Der Apfel gründet nicht weit vom Stamm



Stiefkind, das ist ein 100% natürlich saurer Apfelsaft, ohne Zucker und ohne Zusatzstoffe. Einfach nur Apfelsaft, der die Herzen der Kunden erobert hat – und zwar mit einem guten Storytelling-Konzept. In diesem Interview erklärt die Projektleiterin die Idee hinter Stiefkind und erzählt, wieso das Geschäft boomt, sich die Anfragen türmen und sie momentan trotzdem nicht allein von dem Apfelsaft leben kann.

Recitfga-bsl.info: Hallo Magdalena, erzähl doch erst einmal, wie man überhaupt auf die Idee kommt, einen Apfelsaft zu vermarkten.

Magdalena Schneider von Stiefkind Apfelsaft: Mein Vater, Georg Schneider, ist Obstbauer. Er hat in Edingen in der Nähe von Heidelberg einen Familienbetrieb, die Baumschule und Obstbau Georg Schneider GbR. Früher hatte ich eigentlich nicht viel mit dem Betrieb zu tun, bis auf, dass ich in meinen Schul-Sommerferien geholfen habe Äpfel zu pflücken.

Aber schon als kleines Kind hat mich immer ein Produkt von meinem Vater ganz besonders fasziniert: nämlich ein roter Apfelsaft. Der Apfel dafür besteht aus einer speziellen Kreuzung aus einem Zier- und einem Essapfel. Durch den Zierapfel bekommt der Apfel ein leuchtend rotes Fruchtfleisch und einen sehr säuerlichen Geschmack. Mein Vater hat den Apfelsaft früher nur als frisch gepressten Saft verkauft. Da die Äpfel aber nicht lagerbar sind, gab es den Apfelsaft nur dann, wenn die Äpfel reif waren, also im August und September.

Recitfga-bsl.info: Während deines Studiums hast du dann mit der Vermarktung von Stiefkind Apfelsaft begonnen. Wie kam es dazu?

Magdalena Schneider von Stiefkind Apfelsaft: Mein Studium der Unternehmenskommunikation an der Hochschule der Medien in Stuttgart war sehr projektbezogen. Ich dachte mir, es müsste doch eine Möglichkeit geben den Apfelsaft abzufüllen und zu vermarkten, sodass er das ganze Jahr über genießbar ist.

Also zog ich los und stellte meinem Professor, Dr. Christoph Häberle, den leuchtend roten Apfelsaft, abgefüllt in einer 1L-Glas-Milchflasche, auf den Schreibtisch. Er probierte den Saft und war sofort begeistert.

So kam es dazu, dass ich ein Projekt an der Hochschule der Medien selbst initiieren durfte und eine Projektgruppe aus zehn Studenten, verschiedener Fachbereiche, wie Grafik-Design, Packaging-Design und der Unternehmenskommunikation, zusammenstellen konnte. Wir entwickelten über ein Jahr lang, in Zusammenarbeit mit dem Betrieb von meinem Vater, die Strategie für das Produkt und ich setzte es anschließend für meine Masterthesis um. So hatte ich nach meinem Masterstudium bereits ein Bein in der Selbstständigkeit.

Stiefkind und der rote Apfel
Der Stiefkind Apfel ist eine Kreuzung aus einem Zier- und einem Essapfel. Er ist rot und sauer – eine Besonderheit! (Foto: Stiefkind Apfelsaft)

Recitfga-bsl.info: Welche Hürden gibt es, wenn man so ein Projekt parallel zum Studium aufzieht oder ist es sogar ein Vorteil, weil man sich die Zeit selbst einteilen kann?

Magdalena Schneider von Stiefkind Apfelsaft: Da ich die Projektleiterin des Projekts war, war es für mich nicht immer leicht die Wünsche des Kunden, also die meines Vaters, mit den Vorschlägen meiner Gruppe zusammenzubringen und zu koordinieren.

