News und aktuelle Zahlen zum Crowdfunding-Markt



Nach langem Hin und Her zwischen Politik und Crowdfunding-Szene ist das Kleinanlegerschutzgesetz nun da – wir fassen die wichtigsten Punkte zusammen. Außerdem stellen wir die aktuellen Zahlen zur Crowdfinanzierung in Deutschland vor, die in unserer neuesten Ausgabe des Crowdfinanzierungs-Monitors präsentiert werden. Wir zeigen, welche spannenden Start-ups auf Kapitalsuche sind, präsentieren neue Crowdfunding-Plattformen, stellen Kulturcrowdfunding auf Startnext vor und weisen auf anstehende Events für die Branche hin.

Die verschiedenen Arten der Crowdfinanzierung zeigten im ersten Halbjahr 2015 unterschiedliche Entwicklungen. Stark gewachsen ist das Crowdlending. Nach den ersten sechs Monaten stehen hier bereits 74,2 Mio. Euro an Kreditvolumen zu Buche, nach 35,6 Mio. Euro im Gesamtjahr 2014. Zusammen mit Crowdfunding und Crowdinvesting summierte sich das bereitgestellte Kapital im ersten Halbjahr auf 96 Mio. Euro.

1. Halbjahr 2015 Crowdfinanzierung
Daten aus dem Crowdfinanzierungs-Monitor zum 1. Halbjahr 2015 von Recitfga-bsl.info

Mehr Crowdfunding für Kreative

Auf deutschen Crowdfunding-Plattformen legte das Finanzierungsvolumen nach 2,2 Mio. Euro in Q1 auf 2,6 Mio. Euro in Q2 zu, ein Plus von 18%. Im ersten Halbjahr 2015 standen damit 4,8 Mio. Euro zu Buche, nach 4,1 Mio. Euro im Vorjahr. Die Zahl der erfolgreich finanzierten Projekte lag bei 613, gegenüber 479 im ersten Halbjahr 2014 – weitere Details und den Ausblick zu Crowdfunding in Deutschland lesen.

Crowdinvesting für Start-ups mit unterschiedlichen Tendenzen

Zwar stieg das durch Crowdinvesting von Start-ups und Unternehmen eingesammelte Kapital im ersten Halbjahr 2015 um 15% auf 9,6 Mio. Euro, doch verteilte sich dies auf weniger Finanzierungsrunden: 26 vs. 30 im Vorjahreszeitraum. Unter Berücksichtigung anderer Investmentklassen wie beispielsweise Immobilien und ökologische Projekte kamen auf den Crowdinvesting-Plattformen in Summe 17,0 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2015 zusammen. Die nachfolgende Grafik zeigt die unterschiedlichen Schwerpunkte der Plattformen.

Crowdinvesting Plattformen nach Schwerpunkten
Crowdinvesting Plattformen nach Schwerpunkten (Auswahl)

Im ersten Halbjahr 2015 konnten Start-ups und Wachstumsunternehmen auf den Crowdinvesting-Plattformen Finanzierungsrunden mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 9,6 Mio. Euro abschließen. Nachdem das Startquartal 2015 noch 6,5 Mio. Euro verbuchen konnte, waren es im zweiten Quartal 2015 jedoch lediglich 3,1 Mio. Euro. Die Zahl der finanzierten Start-ups lag von April bis Juni 2015 bei 10, nach 16 im Vorquartal. Im Halbjahresvergleich waren es demnach 26 im ersten Halbjahr 2015 gegenüber 30 im Vorjahr. Die Tendenz leicht abnehmender Start-up-Projektzahlen ist schon über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Betrug die Anzahl abgeschlossener Finanzierungen 2013 noch 66, ging sie 2014 auf 57 zurück. Zum Stichtag 30. Juni befanden sich 16 Unternehmen in der Finanzierung. Bis dato verbuchten sie Investitionszusagen von 2,6 Mio. Euro. Dieser Wert deutet aber nicht auf eine Trendumkehr bei der Startup-Finanzierung hin.

Weitere Zahlen, Daten und Fakten zur Finanzierung von Immobilien sowie grünen Projekten und einen Ausblick für 2015 finden Sie in der Publikation. Darin finden Sie auch ein Interview mit Robert Michels von der Kanzlei Dentons sowie Oliver Gajda vom European Crowdfunding Network mit einem europäischen Blick auf den Markt:

Dieses neue Industriesegment hat jede Chance sich als eine innovative und konkurrenzfähige Industrie zu etablieren, dessen Wirtschaftskraft bereits heute signifikant ist. Trotz wenig freundlicher Gesetzgebung in vielen Ländern, sind die Wachstumsraten eindeutig. Eine harmonische Lösung auf EU EU-Ebene könnte hier wirklich einen Unterschied machen.

