USA vs. Deutschland: „7 Learnings nach unserer Zeit im StartX Accelerator“



Laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes ist StartX einer der besten Acceleratoren der Welt. Im September haben die Gründer des „Zentralen Fundbüros“ hier berichtet, wie sie es geschafft haben, dort angenommen zu werden. Jetzt verrät Markus Schaarschmidt seine Learnings aus seinen drei Monaten in Stanford.

Seit unserer Teilnahme am German Accelerator hat uns das Silicon Valley in seinen Bann gezogen. Mehrere Monate begleitete uns das vom BMWi geförderte Programm und half uns dabei, die ersten Schritte in unbekannter Umgebung zu meistern. Es dauerte auch nicht lange, bis wir erste Erfolge erzielten: Partnerschaften, neue Kunden… nach und nach wurde klar, dass sich das „Experiment Übersee“ für unser Zentrales Fundbüro auszahlt – bzw. Have it Back, wie wir uns für den internationalen Markt präsentieren.

StartX
Aus „Zentrales Fundbüro“ wird in den USA „Have it Back“ (Foto: Zentrales Fundbüro)

Doch das Silicon Valley-Fieber ist kein kurzfristiger Virus. Einmal damit in Berührung gekommen, wird man es nie wieder los. So war uns schnell klar, dass wir noch viel tiefer in die amerikanische Start-up-Szene einsteigen müssen. Immer wieder fiel in unserem Cohort ein Begriff: StartX, der Accelerator der Eliteuniversität Stanford.

Durch eine Kombination aus Beharrlichkeit und Umsetzung unserer Erfahrungen schafften wir die Aufnahme. Vor uns war das gerade einmal drei anderen deutschen Start-ups gelungen. Hier fanden wir das perfekte Umfeld, unser Unternehmen auf die nächste Stufe zu befördern. Immerhin ist der Accelerator einer der besten weltweit. Auf unserer rasanten Reise haben wir viel gelernt. Ein paar unserer Learnings möchten wir gerne mit euch teilen.

#1 Die Vision muss größer sein

Die Ambition ist klar: Das eigene Start-up soll eines der gefeierten Unicorns werden.

MVP, Kunden gewinnen, bootstrappen, Investitionen sammeln und so Schritt für Schritt dem Ziel näherkommen. Doch weit vor der Frage, wie man den Weg bestreitet, wird im Valley etwas ganz anderes von Anfang an in den Vordergrund gestellt: Was wollt ihr schaffen, was ist die eigentliche Vision?

Stellt euch doch folgendes Szenario vor. Elon Musk sagt euch direkt, dass eure Grundidee überzeugt. Nun will er von euch nur noch eines wissen: Wie würdet ihr den Markt kaufen und für Nachahmer und Wettbewerber keinen Platz mehr lassen – Geld spielt dabei keine Rolle! Auf einem StartX-Vortrag wurden auch wir vor dieses Szenario gestellt und merkten erstmals, wie klein unsere bisherige Vision eigentlich war.

StartX Accelerator
Der StartX-Accelerator zählt laut Forbes zu den besten weltweit (Foto: Zentrales Fundbüro)

#2 Meetings finden im Café statt

Ein Investor lädt euch zum Pitchen in sein Büro ein. „Super!“, denkt sich wohl jeder Entrepreneur im ersten Moment. Doch im Silicon Valley sollte das eher Grund zur Besorgnis sein, denn:

Ist ein Investor nicht bereit, seine eigenen Räumlichkeiten zu verlassen, ist davon auszugehen, dass er nicht sonderlich an eurem Start-up interessiert ist.

Besser ist ein kurzes informelles Treffen auf neutralem Gebiet, etwa einem Café. Alleiniges Gesprächsthema sollte nicht das eigene Start-up darstellen, vielmehr geht es darum, eine persönliche Verbindung zu schaffen. Beide Seiten gehen im besten Fall nach Beenden des Treffens mit dem Gefühl, das Gegenüber auf einer persönlichen Ebene kennengelernt zu haben.

