Neue Zahlen und News zur Crowdfinanzierung im 3. Quartal



Crowdlending für Gründer und Selbstständige durchbricht in den ersten neun Monaten 2015 die Marke von 100 Mio. Euro in Deutschland. Crowdfunding wächst moderat und Start-ups haben es schwerer bei der Crowd – Immobilien sind hingegen immer beliebter. Dies sind einige der Ergebnisse unseres aktuellen Crowdfinanzierungs-Monitors.  Außerdem informieren wir über aktuelle Start-ups mit Kapitalbedarf, neue Crowdinvesting-Plattformen und Pleiten crowdfinanzierter Start-ups. Zudem stellen wir ein neues Crowdfunding-Handbuch vor, verlosen ein Exemplar und geben einen Kino-Tipp.

Aktuelle Zahlen zur Crowdfinanzierung in Deutschland

In den ersten neun Monaten 2015 sind sehr unterschiedliche Entwicklungen in den verschiedenen Segmenten der Crowdfinanzierung zu beobachten gewesen. Crowdlending ist stark gewachsen und erzielte 117,5 Mio. Euro an Kreditvolumen für Gründer und Selbstständige, nach 35,6 Mio. Euro im Gesamtjahr 2014. Beim Crowdfunding und Crowdinvesting gab es eher moderate Wachstumsimpulse. Gerade die Start-up-Finanzierung hat im Crowdinvesting weiter an Schwung verloren.

Im dritten Quartal 2015 lag das Finanzierungsvolumen auf deutschen Crowdfunding-Plattformen bei 2,0 Mio. Euro und bewegte sich damit unter dem Niveau der ersten beiden Quartale. Von Januar bis September 2015 summierte sich das in Deutschland per Crowdfunding eingesammelte Kapital auf 6,8 Mio. Euro. Dies ist ein Anstieg um 8 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der erfolgreichen Projekte stieg auf 909, ein Plus von 19 % gegenüber Vorjahr.

Das von Start-ups und Unternehmen per Crowdinvesting eingesammelte Kapital summierte sich in den ersten neun Monaten 2015 auf 12,7 Mio. Euro. Dies ist ein moderater Zuwachs um knapp 5 % im Vergleich zum Vorjahr. Zieht man die weiteren Anlageklassen wie Immobilien und ökologische Projekte hinzu, ergibt sich ein Gesamtvolumen des vermittelten Kapitals von 25,8 Mio. Euro auf den analysierten Plattformen.

Crowdinvesting Anlageklassen 9M 2015

Das Finanzierungsvolumen neuer Anlageklassen hat sich 2015 deutlich dynamischer entwickelt als die Start-up-Finanzierung. Im Zeitraum Januar bis September 2015 kam für Immobilien, ökologische Projekte und Filme mit rund 13,1 Mio. Euro sogar mehr Kapital als für Start-ups zusammen (12,7 Mio. Euro). In den ersten sechs Monaten dieses Jahres betrug der Vorsprung der Start-up-Finanzierung noch 2,2 Mio. Euro. Mit 60 % macht die Immobilienfinanzierung einen Großteil des vermittelten Kapitals der alternativen Anlageklassen aus. Ökologische Projekte stehen für 36 %. Auf Filmfinanzierungen entfällt damit ein Anteil von 4 %.

Als neues Portal zur Finanzierung von Immobilienprojekten stellt sich die Plattform Renditefokus im aktuellen Monitor vor. Und Robert Michels von der Kanzlei Dentons beleuchtet in seinem Fachbeitrag die regulatorischen Rahmenbedingungen für diese Anlageklasse und zieht dabei folgendes Fazit:

Insgesamt ist es der fehlenden gesetzgeberischen Weitsicht zu verdanken, dass der Erfolg des Immobiliencrowdfundings in Deutschland gefährdet ist.

Lohnt es sich oder lohnt es sich nicht?

