Bist Du ein Business Model Guerilla? #keinBusinessplan



Viel zu oft kommt es vor, dass Gründer direkt in ihrer Anfangsphase aufgefordert werden, einen Businessplan zu schreiben, damit die Tragfähigkeit der Idee geprüft werden kann. Dafür sollen Planbilanzen, Gewinne und Verluste sowie andere Kennzahlen ermittelt werden. Unser heutiger Gastautor Dr. Daniel Schallmo ist Unternehmensberater, Dozent sowie Buchautor und er vertritt Meinung, dass es auch ohne den klassischen Businessplan geht.

Guerilla Business Modeling in der Praxis: Der Sushi-Laden

Um Guerilla Business Modeling praktisch darzustellen, wird ein Fall skizziert, der die Denk- und Handlungsweise eines Business Model Guerillas erläutert. Drei Freunde von mir hatten die Idee, einen eigenen Sushi-Laden zu eröffnen. Ein Architekt, ein Ingenieur und ein Kaufmann waren alle drei nicht vom Fach. Das war im Januar 2014. Nur wenige Monate später hatten sie ein Ladenlokal entdeckt, das sie für geeignet hielten.

Der einzige Haken: Es war nicht für eine Gastronomie ausgelegt und somit lag die Kalkulation für den Umbau durch Handwerker bei rund 150.000 Euro. Nachdem dieser erste Schock verdaut war und Ernüchterung einkehrte, war der erste Gedanke: „Das rechnet sich nie.“ Dennoch stellten sich die drei Freunde folgende Frage:

Wie schaffen wir es, mit einem Budget von etwa 30.000 Euro unseren Sushi-Laden aufzubauen?

Der Businessplan und der kalkulatorische Unternehmerlohn wurden ignoriert und nach nur einem Monat stand, Anfang September 2014, der finale Sushi-Laden bereit. Möbel wurden mit Arbeitsplatten aus dem Baumarkt in Eigenleistung erstellt, günstige Geräte wurden beschafft. Die Einrichtung der Küche erfolgte mit einfachsten Mitteln. Der gesamte Umbau erfolgte aus eigener Kraft sowie mit Hilfe von Freunden und Verwandten. An allen Elementen des Business Models wie Kundenkanäle, Prozesse und Lieferantenwahl wurden Kosten eingespart und mögliche zusätzliche Umsatzquellen identifiziert wie Firmenfeiern und Lieferservice.

Parallel dazu eigneten sich alle drei Expertenwissen an: von Vorgaben seitens der Stadt und des Gesundheitsamtes bis hin zu geeignetem Reis für die Sushi-Rollen und Lieferanten für Rohware. Sie luden Freunde zum Essen ein, um die Produkte hinsichtlich Geschmack, Handling und Preis zu testen und anschließend Verbesserungen vorzunehmen. Das Ergebnis waren neben klassischen Sushi-Rollen mit Fisch auch vegetarische und vegane Varianten, die als Ganzes serviert wurden und als Ankerprodukte fungierten. Ferner wurden Suppen und Reis-Salate angeboten und bei dem gesamten Produktportfolio wurde auf Laktose und Gluten verzichtet. Ein Beispiel für erfolgreiches Guerilla Business Modeling.

Eigenschaften eines Business Model Guerillas

Guerilla Business Modeling wird von einem Business Model Guerilla betrieben, der sich durch folgende Eigenschaften auszeichnet:

  • Weisheit: Ein Business Model Guerilla hat die Weisheit, Gelegenheiten zu erkennen und diese zu bewerten.
  • Mut: Ein Business Model Guerilla hat den Mut, Chancen wahrzunehmen und mentale Hürden zu ignorieren bzw. diese als Herausforderung aufzugreifen.
  • Expertise: Ein Business Model Guerilla ist Experte: Er eignet sich schnell Wissen an, um seine Branche, seine Kunden und sein Business Model zu verstehen, Regeln zu brechen und sein Projekt erfolgreich zu machen.
  • Sparsamkeit: Ein Business Model Guerilla hat ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein. Er prüft, an welchen Stellen im Aufbau und Betrieb seines Business Models Kosten reduziert werden können, ohne an Qualität einzubüßen.
Eigenschaften eines Business Model Guerillas (Quelle: Schallmo, 2016)
Eigenschaften eines Business Model Guerillas (Quelle: Schallmo, 2016; Grafik: Recitfga-bsl.info)
  • Kreativität: Ein Business Model Guerilla ist kreativ, er denkt unkonventionell. Jeden Tag möchte er sein Business Model besser und günstiger machen. Er stellt sich die Frage, was zu tun wäre, wenn es keine Restriktionen gebe.
  • Schnelligkeit: Ein Business Model Guerilla hat keine Zeit. Er denkt und handelt schnell, um sein Ziel konzentriert zu erreichen. Kleine Erfolge motivieren ihn weiter.
  • Motivation: Ein Business Model Guerilla ist hoch motiviert. Er hat die Motivation, mehr als acht Stunden zu arbeiten, und sein gesamtes Denken und Handeln in sein Projekt einzubringen.

