Female + CEO: passt perfekt, aber wie steht’s um die Gleichberechtigung?



Gründerinnen sammeln weniger Geld von Investoren ein, ihre Unternehmensbewertungen sind deutlich niedriger als die von Männern und Start-up-Teams sind generell eher männlicher geprägt. Das gilt für die USA, wenn man einer Studie der amerikanischen Nachrichten-Seite Quartz traut, die über 350 Top-US-Start-ups analysiert hat. Wir haben mit inspirierenden Gründerinnen in Deutschland gesprochen: über Hürden, Vorurteile und Mut.

„The American Dream“ – der amerikanische Traum: im Zeitalter der Start-ups wird dieser in den USA auch im Silicon Valley ausgelebt. Sein eigenes Ding machen und zwar ganz groß – und ganz männlich. Die mit Blick auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Drei Kernergebnisse sind:

  • Venture Capital: im Median 50,4 Mio. Dollar für Frauen vs. 226 Mio. Dollar für Männer
  • Unternehmensbewertungen: durchschnittlich 65,5, Mio. Dollar für Frauen vs. 400,4 Mio. Dollar für Männer
  • Männer, die in Teams gründen, gründen zu 87% ausschließlich mit anderen Männern. Frauen, die in Teams gründen nur zu 31% in reinen Frauenteams.

Zudem geht hervor, dass Gründerinnen deutlich weniger direkt im Silicon Valley agieren als Männer. Wir haben die relativ eindeutigen Ergebnisse der Studie als Anlass genommen, um mit inspirierenden Gründerinnen aus Deutschland über ihre Hürden, Erfahrungen und Tipps zu sprechen.

Welche Hürden haben Gründerinnen zu meistern?

hejhej-mats Gründerinnen
Anna Souvignier und Sophie Zepnik sind die Gründerinnen von hejhej-mats (Bild: Christin Schwarzer Photography)

Anna Souvignier und Sophie Zepnik, die Gründerinnen der nachhaltigen Yogamatten , erzählten uns, dass sie während des Gründungsprozesses bereits Unterschiede zwischen Gründern und Gründerinnen feststellten:

Wir haben eine Zeit lang an einigen Start-up-Wettbewerben teilgenommen. Hier haben wir immer wieder erleben müssen, dass man es als Gründerinnen-Team sehr schwer hat – vor allem, wenn der komplette Wettbewerb männlich dominiert ist. 

Dabei betonten sie insbesondere, dass sie sich im Pitch und in den Gesprächen immer wieder für das Thema Yoga und Nachhaltigkeit rechtfertigen mussten:

Manchmal nicht wirklich ernst genommen. Die männlich dominierte Jury konnte mit unserer Idee oft einfach nichts anfangen.

Den Mut würden die Gründerinnen deswegen aber niemals aufgeben, viel mehr sind sie überzeugt davon, dass man an sich und seine Idee glauben muss – trotz Zweifeln und negativem Feedback: „Manche Kritik darf man dann einfach nicht zu nah an sich ranlassen. Man muss auch trotz Rückschlägen weitermachen. Wir haben beispielsweise bei keinen dieser Wettbewerbe gewonnen, selbstverständlich trotzdem weitergemacht.“

Norma Demuro vom E-Learning-Softwareanbieter erinnert sich an ihre Gründung im Jahr 2014 zurück. Auch wenn sie betont, dass sie sich nicht sicher ist, ob das nur für Female Founders typisch ist, sagte sie uns:

Der Weg bis zur Entscheidung die Festanstellung zu kündigen und mein eigenes Unternehmen zu gründen, hat sich bei mir länger hingezogen.

Rückblickend würde sie viel früher Kontakt zu anderen Gründern und Unternehmern aufnehmen, um all die Fragen und Zweifel, die sie zu diesem Zeitpunkt hatte, früher zu klären.

Sind Männer selbstbewusster? Risikobereiter? Mutiger? Maxi Knust, Herausgeberin des , das 30 authentische Gründerinnen-Storys zeigt und Tipps für ein erfolgreiches Frauen-Business gibt, sagt, das Wichtigste sei – egal ob als Gründer oder Gründerin – einfach zu machen. Die größte Hürde im Gründungsprozess ist ihrer Meinung nach, alles genau planen zu wollen und bis ins kleinste Detail zu überdenken: „Dann wird man schnell unsicher und legt seine Gründungsidee doch erstmal wieder in die Schublade. Es gilt, gerade zu Beginn der Selbstständigkeit mutig zu sein und an sich und seine Idee zu glauben. Der Rest findet sich dann auf dem Weg.“

Maxi Knust Fempreneur
Maxi Knust ist Gründerin und Herausgeberin des Female Founder Books (Foto: Fempreneur)

Sie selbst habe keine typischen Vorurteile während ihrer Gründung erlebt und kann nur empfehlen, so gut es geht, man selbst zu sein. Gründerinnen sollten darauf vertrauen, dass sie die richtigen Menschen und potenziellen Kunden und Geschäftspartner damit anziehen:

Ihr solltet euch bewusst machen, dass, wenn ihr auf Vorurteile trefft, es mehr über den Menschen aussagt, der diese äußert. Nehmt die alten Denkmuster mancher Mitmenschen nicht persönlich!

Haben es Männer leichter bei der Gründung als Frauen?

