Gründer-Spirit auf Facebook – und wie ihr damit auch ohne Fans verkauft



Auf Facebook verkaufen, ohne einen einzigen Fan zu haben? Ja, das geht. Michael Kiechle, der sich selbst 2007 mit einem Kreativbüro selbstständig machte, hat es ausprobiert. Mehr dazu und wieso ihr bei Facebook gar nicht so professionell klingen müsst, wie ihr vielleicht denkt, erfahrt ihr in diesem Gastbeitrag: „Warum der Gründer-Spirit auf Facebook so wichtig ist – und wie man ihn sich bewahrt.“

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Hermann Hesse wusste damals schon, was Gründer heute selbst erfahren dürfen. Vielleicht habt ihr kürzlich das eigene Unternehmen auf die Beine gestellt? Oder ihr tragt gerade jetzt diesen brennenden Eifer in euch, die Vision von Freiheit, Selbstständigkeit und Unternehmertum Realität werden zu lassen.

Wenn ihr Freunde und Bekannte trefft, sprudelt es aus euch heraus, nicht wahr? Denn das, was ihr anzubieten habt, bietet Mehrwert – sieht chic aus – verbessert die Welt – macht gesund, fit oder glücklich? In dieser Phase ist es eine Leichtigkeit, Menschen für eure Idee zu begeistern. Ihr bringt das Angebot bereits an den Mann, bevor ihr überhaupt merkt, dass ihr mitten in einem Verkaufsgespräch seid.

Gruenderspirit
Anfängliche Magie – sprudelnde Energie – Motivation pur: Lasst euch diesen Gründerspirit auch später nicht nehmen!

Ja es stimmt. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Leider schaffen es viele Gründer nicht, diesen Zauber beizubehalten, wenn es um die eigene Vermarktung auf Facebook geht. Plötzlich setzt eine Art Marketing-Starre ein. Zweifel und Perfektionismus machen sich breit und verfälschen die eigene Persönlichkeit. Der Funke springt nicht mehr über.

Ein Jammer – denn noch nie war es so einfach, der Öffentlichkeit die eigene Idee zu präsentieren. Gleichzeitig jedoch ist die Informationsüberlastung so hoch wie noch nie.

Die Annahme, wir wären pro Tag zwischen 3.000 bis 5.000 Werbebotschaften ausgesetzt, ist längst überholt. Manche Schätzungen gehen bereits von bis zu 10.000 Werbebotschaften pro Tag aus, die auf jeden von uns einprasseln. Print, TV, Funk, E-Mail, Web, …

Und was uns eben im persönlichen Gespräch noch so leicht fiel, scheint plötzlich schwieriger, sobald es an die Massenkommunikation via Social Media geht. Plötzlich meldet sich der Denker in uns und beginnt mit der Zensur im Kopf:

  • Was werden die Leute denken?
  • Ist das politisch korrekt?
  • Spricht das meine Zielgruppe an?
  • Sollte sich das nicht professioneller anhören?
  • Oh Gott – ich brauche mehr Fans!
  • Das liest doch sowieso niemand!
  • Ich glaube, ich schlaf‘ nochmal drüber und mache Schluss für heute!

Wo bleibt denn da bitteschön der Zauber? Den holen wir uns jetzt ganz schnell zurück. Los geht’s!

Michael Kiechle
Unser Gastautor Michael Kiechle als Speaker bei der AllFacebook Marketing Conference 2018 (Foto © 2018 Ulf Büschleb / AllFacebook.de)

Mythos Fans

Wer gründet, will auch Umsatz machen. Die gute Nachricht ist: Wir brauchen auf Facebook nicht einen einzigen Fan, um zu verkaufen.

Ich hab‘ den Test gemacht und für ein und dasselbe Produkt zwei Facebook-Anzeigen geschaltet, mit jeweils unterschiedlichem Absender: Einmal über meine Agentur mit über 1.000 Fans und gefüllter Timeline – und einmal über meine Personal Brand Page, ganz neu mit null Fans und nur drei Posts. Der Return On Ad Spend war nahezu identisch. Meine Null-Fan-Page hatte sogar eine leicht bessere Performance.

Warum ist das so? Mit Facebook-Werbeanzeigen leitet ihr eure Zielgruppe bei Bedarf direkt auf das Angebot, auch außerhalb von Facebook. Zum Beispiel auf einen Shop oder eine Salespage. Den umständlichen Weg, zuerst auf euer Facebook-Profil zu schauen, unternimmt fast niemand. Bingo!

Außerdem seid ihr als Gründer in der vorteilhaften Situation, die Erklärung für eine Mini-Fanbase quasi „eingebaut“ zu haben. Neue Firma, neuer Facebook-Auftritt, wenig Fans. Ist doch logisch! Auch darin wohnt der Zauber eines Anfangs.

Was werden die Leute denken?

Nächste gute Nachricht. Die Leute denken über andere Menschen seit jeher, was sie wollen. Und das können wir nicht beeinflussen. Super, oder? Dann können wir doch genauso gut gleich bleiben, wie wir sind. Hier ganz entscheidend für den Erfolg: eure Ecken und Kanten.

Je intensiver ihr eure Persönlichkeit in Texte, Bilder und Videos einbringt, desto stärker zieht ihr Menschen an, die auf eurer Welle schwingen.