Nun ist es da: das Kleinanlegerschutzgesetz

Lange wurde in der Crowdfunding-Szene darüber diskutiert. Am Anfang war das Entsetzen groß, bis die Politik dann aber glücklicherweise doch einlenkte. Das neue Kleinanlegerschutzgesetz trat letzte Woche in seiner ersten Stufe in Kraft. Die Crowdinvesting-Plattform hat in Kürze zusammengefasst, was sich für Start-ups und Investoren ändert:

  • Bis zu 2,5 Millionen Euro Fundingsumme sind weiterhin von der (für Start-ups teuren) Prospektpflicht ausgenommen
  • Bei Investments über 1.000 Euro muss ein gewisses Grundvermögen beim Investor vorhanden sein, welches im Rahmen einer Selbstauskunft ermittelt wird
  • Private Investoren dürfen nicht mehr als 10.000 Euro in ein einzelnes Start-up investieren
  • Ein gesetzlich verpflichtendes 14-tägiges Widerrufsfrist kann als Investor in Anspruch genommen werden
  • Ein bis zu 3-seitiges Vermögensanlagen-Informationsblatt muss vom Start-up erstellt werden und von jedem Investoren bestätigt werden

Diese Änderungen gelten zukünftig für die Mehrheit der Plattformen – insbesondere für diejenigen, die das partiarische Nachrangdarlehen in ihrem Vertragswerk nutzen.

Neue Crowdfinanzierungs-Plattformen

Sie schießen noch immer wie die Pilze aus dem Boden: Crowdfunding-Plattformen scheinen weiterhin eine spannende Geschäftsidee für Gründer zu sein. Diese neuen Plattformen stellen wir heute vor:

  • CrowdPatent – mit der Crowd zum eigenen Patent:
    Die Anmeldung eines Patents kann schnell ins Geld gehen, sobald ein europa- oder sogar weltweiter Schutz notwendig wird. CrowdPatent hat diese Problematik erkannt und bietet auf seiner neuen Crowdfunding-Plattform Erfindern die Möglichkeit, die Kosten für die Anmeldung eines Patents durch den Schwarm finanzieren zu lassen. Investoren erhalten im Gegenzug eine stille Beteiligung und profitieren später vom Verkauf oder der Lizensierung des Patents.
  • Kapilendo – neue Crowdlending-Plattform:
    Nach Auxmoney, Lendico und Zencap soll nun bald eine weitere Crowdlending-Plattform zur Vermittlung von Online-Krediten an den Start gehen. selbst bezeichnet sich als „innovativer Online-Marktplatz, der kleinen und mittelständischen Unternehmen eine günstige, schnelle und unbürokratische Finanzierung durch Privatanleger ermöglicht“. Wir sind auf den Launch der Online-Plattform gespannt.
  • Zinsland – erste Immobilie finanziert:
    Die in diesem Jahr mit ihrem ersten Projekt gestartete Crowdinvesting-Plattform für Immobilien konnte am 31. Mai ihr erstes Projekt erfolgreich finanzieren. Mit einer Funding-Summe von insgesamt 750.000 Euro – davon 662.800 Euro durch die Crowd und 87.200 Euro durch professionelle Immobilien-Investoren – beweist sich Zinsland damit neben Exporo als zweite erfolgreiche Investitionsplattform ausschließlich für Immobilien.

Neue Crowd-Start-ups und ein Eigenfunding

Regelmäßig erscheinen neue Start-ups auf den verschiedenen Crowdinvesting-Plattformen und möchten sich dort über die Crowd finanzieren. Wir haben die aktuell spannendsten Start-ups für unsere Leserschaft herausgesucht und stellen diese vor.

