Neben Kapital: 5 Dinge, die bei der Wahl eines Business Angels wichtig sind



Bereits am Montag haben wir spannende Geschäftsideen vom Deutschen Business Angel Tag in Hamburg vorgestellt. Doch die Teilnahme hat sich nicht nur für Start-ups und Netzwerker gelohnt, sondern auch für die Wissbegierigen. Damit ihr eine Idee davon bekommt, was Hintergrundgespräche und Workshops zutage förderten, halten wir die 5 Learnings nachfolgend fest.

Als Start-up-Gründer solltet ihr prinzipiell jede Chance nutzen, eure Geschäftsidee potenziellen Investoren vorzustellen. Einerseits bekommt ihr ehrliches Feedback und damit die Möglichkeit einer Kursänderung – gemäß dem Prinzip „Check and Balance“ und anderseits habt ihr eine reelle Chance, den passenden Investor zu finden. Wo wir schon beim Thema sind: Was zeichnet eigentlich einen passenden Investor aus? Diese Frage kann allerdings keiner pauschal beantworten. Hier aber ein paar Gedanken aus den zwei Tagen im Diskurs mit Business Angeln, Venture Capital-Investoren und Vertretern aus Politik und Wirtschaft.

Business Angel Tag
Der Deutsche Business Angel Tag 2018 in Hamburg (Foto: BAND)

#1 Portfolio und Trackrekord abfragen

Es gibt Business Angels, die mehr als 50 Investments gleichzeitig halten – diese verfolgen dann wohl eher den Spray-and-Pray-Ansatz. Ob ihr mit so einem Investor eure Ziele erreicht, diese Frage müsst ihr euch selbst beantworten. Das gleiche gilt natürlich auch für einen Business Angel, der noch nie eine größere Anschlussfinanzierung begleitet hat.

In jedem Fall ist es aber ratsam, beim Sondierungsgespräch mit einem Business Angel nicht nur Fragen zu beantworten, sondern vielmehr selbst die richtigen Fragen zu stellen.

#2 Kapitalbedarf zu Ende denken

Überlegt sorgfältig, wie hoch euer Kapitalbedarf zukünftig sein wird. Wenn von vornherein klar ist, dass ihr nach der Produktentwicklung und Markteinführung bei einem skalierbaren Geschäftsmodell für eine mögliche Internationalisierung weiteres Kapital und anderes Know-how als zum Start benötigt wird, dann bezieht diese Gedanken am Tag 1 mit ein. Möglicherweise wäre ein Business Angel, der das nötige Branchen-Know-how mitbringt zwar auf den ersten Blick der richtige Angel für euch. Aber wenn dieser keine Kontakte zur internationalen Venture Capital-Szene und keine Erfahrungen mit der Internationalisierung hat, dann ist dieser Business Angel nur bedingt für euch geeignet.

#3 Mögliches Spannungsfeld zwischen Business Angel und VC beachten

Eine Kooperation zwischen Business Angel als Erstinvestor und VC als Kapitalbooster ist sicherlich möglich.

Klärt aber vor dem Onboarding des Business Angels ab, welchen Antrieb und Anlagehorizont dieser hat. Die Motivationen der privaten und institutionellen Investoren können sehr weit auseinandergehen.

Gerade VCs haben in der Regel einen klaren Zeithorizont für ihre Investments und werden schon im Erstgespräch das Thema Exit auf die Tagesordnung setzen. Also sprecht mit euren potenziellen Business Angels offen über mögliche spätere Investoren und vor allem über die Vertragsgestaltung hinsichtlich einer zukünftigen Bereinigung der Investorenbasis (Stichwort: Verwässerung). Im Idealfall bringt sich euer Business Angel direkt bei der späteren Kapitalsuche mit ein und zahlt einen M&A-Berater schon beim Erstvertrag.

Dr. Ute Günther, BAND
Wasser darf in Hamburg nicht fehlen: Auch auf hoher See fand ein Teil des DBAT statt – Hier links mit Dr. Ute Günther, Vorstand beim BAND (Foto: Mathias Jäger/Hamburg Startups)

#4 Know-how und Verfügbarkeit prüfen

Klärt, wie weit sich der potenzielle Business Angel beim Aufbau eures Start-ups beteiligen will und kann. Welche Kenntnisse aus eurer Branche kann er vorweisen und wie sieht seine generelle Verfügbarkeit aus – fristet er vielleicht sein Dasein auf dem Golfplatz oder auf einem Segelboot? Ist er für Ad hoc-Herausforderungen, die das tägliche Hamsterrad mit sich bringt, ansprechbar und für erforderliche Unterschriften/Verhandlungen mit neuen Investoren immer kurzfristig verfügbar (Stichwort: Information- und Zustimmungsrechte)?

#5 Klassische Themen für zukünftiges Konfliktpotenzial vermeiden

Sei es die Vertragsgestaltung im Allgemeinen (Verwässerung bei Kapitalerhöhung, Geheimhaltung auch nach dem Exit, Mitsprache- und Kontrollrechte) oder die Finanzierungsformen im Besonderen (Stichwort: Wandeldarlehen): die Zukunft birgt eine Menge Konfliktpotenzial zwischen den Gründern, Seed-Investoren (Business Angels) sowie institutionellen Investoren (VC Fonds). Kümmert euch rechtzeitig um diese klassischen Themen. Ein Co-Investment mit einem öffentlichen Träger (wie dem HTGF) kann Kosten und Risiko reduzieren. Auf jeden Fall solltet ihr euch unbedingt mit diesen Themen auseinandersetzen, bevor ihr an einem so lohnenswerten Event wie dem Deutschen Business Angel Tag des BAND teilnehmt.

Fazit: Mehr als nur auf das Geld schauen

Als sehr wichtige Punkte sehen wir das gegenseitige Vertrauen sowie die offene Kommunikation zwischen Business Angel und Gründer. Aber der wichtigste Punkt beim Zusammenschluss ist ein belastbares Regelwerk. Ein Vertrag wird immer für die Zeiten geschlossen, in denen die Interessen der Protagonisten konträr auseinanderlaufen. Achtet also darauf, dass sich die vielen Eventualitäten und Interessen aller Beteiligten im Vertragswerk widerspiegeln.

Übrigens: Schon bald könnt ihr beim Investforum Pitch Day X potenzielle Investoren treffen. Mehr spannende Termine für Gründer findet ihr auch in unserem Kalender.