FinTech-Geschäftsideen: Alles nicht so einfach



Seit der Markteinführung des neuen i-Phone 6 interessiert die Netzgemeinde eigentlich nur eins: bendgate, das PR-Fiasko um die Verbiegbarkeit des neuen Edelhandys. Aber im i-Phone 6 steckt mit Pay auch der Versuch von Apple, mobiles Bezahlen massentauglich zu machen. Wir schauen in der heutigen Folge unserer FinTech-Serie daher auf Start-ups und deren Geschäftsideen, die das Transferieren von Geld ebenfalls einfacher machen wollen.

Wer kennt das nicht? Eine durchfeierte Nacht, ein Blackout am Morgen und eine gewaltige Rechnung in der Jackentasche, weil man für alle seine Freunde den ganzen Abend lang die Zeche bezahlt hat. Mit dieser Storyline wirbt das Berlin-Londoner Start-Up Payfriendz auf seiner Homepage für die eigene Überweisungs-App. Mit ihr lässt sich Geld bequem per Handy zwischen Kontakten hin- und herschieben. Zusätzlich versehen mit einer Nachrichtenfunktion ähnlich wie bei SMS oder WhatsApp wird das Begleichen von Trinkschulden laut Marketingkampagne zudem nicht mehr zu einer peinlich-verkaterten Angelegenheit, sondern zu einem sozialen Happening.

payfriendz
Auf der Rechnung sitzen geblieben? Nicht wenn es nach Payfriendz geht

mit Geschäftsidee und Kampagne auf die junge Szene in Berlin, London und in anderen europäischen Großstädten. Denn mit Payfriendz kann man nicht nur in Euro, sondern auch währungsübergreifend Party- und andere Schulden begleichen, wie das nachfolgende Video verdeutlicht – obwohl Geld unbekannte Frau eigentlich zu viel des Guten sind.

Über die Gebührenstruktur bei inländischen Überweisungen schweigt sich Payfriendz aus. Die Abwicklungsgebühr für internationale Transaktionen liegt bei einem Prozent. In der tech-euphorischen Welt beispielsweise der Huffington Post gilt das als „winzig“. Und in der Tat mögen Überweisungen ins Ausland oft teurer sein. Aber de facto liegen internationale Transaktionsgebühren bei üblichen Kreditkarten auch bei einem Prozent, ohne dass Kreditkarten deshalb als Gebührenkiller bekannt wären.

Neben dem Erlösmodell zeigt sich in der Marketingkampagne aber ein grundsätzliches Problem vieler FinTech-Start-ups: Sie haben eine technische Lösung, für die es eigentlich kein Problem gibt.

Denn in der Tat dürften nur relativ wenige Jugendliche regelmäßig vor dem Dilemma stehen, nach einer durchzechten Nacht die Rechnung für alle Freunde einsammeln zu müssen – und das auch noch länderübergreifend. Die traditionelle Regelung „Das nächste Mal zahle ich“ ist unter Freunden nicht nur bewährt, sie ist auch noch immer mehr „social“ als eine Textnachricht.

Generell nehmen Überweisungen unter Freunden und Bekannten zudem nur einen kleinen Teil des täglichen Transaktionsvolumens ein. Der Großteil findet mit Fremden statt: Vermieter, Stromerzeuger, GEZ oder mit der Autoversicherung. Wenn Payfriendz in diese Bereiche vorzudringen versteht, eröffnen sich ganz neue Chancen. Die Frage ist nur, ob für Überweisungen an den Vermieter der Name Payfriendz noch der richtige ist.

Number26: das Girokonto für das Smartphone

Zudem steht Payfriendz mit seiner Idee der schnellen Geldverschiebung per Handy nicht alleine da. schickt sich an, ein komplettes Girokonto auf dem Smartphone zu etablieren. Auch in diesem Tool sind Überweisungen an Freunde aus dem Handy-Adressbuch oder aus Facebook möglich. Im Mai dieses Jahres haben Venture Capital Fonds und Axel Springer immerhin 2 Millionen Euro in die Idee investiert. Inzwischen ist das Team der im Februar 2013 gegründeten Number26 auf mehr als 10 Mitarbeiter gewachsen.

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Number26 verspricht die Bank für die Hosentasche – FinTech Euphorie?

Die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal hatten zuerst unter der Firma Papayer eine App Prepaidkarte als elektronisches Taschengeld entwickelt, mit dem Eltern das Ausgabenverhalten ihrer Kinder kontrollieren können. Die Firma ging unter demselben Slogan wie Number26 an den Markt: „Banking – aber besser“.

