Träumerischer Irrsinn & Co.: Diese Start-ups blieben ihrer Idee trotz Widerstände treu



„Alle haben gesagt ‚ihr spinnt doch‘ – aber am Ende hat es sehr wohl geklappt.“ So oder so ähnlich haben schon viele erfolgreiche Unternehmen ihre Gründerstory begonnen. Selbst bei Innovationen wie dem Auto oder dem Smartphone gab es anfangs Schwarzmaler. Die nachfolgenden drei Beispiele zeigen, dass Kritik verschiedene Gründe haben kann und es sich sehr wohl trotzdem lohnen kann, dranzubleiben. Wir sagen: Mut zur Gründung!

„Lass‘ die Leute reden…“ Ja, das gilt auch für eure Geschäftsidee. Also zumindest nach der sorgfältigen Prüfung der Anregungen. Schließlich kann Feedback wirklich wertvoll sein und euer Produkt voranbringen – insbesondere, wenn es von Kunden, Investoren oder anderen Experten kommt. Glauben Externe generell nicht an eure Idee, so kann das vielseitige Gründe haben, zum Beispiel:

  • Sie ist wirklich einfach verrückt und gewagt (manchmal überschreitet eine Innovation einfach die Vorstellungskraft),
  • der persönliche Neid veranlasst die Kritik (Stichwort: „Lass‘ die Leute reden…“),
  • ihr seid zuvor mit einer anderen Idee gescheitert (die Gründe kennt dann vielleicht nur ihr und werdet es im zweiten Anlauf besser machen),
  • die Investoren geben negatives Feedback (das allein heißt nichts!) oder aber,
  • es stellt sich einfach nur die Frage: Wie wollt ihr damit denn Geld verdienen? (Letzteres ist unter anderem bei Social Start-ups oft der Fall.)

Wir haben mit drei Gründerinnen und Gründern gesprochen, die trotz Kritik oder Rückschlägen drangeblieben sind und euch Mut machen wollen, an eure Geschäftsidee zu glauben.

Unser Tipp, falls ihr wirklich ins Schwanken geratet: Prüft eure Idee im Rahmen eines Geschäftsmodell-Canvas und nehmt gegebenenfalls Anpassungen vor – schon kleine Stellschrauben zu verändern, kann manchmal helfen. Ein Businessplan inklusive Finanzplan hilft euch dabei, die Wirtschaftlichkeit eures Unternehmens sowie Stärken und Schwächen bereits vor dem Start zu kennen.

evrgreen: Pflanzenspaß auch ohne grünen Daumen

evrgreen - gegen alle Widerstände
Philip Ehlers (l.) und Jan Nieling (l.) gründeten einen Onlineshop für Pflanzen (Foto: evrgreen)

Zwei Männer, kein grüner Daumen, doch viel Liebe für Pflanzen. Das waren die Grundgegebenheiten des Start-ups , das Jan Nieling und Philip Ehlers 2013 gründeten: einen Onlineshop für Pflanzen. Bei ihrem Auftritt in „Die Höhle der Löwen“ 2016 wurden sie damit von den Investoren nicht wirklich ernst genommen. Doch kein Grund, sich entmutigen zu lassen. Jan und Philip konzentrierten sich auf ihr Kerngeschäft, anstatt auf die Investorensuche. Die Gründer sagten uns fernab von DHDL:

Wer sich auf die Reise der Unternehmensgründung begibt, sollte sich ein dickes Fell zulegen. Denn auch wie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft mit 80 Mio. Bundestrainern, die alle genau wissen, was Jogi Löw machen sollte, bekommt man als Gründer von allen Seiten mal fundierte, mal weniger fundierte Meinungen mitgeteilt.

Besonders wichtig ist also vor allem, selbst reflektiert zu arbeiten:

Am Ende zählt nur eins: Was sind die persönlichen Ziele und was ist die eigene Überzeugung? Wenn man diese verfolgt, kann man morgens in den Spiegel schauen und weiß, dass man sich treu geblieben ist. Und sollte der eigene Weg in den Misserfolg führen, kann man daraus lernen und sich weiterentwickeln.

gramm.genau: Für ein Leben ohne Müll

Das Team von gramm.genau will zu einem ressourcenschonenden Leben beitragen. Seit über einem Jahr können Frankfurter im Shop regionale Bio-Produkte unverpackt – also ganz ohne Plastik und andere unnötigen Verpackungen – einkaufen oder sich im Onlineshop bestellen und liefern lassen. Zudem vertreibt das Unternehmen umweltfreundliche Büro-Snack-Boxen und aktuell läuft eine , in dem komplett ohne Einwegprodukte gearbeitet werden soll. Mehr dazu findet ihr auch in diesem Video.

Gründerin Christine sagte uns, dass sie als Social Start-up, das Produkte verkauft, zum Glück weniger oft die Frage erhalten, wie sie Geld verdienen. Ungläubige Blicke und Nachfragen kämen eher, wenn sie kommunizieren, dass sich das Unternehmen bewusst gegen die günstigere, aber weniger nachhaltige, Alternative entscheiden.

Überwiegend ist unser Feedback positiv. Aber natürlich wurde unsere Idee auch schon als „träumerischer Irrsinn von Studenten am Küchentisch“ bezeichnet.

Ihre Taktik, wenn Leute ungläubig nachfragen und beispielsweise denken, sie könnten doch eh kein Plastik reduzieren:

 Auf jeden Fall geduldig bleiben und aus der sachlichen Ebene mit vielen Beispielen erklären.

Außerdem empfiehlt die Gründerin, sich an die eigene Nase zu fassen:

Man muss sich ja nur daran erinnern, wir man selbst am Anfang auf das Thema reagiert hat. Mir persönlich geht es zum Beispiel auch oft so, dass ich bei neuen Ideen, die ich höre, skeptischer bin, als es als Gründer angemessen ist. Typisch deutsch eben. Da ist es wichtig, mit einer offenen Einstellung auf andere, deren Ideen und deren Feedback einzugehen.

Tourlane: Traumreisen nach Maß

Tourlane
Tourlane ist mehr als nur ein „Online-Reisebüro“ (Foto: Screenshot tourlane.de)

Julian Stiefel und Julian Weselek haben 2016 gegründet. Das Berliner Start-up stellt für seine Kunden ganz individuell Reisen zusammen: von der ersten Beratung über die Buchung bis hin als Ansprechpartner während der gesamten Reise. Egal, ob Abenteuerurlaub oder Familienrundreise, Tourlane will das Reiseerlebnis für jeden ganz persönlich einzigartig machen. Während am Anfang kaum einer an ihre Idee glaubte, schließlich ist der Markt rund um Reisebuchungen auch schon gut gefüllt, tun das Investoren heute sehr wohl. Erst im März gab das Unternehmen eine zweite Finanzierungsrunde in Höhe von 7 Millionen Euro bekannt. Bereits im Sommer 2017 steckten Holtzbrinck Ventures und verschiedene Business Angels rund 1,6 Millionen Euro in das Start-up. Geschäftsführer Julian Weselek sagte uns:

Junge Unternehmen sollten so früh und so viel wie möglich mit ihren Kunden sprechen, denn diese schätzen den direkten Kontakt. So bekommt man die ehrlichste Einschätzung, ob sich wirklich ein Geschäft hinter der Idee verbirgt oder ob es nur bei einer schönen Idee bleibt.

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