Start-up pixolus nimmt Versorgern das Stromzählen ab



Wenn sich Geschwister und ehemalige Studienkollegen vereinen, um gemeinsam zu gründen, klingt das nach einem abenteuerlichen Gründungsvorhaben. Das sechsköpfige Gründerteam von pixolus plagt sich aber überhaupt nicht mit der Verständigung untereinander, sondern mit Tippfehlern. Diese werden häufig vom Endverbraucher oder Stromableser gemacht, wenn sie den Zählerstand übermitteln wollen. So wird aus einer bis dato lästigen Aufgabe eine Geschäftsidee, die auch schon häufig ausgezeichnet wurde.

Recitfga-bsl.info: Hallo Frau Krausz, Sie sind Mitgründerin von pixolus. Was steckt dahinter?

Barbara Krausz von pixolus: Hinter pixolus steckt die Idee, Smartphones und Tablets als Alltagsbegleiter zu mobilen Scannern zu machen. Getreu der Devise „Abtippen war gestern!“ entwickeln wir Softwareanwendungen zur Erfassung und Digitalisierung von Daten und Bildinhalten über die Kamera in mobilen Endgeräten. Wir sind ein befreundetes, teils verwandtes Team aus Bilderkennungsexperten und zwei Betriebswirten.

Recitfga-bsl.info: Wie genau funktioniert die App pixometer?

Barbara Krausz von pixolus: Die App pixometer ist unsere erste marktreife Anwendung, die wir speziell für die Zählerstandserfassung entwickelt haben. Dabei handelt es sich um eine native App für iOS- und Android-Geräte, deren speziell entwickelte Algorithmen  Zählerstände von Gas-, Wasser- und Stromzählern automatisch erkennen, erfassen und noch auf dem Gerät digitalisieren – und das ohne Internetverbindung.

Anwender müssen hierzu lediglich die Smartphone-Kamera auf den abzulesenden Zähler richten.  pixometer erfasst den gesamten Zähler und löst die Erkennung eigenständig aus. In Sekundenschnelle wird der Zählerstand digitalisiert und laut vorgelesen. Zudem wird von jeder Ablesung ein gestochen scharfes Belegfoto erstellt.

Die Erkennung der Zähler basiert auf dem sogenannten Machine Learning-Ansatz. Als lernendes System werden unsere Algorithmen anhand von tausenden manuell annotierter Zählerbilder quasi trainiert. Auf diese Weise verbessert sich die Erkennungsrate immer weiter.

Die pixometer App erkennt Zählerstand und Zählernummer und überträgt die Werte an den Versorger (Bild: pixolus)
Die pixometer App erkennt Zählerstand und Zählernummer und überträgt die Werte an den Versorger (Foto: pixolus)

Im von Energieversorgern und Stadtwerken initiierten Einsatz können die Verbrauchsdaten samt Belegfoto direkt in das Abrechnungssystem des jeweiligen Versorgers eingespeist werden. Gemeinsam mit einer SAP-Beratung haben wir dazu eine spezielle Anbindung an SAP IS-U entwickelt.

Als nützliche Zusatzfunktion werden in der App, anhand der hinterlegten Tarife, die bisher angefallenen Verbrauchskosten grafisch als Tabelle oder Verlaufsgrafik aufbereitet. Zudem rechnet pixometer den bisherigen Verbrauch auf den jeweiligen Monat hoch. Unter anderem trägt das dazu bei, Verbrauchern den Stromverbrauch greifbar zu machen und für mehr Achtsamkeit zu sensibilisieren.

Recitfga-bsl.info: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Barbara Krausz von pixolus: Die Idee speziell zu pixometer kam aus eigenen Alltagserfahrungen. Mark Asbach war hier quasi der Spiritus Rector. Er warf die Idee auf, den heute noch umständlichen und uneinheitlichen Prozess der Zählerstandserhebung zu optimieren.

