Warum wir Deutsche mehr scheitern sollten



Wer ein eigenes Unternehmen gründet, möchte auf eigenen Beinen stehen und die Vorteile der Selbstständigkeit genießen. Doch was passiert, wenn man scheitert? In Deutschland mit seinem Traum der Selbstständigkeit zu scheitern, verhält sich anders als in den USA. Wie reagieren die Menschen darauf und was hat unsere Fehlerkultur für eine Auswirkung auf Gründungsinteressierte? Scheitern in Deutschland – Recitfga-bsl.info hat sich damit auseinandergesetzt.

Niemand scheitert gerne und doch tun es je nach Studie bis zu neun von zehn Start-ups. Wir haben die zum Anlass genommen und das Phänomen des Scheiterns in der Gründerwelt etwas genauer betrachtet.

Die Gründe des Scheiterns innovativer Start-ups sind vielfältig, könnte man denken. Überraschenderweise lassen sich laut einer Studie von fast 95 % der Ursachen für den Misserfolg einer Gründung in drei Punkten zusammenfassen:

  • Es wurde ein Produkt entwickelt, für das es keine Kunden gibt (42 %)
  • Es stand nicht ausreichend Geld zur Verfügung (29 %)
  • Das Gründerteam hat nicht zusammengepasst (23 %)

Wir wollen hier allerdings weniger auf die Ursachen des Scheiterns eingehen, sondern die Konsequenzen solcher Misserfolge und die Einstellung der Gesellschaft zu diesem Thema näher beleuchten.

Scheitern in Deutschland und in den USA

Mit der Situation des Scheiterns wird in den verschiedenen Kulturen ganz unterschiedlich umgegangen: In den USA hat sich eine positive Fehlerkultur entwickelt, die das Scheitern nicht als Makel betrachtet, sondern als eine Chance besser zu werden. So feiern Gründer den Untergang ihres Unternehmens auf so genannten Failure Partys und laden Freunde und Kollegen dazu ein.

Wären solche Partys auch in Deutschland möglich? Wahrscheinlich nicht. Eine Fehlerkultur dieser Art steht wohl dem Bild des deutschen Perfektionismus entgegen. Stattdessen wird das Scheitern verschwiegen.

Die mögliche Blamage vor Familie und Freunden lässt so machen Gründungsinteressierten dann doch den sicheren Job beim Großkonzern in Betracht ziehen.

Die Angst davor, dass mit dem Finger auf einen gezeigt wird, bezwingt den Wunsch nach Selbstverwirklichung. Dies lässt sich zumindest aus den Daten einer schließen, die besagt, dass sich etwa 80 % der Deutschen gegen die Selbstständigkeit entscheiden, weil die Angst vor dem Misserfolg zu groß ist. Aber auch für die berufliche Karriere bestehe schließlich eine Gefahr, da eine gescheiterte Existenzgründung den von vielen Personalern geforderten lückenlosen Lebenslauf riskiert.

Die Konsequenzen der deutschen Einstellung zum Scheitern

Dieses Denken der Gesellschaft birgt eine gewisse Gefahr, die sich bereits in Zahlen niederschlägt. Laut dem KfW-Gründungsmonitor liegt in Deutschland die Gründerquote im erwerbsfähigen Alter bei 1,67 %. Im Vollerwerb sogar nur bei 0,59 %. Im direkt Vergleich mit anderen innovationsbasierten Volkswirtschaften landet Deutschland auf einem der hinteren Plätze. Ganz vorne mit dabei sind die USA und Kanada mit einer mehr als doppelt so hohen Gründerquote, wie der Global Entrepreneurship Monitor konstatiert.

Gründerquoten in Deutschland
Entwicklung der Gründerquoten in Deutschland (Quelle: KfW-Gründungsmonitor)

Dabei sind die Voraussetzung in Deutschland gut: Bei der staatlichen Förderung für Gründer hat sich viel getan, das Finanzierungsvolumen durch Venture Capital steigt und für Gründer notwendige Infrastruktur ist vorhanden. Dennoch geben bei einer von der Unternehmensberatung Ernst & Young veröffentlichten drei von zehn Studenten an, am liebsten im öffentlichen Dienst arbeiten zu wollen.