  • Rotorvox – der eigene Gyrocopter:
    Wer sich keinen eigenen Hubschrauber leisten kann, der sollte es womöglich Mal mit einem Gyrocopter versuchen. befindet sich aktuell ein Start-up auf Kapitalsuche, welches solch ein Fluggerät entwickelt hat und nun eine Finanzierung für Produktion, Vertrieb und Weiterentwicklung benötigt. Die Firma Rotorvox hat knapp 200.000 Euro an Investorengeldern eingesammelt und damit die Fundingschwelle schon fast erreicht.
  • Puzzles – Mag(net)ische Möbel:
    Noch einfacher als IKEA? Das haben sich wohl die Gründer von Puzzles gedacht, die mit ihren magnetischen Möbeln ein neuartiges Baukastensystem entwickelt haben, bei dem der Zusammenbau ohne Werkzeug möglich sein soll. Das puristische Design und die völlige Flexibilität bei der Montage der Möbel scheinen vielversprechend. wurden bereits etwa 27.000 Euro investiert, die Fundingschwelle liegt bei 50.000 Euro.
  • Bettervest Eigenfunding:
    Wer nachhaltig investieren möchte, der sollte die Crowdinvesting-Plattform bettervest etwas näher betrachten. Dort werden energieeffiziente Projekte, wie beispielsweise Solaranlagen, Blockheizkraftwerke oder mit Wind- und Wasserkraft betriebene Anlagen, als Investitionsangebot vorgestellt. Bettervest führt seit einigen Wochen durch und hat bereits knapp 250.000 Euro einsammeln können. Der Finanzierungsbedarf liegt bei 300.000 Euro – wer also auch etwas für die Umwelt tun möchte, dem sei dieses Projekt besonders ans Herz gelegt.

Trotz vieler neuer Start-ups gibt es leider auch regelmäßig schlechte Nachrichten zu von der Crowd gefundeten Unternehmen. So auch bei dem auf Fundsters finanzierten Recht-Start-up Lexvisors, das laut den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt hat. Offizielle Informationen dazu hat es bisher jedoch noch nicht gegeben.

Noch bis September für die Gründerpostersession bewerben

Bereits in den Vorjahren war die Gründerpostersession ein großer Erfolg. In diesem Jahr werden die Gewinner am 26. November auf der Crowd Dialog Konferenz in München gekürt. Recitfga-bsl.info wird als Juror wieder dabei sein. Bewerbungen werden bereits entgegengenommen. Die vier Phasen sind:

  • Phase 1 – Crowd Curation! (1. September bis 21. Oktober) Die eingereichten Konzepte werden durch die Crowd bewertet und den Gründern wird geholfen, ihre Idee zu schärfen.
  • Phase 2 – Crowd Ranking! (23. bis 30. Oktober) Abstimmung durch die Crowd – wertvolle Inputs und erste Abschätzung des Erfolgs der Idee.
  • Phase 3 – Crowd Mentoring! (, 26. November) Jetzt wird entdigitalisiert und die Ideen werden im wahrsten Sinne des Wortes aufs Papier gebracht. Die Top 10 Poster Sessions werden gekürt und 3 Gewinner nominiert.
  • Phase 4 – Crowd Funding! (Ab Dezember 2015) Finanzierung für die ausgewählten Gewinner-Ideen auf der Crowdfunding Plattform Indiegogo und umfassendes Feedback.

Weitere News: Crowdinvesting-Symposium, Berliner Crowdfunding Preis und mehr

Wer sich näher mit den durch das Kleinanlegerschutzgesetz entstandenen Änderungen im Crowdfunding-Markt beschäftigen möchte, dem sei das dritte Crowdinvesting-Symposium am 23. Oktober dieses Jahres in München empfohlen. Dort treffen Wissenschaft und die deutsche Gründerszene zusammen, um sich über die neuesten Entwicklungen im Bereich Crowdinvesting austauschen. Hier geht es .

Bei der dritten Verleihung des Berliner Crowdfunding Preises dürfen sich Studenten der Uni Witten/Herdecke über den Sieg und ein Preisgeld von 5.000 Euro freuen. Mit ihrem Start-up haben die Studenten Gerald Dissen und Lionel Palm ein innovatives Möbelkonzept entwickelt, welches den Transport der Möbel bei einem Umzug aufgrund deren Beschaffenheit extrem vereinfachen soll.

Der Berliner Crowdfunding Preis wird mehrmals jährlich zu jeweils unterschiedlichen Themen verliehen.

Die Teilnahme ist nur für Projekte oder Start-ups möglich, die erfolgreich gefundet wurden und ihren Sitz in Berlin haben.

Die Crowdfunding-Initiative kulturMut bietet Kulturschaffenden aus dem Rhein-Main-Gebiet Unterstützung bei ihrem Crowdfunding-Projekt. Von der Aventis Foundation gemeinsam mit Startnext ins Lebens gerufen, sollen mit kulturMut kulturnahe Projekte mit bis zu 200.000 Euro gefördert werden – dabei entscheidet die Crowd über die Vergabe der Preisgelder. Bewerbungsfrist ist der 31. Juli, mehr Informationen zur Initiative gibt es sowie in nachfolgendem Video:

Laden Sie jetzt unseren Crowdfinanzierungs-Monitor herunter oder informieren Sie sich über Crowdfunding und Crowdinvesting im Allgemeinen.

http://velotime.com.ua

www.progressive.ua

http://techno-centre.niko.ua/services/zamena-lobovogo/