Um die Verbrauchsdaten als Grundlage für die jährliche Abrechnung zu erfassen, setzen Energieversorger teils eigene Ablesemitarbeiter ein, teils lagern sie diese Tätigkeit an Ablesedienstleister aus. In beiden Fällen muss immer ein Termin mit den betreffenden Kunden abgestimmt werden. In den meisten Fällen wird der Verbrauchskunde selbst eingespannt. Er wird postalisch aufgefordert, den selbst abgelesenen Zählerstand per Ablese-Postkarte mitzuteilen. Bei einigen Energieanbietern kann er diesen auch telefonisch, via E-Mail oder durch Eingabe in ein Webformular übermitteln. Diese Daten müssen dann wiederum in das Abrechnungssystem übertragen werden, was meist manuell geschieht. Unabhängig von der Umständlichkeit dieser Vorgehensweisen, passieren hier die meisten Fehler.

Es kommt nicht selten vor, dass – ob nun mit Absicht oder nicht – der falsche Zähler abgelesen wird oder die weitergegebenen Zählerstände einen Vertipper enthalten oder die Kundenschrift auf der Ablese-Postkarte schwer zu lesen ist.

Hier hilft der Smartphone Metering-Ansatz hinter pixometer, dank effizient erfasster korrekter Daten, die Prozesskosten insgesamt zu senken.

Recitfga-bsl.info: Wie kam es zur Gründung von pixolus?

Barbara Krausz von pixolus: Die Gründung von pixolus fußt auf der Überzeugung, dass großes Potenzial in der mobilen Datenerfassung steckt. Nicht nur die Zahl der Smartphones und Tablets steigt, sondern auch deren Nutzungsintensität. Hinzu kommt, dass die Geräte immer erschwinglicher und leistungsstärker werden. Insbesondere die Kamera hat mittlerweile eine hervorragende Qualität, wird aber bis dato oft nur zum Knipsen verwendet.

So reifte der Entschluss, dieses Potenzial zu heben und das Smartphone in Situationen zu nutzen, in denen wir normalerweise etwas abschreiben oder abtippen müssen. Warum nicht einfach mit der Smartphone-Kamera die Informationen abscannen? Dass das nicht so einfach ist, wie es sich anhört, war uns natürlich als Experten für Bilderkennung klar. Unser erstes Produkt, die automatische Erfassung von Zählerständen per Smartphone-Kamera, zeigt, dass wir uns der Herausforderung erfolgreich gestellt haben.

Recitfga-bsl.info: Was ist das Besondere an Ihrer Gründergeschichte?

Barbara Krausz von pixolus: Es ist eben eine Gründung aus der Forschung heraus, was man im Übrigen auch am hohen Doktortitelanteil sieht. Oft gründen Menschen abseits ihres professionellen Backgrounds, weil ihnen im Alltag etwas aufgefallen ist, das schließlich in eine Geschäftsidee mündete.

Wir gaben unsere bisherigen Stellen am Fraunhofer-Institut IAIS und großen Industriekonzernen wie Bosch und Philips auf, weil wir an die Idee und den Ansatz hinter pixolus glauben – wissend, dass es eine lange Durststrecke werden könnte, insbesondere dass man sich finanziell einschränken müsste und eben nicht mehr einfach so um 17 Uhr pünktlich Feierabend machen könnte.

Besonders ist auch, dass alle Gründungsgesellschafter befreundet oder sogar verwandt sind, sich mehrheitlich aus Studienzeiten an der RTHW kennen. Wir alle sind gleichermaßen an der pixolus GmbH beteiligt.

Recitfga-bsl.info: Welche Zielgruppe sprechen Sie an und wie groß schätzen Sie den Markt?

Barbara Krausz von pixolus: Die Primärzielgruppe sind Energieversorger und Stadtwerke sowie die von diesen beauftragten Ableseservices.

Laut Energiemarktreport 2015 gibt es allein in Deutschland etwa 1.105 Stromanbieter und gut 888 Gasanbieter. Die genaue Zahl der abzulesenden Gas-, Wasser- und Stromzähler kennen wir nicht, doch kann man sich denken, dass sie bei den Millionen von Wohnungen und Gewerbeeinheiten nicht gerade niedrig sein wird.

