Bits & Pretzels wird erwachsen: Über Dirndl und Start-ups



Sie ist wohl die wichtigste Gründerveranstaltung in Deutschland und zählt zu den größten Start-up-Events in Europa: Zum dritten Mal fand vom 27. bis zum 29. September die vor einem Jahr erstmals organisierte Bits & Pretzels in München statt und lud Gründer aus aller Welt zum gemeinsamen Austausch ein. Unser Mitarbeiter Alexander war vor Ort und berichtet über eine Veranstaltung, die bayerische Tradition mit der modernen Businesswelt vereint, ohne dabei den innovativen Gründergeist auf der Strecke zu lassen.

Um 8 Uhr morgens geht es mit dem ICE los in Richtung München. Für einen Sonntag eigentlich etwas zu früh für meinen Geschmack. Aber wer ein Gründerevent mit so einem Renommee besuchen möchte, der steht gerne früh auf. Schließlich machen sich weitere 3.600 Gründer aus Deutschland und der ganzen Welt auf den Weg, um bei der dreitägigen Veranstaltung dabei zu sein.

Die Erwartungen sind groß, die Neugierde auf das neue Veranstaltungskonzept riesig. Waren es im Januar noch rund 1.800 Gründungsinteressierte, die zum Weißwurstfrühstück im Münchner Löwenbräukeller zusammenkamen, treffen heute mit 3.600 Teilnehmern doppelt so viele Interessierte aus der Gründerwelt aufeinander. Statt des urig bayerischen Bierpalastes wählte das Veranstaltungsteam der Bits & Pretzels, Andreas Bruckschlögl (onPage.org), Dr. Bernd Storm (Aboalarm) und Felix Haas (u.a. IDnow), das Internationale Congress Center München direkt bei der Messe als Eventlocation – also ein großer atmosphärischer Unterschied zum Löwenbräukeller.

Bits & Pretzels
Bits & Pretzels wird von den drei Initiatoren Andreas Bruckschlögl, Bernd Storm und Felix Haas eröffnet

Welcome to Bits & Pretzels

Der erste Eindruck beim Betreten der Halle lässt mich meine letzte Aussage jedoch fast wieder zurücknehmen. Lederhosen und Dirndl weit und breit, Bierbänke und -tische direkt im Zentrum des Eingangsbereiches und als Höhepunkt ein schätzungsweise acht Meter hohes, funktionstüchtiges Riesenrad, in dessen Waggons es sich die ersten Gründer gemütlich gemacht haben.

Nach einer kurzen Vergewisserung muss ich feststellen, dass ich nicht auf dem Oktoberfest, sondern tatsächlich bei der Bits & Pretzels bin.

Es geht schnurstracks zur Hauptbühne, vorbei am Riesenrad und rein in die größte Halle der Location, in der alle Teilnehmer ihren Platz finden. Und schon betreten die drei lederhosentragenden Veranstalter mit einem kurzen Hallo die Bühne, bevor die bayerische Staatsministerin Ilse Aigner im Dirndl das Grußwort übernimmt. Freudig erzählt sie, dass das Oktoberfest extra parallel zur Bits & Pretzels veranstaltet werde und erntet dafür einige Lacher. Sie übergibt an den zweiten Münchner Bürgermeister Josef Schmid, der mit seinem wohl absichtlichen Versprecher „Beer & Pretzels“ auch die letzten Reihen im Publikum erreicht. Es kann los gehen.

Spaßvogel Joko Winterscheidt spielt den Clown und präsentiert nebenbei GoButler

Mikkel Svane betritt die Bühne, natürlich auch in Lederhosen, und berichtet in sympathischer Weise über die Gründung seiner weltweit erfolgreichen Kundensupport-Plattform Zendesk. Seine These:

Die positive Nutzererfahrung muss im Vordergrund stehen, um langfristig erfolgreich zu sein.

Es folgen mit Navid Hadzaad und Joko Winterscheidt, Gründer und Investor von GoButler, einem digitalen Concierge-Dienst (wir berichteten). Während Hadzaad zu erklären beginnt, was GoButler ist, macht der bekannte Moderator Winterscheidt seine Späßchen und erheitert das Publikum. Dafür, dass sie unsere Aufmerksamkeit bannen können, gibt es die Note 1. Der Mehrwert des Produktes geht allerdings auch heute wieder etwas unter. Die Pizzabestellung über GoButler ist einfach kein gutes Beispiel.

Im Anschluss an die Comedy-Nummer von GoButler kommt der Österreicher Florian Gschwandtner (bei uns im Interview) auf die Bühne und berichtet über seine weltweit erfolgreiche App Runtastic, die täglich über 150.000 Downloads verzeichnet. Bemerkenswert ist, dass Runtastic komplett gebootstrapped wurde, es also keinerlei Venture Capital aufgenommen wurde. Gschwandtner erklärt, wie man beim Bootstrapping am besten vorgeht, bevor dann sein neuer Chef die Bühne betritt: der Geschäftsführer von Adidas, Herbert Hainer, dessen Unternehmen Runtastic erst im August für 220 Millionen Euro übernommen hat.

Joko Winterscheidt, GoButler
Joko Winterscheidt macht auf Spaßvogel, Gründer Navid Hadzaad stellt GoButler vor

Für Start-ups auf Kapital- und Partnersuche spannend: der eigene Messestand

Nach Hainers Rede knurrt mein Magen und ich gönne mir eine Brezn, die auf einer Veranstaltung mit dem Name Bits & Pretzels natürlich nicht fehlen darf. Beim Durchschlendern der Halle trifft man auf eine Vielzahl kleiner Messestände von Start-ups, die sich und ihr Produkt präsentieren. Die Start-ups sind vielfältig, der Fokus liegt dennoch auf IT und Digitalisierung. Die Stände sind teilweise fast schon überfüllt, die ausstellenden Start-ups freut es natürlich. Der wortwörtliche Höhepunkt zeigt sich am Stand von MysteryVibe, die einen per Smartphone-App steuerbaren Vibrator entwickelt haben.

