Warum Slack, Wunderlist & Co. nicht überbewertet sind



Die nächste Blase ist im Anmarsch, so geht es zumindest durch die Medien. Unternehmensbewertungen von mehreren Milliarden Euro für gerade einmal zwei Jahre alte Start-ups lassen aufhorchen. Collaboration-Tools, wie Slack und Wunderlist, erhalten Millionen-Investments oder werden für viel Geld aufgekauft. Aber birgt diese Geschäftsidee denn wirklich so viel Potenzial? Was muss ein Collaboration-Tool leisten, um solche Bewertungen zu erreichen? Und vor allem: Sind diese überhaupt realistisch?

An dieser Neuigkeit aus der deutschen Gründerszene kam in den vergangenen Tagen kaum einer vorbei: Der Software-Gigant Microsoft erwirbt das deutsche Start-up 6 Wunderkinder zu einem Kaufpreis zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar. Mit seiner To-do-List-Software Wunderlist hat das Start-up damit einen Millionen-Exit hingelegt und folgt dem Trend der hohen Unternehmensbewertungen bei den sogenannten Collaboration-Tools.

Denn nicht nur Wunderlist, sondern auch andere Online-Tools zur Effizienzsteigerung von Teamarbeit werden mit hohen Millionensummen, ja teilweise sogar mit mehreren Milliarden Euro bewertet.

Es stellt sich die Frage, woher solche wahnsinnigen Unternehmensbewertungen kommen und ob diese dem tatsächlichen Wert entsprechen.

Der Wettbewerb der Collaboration-Tools ist vielfältig

Hat man den Markt der Software-as-a-Service-Tools im Bereich der Collaboration in den vergangenen Jahren verfolgt, müssen insbesondere die drei großen Namen Wunderlist, Trello und Slack erwähnt werden:

  • mit seinen über 13 Millionen Nutzern übernimmt die private und geschäftliche Aufgabenplanung und ermöglicht das gemeinsame Arbeiten an To-do-Listen.
  • Das 2011 entstandene Projekt-Management-Tool erlaubt ebenfalls das gemeinsame Arbeiten an Aufgaben sowie Projekten und kann mittlerweile auch schon acht Millionen Anwender vorweisen.
  • Das Team-Kommunikations-Tool ist mit knapp zwei Jahren die jüngste Software, lässt aber mit einer Unternehmensbewertung von aktuell fast 3 Milliarden US-Dollar ihre beiden Mitbewerber im Regen stehen. Und das bei gerade einmal 750.000 Nutzern.

Die Anwendungsmöglichkeiten der Collaboration-Tools sind jedoch nicht nur auf Team-Kommunikation oder Projekt- und Aufgabenmanagement beschränkt. Von Filesharing-Tools über Collaborative-Writing-Lösungen bis zur Erstellung gemeinsamer Mindmaps sind die Ansätze zur Teamarbeit sehr vielfältig. Demnach steigt die Zahl der verfügbaren Tools täglich. Auch Software-Konzerne, wie IBM und Micosoft, bieten eigene Produkte an und versuchen sich gegen die innovativen Start-ups im Wettbewerb zu wehren.

Slack Nutzerwachstum
Das Collaboration-Tool Slack beeindruckt mit seinem Nutzerwachstum (Bildquelle: fortune.com)

Was muss ein Collaboration-Tool leisten?

Das Hype-Tool Slack gewinnt jede Woche 3 bis 5 % neue aktive Nutzer. Das würde einem jährlichen Wachstum von deutlich über 600 % entsprechen. Was für einen Mehrwert müssen Collaboration-Tools demnach vorweisen, um solch ein Wachstum zu erreichen? Wir haben erfolgreiche Tools analysiert und die wichtigsten Eigenschaften für den Erfolg eines Tools zusammengefasst:

  • Abdeckung aller Endgeräte:
    Durch die mobile und flexible Arbeitswelt muss der Anwender immer und überall von jedem Endgerät auf das Tool und die auf den aktuellsten Stand synchronisierten Daten zugreifen können.
  • Kommunikationsmöglichkeit:
    Teamarbeit bedeutet, miteinander zu kommunizieren. Auch wenn das geschriebene Wort bei einem Tool nicht im Fokus stehen muss: Ohne das Austauschen von Nachrichten oder Informationen untereinander kommen die wenigsten Tools aus.
  • File-Upload und Multimedia:
    Bei fast jeder Art der Zusammenarbeit von Teams müssen auch Dateien ausgetauscht werden. Der direkte Upload und die entsprechende Darstellung von hochgeladenen Bildern oder Videos müssen daher möglich sein.
  • Notwendige Individualisierbarkeit:
    Collaboration-Tools werden von Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen genutzt, demnach sind die Anforderungen an die Software unterschiedlich. Eine gewisse Individualisierbarkeit muss gegeben sein, wenn eine breite Zielgruppe erreicht werden soll.
  • Einfache Benutzerfreundlichkeit:
    Dies ist die wohl wichtigste Eigenschaft eines Collaboration-Tools. Ist die Usability schlecht, wird ein Tool nicht erfolgreich. Denn ohne gute Struktur und Bedienbarkeit gibt es keine Zeitersparnis und der Mehrwert eines Collaboration-Tools fehlt.
  • Schnittstellen zu Tools wie Dropbox & Co:
    Ein Tool kann selten alle notwendigen Funktionen abdecken können. Daher sind Schnittstellen zu den wichtigsten Diensten, wie Dropbox, das A und O.
  • Internationalität:
    Ein Collaboration-Tool kann noch so toll sein, wenn es nicht in den wichtigsten Sprachen verfügbar ist, allen voran Englisch, rückt eine Milliardenbewertung schnell in weite Ferne.

