Nachfolge in der Praxis: Schifffahrtstradition seit 1880



Mit Dr. Marie Nauheimer findet das Traditionsunternehmen Primus-Linie eine Nachfolgerin und die Schifffahrtstradition in Frankfurt am Main kann weitergeführt werden. Ein Traditionsunternehmen immer auf dem neusten Stand zu halten erfordert viel Arbeit und Fleiß, birgt dank der Kontinuität und bereits etablierter Strukturen aber auch Sicherheiten. Dr. Marie Nauheimer verrät uns mehr aus der spannenden Zeit der Übernahme des Familienunternehmens!

Recitfga-bsl.info: Hallo Frau Nauheimer, die Wurzeln der Primus-Linie reichen bis 1880 zurück – geben Sie uns doch bitte zu Beginn einen kurzen Überblick über das Unternehmen.

Dr. Marie Nauheimer von Primus-Linie: Die Schifffahrtstradition hat mein Ururgroßvater begründet, der 1880 um die halbe Welt nach Java segelte und sich danach in Frankfurt Schwanheim niederließ. Seitdem betreibt die Familie Nauheimer Schifffahrt auf dem Main.

Nach dem Krieg begann die Ausflugsschifffahrt, in der mein Großvater sehr aktiv war. Es gab zu der Zeit auch noch andere Familienmitglieder, die in der Schifffahrt tätig waren. 1974 machte sich mein Vater mit seinem ersten Schiff, der Primus, selbstständig. Nach diesem Schiff benannte er auch sein Unternehmen, die Primus-Linie.

Seit 1983 und 1991 bereichern zwei weitere Neubauten die Flotte: zum einen die Johann Wolfgang von Goethe und die Nautilus. 1998 übernahm mein Vater zwei Schiffe eines Groß-Cousins in Frankfurt – und seitdem umfasst die Flotte fünf Schiffe.

Recitfga-bsl.info: Sie sind im Rahmen der Nachfolge für Ihren Vater in das Unternehmen eingetreten – war dies für Sie schon immer ein Ziel und wie hat sich der Prozess gestaltet?

Dr. Marie Nauheimer von Primus-Linie: Dass ich einmal die Nachfolge im Familienunternehmen antreten würde, war keineswegs immer klar. Mein Vater hat nie Druck ausgeübt oder mir gar das Gefühl gegeben, es würde von mir erwartet. So kam es, dass ich nach der Schule die weiterführende Ausbildung frei nach meinen Neigungen wählen konnte.

Mein Ziel dabei war die bestmögliche Vorbereitung für mein späteres Berufsleben. Dabei habe ich dann verschiedene Stationen absolviert: auf der einen Seite Studium und Promotion, auf der anderen Seite praktische Erfahrungen, wie etwa das Arbeiten im akademischen Betrieb, diverse Praktika in der Beratung, Private Equity oder eine Festanstellung in einem DAX-30-Konzern. Aufgrund dieser vielseitigen Erfahrungen konnte ich recht gut beurteilen, was mir beruflich wirklich liegt und auch Spaß macht.

Nach dem Abwägen aller Vor- und Nachteile und natürlich unter Berücksichtigung meiner Mentalität, habe ich mir dann nach Abschluss meiner Ausbildung ein ganzes Jahr Zeit genommen, um das Unternehmen und die Arbeitsweise meines Vaters genau kennenzulernen. Danach war ich in der Lage, eine überlegte Entscheidung zu treffen.

Unser Familienunternehmen bietet mir das, was ich am meisten schätze:

Die Übernahme einer großen sowie sozialen Verantwortung und außerdem das Unternehmertum mit allen seinen Vor- und Nachteilen. Auch mag ich keine langen Entscheidungswege: Als Unternehmerin darf ich mich nicht scheuen, Entscheidungen zu treffen. Und egal wie diese Entscheidungen ausgehen, ich habe das gute Gefühl, sie selbst getroffen zu haben.

Dr. Marie Nauheimer hat sich vor dem Einstieg in die Unternehmenswelt intensiv mit dem Unternehmen ihres Vaters beschäftigt, um ihre Entscheidung zu treffen.
Dr. Marie Nauheimer hat sich vor der Nachfolge intensiv mit dem Unternehmen ihres Vaters beschäftigt, um ihre Entscheidung zu treffen.

