Akquise mache ich morgen: Aufschieben bei Gründern und was dagegen zu tun ist



Morgen, morgen, nur nicht heute… Berühmt für das Aufschieben sind in erster Linie Studenten. Doch seien wir mal ehrlich: Wir alle prokrastinieren dann und wann. Auch unter Gründern und Unternehmern kommt es vor, dass Aufgaben immer wieder auf die lange Bank geschoben werden. Woher kommt die Angewohnheit des Aufschiebens? Und was kann man dagegen tun? 

Ein Unternehmen zu gründen und zu führen, ist eine herausfordernde Angelegenheit. Wie ein riesiger Berg liegt der Haufen an Aufgaben vor einem und erscheint unbezwingbar. Kann ich das überhaupt schaffen? Was ist, wenn ich scheitere? Wo fange ich an und warum hört der Strom an neuen Aufgaben nie auf? Finanzierung, Marketing, Kundenakquise, Pressearbeit… und die Steuererklärung muss auch noch gemacht werden. Ach, ich check erst noch meine E-Mails. Und Paul wollte doch vor zwei Wochen mal mit mir Mittagessen gehen…

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Wieder nichts geschafft? Die Angewohnheit, Aufgaben aufzuschieben, kann für ein Unternehmen gefährlich werden.

Dass man Dinge vor sich herschiebt, kennt sicher jeder. Und ist auch völlig normal. Aber gerade wenn es um wichtige Aufgaben geht – wie im Zuge der Unternehmensgründung und -führung – kann die Aufschieberitis zu negativen Konsequenzen führen. Denn wenn der Businessplan nie fertig wird, kann es auch mit der Finanzierung nicht klappen. Oder wenn man sich ständig vor der Kundenakquise drückt, dann hat man bald keine Abnehmer für sein Produkt oder seine Dienstleistung mehr.

Woher die Angewohnheit zum Aufschieben rührt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Faulheit ist keine Ursache, denn Aufschieber flüchten oft in andere aktive Tätigkeiten. Vielmehr geht man davon aus, dass das Verhalten erlernt ist. Durch das Ausweichen auf angenehmere Aufgaben wird kurzfristig das Belohnungssystem im Gehirn angeregt und die wichtigen, aber als lästig empfundenen Aufgaben verdrängt. Das kann sogar krankhaft werden und nennt sich dann Prokrastination.

Aber auch Ängste vor dem Versagen, Perfektionsbestrebungen oder die schiere Unwissenheit, wie man etwas anpacken soll, spielen oft eine große Rolle. Gründer und Unternehmer, die große Visionen und Erwartungen an sich und ihr Unternehmen haben, können hiervon vermehrt betroffen sein.

Damit das Unternehmen erfolgreich sein kann, sollte man sich der Aufschieberitis entgegenstellen. Wir stellen euch ein paar Tipps vor, die gegen die Angewohnheit des Aufschiebens wirken.

#1 Sofort anfangen… und zwar mit dem Schlimmsten

Aller Anfang ist schwer – oder sogar am schwersten. Denn umso länger man wartet, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man das Vorhaben noch in die Tat umsetzt. Deshalb sollte man einfach loslegen. Am besten sogar mit der Aufgabe, die man am wenigsten gerne anpacken will. Denn wenn man erst mal dransitzt, kommt der Ball meist schon von allein ins Rollen. Und wenn die schlimmste Aufgabe gleich am Anfang bewältigt wurde, kommt einem der Rest kinderleicht vor.

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Jetzt oder später? Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Vorhaben noch in die Tat umsetzt, sinkt rapide, wenn man es aufschiebt.

#2 Routine – arbeiten zu festen Zeiten und an festen Orten

Um der Prokrastination nicht zu verfallen, sollte man sich am besten eine gewisse Routine aneignen. So sollte man sich feste Zeiten setzen, in denen man die Aufgaben erledigen will. Auch kann es sein, dass es euch leichter fällt, bestimmte Aufgaben an bestimmten Orten umzusetzen. Achtet also darauf, wo ihr bei welchen Tätigkeiten am produktivsten seid.