Ist der Austausch für 20 Minuten angesetzt und dauert schon über eine Stunde, ist das ein gutes Zeichen. Dennoch sollte das Treffen aktiv beendet werden, etwa wegen eines Folgetermins. Bei der richtigen Gelegenheit also unbedingt ein zweites Date, Pardon, Treffen vorschlagen. Denn Ziel war es zunächst, die Neugierde zu erwecken, mehr voneinander erfahren zu wollen. Und haben beide Parteien genug Zeit ineinander investiert, erhöht sich letztlich auch die Wahrscheinlichkeit eines positiven finanziellen Investments.

#3 Blurbs und die Macht des Intros

Auch ein informelles Treffen muss arrangiert werden. Am besten geschieht dies durch einen Introgeber. Anders als die oftmals in Deutschland erlebte gängige Praxis, zeichnet sich die amerikanische Gründerlandschaft durch einen sehr überschaubaren „Überprüfungsprozess“ aus. Den beteiligten Parteien wird genug Kompetenz zugetraut, selbst darüber zu entscheiden, ob sich eine Zusammenführung lohnt.

Ein kurzer Klappentext, genannt „Blurb“, genügt und der Empfänger entscheidet selbst, ob er an weiteren Gesprächen interessiert ist.

Um den eigenen „Ruf“ für ein gegebenenfalls misslungenes Intro sorgt sich der Introgeber dabei nicht. Priorität und Wertschätzung wird auf das Netzwerken an sich gelegt. Zeitraubende Finanzplanungen, Businesspläne, Pitch-Decks und ähnliches auszusenden sollte vermieden werden. Denn alles, was die anderen Parteien über euch erfahren, sollte im persönlichen Austausch erfolgen, um die Kontrolle über den Narrativ zu behalten.

Eine gute Idee, eine spannende Vision, vielleicht schon erste Erfolge – erfahrenen Investoren reicht das, um sich in der Anfangsphase sehr schnell ein Urteil zu bilden. Es sollte außerdem darauf geachtet werden, dass Investoren nur dann als Introgeber zu weiteren Investoren in Frage kommen, wenn diese sich selbst am Unternehmen beteiligen. Hier ein Beispiel für einen Blurb, den wir je nach Zielgruppe entsprechend anpassen:

  • Alleine in den USA und Deutschland kostet Unternehmen die Fundsachenverwaltung über 63 Mrd. Euro. Unsere Lösung reduziert diese Kosten um bis zu 70 %. Privat Suchende sind gleichzeitig bereit über 50 Mrd. Euro zu bezahlen, um Verlorenes wiederzubekommen. Have it Back revolutioniert Lost & Found (L&F) mit dem Ziel, die 9 Mrd. jährlich verlorenen Gegenstände mit ihren Eigentümern zu vereinen. Wir bieten Enterprise Software, die L&F-Prozesse für Unternehmen outsourct und automatisiert. Mit über 6 Millionen Einträgen betreibt Have it Back die größte L&F-Plattform weltweit.

#4 Jeder spricht jede Sprache

Diese Erfahrung mussten wir mehrfach machen, bis sie endlich durchdrang: Es findet sich kaum ein bunterer kultureller Mix auf der Welt als in der San Francisco Bay Area. Nicht nur einmal wurden wir unerwartet von Fremden angesprochen, die sich weiter mit uns auf Deutsch unterhalten wollten. Besprecht also niemals öffentlich Vertrauliches, denn es besteht immer die Möglichkeit, dass jemand zuhört – und euch versteht.

#5 Nicht Stanford? Nicht wichtig!

