Geschäftsidee mit Nadel und Faden: die Nähcademy



Geschäftsideen per Web und App? Heute nicht! Stattdessen greifen wir zu Nadel und Faden und stellen die Geschäftsidee der Nähcademy vor! In der Nähcademy kann jeder das Nähen erlernen, egal ob man nur ein Kleid nach Maß herstellen oder sich auf die Karriere als Modedesigner vorbereiten möchte. Der Renner sind jedoch die Kurse mit Kinderbetreuung.

Ob beim Kaffee in der Mittagspause, während der Vorlesung oder auf dem Nachhauseweg im Bus, letzten Winter waren sie kaum zu übersehen – strickende bzw. häkelnde Hipstermädchen (und teilweise auch Jungs). Selbstgemachtes war vor nicht allzu langer Zeit verpönt und ein Zeichen dafür, dass man sich Markenprodukte nicht leisten konnte. Das Häkeln haben im Netz bspw. die Gründer von myBoshi wieder populär gemacht und veranstalten mittlerweile sogar Häkel-Weltmeisterschaften.

Heute stellt man mit Kleidung der Marke Eigenbau seine persönliche Individualität zur Schau. Zahlreiche Geschäftsideen rund um das Stricken & Co belegen das Do-it-yourself Revival. Wenn es nach der Deborah Schelling aus Kiel geht, soll auch noch ein weiteres Handwerk seine Wiedergeburt erfahren: das Nähen.

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Einer der Kursräume der Nähcademy

Seit 2013 bringt sie mit ihrer Geschäftsidee, der Nähcademy, Jung und Alt den Umgang mit Nadel und Faden wieder bei. In 6-wöchigen Kursen zu je drei Stunden lernen die Teilnehmer die wichtigsten Grundlagen und setzen ein eigenes Nähprojekt um.

Die Nähcademy ist laut der Gründerin die erste Vollzeitnähschule Deutschlands, die sich nicht aus dem Verkauf von Nähbedarf oder Auftragsarbeiten, sondern mehrheitlich aus den Kursgebühren finanziert. Was diese Geschäftsidee von anderen Nähschulen unterscheidet, ist jedoch insbesondere die hauseigene Kinderbetreuung.

Es seien gerade junge oder werdende Mütter, die sich häufig für einen Nähkurs interessieren. Die Idee zur Nähcademy entstand, während Deborah Schelling in einem Fachgeschäft für Nähmaschinen arbeitete. Dort merkte sie, dass viele Mütter gerne an Nähkursen teilnehmen würden, aber meistens niemanden finden können, der auf die Kinder aufpasst (übrigens haben wir im Blog auch schon einen Kinderfriseur vorgestellt).

Viele Mütter sehen das als Therapie hier. Die drei Stunden geben ihnen Kraft. Sie können sich für drei Stunden nur auf ihr Projekt und sich selbst konzentrieren. Sie können runterfahren, komplett abschalten und müssen sich nicht um Probleme kümmern. Und im Notfall ist das Kind wenige Schritte weit weg im Nachbarraum.

Auch wenn Frauen zwischen 25 und Ende 40 die Hauptklientel dieser Geschäftsidee darstellen, ist das Publikum bunt gemischt. Sowohl die Abiturientin, die sich auf ihr Modedesignstudium praktisch vorbereiten möchte als auch die Rentnerin, die ihre Technik verbessern möchte, selbst ein 8-jähriger Junge fand seinen Weg in die Nähcademy. Die Geschäftside wird mit speziellen Kursen für Kinder und für Fortgeschrittene auch deren Bedürfnissen gerecht.

Individualität wird bei der Nähcademy groß geschrieben.
Individualität wird bei der Nähcademy groß geschrieben.

Bei der Nähcademy beträgt die Gebühr 139 Euro für einen sechswöchigen Kurs. Die durchschnittliche Auslastung pro Kurs liegt bei vier bis fünf Teilnehmern. Es finden 15 Kurse pro Woche statt. Angestellte hat die Nähcademy außer in der Kinderbetreuung keine. Um noch mehr Kunden auf ihr Angebot aufmerksam zu machen, setzt die Gründerin auf Werbung in den sozialen Medien und Zeitungsannoncen in der regionalen Presse. Doch die beste Werbung seien immer noch zufriedene Kunden. Deshalb bestehen die Kurse in der Nähcademy nie aus mehr als sechs Teilnehmern. Denn Deborah Schelling ist eine individuelle Betreuung wichtig.

Ich versuche es irgendwie möglich zu machen, er oder sie selbst zu sein. Das geht schon los bei der Länge des Rocks. Ich stecke nur, der Kunde schaut sich im Spiegel an und sagt kürzer oder länger. Dabei spielt mein persönlicher Geschmack keine Rolle. Der Kunde muss sich wohlfühlen und ich frage zum Schluss auch jeden Kunden, ob er sich wohlfühlt. Natürlich leite ich meine Kunden bei der Arbeit auch an, aber ich diktiere ihnen nicht, wie sie es final umzusetzen haben.

Das Inventar der Nähcademy besteht aus den Nähmaschinen, die alle gekauft und nicht geleast sind, dem Mobiliar und dem Arbeitsmaterial. In der Summe stemmte Frau Schelling für ihre Geschäftsidee Gründungskosten in Höhe von 18.000 Euro. Diese finanzierte sie über einen Gründerkredit der Grenke Bank. Für die obligatorische Wettbewerbsanalyse im Vorfeld zur Gründung griff die studierte Mode-und Textilmanagerin für ihre Geschäftsidee auf unkonventionelle Mittel zurück.

Ich habe meine Mutter darauf angesetzt, sämtliche Stoffläden der Region, die Nähkurse anbieten, abzutelefonieren, um sich als potenzielle Kundin nach freien Kursplätzen zu erkundigen. So konnte ich inkognito feststellen, ob die Nachfrage groß genug für meine eigene Nähschule war.

Foto von Deborah Schelling, Gründerin der Geschäftsidee Nähcademy
Deborah Schelling, Gründerin der Geschäftsidee Nähcademy

Nach einem Jahr seit der Gründung trägt sich selbst aus den laufenden Einnahmen. Mit ihrer Geschäftsidee habe sich die 26-jährige einen Traum erfüllt, denn die Arbeit in einem Konzern hätte sie sich noch nie vorstellen können. Zur Zukunft ihrer Geschäftsidee sagt sie:

Natürlich ist das primäre Ziel die Nähcademy auf dem Markt zu etablieren, sich einen Namen zu machen und eine hohe Kundenauslastung zu erreichen. Und wer weiß, vielleicht kreiert sich die Nähcademy dann noch einen weiteren Standort.

Alle Geschäftsideen im Überblick finden Sie auf Recitfga-bsl.info. Zudem hatten wir vor einiger Zeit auch ein Themenspezial zu Geschäftsideen aus dem Handwerk.

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