ an. Kannst du unseren gründungsinteressierten Lesern kurz den Ablauf einer GmbH-Gründung erklären?

Nicole von unIQate:

Der Ablauf ist natürlich hochgradig bürokratisch und blockiert sich vielerorts selbst – Geduld ist eine Tugend.

Nachdem man auch unter dem Sofa nach dem letzten Rest für das Stammkapital geschaut hat, geht es zum Notar. Das Firmenkonto sollte man derweil auch schon in petto haben, denn dort wird das Stammkapital eingezahlt, um den Vorgang voranzutreiben, erst dann geht es zum Handelsregister. Das Finanzamt meldet sich derweil und man widmet sich der steuerlichen Erfassung, um seine Steuernummer zu erhalten; die zweite Nummer, ohne die nix läuft. Gewerbeamt nicht vergessen. Wer bis hierhin gekommen ist, ist aus dem Gröbsten heraus. Habe ich „Geduld“ schon erwähnt?

GründerDaily: Wo wir gerade bei der Gründung sind: Welche sonstigen Herausforderungen kamen dabei bislang auf dich zu?

Nicole von unIQate: Nun, ich bin Solo-Gründerin, was viel Kraft zieht, aber auch Vorteile birgt, die für mich überwiegen. Ansonsten empfand ich bisher vieles als lästig, aber bisher nichts unüberwindlich. Persönlich habe ich ja ein Faible für das Problemlösen und ich weiß, wofür ich hier kämpfe: das motiviert!

GründerDaily: Um an unIQate teilhaben zu können, muss man nachgewiesenermaßen hochbegabt sein. Aber wie du bereits angemerkt hast, lassen sich gerade viele Frauen nie testen. Wie erreicht ihr eure Zielgruppe im Allgemeinen und ergreift ihr spezielle Maßnahmen, um Personen anzusprechen, die noch nicht getestet sind?

Nicole von unIQate: Ja, Aufklärungskampagnen rund um die Mythen von Hochbegabung werden zentral sein. Aber auch Anlaufstellen für Eltern hochbegabter Kinder sind wichtige Quellen für uns. Viele erkennen sich plötzlich im eigenen, hochbegabt getesteten Kind wieder – hier können wir Hand in Hand arbeiten.

Außerdem werden wir einen begleiteten Intelligenztest online verfügbar machen, womit die Hemmschwelle gesenkt werden soll. Durch die direkte Zusammenarbeit mit Unternehmen, gewinnen wir natürlich auch zusätzliche Multiplikatoren.

GründerDaily: Frauen sind in der deutschen Gründerszene noch immer deutlich in der Minderzahl. Woran liegt das deines Erachtens und welche Tipps kannst du angehenden Gründerinnen mitgeben?

Nicole von unIQate: Über mögliche Gründe wird ja glücklicherweise zunehmend gesprochen. Das ist gut so, das schafft Bewusstsein. Die Gründerszene ist natürlich noch immer ein „Boys-Club“, obwohl immer mehr Frauen gründen. Umso wichtiger ist das Vernetzen untereinander – für Gedankensparrings, kraftlos sein und wieder Mut finden.

Letztendlich sind für mich Motivation, Mut und Neugierde die zentralen Werte, die unbedingt vorhanden sein sollten.

GründerDaily: Vielen Dank, Nicole. Wir wünschen viel Erfolg beim weiteren Aufbau deines Unternehmens.

Keyfacts über unIQate GmbH

  • Gegründet im Jahr: 2019
  • Firmensitz in: München
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 14 Personen
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch/über: Die drei F – Friends, Family and Fouls. Aber auch über eine stille Beteiligung in Bayern.
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Das Netzwerk, das bereits durch unIQate entstanden ist.
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für mich/ uns folgende:
    • Tools: Google Analytics, Trello, Canva
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