#3 Gute und realistische Aufgabenplanung

Macht euch für den nächsten Tag eine Liste mit Aufgaben, die ihr abarbeiten wollt. Und setzt Prioritäten von wichtig bis weniger wichtig. Wenn ihr riesige Projekte als Ganzes betrachtet, verliert ihr den Überblick und werdet demotiviert. Wer hingegen große Aufgaben in kleinere zerlegt und kurzfristige Planungen macht, sieht klare und vor allem erreichbare Ziele vor sich. Das fördert die Motivation und gibt einem – nach Erledigung der Aufgaben – am Ende des Tages das Gefühl, man hat auch etwas geschafft. Psychologisch gesehen hat es übrigens einen positiven Effekt, wenn ihr euch die Aufgaben aufschreibt und nach Abarbeitung durchstreicht oder abhakt.

#4 Hinterfragen

Wenn ihr doch mal wieder eine Aufgabe aufschieben wollt: Fragt euch, wieso ihr das tut. In welchen Situationen oder bei welchen Aufgaben verhalte ich mich so. Setzen mich bestimmte Aufgaben unter Stress? Habe ich vor etwas Angst? Und wieso eigentlich? Gewohnheiten kann man besser durchbrechen, wenn man sich sein Verhalten bewusst macht und versteht.

#5 Hilfe holen

Manchmal schieben wir Dinge auf, weil wir einfach nicht wissen, wie wir sie anpacken sollen. Gerade als Gründer steht man plötzlich vor vielen neuen Herausforderungen. Aber auch im späteren Unternehmensalltag steht man immer wieder vor neuen Problemen. Wenn ihr nicht weiterwisst: Holt euch Hilfe! Nutzt Informationsportale, kontaktiert Berater, die Industrie- und Handelskammern oder andere Gründer und Unternehmer. Ihr seid in der Regel nicht die ersten, die sich der Aufgabe stellen müssen. In vielen Fällen kann man auf die Expertise anderer zurückgreifen.

#6 Aufhören zu zweifeln

Jeder Gründer und Unternehmer wird wohl mal an den Punkt kommen, an dem man denkt: Mist, habe ich hier einen riesigen Fehler gemacht? An sich und seiner Idee zu zweifeln, macht nur eines: es demotiviert. Ja, es gibt schwierige Zeiten. Aber die kann man überstehen. Glaubt an euch und werft die Zweifel über Bord. Das ist der Accelerator für die Tatkraft.

#7 Perfektionismus abschalten und Druck reduzieren

Klar, eine Präsentation muss überzeugend sein, ein Logo ansprechend und originell… Aber wer zu hohe Ansprüche an sich selbst und seine Arbeit hat, erzeugt zu viel Druck und das hindert einen daran, anzufangen. Perfektionisten verlieren sich zudem in den kleinsten Details und kommen nie zum Ende. Es könnte ja doch noch ein bisschen besser sein, oder? Versucht locker an die Aufgaben heranzugehen. Und erwartet nicht, dass gleich alles zu einhundert Prozent perfekt ist.

#8 Sich belohnen und loben

Habt ihr die Aufgabe nicht (erneut) aufgeschoben und sie erfolgreich bewältigt, so belohnt euch! Das können kleine Dinge sein: das Lieblingseis, eine Stunde Netflix (jetzt mit gutem Gewissen) oder sogar einfach ein Schulterklopfen. Das Belohnungszentrum im Gehirn muss nur irgendwie angeregt werden. Wenn ihr als Team etwas geschafft habt, ist Belohnung und Anerkennung mindestens genauso wichtig. So stärkt man den Teamgeist und das beflügelt auch wieder die eigene Motivation.

  • Ob Canvas, Businessplan oder Finanzplan – wer nicht weiß, wo man bei der Gründung anfangen soll, kann die Gründerplattform testen. Die zeigt euch Schritt für Schritt, was ihr machen müsst. Und wer ein bisschen Zuspruch braucht, um mit der Gründung richtig loszulegen, sollte sich diese Lektüre anschauen.