Den Ausdruck „attract & repel“ kennt ihr vielleicht. Da steckt Power drin. Ziehe Menschen an, die ähnlich ticken wie du und weise die anderen ab, die sowieso nicht zu dir passen. Einer der großen Vorteile dabei ist, dass die so gewonnen Fans zu uns halten und überdurchschnittlich mit unseren Posts interagieren. Das ist ein starkes Signal für den Facebook-Algorithmus und beschert uns mehr organische Reichweite, die mittlerweile sowieso rar gesät ist.

Damit sind die Zweifel über Political Correctness, Textformulierung, mehr Fans und was die Leute denken eigentlich kaum mehr relevant. Fühlt sich doch gleich freier an, oder?

Das Sprachniveau auf Facebook

Zum Thema „sollte sich das nicht professioneller anhören?“, darf ich den Denker in euch auch beruhigen. Auf Facebook befinden sich die Menschen im Unterhaltungsmodus, recht ungezwungen und an jeder Ecke lauert Ablenkung.

Daher gilt: je gewählter die Ausdrucksweise – desto niedriger Reaktionsquote und Umsatz.

Ungefähr ein bis zwei Mal pro Woche erhalte ich folgende Frage meiner Kunden: „Schaust du bitte mal kurz über den Text – kann ich das so schreiben?“ In fast allen Fällen lautet meine Antwort: „Fast schon zu gewählt formuliert. Probier’s noch ein bisschen einfacher.“

Facebook true fruits
Der Facebook-Kanal des Start-ups true fruits bietet jede Menge Inspiration für freches Marketing und eine mutige Wortwahl. (Foto: Screenshot Facebook / true fruits)

Erklärung: Bei bis zu 10.000 Werbekontakten pro Tag haben wir im Alltag nur sehr begrenzte „Lese-Energie“ zur Verfügung. Bei steigendem Sprachniveau einer Werbebotschaft sinken entsprechend das Verständnislevel und die Bereitschaft, Texte vollständig zu erfassen.

Schon in den 1970er Jahren gab es diese „Informationsüberlastung“. Natürlich bei Weitem nicht so ausgeprägt wie heute. Umso wichtiger, dass wir uns heute auf Facebook einfach und klar ausdrücken.

Schauen wir uns kurz an, was Sigfried Vögele schon damals in seinem Werk „Dialogmethode“ dazu herausgefunden hat. Das Buch stammt aus einer Zeit lange vor Facebook & Co., bezieht sich auf Texte für Werbebriefe und basiert auf groß angelegten Studien aus der Direktmarketing-Praxis.

Hier sind seine Tipps für das Sprachniveau an verschiedene Zielgruppen:

  • Zielgruppe „Privat-Haushalt“
    „Hier erreichen wir die höchste Reaktionsquote, wenn wir für das Verständnis (nicht Ausdrucksweise!!) der etwa 12-jährigen Kinder dieser Zielgruppe schreiben. Wer das Text-Niveau testen will, der liest seinen Entwurf einem 12-jährigen Zuhörer vor. Wenn der wesentliche Inhalt für die Kinder begreifbar ist, dann versteht ihn auch die gesamte Zielgruppe.“
  • Zielgruppe „bestimmte Berufsgruppen“
    „Sie erreichen die höchsten Werte bei Vergleichs-Tests, wenn Sie für das Verständnis der Lehrlinge im 1. oder 2. Lehrjahr texten. Was dieser berufliche Nachwuchs bereits versteht, das versteht deren Chef auch bei verminderter Konzentrations-Bereitschaft, also auch beim Lesen der unaufgefordert erhaltenen Werbung.“
  • Zielgruppe „promovierte Akademiker“
    „Hier erreichen wir beste Reaktionsquoten, wenn wir im Verständnis der etwa 18-jährigen Gymnasiasten (noch vor dem Abitur) schreiben.“

Also: Drückt euch dem Sprachniveau der Zielgruppe angepasst einfach und klar aus.

Auf Facebook besteht unsere größte Konkurrenz nicht aus Mitbewerbern, sondern aus Familienereignissen, Babyfotos, Zerstreuung und Unterhaltung aller Art. Wenn wir hier mithalten wollen, müssen wir Mensch sein. Denn auch Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht.

Zurück zum Gründer-Spirit

Na, ist der Denker in euch schon etwas stiller geworden? Genau darum geht’s. So kommen wir wieder in Gründerstimmung, kommunizieren locker in unseren eigenen Worten und der Funke kann wieder überspringen. Besonders kraftvoll ist der Gründer-Spirit übrigens in Kombination mit Videos. Diesen Hebel solltet ihr unbedingt nutzen. Auch wer – so wie ich – eher introvertiert ist und sich hinter der Kamera viel wohler fühlt:

Denn Video ist die eierlegende Wollmilchsau!

Es überliefert den verbalen Kanal, den paraverbalen (Stimmlage, Wortwahl) und den nonverbalen Kanal (Körpersprache). Statische Bilder und Texte sind dazu niemals in der Lage. Und das Beste: Wirkungsvolle Videos auf Facebook sind die, die möglichst authentisch, also ohne Aufwand, einfach mit dem Smartphone, ohne Skript und doppelten Boden – aber dafür in Gründerstimmung produziert werden.

Ich hoffe, der Artikel inspiriert dazu, euch auf Facebook treu zu bleiben und den Zauber, dem jede Gründung innewohnt, auf euer Publikum zu übertragen. Das schafft Verbindung, überzeugt Interessenten und sorgt am Ende für die Transaktion. Shine on!

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  • Michael Kiechle-Pausch
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