Startup Camp Berlin: Gründerthemen an Berliner Hochschule



Mitte März pilgerten Existenzgründer, Gründungsinteressierte, Studierende und Gründungsexperten in die Berliner Humboldt Universität, um Teil des Startup Camp Berlin zu werden. An zwei Tagen fanden hier zahlreiche Vorträge, Seminare und Workshops statt. Auch wir waren dabei und haben einige Tipps von Seriengründer Frank Thelen sowie den Gründern von Amorelie, Lieferheld und Einhorn eingesammelt.

Für das Startup Camp Berlin 2015 meldeten sich rund 1.000 Teilnehmer an, darunter Gründer, Gründungsinteressierte, Investoren, Studierende und ca. 150 Speaker, die den 13. und 14. März nutzten, um inspirierende Keynotes zu hören, wertvolle Tipps in Workshops zu erhaschen und den Kontakt zu Gleichgesinnten zu suchen.

Das Spektrum der Veranstaltungen war facettenreich, bot für jede Gründungsphase etwas an und nahm erfolgreiche Unternehmer aus allen Branchen in die Pflicht, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Während Frank Thelen in seiner Keynote einen Querschnitt seiner Erlebnisse als Entrepreneur und Investor aufzeigte, stellte Cornelia Yzer, Berliner Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, natürlich Berlin als den aktuell am schnellsten wachsenden Wirtschaftsstandort im Vergleich zu den anderen Bundesländern heraus.

Redner beim Startup Camp Berlin 2015
Frank Thelen (l), Sebastian Pollok von Amorelie (o) und Christoph Sollich als „The Pitch Doctor“ (u) auf den Startup Camp Berlin 2015

In den Workshops ging es praxisnäher zu. Ob zum perfekten Pitch, der Lean-Startup-Methode, dem Business Model oder der Datenanalyse mit Analytics – wer wollte, konnte hier eine Menge lernen. Einige Räume weiter ging es nicht unbedingt um die Wissensvermittlung per se, aber um die Vermittlung von Motivation, neuen Impulsen und Ideen. Hier sprach man über die Chancen und Hürden beim Wachstum, die Gründerinnenlandschaft, Personalfragen und die passende Finanzierung.

Recitfga-bsl.info mischte sich unter die Gründer und hat die spannendsten Thesen und Tipps zusammengetragen. Es begann mit Frank Thelens Vortrag im Audimax. Hier verriet er auch einige Details zur kommenden Staffel der Höhe der Löwen. Wir haben die Keynote (auf Englisch) gefilmt:

Die zwei weiteren Teile der Keynote sind auf dem zu finden. Nach der Keynote von Frank Thelen ging es in Richtung Seminarräume. Auf fünf Etagen gaben hier Gründer, Berater und Geldgeber ihr Wissen an die Besucher weiter.

Von Lieferheld zu Book A Tiger: Mitarbeiter als Smartphone-Apps

Zuerst saßen wir bei Nikita Fahrenholz, einstiger Mitgründer von Lieferheld, um zu erfahren, was er zum Thema Wachstum zu berichten hat. Die meisten seiner Erfahrungen haben sicherlich ihren Ursprung in seiner Zeit bei Lieferheld. Aber aktuell dreht sich bei ihm alles um sein neuestes Start-up-Projekt Book A Tiger. Die Plattform zur Onlinevermittlung von Haushaltsarbeiten ging vor ca. einem Jahr an den Start und ließ sich gleich in acht deutschen Städten nieder. Neben Fahrenholz ist auch Claude Ritter mit an Bord, ebenfalls ein ehemaliger Lieferheld.

Zu Beginn erzählte Fahrenholz, dass sie stets die gleiche Antwort parat hatten, wenn sie von Kapitalgebern gefragt wurden, warum sie glaubten, sich gegen die große Konkurrenz durchsetzen zu können. Die Antwort sei gewesen, „weil wir ignorant, arrogant und sehr selbstbewusst sind“.