Recitfga-bsl.info: War auch der Verkauf des Unternehmens mal ein Thema?

Dr. Marie Nauheimer von Primus-Linie: Nicht wirklich. Mein Vater wusste natürlich, dass er diese Option in Betracht ziehen muss, wenn keines seiner Kinder die Nachfolge hätte antreten wollen. Aber nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte, musste er sich mit diesen Gedanken nicht mehr auseinandersetzen.

Recitfga-bsl.info: Was waren aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen bei der Nachfolge? Derzeit teilen Sie sich die Geschäftsführung noch mit Ihrem Vater – läuft dies stets reibungslos?

Dr. Marie Nauheimer von Primus-Linie: Dank meines Kennenlernjahres in der Firma wusste ich sehr genau, worauf ich mich im Fall einer Übernahme einlasse. Vor allem die Zusammenarbeit mit meinem Vater war wichtig – denn es war uns beiden klar, dass bei einer Nachfolge nur eine sukzessive Übergabe infrage kommt, in der mich mein Vater noch einige Jahre begleiten wird. Nur wenn man überzeugt ist, dass eine solche Zusammenarbeit klappt, kann man die Herausforderungen meistern, die sich bei einer Nachfolge ergeben.

Die Zuständigkeit für einzelne organisatorische Bereiche im Unternehmen ist bereits klar unter uns aufgeteilt. Trotzdem verläuft nicht immer alles reibungslos, wir sind durchaus des Öfteren unterschiedlicher Meinung. Wichtig ist, dass wir die Konflikte dann ausdiskutieren und gemeinsam eine Lösung finden, bevor wir diese dann an den Rest der Firma weiterkommunizieren. Mein Vater steht hinter meinen Entscheidungen und ich stehe hinter seinen. Wichtige Dinge, wie anstehende Investitionen, entscheiden wir stets gemeinsam.

Recitfga-bsl.info: Wie ist es denn um die Binnenschifffahrt im Passagierbereich in Deutschland bestellt und was macht ein erfolgreiches Schifffahrtsunternehmen eigentlich aus?

Dr. Marie Nauheimer von Primus-Linie: Die Personen-Binnenschifffahrt ist definiert als touristische Branche mit einem hohen Erholungswert, preisgünstig für Kinder und Senioren, sie ist relativ konstant und weist kein großes Wachstum auf.  Die Tagesausflugsschifffahrt, also das Geschäft der Primus-Linie, ist ein kleines, spezifisches Segment. Die Ertragslage fällt lokal sehr unterschiedlich aus. Deutschlandweit kann man sie nicht verallgemeinern. Auch ist die Tagesausflugsschifffahrt nicht einfach übertragbar auf Flusskreuzfahrten. Die Kabinenschifffahrt hat andere Verkaufsstrukturen und nur sechs Prozent der Kabinenschiffe gehören Reedereien. Es gibt hier viele Leasing-Schiffe, die an Reiseveranstalter vermietet werden. Sogenannte Managementfirmen sind dann wiederum dafür zuständig das Schiff zu betreiben.

Die Personenschifffahrt in Frankfurt ist ein Spontangeschäft und lebt von der zentralen Lage der Anlegestellen. Wichtig ist hier eine gute Zusammenarbeit mit den Partnern am Ort, etwa der Tourismus und Congress GmbH Frankfurt, kurz TCF.

Erfolgreich ist die Primus-Linie mit ihren fünf Schiffen wegen ihrer hohen Flexibilität: Jedes unserer Schiffe kann theoretisch jede Fahrt durchführen. Wir haben ein breites Angebotsspektrum mit mehr als 30 Fahrten im Programm. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Wir probieren auch Innovatives aus, etwa das After Work Shipping oder die Weihnachtsrevue Weihnachtissimo.

Entscheidend sind außerdem eine gute Beratung im Chartergeschäft und eine entsprechende Ausstattung der Schiffe, die alle unterschiedlich in ihrer Atmosphäre und ihrem Charakter sind. Aus diesem Grund haben wir uns beim Neubau unseres jüngsten Schiffes, der Maria Sibylla Merian, genau nach den Erfordernissen des Marktes in Frankfurt am Main gerichtet, das spiegelt sich etwa in den Panoramafenstern oder im Innendesign wider. Auch die Wikinger haben wir nach solchen Prinzipien gerade eben umgebaut.

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