Vision, Wille und Mietkleidung im Abo: Damit hat diese Gründerin Erfolg



Astrid Bredereck will die Welt ein klein wenig besser machen und hat deshalb ihre Geschäftsidee, ökologische und nachhaltige Kleidung zu vermieten, im Online-Shop Räubsachen.de verwirklicht. Eine Idee, die auch die Jury des diesjährigen KfW Award Gründen überzeugte und Räubersachen zum Landessieger in Sachsen-Anhalt machte. Im Interview hat uns Astrid erklärt, wie der Start verlief, warum man nicht immer alles bis ins kleinste Detail planen sollte und weshalb Durchbeißen für einen Gründer wichtig ist.

Recitfga-bsl.info: Astrid, Räubersachen.de gibt es inzwischen seit mehr als zwei Jahren. Wie verlief aber der Start und wie viele „Nicht-Freunde“ haben die Seite eigentlich im ersten Monat besucht?

Astrid von Räubersachen.de: Da ich mich eher auf mein Bauchgefühl als auf Zahlen verlasse – dafür ist jetzt zum Glück Felix da – kann ich leider nicht mit konkreten Angaben dienen. Allerdings weiß ich noch sehr genau, wie ich am 12. Mai 2015 vor meinem Rechner saß und die Seite online geschaltet habe. Dreißig Minuten später traf die allererste Bestellung ein, sie stammte von einer mir vollkommen unbekannten Frau aus Kiel, die auch heute noch bei Räubersachen mietet. Kurze Zeit später kam die nächste Bestellung aus Kiel – die Kundin hatte ihren Freundinnen Bescheid gesagt.

Ich bin vor Freude durchs Zimmer gehüpft und habe gejubelt.

Astrid Brederek und ihr Team bieten nachhaltige und ökologische Kleidung zum Mieten (Bildquelle: Räubersachen)

Recitfga-bsl.info: Wie lange hat es zu Beginn gedauert, bis du dir sicher warst, dass es ein Erfolg wird? Hast du dir selbst Deadlines gesetzt, bis zu denen entweder bestimmte Meilensteine erreicht worden wären oder du alternativ die Reißleine gezogen hättest?

Astrid von Räubersachen.de: Das kommt ganz auf die Definition von Erfolg an. Wenn es um das Geldverdienen geht, so wird Räubersachen sehr wahrscheinlich niemals wirklich erfolgreich sein, weil das Konzept einfach nicht darauf ausgelegt ist. Geht es aber darum, viele Menschen zu begeistern, das Konsumverhalten zu verändern und etwas zu bewegen, so war es von Anfang an sehr stark spürbar, dass Räubersachen sehr erfolgreich ist und sein wird.

Deadlines und Meilensteine sind nicht meine Arbeitsmethoden, aber ich saß teilweise schon sehr aufgeregt mit Zahlenprofis zusammen und habe gebangt, ob das Ganze überhaupt irgendwie funktionieren kann und wir weiter machen können.

Recitfga-bsl.info: Was war rückblickend die Maßnahme, die Räubersachen.de den größten Push versetzt hat?

Astrid von Räubersachen.de: Die Idee und das Konzept selbst! Diesem mit viel Liebe, Hingabe und auch Aufopferungsbereitschaft zu dienen war und ist die allerwichtigste „Maßnahme“. Alles Weitere ergibt sich beinahe von allein. Deshalb war und ist es auch so wichtig, dass die passenden Menschen zu uns finden, um mit uns für Räubersachen zu arbeiten.

Es braucht eine starke gemeinsame Vision und auch Willen, um harte und wirklich sehr arbeitsintensive Zeiten zu meistern.

Recitfga-bsl.info: Inzwischen habt ihr in den sozialen Medien, besonders bei Facebook und Instagram, eine stark wachsende Fangemeinde. Warum sind gerade diese Marketingkanäle für euch besonders wichtig? Und wie viele Ressourcen steckt ihr dort hinein?

Astrid von Räubersachen.de: Über die sozialen Medien können wir uns wunderbar mit unseren Nutzern austauschen. Für uns sind das oft sehr, sehr wertvolle und wichtige „Gespräche“, die hier stattfinden. Wir begreifen sie somit gar nicht als Marketingkanäle und haben weder geplante Absichten, noch gesteckte Ziele. Wir nutzen die Kanäle, um von Räubersachen und unseren Wegen zu erzählen, um unsere Sorgen zu teilen und um Unterstützung zu bitten. Wir nutzen sie für Fragen, Mitteilungen und Inspiration. Genaue Angaben über die Ressourcen gibt es nicht, wer etwas zu posten hat, der tut es.

Wichtig ist uns, dass es ehrlich ist und von Herzen kommt.

