EXIST: Pre-Seed Finanzierung für Hochschulgründer



Seit über 15 Jahren gibt es EXIST, das Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, das Gründungen aus der Hochschule unterstützt. Was hat sich in dieser Zeit verändert – was muss sich noch tun? Der EXIST-Projektverantworliche Dr. Thomas Großmann erklärt, weshalb Gründungen aus der Hochschule besonders wichtig sind und wieso deutsche Hochschulen im Vergleich zu anderen Ländern noch aufholen müssen.

Recitfga-bsl.info: Wie schätzen Sie die Entwicklung der letzten Jahre und die aktuelle Lage in Sachen Gründungen aus der Hochschule ein?

Dr. Thomas Großmann, EXIST: Ich sehe die Entwicklung sehr positiv, auch wenn die Anzahl der Gründungen nur leicht ansteigt. So hat sich die Gründungskultur an vielen Hochschulen sehr stark verbessert.

Start-ups sind in aller Munde und Gründer bekommen für ihre Arbeit auch mehr gesellschaftliche Anerkennung.

Das ist wichtig für die Motivation junger Absolventen und Wissenschaftler, die sich sehr genau überlegen, wo sie ihre Berufschancen sehen. Dass es immer wieder Menschen gibt, die , finde ich sehr ermutigend.

Dr. Thomas Großmann
Dr. Thomas Großmann arbeitet als EXIST-Verantwortlicher für den Projektträger Jülich (PtJ). (Foto: PtJ)

Recitfga-bsl.info: Und wie sieht es im internationalen Vergleich aus?

Dr. Thomas Großmann, EXIST: Andere Länder sind Deutschland in Sachen Gründungen immer noch weit voraus. In Israel, den USA oder Großbritannien gibt es eine viel stärkere Gründungskultur gerade auch an den Hochschulen.

Auch in Asien passiert viel, was wir nicht immer bemerken. So sind Delhi und Bangalore in Indien wichtige Start-up-Zentren. Daher gilt es, den Blick nicht nur auf das Silicon Valley zu richten.

Recitfga-bsl.info: Wie unterscheiden sich Gründungen aus der Wissenschaft von anderen Gründungen?

Dr. Thomas Großmann, EXIST: Existenzgründungen aus der Wissenschaft sind wissensbasiert und innovativ, basieren oft auf konkreten Forschungsergebnissen. Sie bringen neue Verfahren, Technologien, Materialien oder auch Dienstleistungsideen auf den Markt. Sie bauen also nicht nur auf Bekanntem und Bewährtem auf.

Beispiele für EXIST Unternehmen
Diese Unternehmen wurden von EXIST gefördert: Bild 1: ergobag, ein Schulranzen der zu 100% aus recycelten PET-Flaschen besteht (Ausgründung der Philipps-Universität Marburg). Bild 2: RESTUBE, eine Rettungsboje für Wassersportler (Ausgründung des Karlsruher Instituts für Technologie, KIT). Bild 3: Brille24, Brillenoutlet für jedermann (Ausgründung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg). (Quellen: ergobag, RESTUBE, uni-oldenburg.de).

Recitfga-bsl.info: Was macht Gründungen aus der Wissenschaft besonders wichtig für die Gründungslandschaft?

Dr. Thomas Großmann, EXIST: Die Gründungslandschaft und die ganze Wirtschaft brauchen Innovationen. Der beste und schnellste Weg zu innovativen Produkten und Dienstleistungen geht über technologiebasierte Start-ups, die aus dem Umfeld von Hochschulen und Forschungseinrichtungen stammen. Von ihnen gehen einfach wichtige Impulse für Wissenschaft und Wirtschaft aus.

Recitfga-bsl.info: Was muss sich an den Hochschulen ändern, damit das Gründungsklima dort noch besser wird?

Dr. Thomas Großmann, EXIST:

Die Hochschulen müssen das vor allem wollen und sich dem Thema öffnen. In den letzten Jahren hat sich hier schon einiges verbessert, aber noch bleibt viel kreatives und innovatives Potenzial ungenutzt.