Die wohl spannendste These in diesem Seminar handelt von seiner Personalpolitik. Explizit stellte er dabei auf die Notwendigkeit eines exzellenten Teams ab. Fahrenholz erzählt, dass man ein Team aus Superstars brauche, das alle notwendigen Spezialisierungen und Fähigkeiten beinhalte und keinen Platz lasse für Kompromisse. Er bricht es herunter auf „People are App“, also Menschen als Anwendungen, und beschreibt, wie er jede unnötige App von seinem Smartphone entfernt. Schließlich gäbe es auch keine kostenlose App, die die Funktionen aller anderen Apps organisiere. Im Kontext eines Start-ups sieht er keine Zeit, um Mitarbeiter auszubilden. Fazit: Beim ersten Bug deinstalliert Fahrenholz den Mitarbeiter.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass er wenig später für die Erläuterung seiner Unternehmensstrategien die Grafik einer Militärstaktik an die Wand wirft. Das OODA-Modell steht für die Komponenten observe (beobachten), orient (orientieren), decide (entscheiden) und act (handeln). Harmlos ausgedrückt, geht es um eine Entscheidungsschleife, die immer wieder durchlaufen wird. Passiert etwas Neues, wird sie abermals durchlaufen. Im Vorteil ist, wer diese Schleife schneller durchläuft als seine Wettbewerber. Noch besser gestellt ist man, wenn man es schafft, seine Konkurrenten durch Mehrdeutigkeit zu einer länger andauernden Entscheidungsschleife zu nötigen, während man selbst bereits einen Schritt weiter ist. Die Kunst des Krieges wird hier zur Kunst des Unternehmens.

Amorelie: Markenbildung wichtiger als gedacht

Ein wenig später und weitaus entspannter geht es bei Amorelie, Deutschlands aktuellem Wortführer im Erotikmarkt, zu. Mitgründer Sebastian Pollok gab den Gästen ausreichend die Gelegenheit, die Vortragszeit mit eigenen Fragen zu füllen. Mit eine der wesentlichen Erkenntnisse, die das Gründerteam gewonnen hat, handelt davon, dass Markenbildung sehr wichtig ist.

Denn zu Beginn, so erzählt er, unterschätzten Pollok und Co-Gründerin Lea-Sophie Cramer die Relevanz der Markenbildung, was sich aber bald darauf ändern sollte. So eröffneten sie Pop-up-Stores in großen Städten für kurze Zeit, luden Blogger und Redakteure großer Zeitungen zu Touren durch die Geschäftsräume ein und nahmen deutsche Promis wie Bonnie Strange und Cosma Shiva Hagen in die Pflicht, um ihr Gesicht in Verbindung mit Amorelie bringen zu lassen. Statt hinter vorgehaltener Hand über Sex-Toys zu sprechen, ist jetzt sogar angesagt, sogenannte Toyparties zu veranstalten. Die Gründer wissen allerdings, dass nun auch Konkurrenz begriffen hat, dass sie ihre Marke anpassen müssen.

Einhorn: Vegane Kondome in Chipstüten

Ebenfalls im Erotikmarkt angesiedelt ist das faire und nachhaltige Kondom von Einhorn. Das Projekt wurde unter anderem von Stickvogel-Gründer Philipp Siefer gestartet und nimmt sich dem unattraktiven Image des Kondoms an. Fair, nachhaltig und sogar vegan seien die Kondome von Einhorn und die Verpackung erinnert an eine Chipstüte. Mittlerweile sind auch Kooperationen, u.a. mit Amorelie, zum Thema geworden.