Die Gründerinnen von hejhej-mats sagten uns, dass sie es so empfinden, dass es viele Situationen gibt, in denen es Männer leichter haben als Frauen:

Man muss sich einfach öfter rechtfertigen, wird manchmal nicht ernst genommen und etwas belächelt – das ist total schade. 

Maxi Knust findet „ja und nein“: „Zum einen haben Start-up-Gründer, egal welchen Geschlechts, sehr ähnliche Herausforderungen, wenn es darum geht, ein Unternehmen aufzubauen. Allerdings gibt es noch immer auch strukturelle Hürden und Herausforderungen, die besonders Frauen betreffen. Sei es, dass ca. 95% der Risikokapitalgeber männlich sind und Geschäftsideen von Frauen weniger Venture Capital erhalten. Und wer ein Start-up einmal gegründet hat, weiß, wie wichtig das Thema Finanzierung für ein junges Unternehmen ist.“

Außerdem betonte sie das Thema Mutterschaft und die damit verbundene Work-Family-Life Balance, die eine viel größere Herausforderung darstelle. Norma Demuro, die sich parallel zu ihrer Gründung in der Schwangerschaft befand, beweist: Gründen und Kind – das geht!

Den absolut richtigen oder falschen Zeitpunkt für ein Kind gibt es nicht. Aber natürlich war Mutter werden im Gründungsjahr mit noch größeren Herausforderungen und teils auch Ängsten verbunden, die man ohnehin hat: als Gründerin und als Mama.

Norma Demuro von keeunit
Norma Demuro ist die Gründerin von keeunit und Mompreneur (Foto: keeunit)

Außerdem sagte sie uns, dass die Unterstützung von Familie und Freunden und eine gute Kita-Betreuung unabdingbar sind in dieser Zeit. Sie selbst hatte in diesem Punkt viel Glück. Dennoch bedeutet das, dass ihr Arbeitstag etwas anders aussieht: „Die Tage im Büro enden meist nachmittags. Dann ist Mama-Sohn-Zeit. Das bedeutet aber, abends den Rechner nochmals anzuwerfen. Für mich ist das allerdings überhaupt kein Problem, denn die Arbeit am Unternehmen macht mir so großen Spaß, dass ich das nicht als Arbeit empfinde.“

Zugleich betont die Gründerin aber auch:

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf  ist nicht nur ein Mütter-Thema, sondern vielmehr ein Eltern-Thema.

Auch männliche Gründer sollten in diesem Punkt also umdenken: „Was mir hilft, ist Arbeit und Familienzeit zu trennen: Mütter haben ohnehin oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie Job und Familie perfekt ausbalancieren wollen. Ich bin dann ganz bei der Arbeit, wenn ich im Büro bin und umgekehrt, ganz bei meinem Sohn, wenn wir zusammen sind. Zwischen Tür und Angel zu arbeiten, solltet ihr erst gar nicht versuchen.“

Einen wirklichen Nachteil gegenüber Männern sieht sie aber nicht. Schließlich müssen beide durch dieselben Prozesse durch:

Vielleicht liegt es daran, dass Männer risikobereiter sind als Frauen und daher öfters gründen. Ein wenig Mut braucht es schlussendlich doch.

Sie betont außerdem, dass auch Frauen sehr erfolgreich sein können, weil sie ein kalkuliertes Risiko eingehen können:

Viel entscheidender als das Geschlecht ist meines Erachtens die Tatsache, ob man Lust auf unternehmerisches Handeln hat.

Fazit: Es braucht Vorbilder, Mut, Selbstbewusstsein…

Was braucht es also, damit die Anzahl an Gründerinnen größer wird? Maxi Knust meint: Vorbilder!

Frauen fehlt es oftmals an authentischen Vorbildern, die zeigen, dass es möglich ist, Unternehmerin und Mutter zu sein.

Norma Demuro betont den Mut und das Selbstbewusstsein – aber auch die vielen Unterstützungsmöglichkeiten. Sie rät anderen Gründerinnen:

Habt den Mut und das Selbstbewusstsein, eure Idee in die Geschäftswelt hinauszutragen. Sucht euch Unterstützung für all die Fragen, die sich auftun. Und es werden sich viele Fragen auftun. Akzeptiert, dass Fehler passieren werden, weil ihr viele Dinge zum ersten Mal macht. Freut euch, dass ihr als erfolgreiche Gründerin ein Unternehmen aufbauen und gestalten könnt.

Und die Gründerinnen von hejhej-mats ergänzen:

Macht gerade erst recht weiter, auch wenn ihr negative Erfahrungen macht oder wenn es Herausforderungen gibt. Wenn man selbst zu 100% an seine Idee glaubt, schafft man es früher oder später alle anderen davon zu überzeugen – egal ob Frau oder Mann.

Mehr Gründerinnen im GründerDaily

Lernt mehr inspirierende Gründerinnen in unserem GründerDaily kennen: vier Geschäftsideen von Female Founders auf einen Blick findet ihr hier. Die Gründerin von Wildling Shoes ist Quereinsteigerin und dreifache Mutter. Sologründerin Marina Lommel machte sich mit „der Ernährungsberatung der Zukunft“ selbstständig. Die Deutsche Marie Kondo – also eine wahre Aufräumkünstlerin – ist Sabine Nietmann. Auch unter unseren Top 50 Start-ups des Jahres 2018 oder im Female Founders Book von Maxi Knust finden sich weitere spannende Gründergeschichten von starken Frauen.