StartX wurde ursprünglich für Studenten, Alumni, Professoren und Mitarbeiter der Stanford University ins Leben gerufen. Das macht sich natürlich auch in den Mitgliedern bemerkbar. Fast alle StartX-Teilnehmer haben eine klare Verbindung zur Stanford University. Daher überrascht es nicht, dass gerade einmal vier deutsche Start-ups die Aufnahme in das renommierte Programm schaffen konnten. Doch einmal aufgenommen, gibt es keine Zweiklassengesellschaft nach Herkunft. Mentoren, Tipps, Intros, ähnlich wie in einer Verbindung, stehen jedem gleichermaßen zur Verfügung – und zwar ohne zeitliche Begrenzung, wie es bei anderen Acceleratoren oft der Fall ist.

StartX ist hier durchaus als Mikrokosmos der Silicon Valley-Kultur zu verstehen. Wer etwas zu bieten hat, wird akzeptiert und in die Kreise aufgenommen. Wer den Weg über einen Accelerator nicht geht, kann über Bekannte, befreundete Entrepreneure oder öffentlich zugängliche Veranstaltungen den Anschluss suchen.

Zentrales Fundbüro
Markus Schaarschmidt (l.) und sein Gründerkollege Antonio Vega (Foto: Zentrales Fundbüro)

#6 Das Tempo ist ein anderes und die Zeitrechnung heißt „Runway“

Es ist empfehlenswert, eine vertrauensvolle Gruppe gleich gesinnter Gründer zu finden und regelmäßige Treffen zu arrangieren, gerne aus verschiedensten Branchen und mit unterschiedlichem Erfahrungsgrad: Alle zwei Wochen ein Treffen in einer Runde zu spezifischen Themen (Go-To-Market, Enterprise Sales, Fundraising, Public Relations…), in der praktische Tipps miteinander ausgetauscht werden. Die Erwartung sollte sein, bis zum nächsten Treffen Ergebnisse erzielt zu haben.

Auch die Feststellung, dass etwas nicht funktioniert, ist ein Ergebnis, mit dem weitergearbeitet wird. In der Gruppe kann unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Ideen gespielt und gemeinsam überlegt werden, wer im eigenen Netzwerk das Unternehmen des anderen weiterbringen könnte. (Sollte hier beim ein oder anderen der Eindruck entstehen, dass wir eine Art Selbsthilfegruppe beschreiben – ihr habt nicht ganz unrecht.)

Die wichtigste Komponente, die bei allen Entscheidungen im Vordergrund steht, ist allerdings immer die universelle Start-up-Zeitrechnung namens Runway. Wie lange überlebt das Unternehmen unter aktuellen Bedingungen? Wie viel Kapital ist zusätzlich notwendig, um den nächsten Meilenstein zu erreichen? Hier wird erfahrungsgemäß bei den meisten eher in Wochen als Monaten oder Jahren gerechnet. Probieren geht in den USA gerne über studieren – selbst am Accelerator einer Eliteuniversität.

#7 Der Blick aus Deutschland auf die USA

Was uns besonders stark aufgefallen ist, sind die schnellen und wirkungsvollen Netzwerkeffekte im Silicon Valley. Nicht nur dort, der Glanz von Stanford reicht sogar bis nach Deutschland. Noch während wir in den USA waren, suchten plötzlich deutsche Großunternehmen und Investoren den Kontakt zu uns.

Unser Resümee nach weiteren 3 Monaten Silicon Valley ist eindeutig: Wir brauchen dringend diese Netzwerkeffekte – auch innerhalb Deutschlands.

Eine Möglichkeit wäre das StartX-Modell in Ansätzen zu kopieren. Statt allerdings nur ein Netzwerk innerhalb einer Universität voll auszuschöpfen, könnten sich mehrere deutsche Universitäten zusammenschließen und ein Gründernetzwerk schaffen, das sich international mit den besten messen lassen kann. Wie auch bei StartX wird es allerdings nur funktionieren, wenn Studenten mit Entrepreneurgeist selbst das Ruder in die Hand nehmen.

Alle Teile der Serie im Überblick

Wer die letzten Erfahrungsberichte verpasst hat oder alle Teile noch einmal nachlesen möchte, der kann sich durch diese Artikel klicken:

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