Wirtschaft und Wissenschaft – ein Widerspruch?



Wissenschaftlich orientierte Start-ups haben es oft nicht leicht, Investoren zu überzeugen – häufig fehlt das kaufmännische Know-How. Wie auch aus der Wissenschaft und Forschung erfolgreiche Start-ups hervorgehen können, haben wir mit Olivia Fedunik von Prefound besprochen.

Recitfga-bsl.info: Hallo Frau Fedunik, wir konnten mit Ihnen vor gut einem Jahr ja bereits über das Thema Investorenansprache sprechen, in dem Sie auch aktiv sind. Wie sieht denn Ihrer Meinung nach die Investorenlandschaft für Technologie-Start-ups in Deutschland derzeit aus?

Olivia Fedunik von Prefound: Ich könnte jetzt die Schlagzeilen der einschlägigen Magazine zitieren und berichten, dass es mit der Stimmung innerhalb der Investorenlandschaft in Deutschland bergauf ginge. Das VC Magazin hat beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Investment Lab Heilbronn eine Sentimentstudie der Corporate Venture Capital-Szene durchgeführt. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Vertreter der Corporate Venture Capital-Einheiten sowohl die aktuelle als auch die erwartete Geschäftslage positiv bewerten.

Aber was bringt das dem einzelnen Gründer? Ob die Stimmung nun gut oder schlecht ist, ist für den Einzelnen nur ein Hintergrundrauschen. Viel wichtiger ist es, eine wirkliche Innovation mit Potenzial zu besitzen, zu wissen, wie diese vermarktet werden kann und wer bereit ist, in dieser Branche zu investieren.

Wenn wir die Biotechbranche zum Beispiel betrachten: Privat geführte Biotechnologie-Unternehmen erhielten 2012, laut des Berichtes von Biotechnolgie.de, rund 205 Mio. Euro an Risikokapital – fast dreimal so viel wie noch im Vorjahr, wo es noch 72 Mio. Euro waren. Dies scheint auf den ersten Blick ein enormer Anstieg an verfügbarem Kapital zu sein, jedoch verteilt sich dieses Transaktionsvolumen nur auf wenige erfolgreiche Firmen. Folglich kann man sagen, Risikokapital ist vorhanden, für wirklich gute Innovationen können Investoren gefunden werden, aber prinzipiell ist es nicht leicht und die Masse wird Schwierigkeiten haben.

Olivia Fedunik von Prefound
Olivia Fedunik von Prefound ist Mitveranstalterin des CIMT Endeavour Workshops am 5. Mai in Mainz.

Recitfga-bsl.info: Macht es Sinn im Ausland nach Kapital zu suchen?

Olivia Fedunik von Prefound: Viele deutsche Start-ups beschränken sich lieber auf Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Werfen wir aber zum Beispiel mal einen Blick auf das Portfolio des High-Tech Gründerfonds. Dort ist zu erkennen, dass bei ca. 200 Portfoliounternehmen ausländische VCs und Business Angels in Seed- und Anschlussrunden investiert haben und die ausländischen Investoren vor allem in den letzten drei Jahren auch im Vergleich zu den inländischen VCs stark zugenommen haben und weiterhin zunehmen.

Gerade in den USA steht ein viel größeres Volumen an Wagniskapital zur Verfügung, welches auch für ausländische Firmen zugänglich gemacht wird. Es lohnt sich also auf alle Fälle auch nach internationalen Investoren Ausschau zu halten, insbesondere wenn das Geschäftsmodell dafür geeignet ist.

Recitfga-bsl.info: Technologie und Biotechfirmen werden häufig aus den Unis heraus gegründet. Wo liegen die besonderen Herausforderungen bei den Spin-Offs aus den Hochschulen?

Olivia Fedunik von Prefound:

Die Wissenschaftler aus den Universitäten haben oft ein hohes Niveau an Innovation zu bieten. Den potentiellen Gründern fehlt es aber oft an unternehmerischer und kaufmännischer Erfahrung.

Meist sind sie so von ihrer Idee fasziniert und überzeugt, dass sie schlecht eine objektive Sichtweise gegenüber ihrem Produkt oder Dienstleistung einnehmen können und so kritische Punkte übersehen. Hier versuchen wir den Blickwinkel der Gründer zu erweitern und bringen ihnen Schritt für Schritt die Denkweise eines Betriebswirts oder auch der Investoren näher. Zudem verfügen Spin-Offs meist über wenig Startkapital und sind auf Förderprojekte wie Go-Bio oder Exist angewiesen. Dank dieser Projekte wird es Spin-Offs oft erst ermöglicht überhaupt die Voraussetzungen zu schaffen Kapitalgeber anzusprechen.

Recitfga-bsl.info: Sie sind auch am 5. Mai Mitveranstalter des CIMT Endeavour Workshops in Mainz – was verbirgt sich dahinter?