Nach weiteren Vorträgen endet der Tag mit einer Afterparty auf der Praterinsel mitten auf der Isar. Die Location ist cool, die Getränke umsonst und die Leute in Partylaune. Ja, Gründer können wahrlich feiern.

Tag 2: Katerstimmung und wertvolle Tipps für’s Online-Marketing

Am nächsten Morgen geht es direkt mit wertvollen Tipps von erfolgreichen Gründern in mehreren Vorträgen und Podiumsdiskussionen weiter. In der ersten Stunde hält sich der Andrang noch in Grenzen, wohl wissend, dass es nicht an der Qualität der Vorträge, sondern eher am letzten Bier des Vorabends lag. Aber wer feiern kann, kann auch arbeiten.

So entscheide ich mich für den Besuch des Online-Marketing-Track. Von einem Ex-Google-Mitarbeiter erfahre ich in einem persönlichen Gespräch, wie wichtig bei der Suchmachinenoptimierung (SEO) die Google Webmaster Guidelines sind. Er empfiehlt, mindestens einmal im Quartal hineinzuschauen, da die regelmäßigen Updates eine große Relevanz für den Ranking-Algorithmus haben.

Der wichtigste Tipp bei SEO? „Wenn die Nutzer deine Seite mögen, wirst du auch gut gefunden“, so der Google-Experte.

Beim Thema Social Media-Marketing nehme ich folgenden Ratschlag mit: Jeden Tag 5 bis 10 Euro in Sponsored Posts zu investieren ist sinnvoll, um die komplette Reichweite der eigenen Fans auch ausnutzen zu können. Bei der Podiumsdiskussion stellt sich dann auch wieder heraus, dass der Nutzer immer im Mittelpunkt eines Geschäftskonzeptes stehen muss. Ein glücklicher Nutzer macht auch den Gründer glücklich.

Online Marketing
Der Online-Marketing Track liefert wertvolle Informationen zu SEO und Social Media Marketing

Der etwas zu kurz geratene Start-up-Pitch und die kaputte Gitarre

Nach weiteren Vorträgen und vielen Gesprächen freue ich mich auf den Start-up-Pitch, der dann leider wie auch bei der letzten Bits & Pretzels sehr kurz ausfällt. Sieben aus über 200 ausgewählte Start-ups haben jeweils 90 Sekunden Zeit, um die Jury zu überzeugen und ein Vorstellungsgespräch beim begehrten Accelerator 500 Startups aus dem Silicon Valley zu gewinnen.

Zu den pitchenden Start-ups gehören unter anderem das Gebrauchtwagenportal Karosso, das Start-up 123Recht.net, die auch das Portal Frag-einen-Anwalt.de betreiben und eine Dame, die mir mit MysteryVibe und ihrem ferngesteuerten Vibrator noch vom Vortag in Erinnerung geblieben ist.

Die schlagkräftigste Vorstellung bietet allerdings Gigmit, eine Vermittlungsplattform zwischen Musiker und Veranstalter. Marcus Rüssel, der Gründer des Start-ups, betritt mit einer Gitarre die Bühne, sodass ich mich schon über eine musikalische Vorstellung seiner Idee freue. Wider Erwarten zertrümmert Rüssel jedoch die Gitarre vor den Augen des sichtlich geschockten Publikums. Ich frage mich, ob das mit den Veranstaltern abgesprochen war? Für den Sieg reicht es jedenfalls nicht.

Der Sieger des Abends wird JC Parts, ein französisches Start-up, das überzogene Kosten für Autoteile zur Vergangenheit machen möchte.

Start-up-Pitch
Und am Ende wird natürlich auch gepitcht: Nur 90 Sekunden haben die Gründer Zeit

Bits & Pretzels – gerne wieder

Mein Zug fährt in einer Stunde und ich muss mich auf den Weg zum Bahnhof machen. Bei der Afterparty am Abend im beliebten Münchner Club P1 und dem folgenden Abschlusstag auf dem Oktoberfest muss ich leider passen und mach mich auf die Socken.

Rückblickend kann das neue Format der Bits & Pretzels als ein Erfolg gewertet werden.

Die Kombination aus namhaften Speakern, einer tollen und hochmodern ausgestatteten Messehalle und der Ungezwungenheit der Start-up-Szene macht das noch sehr junge Event bereits heute zu einem Pflichttermin für innovative Start-ups, die zumindest schon einen ersten Prototyp vorweisen können und auf der Suche nach Kooperationspartnern und Investoren sind. Denn Networking in entspannter und zugleich professioneller Atmosphäre steht bei der neuen Bits & Pretzels ganz oben auf der Liste.

Kritiker hingegen mögen die Veranstaltung als eine große Party sehen, mit der sich die Szene nur selbst feiert, bis die Blase dann irgendwann platzt. Aber selbst wenn es so wäre – Spaß hat es allen trotzdem gemacht.

Mehr Gründerveranstaltungen gibt es bei uns im Kalender. Wer regelmäßig über aktuelle Events aus der Gründerwelt informiert werden möchte, dem empfiehlt sich die Eintragung in unseren Veranstaltungs-Newsletter:

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