AKK, Merz, Spahn: Nach CDU-Parteitag Neuanfang in der Start-up-Szene?



Die Karriere noch einmal richtig umschmeißen und etwas ganz anderes machen – davon träumen viele Menschen einmal. Nach dem CDU-Parteitag könnte für zwei der drei Kandidaten für den Parteivorsitz der Zeitpunkt gekommen sein. Warum nach der Politik kein Neuanfang in der Start-up-Szene? Ein paar Vorschläge, in welchen Start-ups die Verlierer der Wahl eine neue Karriere beginnen könnten.

Heute beginnt der CDU-Parteitag, auf dem ein neuer Parteivorsitz gewählt wird. Die Kandidaten Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz haben schon angekündigt, dass sie bei einer Niederlage die Politik verlassen werden. Aber was macht man nach einer Karriere in der Politik? Die ehemalige Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries von der SPD hat es gerade vorgemacht und . Und auch Jens Spahn hat schon Interesse an der Start-up-Szene gezeigt. Wir schlagen vor, wie die aktuellen Kandidaten ihre Expertise in der Gründerwelt einsetzen könnten.

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Von der Politik in die Start-up-Szene: Falls es mit dem CDU-Parteivorsitz nicht klappt, könnten Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn einen Neuanfang wagen. (Foto: Piktochart)

Jens Spahn: Zweiter Versuch im eHealth-Bereich?

Als Jens Spahn das erste Mal in ein Start-up investierte, nannte er die Geschäftsidee „pfiffig“. Es handelte sich um das Start-up Pareton, das mit der App Taxbutler seinen Nutzern helfen wollte, online ihre Lohnsteuererklärung zu machen. Doch nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne, in der 300.000 Euro eingesammelt wurden, kam eine zweite Finanzierungsrunde nicht zustande. Ohne den Zufluss von weiterem Geld musste das Jungunternehmen diesen Sommer Insolvenz anmelden.

Scheitern ist in der Start-up-Welt nichts Ungewöhnliches. Ein zweiter Versuch könnte für Spahn deshalb immer noch eine gute Idee sein. In der CDU ist Spahn der „Junge“. Mit 38 Jahren sei er sogar zu jung für den Parteivorsitz, sagen viele. In der Start-up-Szene hingegen befindet sich Spahn im oberen Mittelfeld. Denn mittlerweile sind auch immer mehr Menschen zwischen 40 und 50 Jahren in der Gründerszene unterwegs. Sorgen um sein Alter braucht er sich dort also erst mal nicht machen.

Da es mit dem Start-up für die Steuererklärung nicht geklappt hat, sollte Spahn sich vielleicht auf seine Expertise und Visionen im Bereich Gesundheit konzentrieren. In der Pflege gibt es gute Ansätze, mit Hilfe von Robotern und Liften die körperliche Arbeit von Pflegekräften zu reduzieren. Das Start-up bietet ein e-Learning-Programm für Angehörige und ehrenamtlich Pflegende. Und beschäftigt sich mit einem Mobilitätstest zur Sturzvermeidung von Senioren. Vor dem Hintergrund, dass die deutsche Bevölkerung immer älter wird, könnte sich hier mehr Potenzial verbergen. Zudem möchte Jens Spahn doch so gerne die Pflege digitalisieren. Wäre das nicht Ihr Traumjob, Herr Spahn?

Wenn der jetzige Gesundheitsminister dann in 25 Jahren den einen oder anderen Exit hinter sich hat und ein kleines Vermögen angehäuft hat, kann er sicher wieder ins Rampenlicht bei der CDU zurückkehren. In der Partei hat man mit 60+ (und als Millionär) gute Chancen für eine politische Karriere, wie auch sein Gegenkandidat Merz jetzt beweist.

Friedrich Merz: Ab ins Fintech?

Friedrich Merz ist ein beliebter und doch umstrittener Kandidat. Er ist sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft stark vernetzt und hat in beiden Bereichen gearbeitet. So war er lange Abgeordneter im Bundestag und fungierte zwischen 2000 und 2002 als Vorsitzender der Unionsfraktion. 2004 verabschiedete sich Merz aus der Politik und war unter anderem für Rechtsanwaltskanzleien, Vermögensverwalter, Banken und Immobiliengesellschaften tätig – meist als Aufsichtsrat.

Der erneute Wechsel in die Wirtschaft dürfte Merz im Fall einer Niederlage beim Parteitag gemäß seiner Historie nicht schwerfallen. Umso schwieriger dürfte es für Merz sein, sich mit der Start-up-Kultur von flachen Hierarchien zu arrangieren, gilt er doch laut Interviews mit seinen (damaligen) CDU-Kollegen . Seine Kompetenzen im Bereich Finanzen prädestinieren ihn aber regelrecht für eine Karriere in einem Fintech. Das Start-up würde sich hier beispielsweise anbieten.

Das Jungunternehmen will die „private Finanzplanung“ für seine Nutzer transparenter machen. Informationen über Familieneinkünfte, Altersvorsorge, Versicherungen und Co. werden in die Plattform eingespeist, die dem Nutzer dann Hinweise gibt, wie er sich besser absichern kann. Dies dann noch mit einem Robo-Advisor in Verbindung gebracht, und der Altersvorsorge auf Aktienbasis steht nichts mehr im Wege – oder Herr Merz?

Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK): von Mutti zu Muttis

Annegret Kramp-Karrenbauer war nach eigenen Aussagen früher eher eine Streberin, die nie die Schule geschwänzt hat. Hebamme und Lehrerin standen damals auf ihrer Berufswunschliste, doch dann entdeckte sie ihre Liebe für die Politik und die CDU.

AKK, wie sie mittlerweile auch genannt wird, war zwölf Jahre lang Ministerin im Saarland, arbeitete in den Ressorts Inneres, Bildung sowie Arbeit und Familie. Als dreifache Mutter musste sie ihre Karriere nie zurückstecken, da sich ihr Mann in erster Linie um die Kinder kümmerte. Ihre traditionelle Rolle als Mutter kam wieder hervor, wenn sie zuhause wirklich gebraucht wurde und für ihre Familie alles stehen und liegen ließ, wie sie der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in einem Interview sagte. Wäre sie Unternehmerin, würde man sie glatt Mompreneur nennen können.

Mit ihrer Neigung zu sozialen Themen wie der Familie und ihrem frühen Wunsch, Hebamme zu werden, sollte sich AKK bei einem Start-up wie oder bewerben. Diese Jungunternehmen versuchen jungen Eltern online oder per Telefon mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Mit AKKs Expertise in Jura und Politik und ihrer Liebe für Details und Pragmatismus wäre sie doch gut geeignet, Kooperationen zwischen den Jungunternehmen und den Krankenkassen zu verhandeln? So würde sie nicht mehr nur der Mutti Deutschlands, sondern gleich ganz vielen Muttis in Deutschland helfen.

Wir sind gespannt, wie der Parteitag endet und welchen Weg die Kandidaten einschlagen werden, die nicht das Rennen um den Vorsitz gemacht haben. Wenn es sie in die Gründerwelt zieht, werden wir euch hier im GründerDaily berichten.