„Am Anfang mussten wir uns selbst von unseren Freunden Sprüche anhören“



Das Start-up Mellow Boards bringt den schwerelosen Wellenritt, der eigentlich nur Surfern vorbehalten ist, jetzt auch auf die Straße. Möglich ist das mit dem Endless Ride, einem anschraubbaren Elektroantrieb fürs Skateboard, was nicht nur Boarder neugierig macht. So verrückt die Idee auch klingt, so gut kommt sie an. Daher ist es auch nicht verwunderlich, welchen Tipp die Gründer anderen Gründungswilligen mit auf den Weg geben.

Recitfga-bsl.info: Hallo Johannes, zusammen mit Kilian Green hast du Mellow Boards gegründet und den Endless Ride erfunden. Worum handelt es sich?

Johannes Schewe von Mellow Boards: In einem Satz zusammengefasst, ist Mellow der erste elektrische Antrieb, der sich unter jedes Skateboard schrauben lässt. Der Endless Ride ist das, wovon jeder Brettsportler träumt – die Möglichkeit, jeden Tag das Gefühl vom Surfen und Snowboarden erleben zu können. Selbst wenn man in der Stadt lebt.

Recitfga-bsl.info: Wie seid ihr auf die Idee gekommen und wie lange hat es bis zum ersten Prototypen gedauert?

Johannes Schewe von Mellow Boards: Die Idee kam mir, als ich vor etlichen Jahren in einem Magazin ein Bild von einem Benzin betriebenen Skateboard entdeckte. Ich dachte mir, das muss doch auch nachhaltiger und weniger klobig gehen. Bis zum ersten fahrbaren Prototypen sind dann noch ein paar Jahre vergangen. Aber als ich 2013 Kilian in Marokko getroffen habe, ging es ziemlich fix. 2014 hatten wir die Jungfernfahrt auf unserem ersten Prototypen. Das war ein ziemlich cooler Moment.

Mit dem Antrieb von Mellow Boards wird man bis zu 40 km/h schnell.
Mit dem Antrieb von Mellow Boards wird man bis zu 40 km/h schnell.

Recitfga-bsl.info: Wie funktioniert der Endless Ride im Detail? Wie lange und wie schnell kann man damit fahren?

Johannes Schewe von Mellow Boards: Du schraubst einfach deine Hinterachse ab und ersetzt sie durch den Mellow Drive. Die zwei Motoren, in jeder Rolle einer, bringen die Kraft direkt auf die Straße. Insgesamt sind das 4 Newtonmeter, die dich auf bis zu 40 km/h beschleunigen, das ist Helmgeschwindigkeit.

Die Batterie hält ungefähr 15 km, je nachdem, wie du fährst. Aber sie ist wechselbar, das heißt du kannst dir einen zweiten Akku mitnehmen und wenn dir der Saft ausgeht, tauschst du den leeren Akku einfach durch einen vollen.

Recitfga-bsl.info: Wie reagiert die eingefleischte Skatergemeinde auf den Elektro-Antrieb und wer gehört generell zur Zielgruppe?

Johannes Schewe von Mellow Boards: Klar, am Anfang mussten wir uns selbst von unseren Freunden Sprüche anhören. Aber sobald die Leute verstehen, dass wir ihnen nicht ihr Skateboard ersetzen wollen, sind sie alle ziemlich begeistert.

Gerade Skater kommen immer mit einem fetten Grinsen von einer Proberunde zurück, weil sie ja dieses schwerelose Fahrgefühl ab 25 km/h gar nicht kennen.

Zielgruppe sind natürlich Brettsportler aller Art, aber eben auch alle, die keine Lust mehr haben, sich mit dem Auto durch die Stadt zu quälen. Wir haben auch viele Kunden, die über das Thema E-Mobility und Last Mile Concept auf uns gestoßen sind. Die sind natürlich von der Qualität und der Innovation begeistert.

Recitfga-bsl.info: Wie sieht es mit dem Straßenverkehr aus, was ist bei der Markteinführung des Endless Ride zu beachten?

Johannes Schewe von Mellow Boards: Aktuell verkaufen wir Mellow ausdrücklich als Sportgerät. Was die Leute dann damit machen, ist ihre Sache.

Laut der heutigen Gesetzgebung bräuchten wir zwei unabhängige Bremsen, Licht, eine Hupe und ein Nummernschild, um StVo-konform zu sein. In Kalifornien sind sie da schon um einiges weiter.

Seit Januar dürfen dort Elektroboards überall da fahren, wo auch Fahrräder erlaubt sind. Aber in Brüssel sitzt schon seit einiger Zeit ein Gremium zusammen, die beratschlagen, wie man die sogenannten Ein-Mann-Transportmittel auch bei uns in den Straßenverkehr mit einbindet. Wir drücken die Daumen, dass es da bald zu einer guten Einigung kommt, vielleicht sogar schon bis September. Dann beginnen wir mit der Auslieferung.

