Aus dem Logbuch einer Start-up-Tour durch Amerika



Bereits zum vierten Mal haben sich die Studenten der Karlsruher Gründerinitiative PionierGarage auf den Weg gemacht, die US-Gründerszene zu erkunden und den amerikanischen Start-up-Spirit nach Hause zu holen. Eine Besonderheit dieses Jahr war, dass die Jungentrepreneure nicht ins kalifornische Silicon Valley, sondern an die Ostküste, nach New York und Boston reisten. Denn auch diese beiden Metropolen haben eine lebendige Gründerkultur. Hier lesen Sie die Eindrücke eines Teilnehmers.

Der Physikstudent Benedikt Stolz war als Organisator bei der Tour durch Amerika dabei und erzählt in einem persönlichen Erfahrungsbericht, welche Geschäftsideen ihm besonders gefallen haben und gibt Einblick in die Organisation solch einer Start-up-Tour.

Auf den Spuren der amerikanischen Gründerkultur

Unser diesjähriges Ziel der Start-up-Tour war die Ostküste der USA. Auf unserer zehntägigen Reise trafen wir Gründer in Boston, New York und Yale. Durch unsere Besuche des Silicon Valleys in den Jahren zuvor, konnten wir sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten der beiden Gründerstandorte feststellen. Einer der größten Unterschiede ist sicherlich der Branchenfokus.

Während im Valley vor allem Internet-Start-ups mit einem Schwerpunkt auf den Endkunden vorzufinden sind, ist an der Ostküste der Anteil der Geschäftsideen im B2B-Markt deutlich höher.

Am Anfang unserer Reise stand Boston. Die Stadt verfügt rund um die Elite-Universität Harvard und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) über eine ausgeprägte Hightech-Gründerlandschaft. Wir trafen auf Biotechnologie- und Energie-Start-ups mit teils fantastischen Ideen, die von der fliegenden Windkraftanlage bis hin zur Malaria-Detektion mittels Kühlschrankmagneten und handelsüblichen Lasern reichten.

Im Gegensatz dazu dominierten in New York die Dienstleister. Auch hier war das Spektrum weitreichend. Wir sahen unter anderem eine Personalvermittlung, die basierend auf Spielen die berufliche Eignung herausfindet und ein FinTech-Start-up, das eine Börsenhandelssoftware anbietet, mit der man ganz ohne Programmiererfahrung Trading-Algorithmen im Baukastenprinzip entwickeln kann.

Die fliegende Windturbine von Altaeros Energies war eine der vielversprechenden Geschäftsideen, die die Pioniergarage auf ihrer Tour entdeckten.
Die fliegende Windturbine von Altaeros Energies war eine der vielversprechenden Geschäftsideen, die die PionierGarage auf ihrer Tour entdeckten.

Die Tour-Organisation beginnt mit dem Sponsoring

Als Tourleiter hatte ich die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen und erlebte von Anfang bis Ende die Vorbereitungen mit, organisierte die Abläufe und sah, wie es möglich ist, als studentische Gruppe, die doch hohen Kosten für so eine Reise zu stemmen.

Mit der Planung begannen wir im Juni 2014, also ein halbes Jahr bevor wir nach Amerika aufbrachen. Eine der ersten Dinge, um die wir uns gekümmert haben, war die Finanzierung der Reise. Ohne Sponsoring ist es schwierig, die Tour für die studentischen Teilnehmer attraktiv zu gestalten, denn die Kosten pro Teilnehmer für solch eine Tour liegen bei etwa 1.000 bis 1.200 Euro pro Person. Als Sponsoren kommen die Institute der Universitäten, private Geldgeber und öffentliche Einrichtungen infrage. In unserem Fall haben wir dank der Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe, des Instituts für Innovationsmanagement des KIT und privater Sponsoren die Kosten auf ein für Studenten erträgliches Maß reduzieren können.

Doch wie lassen sich solche Partner überzeugen? Generell treten die Sponsoren als Partner der PionierGarage auf und erhalten eine Präsenz auf unserer Homepage, bei Veranstaltungen und auf unseren Druckerzeugnissen. Für die Tour haben wir konkret damit geworben, dass Studenten aus unterschiedlichsten Fachrichtungen zusammenkommen und das Ökosystem vor Ort aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und analysieren können.

Mit den gemeinsam gewonnenen Erfahrungen und dem Wissen, wie die Start-up-Szene in New York und Boston funktioniert, ließen sich Schwachstellen im eigenen Ökosystem feststellen und Maßnahmen zur Weiterentwicklung aufstellen. Die PionierGarage erstellt zu jedem neuen Reiseziel einen Bericht über das jeweilige Ökosystem und stellt diesen den Sponsoren zur Verfügung.

Private Sponsoren lassen sich meistens mit einer guten Story überzeugen:

Junge, begeisterte Studenten fahren nach Amerika, um sich von der Start-up-Kultur vor Ort inspirieren zu lassen und um die lokale Szene zu bereichern.

Immerhin: Aus den 13 Teilnehmern haben sich bereits zwei Teams gebildet, um Ideen weiterzuentwickeln, die während der Tour entstanden sind. Hier steht klar die Wohltat im Vordergrund. Erfahrungsgemäß funktioniert dieser Ansatz am besten bei erfolgreichen Unternehmern aus der Region mit einem Hang zum Lokalpatriotismus. Das Alumni-Netzwerk der eigenen Universität kann hierfür eine erste Anlaufstelle sein.

