Wenn Kunden im Voraus bezahlen: crowdfinanzierte Geschäftsideen



Crowdfunding ist nicht nur was für Hightech-Start-ups auf der Überholspur. Es stellt auch für Existenzgründer eine Alternative zu traditionellen Finanzierungsmöglichkeiten dar. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen wir anhand von drei Geschäftsideen, die mit Hilfe der Crowd realisiert wurden.

Die Zahl der Start-ups, die sich seit Januar 2016 über die Crowd mit Kapital eindecken, ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geringer. Die Crowd stellt aber weiterhin eine gute Möglichkeit dar, seine Geschäftsidee zu finanzieren, und das selbst für klassische Existenzgründer. Man erhält das Geld nicht gegen Sicherheiten, sondern als Vertrauensvorschuss von überzeugten Fans.

Crowdfunding bietet gegenüber klassischen Kapitalbeschaffungsmaßnahmen weitere Vorteile, denn von der Crowd erhält man nicht nur Geld, man rekrutiert auch die ersten begeisterten Kunden und Markenbotschafter. Zudem belegt man als Gründer auch gegenüber anderen Kapitalgebern die Tragfähigkeit der eigenen Geschäftsidee. Crowdfunding eignet sich damit auch für regionale Gründer, die mit einer Finanzspritze aus der Crowd ihre Existenzgründung realisieren wollen.

Geschäftsidee von Westbloc: Boulderhalle für Leipzig

Sebastian Brand, Leonid Nazarov und Kilian Fröhlich sind drei junge Männer aus Leipzig, die für ihr Leben gerne klettern. Dabei interessieren sie sich für eine spezielle Form des Kletterns: das Bouldern. Darunter versteht man das Klettern ohne Seil in Absprunghöhe, abgesichert durch Niedersprungmatten. Das Bouldern erfreut sich wachsender Popularität, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass der Sport in den kommenden Jahren bei den Olympischen Spielen als neue Disziplin aufgenommen werden soll.

Vor drei Jahren entstand die Geschäftsidee, eine neue Boulderhalle in Leipzig zu errichten. Nachdem 2014 ein passender Standort in einer alten Industriehalle im Leipziger Westen gefunden wurde, nahmen die drei Boulder-Fans eine Finanzierung auf und begannen mit dem Innenausbau der Halle.

Beim Bouldern klettert man ohne Seil. Falls man fällt, landet man auf weichen Matten (Bild: visionbakery.com/bouldern)
Beim Bouldern klettert man ohne Seil. Falls man fällt, landet man auf weichen Matten. (Foto: Westbloc)

Was Westbloc über die Crowd finanziert hat: Was keinen Platz in der ursprünglichen Geschäftsidee hatte, war der Ausbau der Kinder- und Trainingsbereiche. Diese sollten erst später im laufenden Betrieb dazukommen. Über Visionbakery hat die zusätzliche Finanzmittel in Höhe von über 20.000 Euro einsammeln und damit das vollständige Hallenkonzept realisieren können.

Welche Gegenleistungen die Fans der Geschäftsidee erwarten: Als Dankeschön verteilte Westbloc vergünstigte Eintrittskarten und Jahresabos an die Unterstützer. So konnte sich das junge Unternehmen quasi risikolos die ersten Einnahmen bereits vor der geplanten Eröffnung Mitte des Jahres sichern.

Konzeptgrafik der Boulderhalle von Westbloc (Bild: visionbakery.com/bouldern)
Konzeptgrafik der Boulderhalle von Westbloc (Bild: Westbloc)

Geschäftsidee: verpackungsfreier Einkaufladen

Im Schnitt werfen wir in Deutschland ein Drittel unserer Lebensmittel weg. Ein Grund dafür sind unter anderem vorportionierte und verpackte Waren. Gerade in kleineren Haushalten bleiben Lebensmittelreste übrig, die nicht mehr aufgebraucht werden. Beim Leipziger Supermarkt „Einfach Unverpackt” kann man seine Lebensmittel selbst portionieren und mit Hilfe von Spendern in Behältnisse abfüllen. So wird gleichzeitig auch der anfallende Verpackungsmüll nach dem Einkauf weniger, denn die Behältnisse werden beim nächsten Einkauf einfach wiederverwendet. Neben Lebensmitteln befinden sich auch Hygieneartikel und Reinigungsmittel im Sortiment. Ein weiteres Angebot des verpackungsfreien Einkaufladens sind die Kochbeutel. Diese enthalten ein vegetarisches Rezept samt den dazugehörigen Zutaten für zwei Personen.

