Deutschland – Land der Rentner und Beamten?



Eine neue Gründerkultur muss her in Deutschland. Viele Dinge müssen sich ändern. In der Politik, aber auch bei den Einstellungen. Von diesen Standpunkten ist Dr. Oliver Everling überzeugt. Er organisiert eine Veranstaltung für die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung, bei der diese neue Gründerkultur im Fokus stehen soll. Uns nennt er einige konkrete Ideen, wie aus dem „Land der Rentner und Beamten“ wieder ein „Land der Erfinder und Gründer“ werden kann.

Recitfga-bsl.info: „Neue Gründerkultur und Risikokapital für Deutschland“ – diesen Namen trägt die Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung und der Theodor-Heuss-Akademie im Oktober 2015. Ganz generell: Wieso braucht Deutschland in Ihren Augen eine neue Gründerkultur?

Dr. Oliver Everling: Der Weltruf deutscher Unternehmen beruhte darauf, nicht nur aus einem Land der Dichter und Denker zu kommen, sondern auch aus einem Land der Erfinder und Gründer.

Inzwischen sind wir weltweit bekannt als Land der Rentner und Beamten, die für Flüchtlinge und für Milliardenzahlungen an Pleitestaaten sorgen.

Die Grundlagen des wirtschaftlichen Erfolgs Deutschland erodieren. Das muss sich durch eine neue Gründerkultur ändern.

Dr. Oliver Everling
Dr. Oliver Everling ist Leiter des Seminars „Neue Gründerkultur und Risikokapital für Deutschland“ der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Recitfga-bsl.info: Was sollte sich mit dieser neuen Gründungskultur ganz konkret ändern?

Dr. Oliver Everling: Leider ist die Liste notwendiger Änderungen so lang, dass die Frage nicht mit einem Satz zu beantworten ist. Ein Beispiel ist die Steuerpolitik. Die meisten Existenzgründer scheitern innerhalb von sieben Jahren. Warum? Eine anfänglich gute Idee bringt Einkommen. Sobald dieses nach zwei oder drei Jahren etwas größer ist, wird es prompt wegbesteuert. Also können Existenzgründer kaum die finanziellen Rücklagen bilden, die sie benötigen, um spätere Rückschläge verkraften zu können. Deshalb geben viele auf, werden sozial stigmatisiert oder landen sogar im Insolvenzverfahren.

Recitfga-bsl.info: Anders herum gefragt: Was ist an der deutschen Gründerkultur bereits gut oder in den letzten Jahren besser geworden?

Dr. Oliver Everling: Da auch die Großkonzerne ein Interesse an modernster IT und Datenkommunikation in Deutschland haben und deshalb die Datennetze rasch ausgebaut wurden, kann heute jeder sein virtuelles“ Büro aufmachen – und zwar zu unglaublich niedrigen Kosten.

Viele Jobs lassen sich ohne Übertreibung allein mit einem Smartphone erledigen. Obwohl Deutschland auch in diesem Thema nicht Weltspitze ist, so sind die Voraussetzungen doch rasant besser geworden.

Recitfga-bsl.info: Wie schätzen Sie die Beratungsangebote und Fördermöglichkeiten in Deutschland ein?

Dr. Oliver Everling: Die Fördermöglichkeiten nutzen meist nur den Beratern und sichern die Arbeitsplätze von Beamten. Den finanziellen Vorteil stecken sich die Consultants ein. Das aus Zwangsbeiträgen finanzierte deutsche Staatsfernsehen scheut keine Kosten und Mühen, die Einzelfälle zu finden, die vor laufender Kamera dann dieses System loben und davon zu berichten, dank Förderberater, Subventionen und Beamten drei Arbeitsplätze geschaffen zu haben.

Wer aber eine gute Geschäftsidee hat und erste Kunden sieht, hat meist keine Zeit, sich durch Tausende Beratungs- und Fördermöglichkeiten zu arbeiten.

Recitfga-bsl.info: Welche politischen Maßnahmen könnten die Gründerkultur noch verbessern?

Dr. Oliver Everling: Die Deutschen sind ein risikoscheues Volk geworden. Dabei könnten zum Beispiel viel mehr – fast zinslose – Ersparnisse auch für Existenzgründer genutzt werden. Das Problem der Sparer: Ist die von ihnen finanzierte Gründung ein Flop, ist das Geld weg. Ist die Gründung ein Erfolg – tja, dann hält das Finanzamt kräftig die Hand auf. Es können von Anlegern nicht die Gewinne erzielt werden, die das Risiko rechtfertigen.

Recitfga-bsl.info: Rechtliche und politische Rahmenbedingungen sind das Eine. Doch ohne Idee bringen auch die besten Rahmenbedingungen die Gründungslandschaft nicht weiter. Was braucht Deutschland, um neue Ideen hervorzubringen?

Dr. Oliver Everling:

Aktuell ist die Flüchtlingsproblematik nicht nur eine Krise, sondern auch eine Chance zum Umdenken in der Einwanderungspolitik. Es gibt auf dieser Welt so viele Länder, in denen Know-how aus Deutschland wertvoll ist.

So gibt es schon heute Start-ups in Deutschland, die ihre Dienste komplett in Afrika oder sonst wo erbringen. Diese Zusammenarbeit setzt aber meist voraus, dass auch Mitarbeiter aus diesen Ländern bei uns sind, schon allein, um die sprachlichen und interkulturellen Barrieren zu überwinden.

Recitfga-bsl.info: Gibt es im internationalen Raum Vorbilder, an denen Deutschland sich orientieren sollte?

Dr. Oliver Everling: Die USA haben in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass sie keineswegs in jeder Hinsicht Vorbild für Deutschland sein können.

Im Streben, es den Amerikanern gleichzutun, wurde in Deutschland so viel falsch gemacht. Daher warne ich davor, Deutschland mit einem „me-too-Ansatz“ nach vorne bringen zu wollen, also dadurch, dass man einfach nachbaut. Die Einzigartigkeit Deutschlands in der Mitte Europas muss stattdessen genutzt werden.

Recitfga-bsl.info: Bei der Veranstaltung vom 16. bis 18. Oktober in Gummersbach treffen Start-ups auf Firmen und Institutionen, die sich für Gründer einsetzen. Was genau erwartet die Besucher und was ist das Ziel des Events?

Dr. Oliver Everling: In unserem Interview können wir nur einen Bruchteil der vielen Ideen ansprechen, um eine neue Gründerkultur zu schaffen. Um dafür mehr Zeit zu haben, werden wir in Gummersbach mit den interessantesten Leuten zusammentreffen, um nicht nur viel mehr zuzuhören, sondern uns auch auszutauschen.

Recitfga-bsl.info: Teilnehmen kann prinzipiell jeder. Was kostet das und was muss man dafür tun?

Dr. Oliver Everling: Ja, genau. Ein Seminar für jeden. Inklusive Verpflegung, Übernachtungen usw. liegen die Kosten bei 65 bis 95 Euro für alles. Mehr Informationen gibt es auf .

  • Seminar: Neue Gründerkultur und Risikokapital für Deutschland
    Wann? 16.10. (18:00 Uhr) bis 18.10.2015 (15:00 Uhr)
    Wo? Gummersbach
    Wie viel? 95 Euro, ermäßigt 65 Euro (Studenten, Schüler, Azubis, Arbeitslose)
    Mehr Infos?

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