Auch weil Gründungsinteressierte vielleicht an ihrer Hochschule keine ausreichende Beratung und Unterstützung für ihre Ideen gefunden haben. Daher wollen wir in allen Regionen starke Gründungsnetzwerke mit ihrer eigenen Strategie und spezifischen Angeboten.

Recitfga-bsl.info: Wie trägt EXIST dazu bei?

Dr. Thomas Großmann, EXIST: EXIST bietet drei wichtige Dinge: Zunächst einmal Fördergeld des BMWi, damit entsprechende Projekte auch umgesetzt werden können. Daneben hat EXIST über 15 Jahre Erfahrung in dem Bereich und ist selbst ein großes Netzwerk von Hochschulen, Universitäten, Experten und Institutionen aus dem Bereich Gründungsförderung. Wer das Gründungsklima an seiner Hochschule verbessern möchte, findet hier viele Best Practice-Beispiele und auch Unterstützung.

Recitfga-bsl.info: EXIST gibt es bereits seit 1998 – was waren die drei größten Meilensteine des Programms?

Dr. Thomas Großmann, EXIST:

  1. Der größte Meilenstein nach dem Start des Programms war sicher die Einführung der individuellen Gründerförderung durch das EXIST-Gründerstipendium und dem EXIST-Forschungstransfer Mitte 2007. Damit leisten wir einen ganz wichtigen Beitrag zur Pre-Seed-Finanzierung von wissensbasierten Start-ups in ganz Deutschland.
  2. Als zweiten Meilenstein würde ich 2010 den großen Wettbewerb „EXIST-Gründungskultur. Die Gründerhochschule“ sehen. Damals haben sich viele Hochschulen beworben, die sich ganzheitlich für das Thema Gründen öffnen wollten. Eine Jury wählte aus, die derzeit noch ihre Strategien als „Gründerhochschulen“ umsetzen.
  3. Drittens traten Anfang 2015 die neuen Richtlinien für EXIST-Gründerstipendium und Forschungstransfer in Kraft. Damit gelten bis 2020 deutlich bessere Konditionen für Existenzgründer aus der Wissenschaft. Das ist sicherlich der neueste Meilenstein für EXIST.

Recitfga-bsl.info: In diesem Jahr startete das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als Teil von EXIST das internationale Programm „EXIST Start-up Germany“ mit Israel. Was sind die Ziele hiervon und wie funktioniert das Programm genau?

Dr. Thomas Großmann, EXIST: wurde Ende Juni in Tel Aviv gestartet und ist ein Modellprojekt der Berliner Universitäten zusammen mit der Universität Potsdam.

Absolventen und Wissenschaftler aus Israel haben die Möglichkeit, sich zu bewerben und eine dreitägige Start-up-Tour durch Berlin zu absolvieren.

Hier sollen sie in Kontakt kommen mit Deutschlands Hochschulen sowie Gründerinnen und Gründern. Gemeinsam mit den Hochschulen kann in einem zweiten Schritt ein Projekt entwickelt und ein EXIST-Antrag gestellt werden. Wir erhoffen uns einen regen Austausch zwischen deutschen und israelischen Gründern, denn beide Seiten können viel voneinander lernen.

Recitfga-bsl.info: Ein Einzelprojekt oder der Start einer vermehrten Internationalisierung von EXIST – wo sehen Sie das Förderprogramm EXIST in ein paar Jahren?

Dr. Thomas Großmann, EXIST: EXIST gibt es inzwischen seit über 15 Jahren und es hat sich stetig weiterentwickelt. Daher gehe ich davon aus, dass es auch in Zukunft neue Förderangebote für Hochschulen und Existenzgründer aus der Wissenschaft geben wird. Wie die genau aussehen werden, darüber wird gerade intensiv beraten.

Vielen Dank für das Interview!

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