Olivia Fedunik von Prefound: Den könnte man als Satellitensymposium des internationalen CIMT respektive CancerImmunoTherapy Annual Meetings verstehen. Das CIMT Meeting ist die größte europäische Konferenz für Forschung und Entwicklung mit dem Schwerpunkt Immuntherapie bei Krebs. Viele hochrangige Wissenschaftler und führende Pharmaunternehmen diskutieren die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse aus diesem Bereich.

Mit dem CIMT Endeavour Workshop „Translating cancer science into products and companies“ sollen die Ergebnisse aus der Forschung in die Wirtschaft überführt werden, um damit dem Patienten neue Therapiemöglichkeiten zu eröffnen und Wissenschaftlern die Option einer Gründung näher zu bringen.

Recitfga-bsl.info: Was erwartet einen nun konkret bei ?

Olivia Fedunik von Prefound: Für den ersten Teil des Workshops hatten wir vor Weihnachten Gründer aus der Biotechnologie- und Medizintechnologieszene aufgefordert, sich mit ihrer Business Idee zu bewerben. Aus diesen Bewerbungen wurden die besten ausgewählt. Drei Gründerteams bekommen nun die Chance ihre Idee vor einem anspruchsvollen Publikum und einer Jury zu präsentieren.

Die Jury, bestehend aus drei Vertretern aus der VC Branche und einem erfolgreichen Entrepreneur, wird sich intensiv mit den Gründern auseinandersetzen und die Knackpunkte der jeweiligen Teams aufspüren, darlegen und diskutieren. Durch die Diskussion verschiedener Geschäftsmodelle gehe ich davon aus, dass unterschiedlichste Fragen aufgeworfen werden, die auch für das Publikum von hoher Relevanz sind.

In der zweiten Session gehen Herr Dr. Carlos F. Santos von Biovest International, Herr Dr. Peter Pack von EMBL Ventures und Herr Dr. Rainer Wessel von Ci3 auf wichtige Aspekte einer Gründung ein. Der Workshop wird durch die Erfolgsstory von Micromet, präsentiert durch Herrn Jens Hennecke, abgerundet.

Neben diesen Sessions bleibt genug Zeit, sich mit den anderen Teilnehmern des Workshops auszutauschen und wichtige Kontakte zu knüpfen.

Recitfga-bsl.info: Können Sie uns ein paar Praxisbeispiele aus der Krebsforschung nennen, bei denen dies geklappt hat?

Olivia Fedunik von Prefound: Prominente Beispiele für erfolgreiche Gründungen sind unter anderem Morphosys und 4SC, die erfolgreich an die Börse gegangen sind. Micromet, die einen Exit von 1,2 Milliarden US-Dollar erreicht hat, oder die Kinaxo, die wir von der Gründung bis zum Exit begleitet haben.

Recitfga-bsl.info: Forschung, marktfähige Produkte und wirtschaftlich rentable Unternehmen – was sind Ihre wichtigsten Tipps für die Wissenschaftler?

Olivia Fedunik von Prefound: Generelle Tipps zu geben, ist immer sehr schwierig, aber ich möchte ein paar Punkte nennen, die in der Praxis immer wieder auftauchen: Gründer möchte ich ermutigen, sich frühzeitig an externe Experten zu wenden, ihre Idee zu diskutieren und somit früh wichtige Weichen für die Gründung zu stellen.

Betrachten Sie nicht nur die Wissenschaft, sondern setzen Sie sich auch intensiv mit dem Markt auseinander und hinterfragen Sie diesen:

  • Welche Relevanz hat Ihre Idee?
  • Sind die IP-Rechte geklärt?

Vergleichen Sie Ihr potentielles Unternehmen und suchen Sie das Gespräch mit anderen Gründern, Unternehmern und Experten.

Recitfga-bsl.info: Wie unterstützt Prefound konkret Gründungen aus der Hochschule heraus?

Olivia Fedunik von Prefound: Wir unterstützen Gründungsteams aus der Hochschule nicht grundsätzlich anders als andere Gründungen. Wir haben nur festgestellt, dass manche Wissenschaftler aus der Hochschule eine gewisse Skepsis dem kaufmännischen Bereich gegenüber hegen, daher muss man vielleicht in diesem Bereich noch mehr Überzeugungsarbeit leisten. Aber prinzipiell kommen Gründer in den verschiedensten Phasen zu uns.

Sie stellen uns ihre Idee und möglicherweise schon ihr Geschäftsmodell vor. Wir analysieren dann zusammen mit den Gründern die Schwächen und Stärken, erarbeiten eine Roadmap zur aktiven Umsetzung des Vorhabens, erstellen zusammen mit den Gründern die Finanzplanung und prüfen die Zahlen auf Plausibilität. Kurzum, wir diskutieren und erarbeiten alle Punkte eines Businessplans, um mit diesen Unterlagen auf Investorensuche gehen zu können. Damit wir hier den richtigen Weg einschlagen, halten wir immer wieder Rücksprache mit Investoren und anderen Experten aus unserem Netzwerk. Welche Unterstützung das einzelne Team benötigt, wird natürlich im Einzelfall entschieden.

Recitfga-bsl.info: Vielen Dank für das Gespräch!

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