Das richtige Marketing für das Tool kann ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung sein, muss aber nicht unbedingt über den Erfolg entscheiden. Das höchste Marketingbudget würde nichts bringen, wenn die Software keinen Mehrwert bietet.

Freemium: Das Geschäftsmodell der Collaboration-Tools

Wir möchten klären, warum diese Tools solche hohen Unternehmensbewertungen erhalten. Sind drei Milliarden Euro aus der Luft gegriffen oder spiegeln sie womöglich den tatsächlichen Wert von Slack wieder? Hierzu betrachten wir im ersten Schritt das Geschäftsmodell und die Kostenstruktur der Software-as-a-Service-Anbieter.

Die meisten Unternehmen bieten ein Freemium-Modell, also ein kostenfrei nutzbares Basisprodukt, sowie ein um wesentliche Funktionen erweitertes Premiumprodukt gegen monatliche Lizenzzahlungen an.

Die kostenfreie Variante dient dazu, die Software kennenzulernen und hilft bei der schnellen Verbreitung. Umsätze werden aber ausschließlich mit den Premiumnutzern gemacht. Die Kostenstruktur bei einem Software-as-a-Service-Unternehmen ist recht simpel:

  • Fixe Personalkosten, die nur unterproportional zum Userwachstum steigen
  • Variable Marketingkosten
  • Variable Serverkosten, die ab einer gewissen Größe immer weniger ins Gewicht fallen

Ist der Customer-Lifetime-Value ausreichend hoch, um die variablen Kosten zu decken, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Fixkosten ebenso gedeckt sind und Gewinne erwirtschaftet werden. Collaboration-Tools leben also von der Skalierbarkeit ihres Produktes, was auch einer der Hauptgründe für die hohen Millionen-Investitionen in diese Start-ups ist: Sobald eine gewisse Menge zahlender Nutzer erreicht wurde, fangen die Gewinne nur so an, zu sprudeln.

Sind Milliardenbewertungen tatsächlich gerechtfertigt?

Viele Start-ups machen ein Geheimnis aus ihren Premium-Nutzerzahlen. Wunderlist verlangt 45 Euro pro Jahr für seine Premium-Version und hat über 13 Millionen Anwender. Geht man von 5 % zahlenden Nutzern aus, würde dies einen Jahresumsatz von knapp 30 Millionen Euro bedeuten. Bei einem geschätzten Kaufpreis von 150 Millionen US-Dollar entspräche dies einem Umsatz-Multiple von 4,5. Dies ist für die Software-Branche nicht ungewöhnlich, vor allem, wenn man das Wachstumspotenzial von Wunderlist betrachtet. Zum Vergleich:

Der Umsatz-Multiple bei Facebook liegt aktuell etwa bei 10. Hier scheint das Wachstumspotenzial mittlerweile beschränkt.

Slack zeigt sogar noch mehr Potenzial. Von den im April veröffentlichten 750.000 Nutzern hat mit 200.000 bezahlenden Kunden fast jeder Dritte einen Premium-Account. Die günstigste Bezahlvariante kostet 80 US-Dollar im Jahr, was bereits heute einem Umsatz von mindestens 16 Millionen US-Dollar entspricht. Würde Slack das aktuelle Wachstum über die nächsten zwei Jahre aufrechterhalten und die vermutlich deutlich teurere Enterprise-Version erfolgreich vermarkten, könnte der Umsatz irgendwo zwischen einer und fünf Milliarden US-Dollar liegen.

Das lässt eine Bewertung von knapp drei Milliarden US-Dollar wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Letztlich leben solche hohen Bewertungen von der Fantasie. Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel, der Drang nach Effizienz und Flexibilität sprechen für den weiteren Erfolg von Collaboration-Tools. Werden viele Millionen in diese Unternehmen gepumpt oder starke Partner, wie Microsoft, an deren Seite gestellt, sind diese Unternehmensbewertungen keine Utopie mehr. Sollte in unserer schnelllebigen Zeit dann doch noch ein besseres Tool auf den Markt kommen, haben sich die Investoren eben verkalkuliert. Es heißt ja nicht umsonst Risikokapital.

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