Geschäftsideen aus der Crowd: Bei Einfach Unverpackt findet man lose Ware vor, die man selbst portionieren kann (Bild: einfach-unverpackt.de)
Bei Einfach Unverpackt findet man lose Ware vor, die man selbst portionieren kann (Foto Einfach Unverpackt)

Was Einfach Unverpackt über die Crowd finanziert hat: Die Geschäftsidee rund um einen verpackungsfreien Supermarkt ist nicht ganz neu. Ähnliche Geschäfte haben beispielsweise bereits in Kiel und Berlin geöffnet. Doch vom Mainstream ist das Konzept noch weit weg. Ob das Konzept auch in anderen Regionen funktioniert, ist daher nicht gesichert.

Die Gründer von haben im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne auf Visionbakery rund 22.0000 Euro Startkapital eingesammelt. Damit konnte das Inventar finanziert sowie das Konzept um eine Käse- und Kühltheke erweitert werden. Gleichzeitig haben sie gezeigt, dass die Leipziger bereit dafür sind, für die Schaffung von verpackungsfreien Alternativen in Vorleistung zu gehen.

Welche Gegenleistungen die Fans der Geschäftsidee erwarten: Unterstützer erhielten Gutscheine, mit denen sie ihren ersten Einkauf bei Einfach Unverpackt tätigen konnten, beziehungsweise eine Probelieferung eines Kochbeutels.

Rettet das schönste Ende der Welt

Viele Ferienorte in den Alpen leiden unter Landflucht und dem Rückgang der Tourismus-Industrie. Die Folge sind leerstehende Häuser und Höfe. Der gelernte Betriebswirt und Projektmanager Georg Gasteiger hat sich zusammen mit seiner Frau Barbara Anselm einem dieser seit Jahrzehnten leerstehenden Höfe im Tiroler Ort Steinberg am Rofan angenommen und möchte mit Hilfe von zahlreichen Modernisierungsmaßnahmen die Touristen an diesen Ort zurück locken. Nur eine Stunde von München entfernt, soll ein „Community Retreat“ für Barcamps, Business-Accelleratoren, Maker-Labs, Hackathons oder private Feiern und Familienfeste entstehen.

Geschäftsideen aus der Crowd: Dieses Objekt in den Tiroler Bergen soll gerettet werden (Bild: mesnerhof-c.at)
Dieses Objekt in den Tiroler Bergen soll gerettet werden (Foto: Mesnerhof)

Was der Mesnerhof mit dem Geld aus dem Crowdfunding machen möchte: 300.000 Euro hat das Paar bereits in die Renovierung gesteckt. Entstehen soll hier ein Mix aus alt und neu mit Referenzen auf das traditionelle bäuerliche Leben und modernen Ausstattungsmerkmalen. Doch die bisherige Finanzierung reicht nur für ein Basiskonzept der Geschäftsidee. Mit Hilfe eines Crowdfundings auf Startnext sollen weitere Elemente hinzugefügt werden, unter anderem eine Panoramawand mit Blick durch Glasflächen auf die Berge, eine Küche, einen Holzofen, eine Indoor-Kletterwand und eine Schwitzhütte.

Welche Gegenleistung die Fans der Geschäftsidee erwarten: Auch bei dieser Geschäftsidee werden Unterstützer mit „Naturalien” gesegnet. Es gibt vergünstigte Gutscheine für einen Aufenthalt beim Mesnerhof oder die Teilnahme an rustikalen Workshops.

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