Der größte Zeitaufwand zeigte sich vor allem auch in der Namensfindung des Produkts. Wir haben ein halbes Jahr gebraucht bis wir den Namen „Stiefkind“ für das Produkt hatten.

Vorab erarbeiteten meine Gruppe und ich viele Vorschläge, die dann entweder meinem Vater, meinem Team oder mir selbst nicht gefielen. Für mich war es wichtig ein schlüssiges Konzept zu erarbeiten und mit manchen Namen konnte ich einfach keine Verbindung zum Produkt herstellen. Früher jobbte ich neben meinem Studium viel als Promoterin und fragte mich selbst: „Was würde ich den Leuten auf der Straße erzählen, wenn ich ihnen mein Produkt verkaufen müsste?“ Somit musste ein passender Name her, der einen Sinn ergibt und den ich leicht erklären kann.

Recitfga-bsl.info: Stiefkind Apfelsaft heißt das Produkt nun also. Wieso?

Magdalena Schneider von Stiefkind Apfelsaft: Mein Vater war 1974 wegen eines Fortbildungsjahrs auf einem Obsthof in Frankreich. Dort wurde er auf diese besondere Apfelkreuzung aufmerksam. In den Augen seines französischen Lehrmeisters war die Sorte unbrauchbar, da sie zu sauer und nicht so saftergiebig war. Mein Vater fand die Sorte aber interessant, deswegen schenkte ihm sein französischer Lehrmeister verschiedene Wildlinge. So kamen die roten Äpfel  nach Deutschland in die bestehende gelbe Apfelfamilie unseres Hofguts.

Da der rotfleischige Apfel ein „Mitbringsel“ in eine neue Apfelfamilie war und weil er ein anderes Elternteil durch seine Kreuzung besitzt, nämlich den Zierapfel, verhält sich der rotfleischige Apfel wie ein „Stiefkind” zu unseren normalen, gelbfleischigen Äpfeln. Wir haben dann das Kind beim Namen genannt – oder sagen wir: Das Stiefkind war geboren.

Recitfga-bsl.info: Und hinter dem Namen steckt inzwischen ein ganzes Storytelling-Konzept?

Magdalena Schneider von Stiefkind Apfelsaft: Ja, Storytelling wird bei uns in allen Bereichen angewandt: Das Stiefkind posted in eigenem Namen Beiträge in den sozialen Medien, auf Messeständen verkleiden wir uns als Stiefeltern mit roter Bobfrisur, die auch das Stiefkind im Logo trägt. Die Stände sind in knalligem Rot gestaltet. Meine E-Mail-Signatur enthält neben dem üblichen Titel die Bezeichnung „Stiefmutter“ und so weiter. Wenn man Storytelling einmal anfängt, kommen einem die wildesten Ideen. Und: Man sollte sie unbedingt alle umsetzen!

Screenshot Stiefkind Post
Beispiel für einen Post auf Facebook, den das Stiefkind „selbst“ abgesetzt hat. (Foto: Stiefkind Fanpage)

Recitfga-bsl.info: Für das Marketingkonzept von Stiefkind Apfelsaft wurdest du 2013 auch mit dem Award des Branchenmagazins Taspo 2013 ausgezeichnet. Was bringt eine Teilnahme an Wettbewerben für Gründer?

Magdalena Schneider von Stiefkind Apfelsaft: PR, PR, PR. Durch die Teilnahme an Wettbewerben erlangt ein Unternehmen Aufmerksamkeit durch die Medien. Gewinnt man den Wettbewerb auch noch, erreicht man dadurch eine viel höhere Reichweite und das Unternehmen wird automatisch bekannter. Nur als kleines Beispiel:

Nachdem wir den Taspo Award gewonnen hatten, war unsere Produktion, die wir im September 2013 abgefüllt hatten, im Mai 2014 ausverkauft.

Dazu hat der Award auf jeden Fall seinen Teil beigetragen.