Die Plattform Companisto hat mit versucht diese Frage, die sich zweifelsohne viele Crowd-Investoren stellen, zu beantworten. Für die Performanceanalyse haben die Betreiber der Plattform die Entwicklung des Unternehmenswerts der auf Companisto finanzierten Start-ups zugrunde gelegt. Ausgangspunkt ist dabei zunächst der Wert, mit dem das Unternehmens zum Zeitpunkt des Crowdinvestings bewertet wurde. Nächster Referenzpunkt ist dann eine Folgefinanzierung, in deren Zusammenhang ein neuer Unternehmenswert ermittelt wurde. Aus unserer Sicht sind die Ergebnisse der Performance-Messung nur sehr eingeschränkt in ihrer Aussagekraft darüber, ob sich ein Investment für die Crowd-Investoren gelohnt hat. Hierfür wollen wir einige Punkte exemplarisch aufführen:

  • Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass der Unternehmenswert aller 38 Start-ups, die auf Companisto seit 2012 in 41 Finanzierungsrunden Kapital aufgenommen haben, um rund 23 % gestiegen ist. Problematisch ist dabei einerseits, dass nur für 18 der Start-ups eine neue Bewertungsgrundlage vorlag, nämlich entweder eine Insolvenz oder eine neue Finanzierungsrunde. Bei allen anderen Start-ups wurde ein konstanter Wert angenommen, was nicht der Realität entspricht. Andererseits hat ein Crowdinvestor in der Regel nichts von der auf dem Papier stattfindenden Wertsteigerung, wenn er keinen Exit realisieren kann – seine Beteiligung ist nicht liquide. Vielmehr müsste man hier mit einem Abschlag rechnen.
  • In der Folge wird explizit eine Wertentwicklung für die Beteiligung der Crowdinvestoren (Companisten) ermittelt und mit rund 15 % beziffert, wenn ein Investor bei jeder Finanzierungsrunde 500 Euro investiert hätte. Diese Wertentwicklung liegt bereits deutlich hinter der Entwicklung des Unternehmenswerts zurück, vermutlich maßgeblich durch den Verwässerungseffekt verursacht. Folgen weitere Finanzierungsrunden dürfte sich dieser Effekt noch verstärken. Zudem bleibt das Problem eines fehlenden Exits bestehen. 
  • Sehr problematisch erscheint uns dann die Angabe einer durchschnittlichen jährlichen Beteiligungswertsteigerung in Höhe von 8,5 % seit Mitte 2012, da der Großteil der Finanzierungen erst zu einem viel späteren Zeitpunkt erfolgte. Noch problematischer ist der Vergleich mit anderen Anlageformen, der dann vorgenommen wird – insbesondere der Vergleich mit der Entwicklung des DAX. Hier wird willkürlich das Jahr 2014 herausgegriffen und auf einen Wertzuwachs von 2 % verwiesen. Wir haben uns mal die 3-Jahresperformance (zum gestrigen Schlussstand) angeschaut. Diese liegt bei gut 38 % und damit deutlich besser.
  • Außerdem scheint es realitätsfern zu unterstellen, dass ein Investor an allen Finanzierungsrunden teilgenommen hat. Dementsprechend dürfte der in der Theorie unterstellte positive Effekt aus der Diversifikation in der Praxis der Crowd-Investments deutlich geringer ausfallen und zu wesentlich stärkeren Schwankungen in der Bewertung führen.

In Summe stellen die angegebenen Daten aus unserer Sicht keine angemessene Grundlage für die Bewertung der Crowd-Investments dar. Interessanter sind die weiteren Kennzahlen, die zu den Start-ups angegeben werden. So wird für den Zeitraum Juni 2014 bis Juli 2015 ein Umsatz der finanzierten Start-ups von 9,76 Mio. Euro angegeben. Bezogen auf die noch 33 bestehenden Unternehmen ist dies ein durchschnittlicher Jahresumsatz von knapp unter 300.000 Euro pro Start-up. Zwar wird kein Vorjahresvergleich angegeben, aber diese Zahl klingt bei weitem nicht nach einer dynamischen Umsatzentwicklung. Gleichzeitig sollen bei den Unternehmen 278 Mitarbeiter beschäftigt gewesen sein – davon alleine dürften die Umsätze schon mehr als aufgebraucht sein, Kosten für den Einkauf, Marketing, Vertrieb etc. mal ganz außer Acht gelassen. Gewinne scheinen für Crowd-Investoren in weiter Ferne. Aus unserer Sicht sind diese operativen Kennzahlen ein besserer Indikator für die Wertentwicklung der Unternehmen und wir sind gespannt auf neue Zahlen.