Guerilla Business Modeling: Die Schritte

Um Guerilla Business Modeling zu betreiben, liegen folgende drei Schritte vor:

Schritte des Guerilla Business Modeling (Quelle: Schallmo, 2016)
Schritte des Guerilla Business Modeling (Quelle: Schallmo, 2016)

Verstehen

  • Trends innerhalb der relevanten Umwelt identifizieren und verstehen, zum Beispiel die steigende Nachfrage nach gesundem Essen, insbesondere vegetarisch und vegan.
  • Die eigene Branche verstehen: Regularien hinsichtlich der Zubereitung von rohem Fisch, die Anzahl benötigter Parkplätze für ein Ladenlokal, die Präferenzen von Kunden hinsichtlich Preis und Geschmack.
  • Wettbewerber verstehen: die Analyse von Business Models der Wettbewerber und deren Erfolgsfaktoren.

Innovieren

  • Aufbau des eigenen Business Models unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus „Verstehen“: zum Beispiel in der Idealausprägung, dann unter der Fragestellung, wie Kosten einzusparen sind.
  • Denken wie ein Business Model Guerilla mit seinen Eigenschaften.

Implementieren

  • Realisierung des Business Models unter Nutzung aller vorhandenen Ressourcen.
  • Fokus: Kosten einsparen und schnelle Implementierung.
  • Handeln wie ein Business Model Guerilla mit den Eigenschaften eines solchen – auch während des Betriebs.

Um das geplante Business Model zu beschreiben, liegen fünf Dimensionen vor. Diese Beschreibung ist insbesondere in der zweiten Phase relevant.

Dimensionen und Elemente eines Business Models (Quelle: Schallmo, 2013, S. 119)
Dimensionen und Elemente eines Business Models (Quelle: Schallmo, 2013, S. 119)
  • Kundendimension: Welche Kundensegmente möchten wir gewinnen? Wie möchten wir diese Kundensegmente erreichen? Wie möchten wir die Kundenbeziehung gestalten? Wie schaffen wir es, mit geringen Kosten möglichst viele Kunden zu erreichen und eine langfristige Kundenbeziehung aufzubauen?
  • Nutzendimension: Welche Leistungen möchten wir anbieten? Welchen Nutzen möchten wir für Kunden erzeugen? Wie schaffen wir es, unseren Kunden möglichst viele Leistungen günstig anzubieten?
  • Wertschöpfungsdimension: Welche Ressourcen sind notwendig? Welche Fähigkeiten benötigen wir? Welche Prozesse müssen ablaufen? Auf welche vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten können wir zurückgreifen, um Kosten einzusparen? Wie gestalten wir die Prozesse, um Kosten einzusparen?
  • Partnerdimension: Welche Partner benötigen wir? Welche Partnerkanäle setzen wir ein, um Kosten einzusparen? Wie gestalten wir die Partnerbeziehung?
  • Finanzdimension: Welche Umsätze und Kosten liegen vor? Wie sichern wir die Umsätze ab und steigern sie? Wie stellen wir niedrige Kosten sicher?

Guerilla Business Modeling beinhaltet den Aufbau eines Business Models mit einfachen Mitteln und Eigeneinsatz; entscheidend für den Erfolg ist die eigene Haltung, die die Denk- und Handlungsweise beeinflusst.

  • Der Autor: Dr. Daniel Schallmo ist Ökonom, Unternehmensberater, Dozent und Autor. Er ist Professor an der Hochschule Ulm, leitet das privatwirtschaftliche Institut für Business Model Innovation und ist .
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