E-Mail statt Brief – Digitalisierung für die Generation 65+



Im Alltag sind Smartphones, Tablets und Co. längst fester Bestandteil. Scheinbar haben alle Anteil am digitalen Leben. Alle? Nicht ganz. Es sind vor allem ältere Menschen, die mit der rasanten Digitalisierung nur schwer Schritt halten können. Das Start-up Nepos will das ändern und die Generation 65+ endlich mitnehmen auf dem Weg ins Neuland. Über die Herausforderungen und Möglichkeiten, die damit einhergehen, haben wir mit Nepos-Gründer und CEO Paul Lunow gesprochen.

GründerDaily: Hallo Paul, erzähle unseren Lesern doch bitte kurz, um was es bei Nepos geht.

Paul von Nepos: Hallo, ich bin Gründer und Geschäftsführer von Nepos. Unser Ziel ist es, Technologie für alle zugänglich zu machen. Besonders für ältere Menschen. Viele neue Dienstleistungen und viele etablierte sind zunehmend nur noch über das Netz zugänglich. Wenn im Alter der Bewegungsradius schrumpft, die Kräfte weniger werden und sich das soziale Umfeld verändert, könnte der Zugang zu Dienstleistungen, Kommunikation und Unterhaltung über das Internet eine neue Lebensqualität schaffen. Dafür muss der Zugang aber einfach, sicher und unkompliziert sein. Und genau das schaffen wir, indem wir die jeweils aktuellste Technologie für die Generation 65+ zugänglich machen. Der erste Schritt ist das von uns gestaltete und selbst entwickelte Nepos Tablet mit einer einheitlichen Bedienoberfläche, dem Ui+.

GründerDaily: Auch andere Unternehmen werben mit der hohen Benutzerfreundlichkeit ihrer Geräte. Was zeichnet das Nepos Tablet gegenüber vergleichbaren Produkten aus?

Paul von Nepos: Wir haben ein neues Produkt geschaffen. Dabei sind wir konsequent der Frage nachgegangen: Wie sieht ein Werkzeug aus für Menschen, die entweder schlechte oder bisher gar keine Erfahrung mit der digitalen Welt gemacht haben? Es geht uns nicht einfach um eine etwas bessere Benutzerfreundlichkeit, sondern um das Gesamterlebnis, wie ich mit der digitalen Welt interagiere.

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Dank eigens entwickelter Soft- und Hardware sollen auch ältere Menschen am digitalen Leben teilhaben können. (Foto: Nepos)

Die Benutzerfreundlichkeit basiert auf mehreren Schlüsselerkenntnissen und auf der konsequenten Einbeziehung der Zielgruppe in den Entwicklungsprozess. Wir haben in den letzten drei Jahren mit mehr als 300 Testern gearbeitet und unser Produkt auf Basis des Feedbacks immer weiter perfektioniert.

GründerDaily: Ende 2018 plant ihr den Markteintritt. Für welche Vertriebswege habt ihr euch entschieden?

Paul von Nepos: Wir wollen primär mit Menschen in Kontakt kommen, die eine Tablet-Lösung für ihre Eltern oder Großeltern suchen. Diese Menschen können wir über Social Media und Performance Marketing ansprechen und ihnen unser Produkt vorstellen. Im Rahmen der Tests haben wir außerdem festgestellt, dass jeder, der ein positives Erlebnis mit dem Nepos Tablet hatte, jemanden in seinem näheren Umfeld kennt, für den diese Lösung ebenfalls perfekt geeignet ist. Die Weiterempfehlungsrate ist hoch. Wir wollen eine vertrauensvolle Marke aufbauen für Software-Lösungen sowie eine eigene Hardware – dem Nepos Tablet.

GründerDaily: Ihr bedient mit dem Tablet die Generation 65+, also Menschen, die am digitalen Leben bislang tendenziell eher weniger teilhaben. Über welche Kanäle erreicht ihr speziell diese Zielgruppe?

Paul von Nepos: Wir sind beispielsweise mit Klassik Radio in Kontakt, hier laufen aktuell bereits Hörfunkspots, die auf Interesse stoßen. Die Kooperation entstand vor dem Hintergrund, dass der neue Streamingdienst Klassik Radio Select sich perfekt für eine ältere Zielgruppe eignet. Langfristiges Ziel ist die Integration des Angebots im Nepos Tablet. Wir planen außerdem mit Seniorenheimen, Reha Kliniken und Sanitätshäusern zusammenzuarbeiten, wir haben schon viele Gespräch geführt.

Wichtig ist uns dabei, dass das Nepos Tablet nicht als “digitaler Krückstock” wahrgenommen wird. Es ist ein wunderschönes Stück Hardware mit ausgefeilter Software. Es ist eine perfekte Lösung, um heute den Einstieg in die digitale Welt zu schaffen und morgen das eigene Smart Home damit zu steuern.

Wir bringen Spaß, Qualität und Lebensfreude. Und das muss sich auch in den Kanälen widerspiegeln.

GründerDaily: Was passiert, wenn eure Kunden Hilfe benötigen? Welche Support-Lösungen bietet ihr für sie an?

Paul von Nepos: Wir haben ein mehrstufiges Support Modell entwickelt: Als erstes ist die Software durchgehend auf Deutsch und benutzt eine klar verständliche Sprache, auch bei den Fehlermeldungen. Der Bildschirm ist mit einer integrierten Sprachhilfe ausgestattet. Das Tablet kann sich bei einer Frage jederzeit selbst erklären. Dazu kommt das gedruckte Begleitmaterial. Sollte dennoch eine Frage ungeklärt bleiben, stehen wir mit einer Service Hotline zur Verfügung. Darüber hinaus experimentieren wir mit verschiedenen Ansätzen, wie sich die Nutzer untereinander helfen können, ähnlich dem Ansatz von Stack Overflow für Programmierer. Ein sehr spannendes Thema.

