Selbsttest Steuererklärung: Wer hat auch schon so gelitten?



Der 31. Mai bedeutet für Unternehmer: Abgabe der Steuererklärung. Vielen Selbstständigen graut es vor diesem Datum. Spaß macht es verständlicherweise den wenigsten, sich damit auseinanderzusetzen. Da wundert es nicht, dass viele Existenzgründer den vermeintlich sorgenfreien Weg wählen und ihre Steuererklärung in die Hand des Steuerberaters geben – so wie wir es auch bei Recitfga-bsl.info tun. Doch kann man die Steuererklärung nicht auch selbst machen? Unser Teammitglied Alexander war vor seiner Zeit bei Recitfga-bsl.info selbstständig und hat die verschiedenen (Leidens-)Wege zur Steuererklärung probiert. Erfolg und Misserfolg schildert er heute.

2012: Steuererklärung in Eigenregie

Im Jahr 2012 überkam mich die grandiose Idee, ein Internet-Start-up zu gründen. Gesagt, getan – ich kündigte mein Angestelltenverhältnis und wagte den Schritt in Start-up-Szene mit ihren Höhen und Tiefen.

Zu Beginn waren die Umsätze natürlich gering, die anfallenden Kosten entsprechend hoch. Um nicht gleich im ersten Jahr aufgrund von Liquiditätsengpässen zu scheitern, entschied ich mich bei der Erstellung der Steuererklärung ganz selbstbewusst für die günstigste und damit meiner schwäbischen Herkunft entsprechenden Variante: Ich machte sie selbst. Schließlich hatte ich BWL studiert und mein Buchhaltungsseminar erfolgreich, wenn auch nur mit Note „ausreichend“, abgeschlossen. Was konnte schon groß schief gehen?

3 Wege zur Steuererklärung
Schon so manchen Gründer hat die Erstellung der Steuererklärung zur Verzweiflung gebracht

Kostengünstig, dafür zeitintensiv und schlecht für die Work-Life-Balance

Im Kalender rückte der Tag der Abgabefrist für die Steuererklärung unaufhaltsam näher. Ungeachtet dessen kam ich kurz vor Toresschluss am 30. Mai 2013 erstmals auf die Idee, mich intensiver mit Begrifflichkeiten wie Einnahmenüberschussrechnung, Elster und der Anlage EÜR zu beschäftigen. Panik erfasste mich plötzlich. Umfang und Komplexität der Steuererklärung hatte ich eindeutig unterschätzt. Nach einer Flasche Wein und einem kleinlauten Anruf beim Finanzamt am nächsten Tag, atmete ich erleichtert auf, als mir eine Fristverlängerung bis zum 30. September zugestanden wurde.

Die Monate verstrichen und Ende September, genauer gesagt drei Tage vor Abgabefrist, wagte ich einen zweiten Versuch: Ich installierte Elster und setzte mich an die Anlage EÜR. Die Belege hatte ich im Vorjahr bereits mehr oder weniger sorgfältig in eine Excel-Datei übertragen, da ich zur monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung verpflichtet gewesen war. Nach anfänglichem Optimismus verzog sich mein selbstbewusstes Start-up-Grinsen bei der näheren Auseinandersetzung mit der Anlage EÜR zu einem düsteren Schmollen über die augenscheinliche Behördenwillkür und die schier unüberwindbaren Bürokratiehürden für junge Menschen, die schließlich etwas bewegen wollen. Innovativ sein und Steuererklärung passten einfach nicht zueinander.

Begriffe wie „AfA“, „geringwertige Wirtschaftsgüter“ oder „häusliches Arbeitszimmer“ schwirrten durch meinen Kopf und hörten erst damit auf, nachdem ich mir mein drittes Glas Gin Tonic gegönnt hatte.