Recitfga-bsl.info: Welche weiteren Maßnahmen sind für euch besonders wichtig, damit ihr von potenziellen Kunden gefunden werdet?

Astrid von Räubersachen.de: Da müsste ich eher in der Zukunftsform sprechen, denn weder unsere Suche ist der Knaller, noch nutzen wir Google AdWords, um besser gefunden zu werden. Wir investieren unsere Kraft und Energie in Räubersachen direkt und kommunizieren beispielsweise sehr wertschätzend und offen mit den Nutzern. Diese wiederum empfehlen Räubersachen gern weiter und so macht das Mieten von ökologischer Kleidung bei den Menschen die Runde, für die es im Moment auch wirklich eine Bereicherung und Hilfe darstellt, unser Angebot zu nutzen. Und wir freuen uns natürlich immer über Berichte und Interviews wie dieses hier.

Recitfga-bsl.info: Ihr setzt bei Räubersachen.de auf ein Abo-Modell. Wie treu sind eigentlich Abo-Kunden und was muss man tun, um diese langfristig zu binden?

Astrid von Räubersachen.de: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie treu Abo-Kunden pauschal sind, denn ich habe keinerlei Vergleiche zu anderen Modellen. Für uns macht das Mietmodell Sinn, um Ressourcen zu schonen und einen anderen Umgang mit Kleidungsstücken vorzuleben.

Grundsätzlich denke ich aber immer, dass es um den Nutzen für den Kunden geht, d.h. ob ihn die Sache überzeugt und erfreut.

Sich mit etwas zu identifizieren und davon begeistert zu sein, ist so viel mehr wert, als eine Punktekarte im Portemonnaie mit sich zu tragen.

Aus dieser Überzeugung heraus bieten wir auch keine manipulativen Rabatte oder Preisvorteile an. Wir wünschen uns, dass die Menschen nur das mieten, was sie auch wirklich benötigen und wollen sie genau darin unterstützen.

Mit dem Abo-Paket zum Erfolg: Per Paket kommen die ökologisch und nachhaltigen Kleidungsstücke zum Kunden (Bildquelle: Räubersachen)

Recitfga-bsl.info: Ihr seid bei eurem Modell auch darauf angewiesen, dass eure Kunden die geliehenen Produkte in einem brauchbaren Zustand zurücksenden, damit ihr diese wieder neu vermieten könnt. Was tut ihr hier, um das zu gewährleisten?

Astrid von Räubersachen.de: Wir leben vor, wie schön und wertvoll gebrauchte und reparierte (Woll-)Kleidung ist. Wir zeigen, wie man sie am besten wäscht, pflegt und behandelt und geben unsere Erfahrungen weiter. Wir entwickeln Anleitungen zur Reparatur von Löchern und Laufmaschen, die auch bei allen anderen Kleidungsstücken angewendet werden können. So drücken wir bei allem was wir tun unsere Wertschätzung gegenüber der Kleidung aus. Die Sachen erzählen in unserem Denken und Fühlen Geschichten und haben viel erlebt. Löcher oder Schäden gehören dazu. Sie sind nichts Schlimmes – im Gegenteil: sie eröffnen den Rahmen um die Geschichte liebevoll weiter zu erzählen und die Kleidung anschließend dem nächsten Kind zur Verfügung zu stellen.

Recitfga-bsl.info: Habt ihr eigentlich alle Produkte, die ihr vermietet, tatsächlich auf Lager oder werden die erst bei der Bestellung durch den Kunden geordert?

Astrid von Räubersachen.de: Alle Artikel, die man bei uns mieten kann, befinden sich bei uns. Und wenn es mal einen Fehler im Warenbestand gab, dann geht Magnus – er packt die Bestellungen – eine Tür weiter zu Melle – sie ist unsere Waschqueen – und bittet sie um das jeweils fehlende Teil. Manchmal hat er Glück und Melle hat gerade etwas Passendes von unserem Trockengestell abgenommen und gelegt. Ein anderes System ist bei uns undenkbar und die Eltern wünschen sich die Bestellung innerhalb kürzester Zeit.

Recitfga-bsl.info: Gerade der Aufbau des Grundstocks an Kleidung war doch sicher kapitalintensiv. Wie habt ihr den Start finanziert?

Astrid von Räubersachen.de: Privat und mit Wegen, die mir vorher undenkbar erschienen. Ich hatte mir vorher noch niemals in meinem Leben Geld geliehen und plötzlich hatte mich Räubersachen dermaßen überzeugt, dass es kein Problem mehr dargestellt hat. Meine Eltern, die (fast) Schwiegereltern und auch meine Schwester haben uns Geld geliehen und bekommen es natürlich auch zurückgezahlt. Darüber hinaus investieren wir von Anfang an einen großen Teil des Umsatzes in neue Waren und bemühen uns, alle anderen Kosten so gering wie möglich zu halten.

