Deutschland, deine Studenten wollen (nicht) gründen



Gründungen aus der Hochschule spielen eine große Rolle als Job- und Innovationsmotor, deutsche Studenten hinken mit ihren Gründungsvorhaben im europäischen Vergleich hinterher. Doch das Interesse ein eigenes Unternehmen als Alternative zur Festanstellung zu gründen steigt, auch dank eines besseren Gründungsklimas an den Hochschulen. Aktuelle Beispiele für Gründer aus der Uni haben wir zu Wochenbeginn vorgestellt.

Was haben William Harley, Gründer von Harley Davidson, Bill Gates, Mitgründer von Microsoft, und Robert Gentz, Mitgründer von Zalando, gemeinsam…? Sie alle entwickelten die Geschäftsidee für ihr Unternehmen während des Studiums und wurden mit ihrem Unternehmen später sehr erfolgreich.

Auch wenn die genannten Beispiele nicht typisch für alle Gründungen von Studierenden sind, so verdeutlichen sie doch, welche Bedeutung Gründungen dieser Art haben können. Während viele bei Gründungen aus Hochschulen an akademische Spin-offs im Bereich der Hoch-Technologie denken, zeigt eine deutschlandweite Untersuchung der Universität St. Gallen, dass Gründungen von Studierenden zahlenmäßig häufiger und nicht von geringerer Qualität als die von Wissenschaftlern sind. Aber auch bei Wissenschaftlern gilt, dass sie noch zu zaghaft gründen – vor einiger Zeit führten wir hierzu ein Interview mit dem Titel Wirtschaft und Wissenschaft – ein Widerspruch?

Die Europäische Kommission sieht im Unternehmertum einen Schlüsselfaktor für eine nachhaltig wachsende, innovative Wirtschaft und erklärte die Entrepreneurship Förderung zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Europa 2020-Strategie. Gerade Gründungen aus Hochschulen und Universitäten sollen dazu beitragen, neues Wissen und neue Erkenntnisse, die an oder im Umfeld der Hochschulen entstanden sind, in neue Produkte und Dienstleistungen umzusetzen. Hierdurch sollen Arbeitsplätze geschaffen und der Strukturwandel gefördert werden. Förderprogramme wie Horizon 2020 oder European Pioneers sollen dies unterstützen.

Im Rahmen der Untersuchung Entrepreneurship in the EU an beyond bescheinigte die Europäische Kommission 2013 den Deutschen allgemein und insbesondere auch den hiesigen Studenten ein im europäischen Vergleich geringes Gründungsinteresse. Verlieren wir hier also den Anschluss in puncto Innovationskraft?

Auch der Global University Entrepreneurial Spirit Students’ Survey () der Universität St. Gallen kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Immerhin bemerkten die Schweizer Forscher einen Anstieg des Gründungsinteresses im Vergleich zu den Vorjahren.

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Deutsche Studenten möchten im Vergleich seltener gründen (eigene Darstellung / Daten: GUESS 2013)

Und auch die IHKs wollen im Zuge der verstärkten Gründungsförderung an deutschen Hochschulen mehr Studenten in ihren Gründersprechstunden gezählt haben. Also Zeichen der Besserung?

Vielfältigere Angebote für Gründer aus der Hochschule

Bund und Länder unternehmen bereits seit Jahren erhebliche Anstrengungen, um an den Hochschulen eine Kultur der Selbstständigkeit zu verankern und hierdurch Studierende zu einer eigenen Unternehmensgründung zu motivieren. Seit dem Jahr 1998 ist die Zahl der Entrepreneurship Professuren in Deutschland von einer auf über 120 im Jahr 2014 gestiegen (Quelle ). Mitverantwortlich für zunehmende Gründungsaktivitäten der Studenten und Absolventen dürften auch die Fördermaßnahmen des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des EXIST Gründerstipendiums sein. Aber auch zahlreiche Gründerzentren und -initiativen an den Hochschulen wollen junge Gründer motivieren und begleiten. So ist an Münchner Hochschulen ein ganzes Ökosystem entstanden, das wir jüngst im Detail vorgestellt haben. Aber auch die Gründerschmiede in Karlsruhe ist ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig die Unterstützungsangebote rund um die Universitäten geworden sind. Im nächsten Teil unserer Serie werden wir Ihnen noch zahlreiche weitere Beispiele vorstellen.

Der typische studentische Gründer

Rund 5 % der Studierenden gaben in der GUESS Befragung an, konkret an der Umsetzung eines Gründungsvorhabens zu arbeiten. Diese Gruppe ist im Durchschnitt 25 Jahre alt und zu zwei Dritteln männlich. 37 % der studentischen Gründer in spe wollen allein und 63% mit einem oder mehreren Partnern gründen. Die Mitgründer stammen hierbei meist aus dem Freundeskreis außerhalb der Universität oder sind Kommilitonen. Berufliche Netzwerke oder die Familie sind für die Rekrutierung von Mitgründern weniger von Bedeutung. Die meisten haben bereits Informationen über Märkte oder Wettbewerber gesammelt. Einen Businessplan geschrieben, haben allerdings erst 34 %. Rund ein Viertel der studentischen Gründungsvorhaben verzeichnet bereits Umsätze. Die Mehrheit möchte ihre angestrebte selbstständige Tätigkeit zu ihrer Haupterwerbstätigkeit nach dem Studium ausbauen.

Kunstwissenschaftler planen am häufigsten eine Selbstständigkeit (eigene Darstellung / Daten: GUESS 2013)
Kunstwissenschaftler planen am häufigsten eine Selbstständigkeit (eigene Darstellung / Daten: 2013)

Die unternehmerischen Aktivitäten von Studierenden unterscheiden sich deutlich nach dem Studienfach. Das größte Gründungsinteresse findet sich in der Kunst und den Kunstwissenschaften. Vermutlich ist dies ein Ergebnis der geringen Anzahl an festen Arbeitsstellen in dieser Branche. An zweiter und dritter Stelle kommen die Informatiker und die Wirtschaftswissenschaftler. Bei ersteren dürften sich die im Studium vermittelten Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Programmieren, positiv auf die unternehmerische Tätigkeit auswirken. Das geringste Gründungsinteresse legen Sozialwissenschaftler und Naturwissenschaftler an den Tag, obwohl gerade bei letzteren das Potential für High-Tech Gründungen am größten wäre.

Wohin als junger Gründer?

Wann der richtige Zeitpunkt zum Gründen ist, bleibt eine heißdiskutierte Frage. Während manche die mangelnde Berufs- und Führungserfahrung ins Feld führen, sehen einige den Vorteil für studentische Gründer in der finanziellen und familiären Unabhängigkeit in jungen Jahren. Die fehlende Erfahrung kann durch die vielen Anlaufstellen, die es mittlerweile gibt, ausgeglichen werden.

Neben den oben genannten Gründerzentren, gibt es an vielen Hochschulen Entrepreneurship Clubs, in denen sich gründungsinteressierte Studenten organisiert haben. Auch auf Seminaren und Kongressen, kann man Gleichgesinnte kennenlernen und ein erstes Gefühl für das Unternehmertum entwickeln. Ein paar Beispiele hierfür sind:

Im nächsten Teil unserer Serie zur Gründung aus der Hochschule stellen wir Ihnen Förderungen, Events, Netzwerke und weitere Angebote genauer vor. Zum Abschluss lauschen wir den Gedanken von Oliver Samwer zu der Frage, warum es so wenig Entrepreneure gibt.

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