Investment oder kein Investment? Wenn der Gründertyp entscheidet



Wenn ein Investment von einem Venture Capitalist abgelehnt wird, gibt es dafür häufig zwingende Gründe wie Marktgröße und Marktwachstum, Wettbewerb, Technologie, Unternehmensphase, Investmenthöhe oder Unternehmensstandort. Ein VC möchte sich hinsichtlich seiner finalen Entscheidung nur begrenzt in die Karten schauen lassen, weshalb Absagen häufig nur kurz begründet werden. Ein Grund, der in der Regel selten genannt wird, aber mit der häufigste Ablehnungsgrund ist, ist das Team bzw. der Gründertyp.

Erfinder, Unternehmensberater oder Serial Entrepreneur? Welcher Gründertyp bist du?

Ein Venture Capitalist ist auf gute Gründerteams angewiesen, um die finanzierten Start-ups nach mehreren Jahren harter Arbeit zum Fliegen zu bringen. Natürlich soll aber niemand vor den Kopf gestoßen werden, wenn es heißt „das Team passt nicht“. Daher wird dieser Grund häufig nicht direkt kommuniziert.

Bei den tausenden von Projekten und Gründern, mit denen ein VC-Geber Kontakt hat, entwickelt er ein gutes Gespür dafür, welcher Gründertyp und welche Teamkonstellation am erfolgreichsten sein kann.

Zwar kann und wird ein Investor sich auch oft genug irren. Eine erste Einschätzung muss er bei der Eignung des Teams aber treffen. Exemplarisch lassen sich immer wieder ähnliche Gründertypen erkennen. Für sich alleine gestellt sind sie nur sehr selten in der Lage, ein Start-up zu einem großen Erfolg zu entwickeln. In Kombination können sie aber ein sehr gutes Team darstellen.

Unser Gastautor Dr. Jan Alberti, Managing Partner bei der bmp Ventures AG, stellt euch die aus seiner Erfahrung 7 am häufigsten auftretenden Gründertypen vor und gibt Tipps zur passenden Teamzusammensetzung.

…und welcher Gründertyp bist du?

Folgende 7 Gründertypen hat Dr. Jan Alberti in seiner Zeit als Venture Capitalist am häufigsten angetroffen.

Typ 1: Der freie Erfinder

Der traditionellste Gründertyp ist sicherlich der „freie Erfinder“, dessen Idee zwar bahnbrechend sein mag, der in der Regel aber alles alleine machen möchte, die Patente nicht aus seinen privaten Händen geben will und dem kaufmännisches Know-how fehlt, um eine Idee zur Marktreife und Profitabilität zu führen. Der „freie Erfinder“ hat zumeist nicht nur ein Projekt, das er gerne umsetzen möchte, sondern mindestens ein halbes Dutzend. Passion und die Risikobereitschaft sind ausreichend vorhanden – Umsetzungsfähigkeit und Marktorientierung allerdings seltener.

Typ 2: Wissenschaftler und Student

Der „Wissenschaftler und Student“, der direkt aus seiner Forschungstätigkeit an einer Universität oder einem Forschungsinstitut heraus gründen möchte, ist zumeist im Aufbau eines Unternehmens unerfahren. Sehr wohl kann man ihm aber technisches Know-how und Durchhaltevermögen zusprechen. In Kombination mit branchenerfahrenen und kaufmännisch versierten Mitgründern kann das eine sehr interessante Mischung ergeben. Wobei hier dringend auf den richtigen Fit der Mindsets zu achten ist. Über die Jahre kann es zwischen einer aggressiven Sales-Person und einem verkopften Wissenschaftler zu Problemen kommen.

Typ 3: Der Unternehmensberater

Ehemalige „Unternehmensberater oder Investment Banker“ schaffen es schon auf Konzeptbasis, ein neu gegründetes Start-up in chicen Powerpoint-Folien hervorragend zu präsentieren. Zumeist hapert es hier zwar nicht an der Fähigkeit, einen Businessplan zu exekutieren. Nur ist dieser Gründertyp selten selbst dazu in der Lage, operativ etwas zum Wertzuwachs des Start-ups beizutragen. So muss vor allem die technische Entwicklung teuer eingekauft (Agenturen, Freelancer) oder durch weitere Mitarbeiter abgebildet werden. Dies kann insbesondere in der Seed-Phase schnell sehr teuer werden und länger dauern, als geplant. Schneller Markenaufbau, Marktpenetration und Wachstum um jeden Willen stehen bei diesen Gründern häufig im Fokus und können in Kombination mit eher technisch versierten Mitgründern sehr erfolgreich sein.