Stiefkind Apfelsaft Messestand
ROTzfrech ist das Stiefkind auch auf Events und Messen – das Konzept Storytelling geht auf. (Foto: Stiefkind Apfelsaft)

Recitfga-bsl.info: Wohin soll die Reise mit Stiefkind noch gehen?

Magdalena Schneider von Stiefkind Apfelsaft: Da die Stiefkind-Äpfel so besonders sind, haben wir jedes Jahr nur eine begrenzte Menge des Apfelsafts. In unserem ersten Abfüllungsjahr, 2012, hatten wir eine Menge von 15.000 Flaschen. Im Jahr 2014 konnten wir die Produktion auf 30.000 Flaschen erweitern.

Die besonderen Äpfel hat nicht jeder Obstbauer in Deutschland, also können wir auch keine Äpfel für den Apfelsaft zukaufen. Somit bleibt das Produkt regional, was gleichzeitig ein Vorteil, aber auch ein Nachteil ist.

Wir können also die Produktion nicht unendlich erweitern und ein „Apfelsaft-Imperium“ aufbauen, somit kann ich leider von Stiefkind allein auch noch nicht leben. Ich sage meinem Vater immer, er muss noch ein paar mehr Apfelbäumchen pflanzen. Aber bis ein Apfelbaum trägt, dauert es mindestens zwei Jahre und dann ist der Ertrag der Ernte von Jahr zu Jahr unterschiedlich, weil die Bäume alternieren. Das heißt die Bäume haben in einem Jahr mal mehr und im Folgejahr mal weniger Ertrag. Eine Produktionssteigerung ist geplant, aber es dauert leider noch ein bisschen.

Recitfga-bsl.info: Hast du Tipps, die du anderen Gründern mit auf den Weg geben kannst?

Magdalena Schneider von Stiefkind Apfelsaft:

Habe Mut! Um dich selbstständig zu machen brauchst du Mut. Ohne ihn wirst du nicht über deinen eigenen Schatten springen und dich nicht in ein unbekanntes Gebiet wagen. Aber es wird sich lohnen! Und du brauchst ein gutes Durchhaltevermögen. Es liegt ein weiter Weg vor dir.

Definiere ein Ziel! Du musst in zwei Sätzen erklären können, was dein Unternehmen macht, was dein Produkt kann, was du selbst kannst. Was sind die Alleinstellungsmerkmale? Interessierte werden dich fragen: Was machst du eigentlich genau? Sei vorbereitet auf diese Frage. Es gibt nichts Schlimmeres als wage zu antworten und herumzustammeln. Dein Gegenüber merkt sofort, ob du Kompetenz auf deinem Gebiet besitzt oder nicht. Für jeden, der sich nicht sicher ist, empfehle ich einen Businessplan zu schreiben und auch alles durchzukalkulieren. Dadurch werden deine Unternehmensziele nicht nur klarer definiert, sondern er kann auch Finanzierungsängste besänftigen, wenn du dir alles schriftlich vor Augen führst.

Informiere dich! Du musst wissen worauf du dich einlässt, wenn du dich selbstständig machen möchtest. Welche Versicherungen brauche ich, welche Gesellschaftsform ist am Besten für mein Vorhaben, was benötige ich dazu und vor allem was kostet das Ganze? Kann ich das finanzieren? Und falls nein, wie könnte ich es auf anderem Wege finanzieren? Viele Start-ups scheitern in den ersten Jahren. Dem kannst du mit einer guten Planung entgegenwirken.

Recitfga-bsl.info: Vielen Dank für das Interview, Magdalena!
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    Magdalena Schneider
    Grenzhöfer Str. 60
    68535 Edingen-Neckarhausen
    Telefon: 0173.66 13 817
    E-Mail: [email protected]
    Web:

In diesem Interview gibt Magdalena Schneider Tipps rund um Storytelling. Mehr zum Thema Storytelling gibt es außerdem auf Recitfga-bsl.info. Dort erfahren Sie auch, was noch alles zur Öffentlichkeitsarbeit zählt, und was man für gute Pressearbeit braucht.

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