Überträgt man diese Situation nun auf Europa und den Rest der Welt, offenbart sich das gewaltige Marktpotenzial von pixometer. Zudem haben sich weitere Anwendungsoptionen für unsere Technik ergeben. Wir arbeiten gerade abgewandelten Formen von pixometer, um weitere Zielgruppen zu erschließen. Doch das ist im Moment aber noch nicht spruchreif.

Recitfga-bsl.info: Wie viele Nutzer lesen ihren Zählerstand bereits mit pixolus ab?

Barbara Krausz von pixolus: Das können wir gar nicht so ganz genau sagen, denn unsere Technologie steckt nicht nur in unserer eigenen App drin, sondern auch in den Apps unserer Kunden, darunter ein großer Energieversorger, der die pixometer-Bilderkennung in Form unseres SDKs bereits in seine App integriert hat.

Der Planungs- und Buying-Prozess bei Versorgern und Stadtwerken erfordert Geduld. Wir erhalten immer mehr Anfragen, darunter auch einige aus Europa, die von Kooperation bis hin zur Lizenzierung reichen. Einige Absichtserklärungen und Projekte sind bereits in trockenen Tüchern. Es rollt also so langsam an.

Recitfga-bsl.info: Ist es nicht harte Arbeit, die Energiekonzerne vom eigenen Produkt zu überzeugen? Welche Argumente haben sie parat?

Barbara Krausz von pixolus: In der Tat. Doch ist es in anderen Branchen nicht anders. Mit der Größe eines Unternehmens verlängern sich eben auch Informations- und Entscheidungswege. Auch kommunale Betriebe haben da ihre Eigenheiten. Es erfordert großen Einsatz von jedem in unserem kleinen Team, eine neue Technik bei potenziellen Kunden zu platzieren. Wir reisen sehr viel und stellen das Produkt vor Ort vor.

Es gibt entsprechenden Beratungsbedarf, zumal die Anforderungen und Bedarfe nicht immer einheitlich sind. Allein die Art der Datenerhebung und die dafür verwendeten Mittel sind recht unterschiedlich. Die Anwendung pixometer können wir bedarfsgerecht bereitstellen – von der reinen Bilderkennungsfunktion bis hin zu einer kompletten White Label-Lösung im Branding des Kunden.

Das Team hinter pixolus
Das Team hinter pixolus v.l.n.r.: Dr. Markus Beermann, Dr. Mark Asbach, Dr. Steffen Kamp, Dipl.-Ing. Marco Lierfeld, Dr. Barbara Krausz und Dr. Stefan Krausz (Foto: pixolus)

Am Ende jedoch überzeugt der pixometer-Ansatz und letztlich auch die Performance der Zählerstandserkennung. Interessenten erkennen, dass sie Prozesskosten im Zuge des Einsatzes deutlich senken können. Dank pixometer fallen sowohl Korrekturaufwände als auch Druck- und Portokosten weg.

Da wo Kunden selbst ablesen, müssen Ableser nicht ein oder mehrmals vorfahren. Das Handling wird insgesamt gestrafft, Daten kommen direkt aus dem Keller des Kunden ins Abrechnungssystem. Da pixometer auf gängigen Mobilgeräten und kamerabestückten Ableser-Tools wie MDE-Geräte funktioniert, muss auch keine neue Hard- und Software angeschafft werden. Niemand muss neu geschult werden. Auch die bestehende Zählerinfrastruktur muss nicht ersetzt oder aufwendig modifiziert werden.

Mit dem Einsatz von pixometer als App bzw. als Teilfunktion einer solchen eröffnet sich für Versorger zudem ein zeitgemäßer Dialogkanal hin zum Kunden. Eine App kann um zusätzliche relevante Inhalte und Funktionen erweitert werden. Per Push-Nachricht kann zur Ablesung aufgefordert werden. Und die gestiegene Transparenz dank aktuellster Verbrauchsdaten und Belegfotos stärkt das Vertrauensverhältnis zwischen Kunden und Anbieter.