In den beiden darauffolgenden Tagen kam ich nicht daran vorbei, mich intensiver mit der Materie der Buchhaltung, Einkommensteuer und Einnahmenüberschussrechnung auseinanderzusetzen. Und wider Erwarten war ich plötzlich im Flow – und das ganz ohne Alkohol. Alles ergab irgendwie Sinn. Adrenalin schoss durch meinen Körper und das Gefühl, sich selbst der eigenen Angst, aka Steuererklärung, gestellt zu haben, erfüllte mich in diesem Moment sogar mit ein wenig Stolz.

Nach drei schweißtreibenden Tagen voller Höhen und Tiefen hatte ich nun ohne zusätzliche Steuerberatungskosten meine Steuererklärung abgegeben. Die Erleichterung, die ich in diesem Moment verspürte, war unbeschreiblich.

  • Benötigte Zeit: zunächst ein erfolgloser Anlauf, danach drei Tage
  • Kosten: 0 Euro
  • Stressfaktor: hoch, bekämpft mit einer Flasche Wein und 3 Gläsern Gin Tonic

Ob ich es wieder machen würde? Wahrscheinlich nicht.

2013: Steuererklärung mit der Buchhaltungssoftware

Nach dem Desaster des Vorjahres lag die Sache für mich im nächsten Jahr klar auf der Hand: Du nimmst dir einen Steuerberater oder nutzt ein Buchhaltungsprogramm. Als weiterhin sparsamer Schwabe entschied ich mich für die Nutzung einer bekannten Buchhaltungssoftware XHSNX (Name von der Redaktion geändert) und wickelte bereits während des Geschäftsjahres meine Buchungssätze und die Umsatzsteuervoranmeldung darüber ab.

Nachdem ich bei der Buchhaltung festgestellte hatte, dass „Soll“ nichts mit Plankennzahlen und „Haben“ nichts mit meinem aktuellen Kontostand zu tun hat, ging das Buchen von Geschäftsvorfällen recht leicht von der Hand. Nur die Auswahl des korrekten Kontos stellte mich oft vor die Qual der Wahl. Im Zweifel entschied eben die Münze.

Bezahlbar und nervenaufreibend zugleich

Als im Mai 2014 die Frist zur Abgabe der Steuererklärung, wie jedes Jahr überraschend, näher kam, setzte ich mich an den Laptop und machte mich an meinen Jahresabschluss. Hatte ich mich im Jahr zuvor noch mit komplexen Begrifflichkeiten des Steuerwesens auseinandersetzen müssen, war die Erstellung der Steuererklärung mit der Buchhaltungssoftware mehr oder weniger per Knopfdruck für 100 Euro möglich. Da hatte sich die im Jahresverlauf verzweifelte Suche nach dem richtigen Buchungskonto doch noch gelohnt!

Nach dem Klick auf „Steuererklärung per Elster übertragen“ folgte jedoch Ernüchterung: „Ein Fehler ist aufgetreten“.

Statt meines Feierabendbiers musste ich mich nun doch noch mit einer fehlerhaften Software herumschlagen. Ich klickte auf „Okay“ und die Software stürzte ab. Nach einem Neustart waren alle meine Buchungen des vergangenen Jahres verschwunden und ich wurde darum gebeten, mein Konto neu einzurichten. Das Herz rutschte mir in die Hose, böse Erinnerungen an das Vorjahr wurden wach.

Doch kein Problem dachte ich. Einfach den Support anrufen. Nach einer Stunde in der Warteschleife und weiteren 30 Minuten emotionaler Diskussion mit der armen Dame am anderen Ende der Leitung hatte ich glücklicherweise meine Buchungen wieder zurück und schickte die Steuererklärung ab. Glück gehabt!

  • Benötigte Zeit: ein Abend bei unterjähriger Buchung der Geschäftsvorfälle
  • Kosten: ca. 100 Euro für die Software
  • Stressfaktor: kurzzeitiger Herzstillstand, abreagieren in der Supporthotline,  ein Bier und eines zur Belohnung

Ob ich es wieder machen würde? Wahrscheinlich nicht.

