Improvise. Adapt. Overcome: Wie aus Eigenbedarf ein Start-up wurde



Eigentlich entwickelte Benedikt Sauter Xentral nur für den eigenen Gebrauch. Mittlerweile sind er und Ehefrau Claudia mit dem ERP-System auf Erfolgskurs. Wie es zu diesem Umschwung kam, warum das Gründerehepaar anfangs Star-Investor Frank Thelen links liegen ließ und wohin die Reise in Zukunft gehen soll, erfahrt ihr in dieser Gründerstory.

GründerDaily: Hallo Benedikt, erkläre doch bitte den Nicht-Informatikern unter uns, was Xentral ist.

Benedikt von Xentral: Xentral ist ein Warenwirtschaftssystem, in der Fachsprache auch ERP – Enterprise Ressource Planning – genannt. Im ERP-System laufen alle Geschäftsprozesse in einem Tool zusammen. Der Gründer erhält einen Echtzeitüberblick über die Daten und die Performance des Unternehmens. Zum Beispiel werden alle Aufträge, Bestellungen, Lagerbestände, Arbeitszeiten der Mitarbeiter und Verkäufe über den eigenen Shop und weitere Marktplätze erfasst.

GründerDaily: Was zeichnet eure Lösung im Gegensatz zu alternativen ERP-Systemen aus?

Benedikt von Xentral: Die Flexibilität. Xentral wächst mit den Anforderungen des Unternehmens mit. Die Grundversion enthält alle wichtigen Abläufe wie Buchhaltung, Wareneingang, Warenausgang und Co. Alle Funktionen, die über das Basispaket hinaus benötigt werden, können unsere Kunden mit nur wenigen Klicks über den Xentral-App-Store installieren.

Xentral
Das Warenwirtschaftssystem Xentral entwickelte Benedikt Sauter eigentlich aus Eigenbedarf. (Foto: Xentral)

Wir bieten aktuell über 150 Module und Schnittstellen zu allen gängigen Online-Shop-Systemen, Zahlungsanbietern, Versanddienstleistern, Marktplätzen und Co. Unser Entwickler-Team arbeitet kontinuierlich an neuen Modulen.

GründerDaily: Du hast Xentral mit deiner Frau Claudia 2015 gegründet. Davor wart ihr jedoch auch bereits selbstständig, mit der embedded projects GmbH. Was hat euch dazu veranlasst, das Geschäftsfeld zu wechseln?

Benedikt von Xentral: Wir haben uns 2008 im Hardware-Bereich selbstständig gemacht und selber Mikrocontroller-Platinen produziert, die wir über einen eigenen Online-Shop verkauft haben. Mit steigenden Kunden ist auch der Verwaltungsaufwand gewachsen und wir haben nach einem ERP-System gesucht, das auf Linux läuft und flexibel erweitert werden kann. Als wir nach langer Suche kein geeignetes System gefunden haben, habe ich ein eigenes Warenwirtschaftssystem programmiert.

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Gründerehepaar Claudia und Benedikt Sauter mit Investor Frank Thelen (M.). (Foto: Xentral)

Ein paar Kunden wurden darauf aufmerksam und wollten die Software auch für ihre Zwecke nutzen. Aus ein paar Kunden wurden viele und wir haben 2015 das ERP-System besser verkauft wie die Hardware – rein über Weiterempfehlungen, ohne jegliches Marketing. Wir haben uns dann dafür entschieden, die Hardware-Produktion einzustellen und uns voll und ganz auf die Software-Entwicklung zu konzentrieren.

GründerDaily: Stelle dich und Claudia doch unseren Lesern kurz vor. Wessen Idee war es, euch selbstständig zu machen?

Benedikt von Xentral: Meine Frau Claudia und ich haben zusammen gegründet.

Zwei Wochen Festanstellung sind meine Bilanz. Ich habe gleich gemerkt, dass ich mein eigener Chef sein möchte.

Darum haben wir uns entschieden, die Produktion gemeinsam hochzuziehen. Aus heutiger Sicht die beste Entscheidung. Kaum zu glauben, dass wir nun mit 35 Mitarbeitern in der Augsburger Innenstadt sitzen, ein ERP-System entwickelt haben und gerade an der Expansion arbeiten.

GründerDaily: Für die kommenden Jahre habt ihr große Ambitionen. Nicht zuletzt deshalb, weil Freigeist Capital mittlerweile Teil von Xentral ist. Was hat sich dadurch bei euch geändert?

Benedikt von Xentral: Wir waren von Anfang an komplett eigenfinanziert und haben dann Ende 2017 ein Angebot von Freigeist Capital erhalten. Der CTO, Alex Koch, wurde auf uns aufmerksam, da einige Food-Startups, in die Frank Thelen investiert hat, zu unseren Kunden gehören.