Typ 4: Branchenerfahrene Angestellte

Ein weiterer interessanter Gründertyp ist der „branchenerfahrene ehemalige Angestellte im Bereich Vertrieb, Produkt oder Technologie“, der in seiner täglichen Arbeit eine Idee bzw. ein Konzept entwickelt und bereits evaluiert/getestet hat. Er sieht nun einen vorhandenen großen Bedarf auf Kunden- oder Marktseite, darf diesen im Rahmen seiner Anstellung aber nicht angehen. Durch die Gründung eines eigenen Start-ups möchte er seine Geschäftsidee nun umsetzen und das vorhandene Marktpotenzial abschöpfen.

Typ 5: Der Dienstleister

Der „Dienstleister“ erbringt aktuell beispielsweise eine Agenturleistung und möchte diese auf Basis der vielen Anforderungen der Kunden nicht nur händisch über Mitarbeiter, sondern auch technisch mit Hilfe einer Plattform lösen. Meist fehlen ihm das technische Know-how und die entsprechenden finanziellen Mittel. Gepaart mit den richtigen technischen Mitgründern kann es ein spannendes Projekt sein, z.B. eine Agentur zu einem Anbieter von SaaS-Produkten weiterzuentwickeln.

Typ 6: Serial Entrepreneur

Der Gründertyp „Serial Entrepreneur“ ist Fluch und Segen zugleich. Hat er schon vorher ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut, weiß er zumindest, welche Anforderungen ein Unternehmen beim Wachstum mit sich bringt. Ob er gleich die nächste bahnbrechende Idee zum Product/Market-Fit und zum Erfolg führen kann, ist möglich, aber nicht zwingend. Sollte er bereits einen hohen Exit-Erlös erzielt haben, hat er meist mehrere Projekte als Business Angel, Panel-Redner, Konzern-Berater und Freizeitgestalter parallel. Ihn nur auf das eine (neue) Start-up zu fokussieren, kann recht schwierig sein. In einem Team agiert er zumeist recht dominant.

Typ 7: Der Lifestyle Founder

Besonders in Start-up-Hotspots trifft man verstärkt auf „Lifestyle Founder“, die manchmal nur ein Projekt starten, um sich Founder nennen zu können. In der Regel ist das „Buzz-Word Bingo“ ihr einziger Wortschatz, die Bewertung der bahnbrechenden Idee bereits mehrere Mio. Euro hoch und das eigene Netzwerk zu bereits erfolgreichen Unternehmern und US-VCs weitreichend.

Was ist jetzt die beste Teamzusammensetzung?

Im Durchschnitt haben sicherlich die „branchenerfahrenen ehemaligen Angestellten im Bereich Vertrieb, Produkt oder Technologie“ in Kombination mit technischen Mitgründern und einem Entrepreneur die größten Erfolgsaussichten.

Die Frage nach der besten Teamzusammensetzung lässt sich aber kaum pauschal beantworten. Alles in allem muss das heterogen aufgestellte Team harmonisch, aber nicht kritikfrei, miteinander und mit dem VC arbeiten und sich sehr gut fokussieren können.

Die Begeisterung, der Wille, das Durchhaltevermögen und die Zuverlässigkeit müssen für einen Investor spürbar sein. Ein Start-up aufzubauen ist ein Marathon und die Investoren müssen den Eindruck gewinnen, dass das Team diesen bestreiten kann und will.

Die Gründer eines Start-ups sind für Venture Capitalisten also der wichtigste Faktor, es zum Erfolg zu führen. Sobald sie ein gutes erstes Setting aus Technologie, Produkt, Markt und Team sehen, helfen sie auch schon vor dem Einstieg, das Start-up richtig zu fokussieren, um in kurzer Zeit erste Erfolge erreichen zu können. Wer einen VC dann mit an Bord hat, kann dauerhaft mit der Hilfe rechnen, muss aber auch hart arbeiten, um weitere ambitionierte Ziele zu erreichen.

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