Probleme und Hürden bei der Start-up-Tour

Nachdem nun die Sponsoren an Bord waren, ging es mit dem nächsten Schritt weiter: dem Erstellen einer Tour-Webseite. Es ist hilfreich, frühzeitig eine Website für die Tour zu erstellen. Ein paar Infos über das Team, die Teilnehmer, warum die Tour gemacht wird und Erläuterungen dazu, was man sich davon erhofft, dürfen nicht fehlen. Damit können sich die zu besuchenden Start-ups bereits vorab einen Eindruck verschaffen und später etwas besser auf die Besucher eingehen. Danach geht es an das Operative wie Flüge, Hotels und gegebenenfalls Mietwagen.

Wir verbrachten die ersten vier Tage in New York, sind dann für vier Tage nach Boston gefahren und haben auf dem Rückweg nach New York einen Abstecher nach Yale eingelegt. Bei uns gab es die Schwierigkeit, dass wir nicht so flexibel sein konnten, wie wir es wollten, da Buchungen für Hotels eine gewisse Vorlaufzeit brauchen, Start-ups aber zum Teil spontan zu- oder absagen.

Die Mitglieder der PionierGarage bei während ihrer East Coast Start-up-Tour
Die Mitglieder der PionierGarage bei während ihrer East Coast Start-up-Tour

Deshalb haben wir uns, bevor wir anfingen Start-ups und Inkubatoren zu kontaktieren, einen groben Überblick verschafft, wo es sich lohnt, lange zu bleiben, und wo es genug Start-ups in der Nähe gibt, die man eventuell noch spontan kontaktieren kann. Diverse Internetseiten wie startup-list.com oder Alley Watch sind hier sehr hilfreich.

So läuft ein Tag bei der Start-up-Tour ab

Nachdem nun feststand, wie lange wir wo sind, hatte jeder Teilnehmer die Chance, selbst interessante Start-ups zu kontaktieren und den anderen zu präsentieren. Somit war sichergestellt, dass das Team entschieden hat, welche Start-ups besucht werden. Die Erstansprache haben wir durch eine einheitliche E-Mail gestaltet. In der E-Mail haben wir uns vorgestellt und erklärt, warum wir die Tour machen.

Wir haben festgestellt, dass Inkubatoren sehr schnell Zusagen geben und Start-ups eher zögern, sich aber dafür deutlich mehr lohnen. Aber ein bis zwei Inkubatoren reichen für eine Tour.

Ein typischer Tag unserer Tour sah so aus: gemeinsames Frühstück auf dem Weg zum ersten Start-up, Termin beim ersten Start-up des Tages, kurze Pause mit gemeinsamen Mittagessen und danach weiter zum nächsten Termin. Danach haben wir uns noch oft zusammengesetzt und über den Tag diskutiert und den Abend ausklingen lassen.

Zu viele Termine an einem Tag bergen die Gefahr, alles nur oberflächlich „abzuklappern“. Mit etwas Luft zwischen den Terminen gibt man den Teilnehmern Zeit, neue Erkenntnisse sacken zu lassen. Außerdem möchte man bei einer besonders interessanten Geschäftsidee manchmal noch etwas mehr Zeit verbringen.

Natürlich ist unsere Vorgehensweise nicht zwangsläufig die beste und für jeden geeignet. Für uns hat sie jedoch prima funktioniert und mit ein paar Verbesserungen werden wir sie für die nächsten Touren wieder anwenden.

Fazit zur Start-up-Tour durch New York und Boston

Mir persönlich hat die Tour sehr gut gefallen. Wir haben interessante Start-ups besucht, konnten Kontakte zu anderen studentischen Hochschulgruppen für Entrepreneurship knüpfen und uns ein Netzwerk aufbauen. Ich kann jeder anderen studentischen Gründerinitiative nur empfehlen, auch eine Start-up-Tour zu organisieren. Es steigert die Motivation der Gruppe und fördert somit die Qualität des eigenen Ökosystems.

Man sollte jedoch darauf achten, dass auch wirklich interessierte Teilnehmer dabei sind, die auch ein gewisses technisches Verständnis mitbringen, damit es möglich ist, mit den Start-ups über ihre eigene Technologie zu diskutieren.

Ebenfalls lege ich es jedem gründungsinteressierten Studenten nahe, sich selbst an der Tour-Organisation zu beteiligen. Man lernt viel dazu, während man den Plan ausarbeitet und mit Sponsoren verhandelt. Nebenbei baut man sich ein persönliches Netzwerk auf.

Weiter oben sprach ich von Gemeinsamkeiten zwischen der Ostküste und dem Valley, eine der offensichtlicheren ist sicherlich der Kapitalfluss. Eine weitere Gemeinsamkeit, die auch auf Deutschland zutrifft, ist die Relevanz eines guten Teams.

Doch die wohl größte Gemeinsamkeit ist eher eine amerikanische Mentalität, die sich wie ein roter Faden durch alles zieht: Packe es an, mach was aus deiner Idee. Denn wenn sie gut ist, ergibt sich der Rest fast von alleine.

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