GründerDaily: Ein Tech-Unternehmen zu gründen ist kein kostengünstiges Unterfangen. Wie habt ihr euch bisher finanziert?

Paul von Nepos: Mit der Unterstützung von großartigen Business Angels. Wir haben einen sehr guten Gesellschafterkreis aufgebaut, der uns viel Vertrauen und Zeit entgegen bringt. Das ist ein großes Glück. Gleichzeitig ist das Interesse aus der Wirtschaft riesig. Angesichts der demografischen Entwicklung besteht ein hoher Handlungsbedarf, die ältere Generation beim digitalen Wandel nicht abzuhängen. Deshalb überrascht es auch nicht, dass auch ProSiebenSat.1 zu unseren Investoren zählt.

GründerDaily: Welche anderen besonderen Herausforderungen musstet ihr seit der Unternehmensgründung bewältigen?

Paul von Nepos: So groß das Interesse und die Unterstützung der Wirtschaft und Investoren auch sind, ein Hardware-Startup in Deutschland hat es sehr schwer. Wir mussten und müssen viele extra Meilen gehen, um klar zu machen, warum das eigene Tablet für die Zielgruppe von so zentraler Bedeutung ist. Wir sind von unserer Lösung überzeugt, trotzdem muss man bei so einem Vorhaben flexibel und zielgerichtet arbeiten. Deshalb evaluieren wir auch die Möglichkeit, unsere Software als Android-Anwendung zur Verfügung zu stellen.

GründerDaily: Wer steckt hinter Nepos und wie kam es zu der Entscheidung, gemeinsam zu gründen?

Paul von Nepos: Ich bin Programmierer, Web Entwickler, und hatte mit 20 Jahren schon meine zweite Agentur gegründet. Gleichzeitig war und bin ich auch immer der Systemadministrator meiner Familie. Vor mittlerweile über drei Jahren habe ich mich gefragt, warum meine Großtante es so schwer mit der digitalen Welt haben muss. Als technischer Berater habe ich Florian, den Nepos-Mitgründer, kennengelernt.

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Florian Schindler (l.) und Paul Lunow (r.) wollen die Generation 65+ mehr ins digitale Leben miteinbeziehen. (Foto: Darius Ramazani)

Wir stellten schnell fest, dass wir uns dieselben Fragen stellten. Er aus der Sicht der Marke, dem Business Development, ich aus der Sicht der technologischen Entwicklung. Und wenn man ein menschlich funktionierendes und fachlich komplementäres Konstrukt entdeckt, sollte man nicht zögern. Darum haben wir 2015 Nepos gegründet mit dem Ziel, der Generation 65+ hervorragende Produkte zu empfehlen. Wir waren entsetzt, wie schlecht es um technische Produkte für Senioren heute steht, angesichts des Marktpotentials. So entstand die Idee, selbst ein umwerfendes Hero-Produkt zu entwickeln, um den Kern unserer Marke Realität werden zu lassen.

GründerDaily: Wohin geht eure Reise in Zukunft? Gibt es konkrete Ziele, die ihr innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre erreichen wollt?

Paul von Nepos: Wir sprechen in unseren Präsentationen von 16 Millionen Menschen in Deutschland, die aktuell digital wenig oder gar nicht erreicht werden. Eine unglaubliche Zahl – dachte ich. Aber als ich in China mit Produzenten und Partnern sprach, bekam ich die Antwort: 16 Millionen? Fang doch hier in China an. Hier gibt es 200 Millionen Menschen in deiner Zielgruppe. Ähnlich sieht es in Japan und den USA aus. Die Internationalisierung ist ein konkretes Ziel, genauso wie weitere Produkte anzubieten. Wir werden die Plattform für Technologie im Alter. Da gibt es keinen Mangel an Zielen.

GründerDaily: Welche Tipps kannst du unseren Lesern für deren Weg ins Unternehmertum mitgeben?

Paul von Nepos: Redet über eure Ideen!

Ein erfolgreiches Startup lebt 20% von der Idee und 80% von der Umsetzung.

Ich habe noch nie erlebt, dass jemand alles hinschmeißt, um eine fremde Idee umzusetzen. Und selbst wenn, dann beweist es hervorragend das Marktpotential der neuen Idee und ihr könnt euch in der Umsetzung beweisen. Die Chance, einen wertvollen Kontakt – wenn nicht gar den entscheidenden – zu bekommen, ist wesentlich höher, wenn man sich mit anderen austauscht. Und dann haltet an eurem Vorhaben fest und setzt es um. Bringt euer Produkt oder eure Dienstleistung raus, trefft Menschen und potenzielle Kunden. Seid zuverlässig! Schreibt auf, was ihr versprecht und haltet euch daran – das ist der Schlüssel für gute Beziehungen zu Partnern, Mitarbeitern und Kunden. Und schließlich: Habt Spaß an der Arbeit.

GründerDaily: Vielen Dank, Paul, und weiterhin viel Erfolg!

Keyfacts über NEPOS GmbH

  • Gegründet im Jahr: 2015
  • Firmensitz in: Berlin
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 20 Personen
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Eigenes Geld und Business Angel
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Unschlagbar und unverzichtbar natürlich das Team und unser Netzwerk. Mit Ideen, Tipps und hartem Feedback.
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für mich/uns folgende:
    • Menschen: Familie, Team, Gesellschafter, Freunde
    • Tools: Jira, Google Drive, Todoist, Franz
    • Internetseiten: venturedaily.com, docs.google.com
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