Recitfga-bsl.info: Auf welche Weise haben Sie Ihre Existenzgründung finanziert?

Barbara Krausz von pixolus: Zu Beginn waren wir zu dritt: ein Ingenieur, ich als Informatikerin – beide ehemalige Mitarbeiter des Fraunhofer IAIS – und ein Betriebswirt, mein Bruder. Nach und nach konnten ehemalige Studienkameraden und Mitdoktoranden als in Vollzeit arbeitende Mitstreiter gewonnen werden, sodass wir zu sechst Ende 2013 die pixolus GmbH gründeten. Die Gründung finanzierte sich aus Eigenmitteln und ist bis heute eigenfinanziert.

Sehr geholfen haben uns das EXIST-Gründerstipendium und der Gewinn von diversen Businessplanwettbewerben. Hinzu kam die damit verbundene kostenlose PR, die Bekanntheit daraus und letztlich frühe Anfragen von interessierten Industrieunternehmen und die Vereinbarung von Auftragsentwicklungen.

Recitfga-bsl.info: Sie sind auch mit dem eco Internet Award ausgezeichnet worden. Was haben Sie neben der Auszeichnung konkret aus dem Wettbewerb mitgenommen?

Barbara Krausz von pixolus: Die Auswertungen von Recitfga-bsl.info selbst haben ja ergeben, dass wir in 2014 das zweiterfolgreichste Start-up bei Gründerwettbewerben in Deutschland waren. Mit dem eco Internet Award 2015 kommt nun eine weitere renommierte Auszeichnung hinzu.

pixolus beim eco Internet Award 2015
pixolus gewann beim eco Internet Award 2015 in der Kategorie „Mobile/M2M“ (Foto: eco Internet Startup Award)

Auch dieser Award bestätigt uns, dass wir mit unserer Vision und letztlich deren Umsetzung richtig liegen und in der Lage sind, unsere Kompetenz in nützliche und marktrelevante Produkte und Services einfließen zu lassen. Der eco Award trägt zu unserer Motivation bei, pixometer einerseits, aber auch weitere Ideen in Sachen mobile optische Datenerfassung für andere Branchen und Anwendungsbereiche weiter zu verfolgen. Der eco Internet Award brachte uns hilfreiche Bekanntheit.

Recitfga-bsl.info: Was sind Ihre Ziele bzw. die nächsten Schritte für die kommenden zwölf Monate?

Barbara Krausz von pixolus: Zunächst gilt es, pixometer stetig zu verbessern und dessen Anwendungsbasis zu verbreitern. Dabei wollen wir die vielen Rückmeldungen von Partnern und Nutzern berücksichtigen. Mit dem anderen Auge schielen wir aber auch schon auf andere Anwendungsmöglichkeiten.

Schön in diesem Zusammenhang ist, dass uns immer wieder neue Anfragen erreichen, die darauf abzielen, Datenerfassungsprozesse durch Einbindung von Tablet- und Smartphone-Kameras zu optimieren. Auch hier gibt es bereits erste Projekte.

Recitfga-bsl.info: Wie lauten Ihre drei wichtigsten Tipps für andere Gründer?

Barbara Krausz von pixolus:

  1. Nichts geht über eine gut durchdachte Strategie inklusive Finanzplanung, die auf gründlicher Information fußt. Oft wird zu kurz und nicht an den Schritt danach gedacht.
  2. Zudem ist es wichtig, kompetente Mitstreiter um sich zu scharen, mit denen man auch persönlich sehr gut kann. Denn es kommen immer wieder stressige Momente und Phasen gerade in der Anfangszeit auf, die gegenseitiges Verständnis und Geduld erfordern.
  3. Wichtig ist auch, stets ein offenes Ohr für Ratschläge von außen zu haben. Da bieten sich beispielsweise Gründerberatungen und Teilnahmen an Wettbewerben an, die einerseits immer wieder die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Idee erfordern, zum anderen den Input erfahrener Beurteiler mit sich bringen.

Recitfga-bsl.info: Vielen Dank für das Interview.

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