Recitfga-bsl.info: Was unternehmt ihr, um euer Start-up und den E-Antrieb bekannter zu machen?

Johannes Schewe von Mellow Boards: Seit wir unsere Kickstarter Kampagne letztes Jahr gemacht haben, wissen wir, wie wichtig PR ist. Zum Glück kommen viele Magazine und Blogs auf uns zu, das ist der Vorteil an einem innovativen Produkt.

Darüber hinaus versuchen wir über Social Media eine Fangemeinde aufzubauen. Dafür sind wir beispielsweise Anfang Januar in Barcelona gewesen und haben ein Video über die Killerfeatures von Mellow gemacht: „7 Chapters of Awesomeness“.

Damit waren wir dann auch auf der ISPO, der weltgrößten Sportmesse in München. Der Termin war ganz wichtig für uns, um uns einmal offiziell in der Szene vorzustellen. Das Feedback war super und daraus haben sich wieder neue Kontakte ergeben. Man muss viel mit Leuten reden, aber wenn man von seiner Idee überzeugt ist, passiert das von ganz allein.

Recitfga-bsl.info: Wie habt ihr eure Gründung finanziert und wie reagierte euer privates Umfeld auf eure Gründungspläne?

Johannes Schewe von Mellow Boards: Die Gründung haben wir komplett selbst finanziert, da wurde das Sparschwein geschlachtet. Klar, eine eigene Firma zu gründen, ist immer ein Risiko, da wird Mutti schon mal nervös. Aber alle, die gesehen haben, wie wir unsere Idee umsetzen wollen und wie ernst es uns damit ist, haben uns voll unterstützt.

Recitfga-bsl.info: Was konntet ihr bereits einbringen und was musstet ihr für die Selbstständigkeit noch dazulernen?

Johannes Schewe von Mellow Boards: Als Sportökonom und Elektroingenieur haben wir die beiden wichtigsten Felder bereits abgedeckt – das wirtschaftliche und das technische. Bei der Kommunikation, dem Design und vor allem bei der Organisation haben wir uns Hilfe geholt.

Recitfga-bsl.info: Wo und wie soll der Antrieb hergestellt werden?

Johannes Schewe von Mellow Boards: Die Elektronik und die Motoren kommen vom Ammersee bei München. Der Magnesium Rahmen wird in Heidenau gegossen und die Batterien kommen aus Hamburg. Am Ende wird alles in München oder Hamburg zusammengesetzt, das haben wir noch nicht final entschieden.

Die beiden Gründer haben ihre Gründungsidee auf einer Reise durch Marokko gefasst.
Johannes und Kilian, die beiden Gründer von Mellow Boards haben sich in Marokko das erste Mal getroffen (Bild: Mellow Boards)

Recitfga-bsl.info: Dafür habt ihr kürzlich 1,5 Mio. Euro vom Elektrodienstleister TQ Systems eingesammelt. Wie ist es zur Investition gekommen?

Johannes Schewe von Mellow Boards: TQ Systems ist unser Elektronik-Produzent, mit dem wir schon vor dem Kickstarter-Projekt zusammengearbeitet haben. Sie hatten fast ein Jahr Zeit, sich anzuschauen, wie wir arbeiten und sind jetzt überzeugt, dass es sich lohnt, uns neben ihrem Know-how auch finanziell zu unterstützen. 1994 haben die beiden Gründer auch mal so angefangen, wie wir heute. Die wissen, wie sich das anfühlt.

Recitfga-bsl.info: Welchen Meilenstein visiert ihr als Nächstes an? 

Johannes Schewe von Mellow Boards: Das sind die nächsten Prototypen: 30 Stück. Bis jetzt hatten wir ja immer nur vier, die wir selbst aufgebaut haben. Jetzt geht es schon mit großen Schritten in Richtung Serie. Zum ersten Mal wird Elektronik verbaut, die Schnittstelle zur App wird getestet und unsere eigene Remote kommt zum Einsatz. Das wird super spannend!

Recitfga-bsl.info: Vom Gründen gelernt: Was für einen Tipp habt ihr für andere angehende Gründer?

Johannes Schewe von Mellow Boards:

Wenn du davon überzeugt bist, mach es! Mach keine Pro- und Contra-Liste. Wenn du rational entscheidest, sprechen immer tausend Gründe dagegen. Aber wenn du auf deinen Bauch hörst, passieren so viele Dinge, die sich dein Kopf nie hätte vorstellen können.

Recitfga-bsl.info: Vielen Dank für das Interview!

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