Wir haben damals an vier Großprojekten gearbeitet und hatten einfach keine Zeit, um uns mit Investoren zu beschäftigen. Abgesehen davon haben wir keine finanzielle Unterstützung gebraucht.

Frank hat aber nicht locker gelassen und 2018 noch mal bei uns angeklopft. Er hat uns dann damit überzeugt, dass er ein starkes Netzwerk hat und uns mit dem Know-How von Freigeist Capital bei der Expansion unterstützen kann. Das hat uns überzeugt. Was uns dann wirklich überrascht hat: Es ging direkt los. Wir haben den Namen geändert, davor hießen wir WaWision, sind in ein neues Office gezogen, haben 20 neue Mitarbeiter eingestellt und arbeiten gemeinsam mit Freigeist Capital an den nächsten Schritten. Es ist super, so einen starken Partner mit Hands-on-Mentalität mit im Boot zu haben.

GründerDaily: Erzähle uns doch ein bisschen mehr über den raschen Mitarbeiterzuwachs und das neue Office. Wie wirkt sich sowas auf das Arbeitsklima und die Zusammenarbeit aus?

Benedikt von Xentral: Wir mussten viele neue Prozesse implementieren und unsere Organisationsstruktur neu festlegen. Claudia und ich waren bis letztes Jahr in fast alle Projekte und Prozesse involviert. Das ist jetzt nicht mehr möglich und nicht nur für uns, sondern auch für das Team eine Umstellung. Wir sind gerade dabei, für die verschiedenen Bereiche Professionals einzustellen, die Teams aufbauen und lenken. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Darum ist es gerade eine sehr spannende Zeit für uns.

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Eigentlich war das Xentral-Gründerehepaar Sauter gar nicht auf der Suche nach einem Investor. (Foto: Xentral)

Das Arbeitsklima hat sich durch unser neues Büro verbessert. Wir haben nun genug Platz und auch Rückzugsorte, wo man sich auch mal in Ruhe austauschen kann und so noch besser zusammenwächst.

GründerDaily: Euer erklärtes Ziel ist es, in den kommenden Jahren zunächst den europäischen, dann den internationalen Markt anzugreifen. Kannst du uns schon Genaueres zu diesen Plänen berichten?

Benedikt von Xentral: Bei uns ist nicht nur die Herausforderung, die Seite auf verschiedene Sprachen zu übersetzen und dann das Marketing im jeweiligen Land hochzufahren. Sondern alle Währungen, Steuern und gesetzlichen Vorschriften für das jeweilige Land müssen im ERP-System passen. Das heißt, es steckt auch ein enormer Entwicklungsaufwand dahinter. Österreich und Schweiz decken wir bereits sehr gut ab, aktuell arbeiten wir an der englischen Version für UK.

GründerDaily: Zum Abschluss: Als erfolgreicher Doppelgründer, was kannst du unseren Lesern für den Sprung in die Selbstständigkeit mitgeben?

Benedikt von Xentral: Seine Ressourcen richtig einsetzen – das gilt für die persönlichen als auch die finanziellen Mittel.

Unser Erfolgsrezept war es, dass wir ein eigenes Problem gelöst und dieses Vorhaben selbst finanziert haben.

Dadurch waren wir unabhängig, mussten aber auch ganz genau darauf achten, die Ausgaben so gering wie möglich zu halten, um profitabel zu werden.

Das allerwichtigste ist aber der Kunde. Der hat oberste Priorität – vor irgendwelchen Messen, Events oder Pitches. Denn im Endeffekt kann man nur erfolgreich sein, wenn die Kunden zufrieden sind.

Es gibt kein stärkeres Marketing-Tool als eine Weiterempfehlung.

 GründerDaily: Benedikt, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!

Keyfacts über Xentral ERP Software GmbH

  • Gegründet im Jahr: 2015
  • Firmensitz in: Augsburg
  • Unser aktuelles Team besteht aus: Gründer Claudia und Benedikt Sauter, 35 Mitarbeiter
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch/über: Frank Thelen/Freigeist Capital
  • Besonders geholfen haben uns bisher: Unser Team
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für uns folgende:
    • Menschen: Team
    • Tools: Xentral, Slack, Google Drive
    • Internetseiten: Gründerseiten, aber auch IT-Medien wie t3n
  • Kontakt

  • Benedikt Sauter
  • Xentral ERP Software GmbH
    Fuggerstraße 11
    86150 Augsburg
  • +49 821 268 41 0 40
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