2014: Steuererklärung mit dem Steuerberater

Trotz des BWL-Studiums und der mittlerweile zwei erfolgreich abgegebenen Steuererklärungen entschied ich mich in meinem dritten Jahr der Selbstständigkeit, in den sauren Apfel zu beißen: Ich überließ die Steuererklärung einem Steuerberater. Und nicht nur das, ich übergab diesem sogar die verantwortungsvolle Aufgabe der monatlichen Buchführung. Lieber tief in die Tasche greifen, als in jungen Jahren an einem durch die eigene Inkompetenz oder fehlerhafte Buchhaltungssoftware verursachten Herzinfarkt das Zeitliche zu segnen. So dachte ich zumindest.

Eine Begegnung der besonderen Art

Mein Vater empfahl mir Dr. Gelbert (Name von der Redaktion geändert) als geeigneten Steuerberater, der ihm seit über 35 Jahre gute Dienste leistete. Ich lernte Herr Dr. Gelbert kennen und befand ihn für kompetent. Auch wenn er mit seinem langen, weißen Bart Gandalf aus Herr der Ringe ähnelte, vertraute ich in sein Fachwissen. Schließlich hatte er rein optisch jahrhundertelange Erfahrung.

Erste Bedenken kamen mir, als sich herausstellte, dass der gute Mann von mir erwartete, dass ich meine sämtlichen Belege jeden Monat bei einem persönlichen Besuch überbringe.

Ob auch eingescannt per E-Mail gehen würde, fragte ich. Nein, von diesem neumodischen Zeug würde er nichts halten. Nun gut. Aber per Post ist in Ordnung? Persönlich wäre ihm lieber, dann könne man noch eine Tasse Tee gemeinsam trinken.

Nachdem ich ihm klar machte, dass ich für ein unglaublich wichtiges Start-up arbeitete, mit dem ich die Welt verändern wolle, und keine Zeit für Teekränzchen mit Onkel Gandalf haben werde, zuckte er grummelnd mit den Schultern und erlaubte mir zumindest den Postweg.

Als das Jahr um war und die Steuererklärung anstand, konnte ich mich tatsächlich das erste Mal entspannt zurücklehnen. Dr. Gelbert alias Onkel Gandalf, wie ich ihn seitdem immer liebevoll nannte, erledigte seine Arbeit gut und hielt mich aus allem raus. Selbst Rückfragen gab es kaum. Einzig nach Erhalt der über 1.000 Euro hohen Rechnung musste ich mir einen Schnaps gönnen, da mein Unternehmensverlust nun um weitere 10 % angestiegen war.

  • Benötigte Zeit: halber Tag, unterjährig Versand der Buchungsunterlagen
  • Kosten: > 1.000 Euro
  • Stressfaktor: ein Schnaps

Ob ich es wieder machen würde? Wahrscheinlich schon.

Drei Jahre, drei unterschiedliche Erfahrungen

Nach drei Jahren des Experimentierens kann ich eines mit Gewissheit sagen: Die Steuererklärung macht keinen Spaß. Egal wie man sie erstellt. Doch man kann es sich auch unnötig schwer machen.

Für Selbstständige mit etwas Budget empfiehlt sich tatsächlich der Gang zum Steuerberater. Gründer mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen und wenigen Geschäftsvorfällen können sich auch selbst an ihre Steuererklärung wagen – insbesondere dann, wenn aufgrund des niedrigen Umsatzes noch keine Anlage EÜR ausgefüllt werden muss. Ansonsten empfiehlt sich auf jeden Fall die Nutzung einer professionellen Buchhaltungssoftware (hier haben wir Buchhaltungssoftware im Vergleich zusammengestellt).

Egal, für welchen Weg man sich letztlich entscheidet – eines sollte man bei der Erstellung der eigenen Steuererklärung möglichst immer mitbringen: Geduld und eine Flasche Wein.

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