Derzeit sammelt Siefer, der auch weiterhin Geschäftsführer von Stickvogel ist, zusammen mit Co-Gründer Waldemar Zeiler Geld auf der Plattform Startnext ein, um ein zu erzielen. Aktuell liegen sie bei rund 91.500 Euro. Geldgeber bekommen Kondome, T-Shirts und sogar eine Reise nach Malaysia, wo die Kondome hergestellt werden. Im Low-Budget-Video zeigen die Gründer, dass Kondome kein unangenehmes Thema sein müssen:

The Pitch Doctor: Tipps für den gelungenen Pitch

Weniger erotisch, aber nicht weniger unterhaltsam war es beim selbsternannten Pitch Doctor Christoph Sollich. Der Berliner Unternehmensberater und Pitch-Profi unterstützt Gründer in Sachen Präsentation. Er ist fest davon überzeugt, dass Investoren und das Auditorium beim Pitch unterhalten werden möchten und machte sich dementsprechend gleichfalls daran, sein Publikum auf dem Startup Camp Berlin zu unterhalten – mit Erfolg. Wer einen Eindruck von seinem Pitch-Talent bekommen möchte, kann einen Blick in sein Pitch-Video zu „RydeMyPony.com“ werfen. Das fiktive Start-up sorge stets für Lacher.

Gründern gibt er mit auf dem Weg, dass sie sich bewusst machen müssen, dass sie eigentlich immer pitchen: bei der Visitenkartenübergabe, auf der Website und sogar in der E-Mail an eine Redaktion, die man auf sich aufmerksam machen möchte. Einige seiner Tipps für den Pitch vor Geldgebern lauten:

  • Auf den besten Folien steht nicht viel drauf!
  • Imitiere Amnesie: Präsentiere dein Start-up durch die Augen des Publikums, denn im Gegensatz zum Gründer hört der Zuhörer den Pitch zum ersten Mal.
  • Präzision: Fasse dich kurz, indem du eine Liste mit den wichtigsten Punkten machst und nur das auf der Liste sagst. Falsch wäre es, auch Dinge zu sagen, die nicht auf der Liste stehen, da man so die Zeit aus den Augen verliert.
  • Einfache Sprache: Mit einfachen Worten und einfachen Sätzen, insbesondere in Englisch bleibt man verständlich für sich selbst und den Zuhörer, egal ob Muttersprachler oder selbst nicht so versiert mit der englischen Sprache.
  • Super Zahlen zum Anfang: Insbesondere dann wenn ein Start-up eines von vielen ist, sollte man, sofern man diese vorweisen kann, die besten Zahlen, wie z.B. 130 % Wachstum pro Tag, 1 Mio. Nutzer oder einen großen Kunden gleich zu Beginn vorstellen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
  • Nicht zuerst das Produkt präsentieren, sondern das Problem: Wer das Problem hat oder jemanden kennt, der dieses Problem hat, kann sich besser hinein versetzten, wie das vorgestellte Produkt das genannte Problem lösen könnte.
  • Demo: Diese sei das Beste, was man in einer Präsentation tun kann. Viele Gründe scheuen die Demo aus Angst vor ausfallendem Wi-Fi oder plötzlich auftretenden Fehlern, aber schon der „riskante“ Versuch einer Demo beweist Schneid.
  • Mit wenigen Wettbewerber vergleichen: Bei der Darstellung der Wettbewerber sollte man sich auf wenige Konkurrenten konzentrieren und aufzeigen, was man im Vergleich zu ihnen besser macht.
  • Call to Action: Zum Schluss sollte man ausdrücklich sagen, was man möchte: egal ob es ein Invest sein soll, das persönliche Gespräch im Anschluss oder eine ausführliche Demo, die man zeigen möchte.

Über Methoden und Strategien lässt sich sicherlich vorzüglich diskutieren, aber eines steht fest, sie alle haben Erfolg und fahren auf ihre Weise gut. Hier geht es also nicht darum, den richtigen oder falschen Weg zu finden, sondern jenen, der für einen selbst am besten funktioniert.

  • Das steht dann für 2016 auf der Agenda – wir freuen uns!

Weitere Gründerveranstaltungen in ganz Deutschland finden Sie auch in unserem Kalender. Wenn Sie sich näher mit den wichtigsten Gründerthemen beschäftigen möchten, gibt es auf Recitfga-bsl.info ausführliche Informationen zu Themen wie die Existenzgründung planen oder das Unternehmen gründen.

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