Diese Start-ups sagen der Lebensmittelverschwendung den Kampf an



Die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung ist eine globale Herausforderung. Ein zentraler Bestandteil des Problems ist die Lebensmittelverschwendung. Aber kaum jemand greift sich bei dem Thema an die eigene Nase. Deutschlandweit landen jährlich Nahrungsmittel im Umfang von 18 Millionen Tonnen im Mülleimer. Und das kostet nebenbei nicht nur viel Geld, sondern ist auch umweltschädlich. Dabei kann man durchaus etwas dagegen tun, wie diese vier Geschäftsideen zeigen.

SirPlus – der Rettermarkt

Täglich landen massenweise überschüssige Lebensmittel aus Supermärkten in der Mülltonne. Das mag daran liegen, dass sie das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten haben – oder auch schlicht daran, dass sie aufgrund von Macken und ähnlichem nicht mehr den ästhetischen Ansprüchen der Käufer entsprechen. Aber auch nach dem Kauf werden viele Nahrungsmittel weggeworfen, die Gründe sind dabei oftmals dieselben.

Lebensmittelverschwendung
Anders heißt nicht schlechter – das gilt auch für Lebensmittel. (Foto: Maja Seidel/ SirPlus)

Dieser Verschwendung begegnet mit einem ganz eigenen Konzept. Der Reste-Supermarkt kauft Lebensmittel, die nicht der Norm entsprechen, beispielsweise krumme Möhren und verdrehte Kartoffeln, und verkaufen diese zu günstigen Preisen weiter. Auch Produkte, die kurz vor der Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen oder bereits darüber hinaus sind, stehen im Warenangebot. Wichtig ist für die Gründer Raphael Fellmer und Martin Schott dabei nicht nur, selbst gegen die Lebensmittelverschwendung anzukämpfen. Sie wollen gleichzeitig in die breite Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam machen. Abgelaufene Lebensmittel seien nicht zwingend schlechte Lebensmittel. Nicht umsonst werde auf Verpackungen das Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben und nicht etwa das Maximalhaltbarkeitsdatum.

Sensefinity – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Viele Produkte legen lange Wege zurück, bevor sie letztlich beim Kunden landen. Das gilt auch für Lebensmittel. Um die Qualität der Lebensmittel zu gewährleisten, sind dabei diverse Vorschriften einzuhalten. Zum Beispiel muss Fleisch und Fisch ständig gekühlt sein, damit sich Bakterien nicht vermehren können. Wenn diese Kühlkette unterbrochen wird, kann das gesundheitliche Auswirkungen beim Konsumenten haben, beispielsweise in Form einer Lebensmittelvergiftung. In vielen westlichen Ländern gelten deshalb die HACCP-Richtlinien (HACCP steht für hazard analysis and critical control points). Das hat jedoch zur Folge, dass Nahrungsmittel, bei denen eine Gefährdung nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden kann, oft entsorgt werden müssen.

Das IoT Start-up stellt sich diesem Problem. Mithilfe eines smarten Trackers namens Sensoroid soll es künftig möglich sein, den gesamten Weg entlang der Logistikkette des Produkts nachzuvollziehen. Dabei übermittelt der Sensoroid neben dem aktuellen Standort auch Daten wie Temperatur, Feuchtigkeit, Druck und vieles mehr. Dank des Einsatzes von Blockchain können dabei Probleme bei jedem Arbeitsschritt genau identifiziert werden. Das System gibt frühzeitig eine Warnung aus. So lassen sich geltende Qualiätsstandards leichter einhalten. Und gleichzeitig wirkt der Sensoroid der Lebensmittelverschwendung entgegen.

FairMeals – überschüssige Mahlzeiten zu kleinen Preisen

In vielen Restaurants fallen am Ende des Tages überschüssige Mahlzeiten an. Klar, denn es wird so kalkuliert, dass auch ausreichend Essen vorhanden ist. Wenn der Kunde nicht bekommt, was er will, ist er unzufrieden – und das kann den Wirt unter dem Strich viel Geld kosten. Schlussendlich landen dann leider viele gute Mahlzeiten in der Tonne. Um dieser Verschwendung zu begegnen, bietet Gastronomiebetrieben die Möglichkeit, überzählige Gerichte doch noch zu verkaufen.

Lebensmittelverschwendung
Partnervermittlung für Mahlzeiten: mit FairMeals gibt’s Foodbabys statt Lebensmittelverschwendung. (Foto: piktochart)

Wie das funktioniert? Ganz einfach: Die Betriebe geben per App an, welche Gerichte noch verfügbar sind. Nutzer der Applikation können daraufhin sehen, was es in ihrer Umgebung an Essensangeboten gibt und sich die Wunschmahlzeit auch direkt reservieren. Diese muss dann nur noch abgeholt werden. Bezahlt wird direkt vor Ort – und zwar deutlich weniger, als das Gericht normalerweise kosten würde. So machen die Betriebe zumindest noch ein wenig Umsatz und die Kunden bekommen eine günstige Mahlzeit. Erst am Monatsende stellt FairMeals eine Rechnung für vermittelte Mahlzeiten. So haben gerade kleine Gastrobetriebe das Geld unmittelbar zur Verfügung und müssen nicht auf die Auszahlung des Vermittlers warten.

Frischemanufaktur – länger haltbar, länger gut

To-go-Artikel liegen momentan im Trend. Laut Statista beträgt der Umsatz im Bereich Convenience-Food 2018 in Deutschland rund 5.792 Millionen Euro, Tendenz steigend. Aber viele Deutsche achten vermehrt auch auf die Qualität dessen, was sie da konsumieren. Das Essen soll möglichst gesund sein – was wäre da besser geeignet als ein frischer, schon fertiger Obstsalat?

So einfach, lecker und gesund der Snack doch ist, er trägt auch zur Lebensmittelverschwendung bei. Gerade bei frischem Obst und Gemüse ist die Haltbarkeit ein zentrales Problem. Schnittobst wird oft schon nach einem Tag entsorgt, da weder Geschmack noch Aussehen aufrechterhalten werden können. Die Gründerin der beobachtete diese Tragödie schon seit längerem und wollte etwas dagegen tun.

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Frische Produkte zum Mitnehmen finden sich in den meisten Supermärkten. Was am Ende des Tages nicht verkauft wurde, wird meist entsorgt. (Foto: Die Frischemanufaktur)

Sie entwickelte ein neues Frischhalteverfahren, das auf rein natürliche Substanzen setzt. Dadurch kann das Food-Start-up einen qualitativ hochwertigen Obstsalat anbieten, der laut Frischemanufaktur bis zu zehn Tage haltbar ist und nicht am Ende des Tages weggeworfen werden muss. So erfüllt das Start-up einerseits die Wünsche der Kunden nach frischen und doch bequemen Nahrungsmitteln. Andererseits wird die Lebensmittelverschwendung massiv eingeschränkt: Laut Gründerin Dr. Jenny Müller werden im Vergleich zu ähnlichen Produkten rund 70 Prozent weniger Obstsalate des Start-ups zwangsweise entsorgt.

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