Neue Start-ups mit Finanzierungsbedarf

Das sind die neuesten Start-ups auf Kapitalsuche:

  • MyCouchbox – die führende Überraschungs-Snackbox
    Trotz einiger Pleiten boomt das Abo-Boxen-Geschäftsmodell weiter, wie sich an dem neuen Crowdinvesting-Projekt auf Companisto zeigt: Mit schickt das Stuttgarter Start-up ab 10 Euro monatlich eine Überraschungs-Snackbox an seine Abonnenten. Für das weitere Wachstum werden 100.000 Euro benötigt, die auf Companisto bereits eingesammelt werden konnten.
  • trainerstar.de – das Online-Portal für Fußballtrainer
    Ein vielversprechendes Projekt gibt es auf der Crowdinvesting-Plattform FunderNation. Mit soll das komplette Trainingsmanagement online abgebildet werden und Fußballtrainern die Arbeit deutlich erleichtern. Als Repräsentant des Start-ups wurde kein geringerer als Weltmeister Lothar Matthäus gewonnen. Die Fundingschwelle liegt bei 80.000 Euro und die restliche Projektlaufzeit beträgt noch 69 Tage.

Start-ups, die es nicht geschafft haben

Schlechte Nachrichten gibt es hingegen bei der Crowdinvesting-Plattform Fundsters: Nach der mutmaßlichen Pleite von Lingoschools und Lexvisors ist nun auch das Start-up Devil & Crew in die Insolvenz gerutscht. Damit ist etwa die Hälfte der auf Fundsters finanzierten Unternehmen nicht mehr am Markt. Erwischt hat es außerdem Fotovio, die erst im letzten Jahr auf Companisto rund 150.000 Euro einsammeln konnten. Das Start-up ermöglichte den Versand persönlicher Videobotschaft per QR-Code.

Neue Plattformen für Schwarmfinanzierung

Fast monatlich berichten wir von neuen Marktteilnehmern, die sich mit einer Crowdinvesting-Plattform versuchen. Auch heute stellen wir zwei neue Anbieter vor:

  • Aescuvest – Crowdinvesting im Gesundheitsmarkt
    Sie ist zwar nicht ganz neu auf dem Markt, allerdings wurde erst vor kurzem die Finanzierung des ersten Projekts beendet – leider ohne Erfolg. fokussiert sich auf Produkte und Unternehmen aus dem Gesundheitsmarkt und hat damit eine spannende Nische gefunden. Beim ersten Projekt, einer App, die Paare bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches unterstützt, konnte die Finanzierungsschwelle von 210.000 Euro nur etwa zur Hälfte erreicht werden.
  • Giromatch – gemeinsam besseres Banking:
    Das mit EXIST geförderte Start-up bietet eine Lösung im stark wachsenden Markt des Crowdlending an. Darlehensnehmer erhalten günstige und flexible Darlehen von der Crowd, die von einer höheren Rendite als bei der Anlage auf einem Sparkonto profitieren sollen. Wer zum Start von Giromatch informiert werden möchte, der kann auf seine Emailadresse hinterlegen.

Crowdfunding im Kino: Capital C

Mit der weltweit ersten Kinodokumentation zum Thema Crowdfunding ist Ende September der Film Capital C in die deutschen Kinos gekommen. Der Film wurde selbst über eine Kickstarter-Kampagne co-finanziert und berichtet über drei Künstler, die ihre Idee über eine Crowdfunding-Plattform finanzieren wollen. Die weniger gute Nachricht: Aufgrund der speziellen Zielgruppe des Films, wird dieser leider nur in sehr wenigen deutschen Kinos gezeigt. Nachfolgender Trailer hilft dabei, einen ersten Eindruck von der Dokumentation zu bekommen:

Das Buch zum Film: Eine Anleitung für Crowdfunding

Crowdfunding-HandbuchPünktlich zum Film Capital C ist ein Crowdfunding-Handbuch entstanden, welches das Konzept des Crowdfundings beschreibt und erklärt, wie es funktioniert. Schritt für Schritt werden auf rund 200 Seiten die Vorbereitung, die erfolgreiche Umsetzung und Nachbereitung einer Kampagne beschrieben. Fallbeispiele aus der Praxis helfen bei der Realisierung der theoretischen Grundlagen. Geschrieben wurde das Buch von Anna Theil, Tino Kreßner und Denis Bartelt, die Deutschlands erfolgreichste Crowdfunding-Plattform Startnext leiten, sowie Ulrike Sterblich vom Verlag Orange Press.

Wir verlosen ein Exemplar des Crowdfunding-Handbuchs. Wer seinen Hut in den Ring werfen möchte, schreibt eine Email bis Freitag 12 Uhr mit seiner Postanschrift und einer spannenden Begründung, warum man das Buch gewinnen möchte, an [email protected]. Wer das Buch direkt bestellen oder eine Leseprobe nutzen möchte, kann dies auf oder tun.

Auf Recitfga-bsl.info finden Sie weitere Informationen zum Thema Crowdfunding oder Crowdinvesting und anderen Formen der Finanzierung von Start-ups.

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