Top oder Flop – wer setzt sich durch im Kickstarter-Roulette?



Immer wieder hört man von Erfolgsstorys, die auf Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter ihren Anfang nahmen. Die Schwarmfinanzierung ist mittlerweile als reale Finanzierungsmöglichkeit in den Köpfen vieler Unternehmer angekommen. Allerdings ist manchmal nicht so ganz klar, warum bestimmte Geschäftsideen überzeugen können – und andere eben nicht. Dass das Kickstarter-Roulette manchmal sehr undurchsichtig sein kann, zeigen diese 4 Projekte.

#1 Old School-Kommunikation in neuem Format

Millennials stehen auf Retro-Looks und Avocado Toast – zumindest, wenn man leicht selbstironischen Posts auf diversen Social Media Seiten Glauben schenken darf. Mit raffinierter Technik und bestechendem Design versuchte Andrew Nelson, sich das zunutze zu machen und genau diese Zielgruppe zu bedienen. Die Idee für das war geboren.

Kickstarter-Roulette
Das Kommunikationsgerät der Zukunft? (Foto: Guac-e Talk-e/ Kickstarter)

Das Guac-e Talk-e ist ein Walkie-Talkie, das eine handgemachte Avocadohülle trägt und mit lustigem, buntem Design daherkommt. Mit einer Reichweite von zwei bis drei Meilen (umgerechnet bis zu knapp über 3 Kilometer) sind die kleinen Tech-Früchte zwar besser aufgestellt als übliche Walkie-Talkie-Sets für Kinder, können mit professionellen Geräten allerdings nicht mithalten. Letzten Endes konnte Andrew nur neun Nutzer von seiner Geschäftsidee überzeugen. Das Old School-Produkt Walkie-Talkie wieder hip zu machen, ist in diesem Falle also gefloppt. Dabei hätte das Guac-e Talk-e zumindest als Scherzartikel durchaus Potenzial gehabt, sich durchzusetzen.

#2 Satirische Suchtbekämpfung

Was Andrew nicht bedacht hat: Smartphones – neben Avocados und Levis T-Shirts – gehören heute zur Grundausstattung junger Erwachsener. Doch wie bei vielen Dingen kann auch hier übermäßiger Konsum zu echten Problemen führen. Handysucht ist ein anerkanntes Phänomen, über das es diverse Studien gibt. Auch Lösungsansätze für dieses Problem gibt es genug – ironischerweise vielfach im Form von Apps. Doch die Lösung kann auch so viel simpler sein, wie das zeigt.

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Stabil und garantiert nicht anfällig für Datenklau: das NoPhone. (Foto: NoPhone/ Kickstarter)

Das Team hinter dem Projekt warb auf Kickstarter damit, suchterregende und antisoziale Aspekte von Smartphones zu umgehen, ohne dabei auf das Gefühl verzichten zu müssen, einen rechteckigen Gegenstand in der Hand zu halten. Die Vorteile des NoPhones liegen klar auf der Hand. Es ist wasserfest, bruchsicher, leicht in der Handhabung und das Beste: es birgt so gut wie kein Suchtpotenzial. Einziger Nachteil: es leistet ungefähr so viel wie ein durchschnittlicher Pet Rock. Die Frage ist, ob man das als Nachteil bezeichnen kann.

Das Konzept konnte eine beachtliche Fanbase mobilisieren und schoss mit den gesammelten gut 18.000 US-$ weit über das ursprüngliche Ziel von 5.000 US-$ hinaus.

Natürlich, sowohl Guac-e Talk-es als auch NoPhones sind wohl eher nicht ganz ernst gemeinte Projekte. Umso mehr fragt man sich, warum letzteres so viele Anhänger gewinnen konnte und ersteres im Kickstarter-Roulette komplett scheiterte.

#3 „Wohlfühlprogramm“ für vernachlässigte Vierbeiner

Während die Bedürfnisse von Kunststoffrechtecken und Haustiersteinen relativ gering sein dürften, brauchen reale Haustiere auch tatsächliche Zuwendung. Mit diesem unvorhersehbaren Problem sah sich auch Ricky Bhavnani konfrontiert. Während er den Großteil des Tages arbeiten ging, musste seine Katze alleine und traurig zu Hause zurückbleiben. Kurzerhand entschied Ricky sich, das Leben seines vierbeinigen Freundes fröhlicher zu gestalten. Und was läge da näher, als eine witzige Brille zu gestalten, die man der Katze während des langen Arbeitstages über den Schwanz klemmen kann? Das nämlich leistet .

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Brille und Schnauzer – aber am falschen Ende. So sollen Katzen künftig verwöhnt werden. (Foto: Tail Toppers/ Kickstarter)

Ricky war nicht entgangen, dass seine Katze es scheinbar mochte, wenn er ihren Schwanzansatz kraulte. Bemüht, sie glücklich zu machen, entwickelte er deshalb eine Methode, dieses Gefühl andauernd verursachen zu können – auch in Abwesenheit. Ob dieses Anliegen letztlich umsetzbar wäre, werden wir leider nicht mehr herausfinden können. Das Projekt blieb mit 36 US-$ deutlich unter dem Mindestziel von 20.000 US-$ und konnte sich somit auf Kickstarter nicht durchsetzen. Vielleicht auch, weil Ricky beim Design scheinbar nicht beachtete, dass auch Katzen gelegentlich dem Ruf der Natur folgen müssen.

#4 Haustiermatratzen, aber hochwertig

Anders als Tail Toppers konnte das genug Haustierbesitzer überzeugen. Und dabei ist es eigentlich nur eine Matratze für Vierbeiner. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hunde-, Katzen- und Ziegenbetten ist das Purple Pet Bed jedoch geruchsneutral, schmutzabweisend und schimmelt nicht, so der Hersteller. Und außerdem soll es so gemütlich sein, dass Haustiere auch tatsächlich darauf schlafen wollen, anstatt sich ins Bett ihrer Besitzer zu gesellen.

Dass die Idee gut und das Produkt nützlich ist, lässt sich leicht nachvollziehen. Allerdings sind ähnliche Produkte längst in den meisten Haustierfachgeschäften erhältlich. Trotzdem konnte das Projekt mit 250.000 US-$ sein Mindestziel um mehr als das zehnfache übertreffen.

Letztlich ist es nicht leicht nachzuvollziehen, welche Projekte sich warum im Kickstarter-Roulette durchsetzen können. Während manch ernstgemeinte Geschäftsidee floppt, entpuppt sich mancher Scherzartikel zum Überflieger. Eins haben viele erfolgreiche Projekte jedoch gemeinsam: einen guten Auftritt. Egal ob Partyglitzer oder Hundebett – Produkte, die mit viel Witz und einer guten Portion Charme präsentiert werden, setzen sich tendenziell eher durch.

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