Die volkswirtschaftlichen Konsequenzen dieser Gründungsmüdigkeit können langfristig die solide Wirtschaftsstruktur in Deutschland gefährden. Wenn heute Gründer und Mittelstand weiter wegfallen, fehlt es morgen an Großunternehmen. Auch Daimler, Volkswagen oder Siemens haben einmal klein angefangen.

Warum scheitern manchmal besser ist, als Erfolg zu haben?

Mit einem Unternehmen zu scheitern, sollte also in einem neuen Licht gesehen werden. Denn wer scheitert, der lernt dazu. So konnte nachgewiesen werden, dass zwar nur 11 % bis 18 % der Befragten nach einem Misserfolg ein weiteres Mal gründen, die durchschnittliche Erfolgsquote des zweiten Anlaufs aber ungewöhnlich hoch war.

Wer sich mit einer Geschäftsidee selbstständig macht und Erfolge feiert, hat sich in der Regel ein Konzept überlegt, einen Businessplan erstellt und dieses Konzept erfolgreich umgesetzt. Er kann allerdings auch nur Glück gehabt und zur richtigen Zeit am richtigen Ort die passende Idee umgesetzt haben. Solch ein Gründer scheitert womöglich bei seiner nächsten Gründung. Wer jedoch bei der ersten Gründung auf die Nase fällt, kann aus seinen Fehlern lernen. Eine Fehleranalyse kann in solch einem Fall Wunder bewirken und erhöht die Chance auf einen Erfolg mit der nächsten Idee.

Auch große Gründer sind gescheitert

Wer glaubt, dass Gründer von heutigen Milliardenkonzernen nicht auch einmal gestrauchelt sind, der irrt gewaltig:

Das erste Unternehmen, das ich gegründet habe, ist mit einem großen Knall gescheitert. Das zweite Unternehmen ist ein bisschen weniger schlimm gescheitert, aber immer noch gescheitert. Und wissen Sie, das dritte Unternehmen ist auch anständig gescheitert, aber das war irgendwie okay. Ich habe mich rasch erholt, und das vierte Unternehmen überlebte bereits. Es war keine großartige Geschichte, aber es funktionierte. Nummer fünf war dann PayPal.

Max Levchin, Mitbegründer und ehemaliger CTO des bekannten Online-Bezahldienstes PayPal, ist mit diesem Zitat in der Gründerszene bekannt geworden. Es sollte gescheiterten Gründern Mut machen, auch den nächsten Versuch zu wagen.

Deutschland auf dem Weg der Besserung

Auch wenn das Scheitern in Deutschland immer noch verpönt ist, es gibt erste Anzeichen der Besserung. So werden mittlerweile in einigen deutschen Großstädten sogenannte  ausgerichtet. Das aus Mexiko stammende Veranstaltungskonzept soll gescheiterten Gründern eine Plattform bieten und andere Gründer und Gründungsinteressierte durch lehrreiche Vorträge davon abhalten, ähnliche Fehler zu begehen. Die Veranstaltungen scheinen anzukommen und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Allerdings ist dies nur der erste Schritt. Denn Gründer unter sich können leichter über gescheiterte Geschäftskonzepte sprechen, da sie eine ähnliche Sicht der Dinge haben. Die Herausforderung ist es nun, auch Menschen fernab der deutschen Gründerszene von einer Denkweise zu überzeugen, die das Scheitern nicht als Makel, sondern als eine neue Chance erkennt.

Ein Video zur FuckUp Night Stuttgart können Sie sich hier anschauen:

Wer sich als Start-up bereits in einer Unternehmenskrise befindet, der kann sich auf Recitfga-bsl.info über Maßnahmen zur Bewältigung der Krise informieren.

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