Nach Aussage von Number26 zeigte sich aber in der Testphase, dass Erwachsene das Papayer-Angebot am liebsten selbst nutzten. Prompt wechselte man Unternehmensname und Geschäftsmodell. Geld verdienen will Number26 vor allem damit, dass es einen Teil des Zins-Spreads, den die Partnerbank mit den Einlagen der Number26-Kunden verdient, von der Bank als Provision erhält. Ein eleganter Weg, den Service für Konsumenten kostenlos anzubieten. In Zeiten rekordniedriger Zinsen verspricht das Modell aber auf absehbare Zeit nur magere Einkünfte.

Number26 zeigt zudem die Kurzlebigkeit von Unternehmen im FinTech-Business. Noch im Februar 2014 berichtete die F.A.Z. über Papayer. Heute schon ist auf der Homepage nur noch „Papayer sagt bis bald!“ zu lesen. Positiv gesprochen klettern die Gründer von Papayer und jetzt Number26 auf der unternehmerischen Lernkurve steil nach oben und passen ihr Produkt mit jeder neuen Erfahrung an. Negativ gesprochen wechseln Geschäftsmodelle in der Branche schneller, als Gründer in anderen Bereichen ihre Büros eingerichtet haben.

Befördert wird dies durch ein Phänomen, das die britische Wirtschaftszeitschrift Economist kürzlich als „Kambrische Explosion“ der IT-Software bezeichnete. Wie vor 540 Millionen Jahren, als sich die Umweltbedingungen auf der Erde so veränderten, dass plötzlich Leben in ungeahnter Vielfalt entstehen konnte, seien heute Computerprogramme so leicht zu erlernen oder als fertige Bausteine zu kombinieren, dass Technologie-Start-ups wie Pilze aus dem Boden schössen. Anders gesagt: Früher musste man für ein Technologie-Start-up ein Nerd sein, heute genügt es, mit Copy-and-Paste einige Programmzeilen zusammenzuschustern.

Laterpay: neue Bezahlmethoden für Inhalte im Netz

Ebenfalls im Frühjahr kräftig finanziert wurde Laterpay. Das Start-up mit Sitz in München hat im März 2014 3 Millionen Euro eingesammelt – und adressiert ein Problem, das dem Internet seit jeher anhängt: die Bezahlung von Inhalten. Ob klassische Zeitungen, Blogger oder Online-Spiele, viele Anbieter von Inhalten im Netz können für ihre Arbeit kein Geld verlangen, weil bei Einführung einer sogenannten Bezahlschranke die Nutzerzahlen einbrechen würden. Zudem können für kleinteilige Inhalte wie einzelne Blogbeiträge nur Kleinstbeträge als Preis verlangt werden – und diese lassen sich mit traditionellen Methoden oft nicht effizient abrechnen.

diese Probleme lösen. „Im Internet sind viele Nutzer bereit, für Inhalte zu bezahlen“, sagt Gründer und CEO Cosmin-Gabriel Ene. Aber wenn sie schon vor dem Lesen eines Blogbeitrags um Geld gefragt werden und dafür auch noch ihre Kontaktdaten hinterlegen müssen, springen sie wieder ab. Daher ermöglicht Laterpay den Nutzern, Artikel oder Beiträge zunächst zu lesen und erst hinterher zu bezahlen. Zudem sammelt Laterpay verschiedene Kleinstbeträge, bis eine Höhe von 5 Euro erreicht ist. Erst dann wird der Nutzer zur Zahlung aufgefordert. Von den Anbietern der Inhalte verlangt Laterpay 15 Prozent Provision für die Aggregation und Abwicklung der Zahlung.

LaterPay
Kostenpflichtige Inhalte nutzen – aber später zahlen: die Idee von Laterpay

Bei den Anbietern von Inhalten kommt Laterpay mit der Idee gut an. Im April war der Münchner Blogger Richard Gutjahr der erste, der seine Inhalte teilweise mit Laterpay abrechnete. Inzwischen hat Laterpay laut Cosmin-Gabriel Ene bereits zehn Kunden, darunter beispielsweise die Hamburger Morgenpost. Zudem gab Laterpay jüngst bekannt, nun auch eine Single-Sale Funktion anzubieten. Damit können einzelne digitale Inhalte zu einem vorab festgelegten Preis zwischen 1,49 Euro und 149,99 Euro sofort verkauft werden – statt Laterpay nun also Pay-upfront. Ob aber die Nutzer der schönen Theorie folgen und Inhalte im Internet wirklich lieber bezahlen, nur weil die Zahlung nach dem Konsum und nicht vorher erfolgt, ist noch längst nicht bewiesen.

Alle drei Beispiele zeigen: Ideen gibt es in der FinTech-Welt genug. Aus welchen aber ein Geschäft wird, muss sich erst noch zeigen.

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