Wir sind sehr sparsam.

Recitfga-bsl.info: Viele Shop-Modelle im Internet haben eine recht niedrige Einstiegsbarriere. Was tut ihr, um euer Produkt stetig weiterzuentwickeln und wie schützt ihr euch vor Nachahmern?

Astrid von Räubersachen.de: Die Einstiegsbarriere für das Mieten von Kleidung ist alles andere als niedrig. Es beginnt schon damit, dass es auf dem Markt keine geeignete Software dafür gibt, somit muss man sich das alles selbst ausdenken und entwickeln. Wir hören unseren Nutzern sehr gut zu und versuchen nach und nach, alle Ideen umzusetzen und Räubersachen zu verbessern. Es braucht sehr viel Idealismus, um ein Unternehmen wie Räubersachen zu gründen und vor allem auch weiterzuentwickeln. Ab und an werde ich von begeisterten Frauen gefragt, ob sie so etwas wie Räubersachen auch in einem anderen Land starten dürfen. Nach einem ehrlichen Gespräch ist oft sehr schnell klar, dass nicht jeder bereit ist, diesen enormen Einsatz im Dienste einer Idee zu erbringen.

Recitfga-bsl.info: Wie verlief die Bewerbung beim KfW Award Gründen und was nehmt ihr von der Auszeichnung mit?

Astrid von Räubersachen.de: Diese Bewerbung verlief absolut unproblematisch und sehr einfach. Ich bekam nochmal einen telefonischen Anstupser und dann war das Formular schnell ausgefüllt. Die Auszeichnung hat uns riesig gefreut und wir sind fast vollzählig zur Preisverleihung nach Berlin gefahren.

Der Abend wiederum hat uns eher verwirrt und verunsichert, aber auch das hat sich inzwischen als sehr positiv herausgestellt.

Wir waren und sind dadurch noch einmal mehr aufgefordert gewesen, uns wirklich zu positionieren: Was wollen wir? Was sind unsere Ziele und was ist unsere Vision für Räubersachen? Wollen wir wirklich um jeden Preis wachsen? All diese Fragen waren nach dem Abend in Berlin sehr präsent. Inzwischen haben wir uns auf den Weg gemacht, die Antworten zu finden. Ein wundervoller und spannender Prozess.

Bevorzugt an Kinder richtet sich das Angebot von ökologischer Mietkleidung (Bildquelle: Räubersachen)

Recitfga-bsl.info: Astrid, letzte Frage: Welche Tipps hast du für andere Gründer, um sich auch dann zu motivieren, wenn es im Start-up mal nicht so nach Plan verläuft?

Astrid von Räubersachen.de: Schokolade essen. In die Natur gehen, sich Hilfe und Unterstützung holen. Sich selbst besser und tiefer kennenlernen und verstehen: Warum mache ich das jetzt so? Warum empfinde ich das jetzt so? Sich selbst eingestehen, was man gut kann und was eben auch nicht und dementsprechend handeln. Und manchmal braucht es auch ein Durchbeißen und einfach nicht aufgeben.

Recitfga-bsl.info: Astrid, vielen Dank für das Gespräch.

Astrid von Räubersachen.de: Ich danke herzlich für diese wertvollen Fragen!

Habt ihr auch das Zeug zum Preisträger?

Die Sieger des KfW Award Gründen 2017 sind gekürt. Doch auch 2018 wird es wieder eine Wettbewerbsrunde geben, für die sich Gründer und Unternehmer bewerben können. Der Wettbewerb startet im Mai 2018, bereits jetzt könnt ihr, das den Preis verdient hat.

Wer mehr über den KfW Award Gründen erfahren möchte, besucht direkt die . Dort findet ihr auch viele weitere Bilder, Filme, Porträts und Hintergrundinformationen zu allen Preisträgern.

  • Der KfW Award Gründen ist ein bundesweiter Gründerwettbewerb. Jedes Jahr werden Jungunternehmer gesucht, die einen Mehrwert mit ihrer Geschäftsidee schaffen und soziale Verantwortung übernehmen. Im Fokus stehen innovative Geschäftsmodelle, originelle Produkte bzw. Dienstleistungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und nachhaltiges Unternehmertum. Vergeben werden mit Preisgeldern dotierte Landespreise, ein Bundessieg, ein Publikumspreis sowie ein Sonderpreis. Die Jury wird von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Medien, Landesförderinstituten und Industrie- sowie Handelskammern besetzt. Recitfga-bsl.info unterstützt den KfW Award Gründen als Medienpartner
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