Gründergeist in Deutschland nimmt weiter ab



Deutschland ein Gründerland? Vor zwei Wochen haben wir die aktuellen Zahlen aus dem KfW Gründungsmonitor 2013 berichtet – diese zeigen mit deutlich rückläufigen Gründerzahlen ein ganz anderes Bild. Hier stellt sich automatisch die Frage nach der Rolle der Politik. Diese Frage wird um so drängender, wenn man sich eine bisher wenig beachtete Studie der Europäischen Kommission anschaut. So kommt die Kommission in der Studie mit dem Titel „Entrepreneurship in the EU an beyond“ zu dem Schluss, dass die Selbstständigkeit in vielen europäischen Ländern nicht als Ziel der Menschen angesehen wird. Auch und vor allem in Deutschland besteht keineswegs eine Gründerstimmung und so belegen wir in den Ergebnissen regelmäßig die hinteren Plätze.

Wenn es nach dem Willen der Europäischen Kommission geht, sollen mehr Menschen in Europa den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. So wird „Entrepreneurship“ in als entscheidender Faktor angesehen, nachhaltiges Wachstum zu erreichen. Und so will die Studie „Entrepreneurship in the EU an beyond“ u.a. folgende Fragestellung klären:

  • Warum gründen so wenige Europäer?

Die Studie basiert auf Befragungen in der Zeit von Juni bis August 2012 und wurde am 9. Januar 2013 veröffentlicht.

Existenzgründung und Selbstständigkeit sollten zum Selbstverständnis der Menschen gehören – doch der scheinbar sichere Job im Angestelltenverhältnis zählt am Ende des Tages wohl doch mehr. So sehen es in der EU immerhin 58 % der Befragten. Im Gegensatz dazu wären gerade 37 % lieber selbstständig. Im Vergleich zu 2009 hat sich dieses Verhältnis übrigens noch verschlechtert. Selbstständig zu werden, scheint also langsam so populär zu sein, wie Strandurlaub wenn es regnet. Uns haben natürlich insbesondere die Resultate für Deutschland interessiert, die wir Ihnen nachfolgend vorstellen wollen. Und vor die Wahl gestellt, ob sie eine Festanstellung der Selbstständigkeit vorziehen würden, votierten in Deutschland sogar 65 % für die Festanstellung. Einen geringeren Hang zur Selbstständigkeit haben nur fünf andere Länder in Europa. Führend sind hier übrigens die Schweden, die noch größere Gründungsmuffel als die Deutschen sind.

Gruendergeist in Deutschland Grafik

Und der Ausblick auf die Zukunft ist auch eher mau – so hielten es nur 28 % der Befragten in Deutschland für möglich innerhalb der nächsten 5 Jahre zu gründen. Für 67 % der Deutschen ist dies gar nicht vorstellbar. Dies läßt natürlich nichts Gutes für die zukünftigen Gründerzahlen erwarten. Auch hier bewegt sich Deutschland im hinteren Drittel im europäischen Vergleich. Als einer der Hauptgründe wurde übrigens zu wenig Kapital für die Gründung genannt.

Den allerletzten Platz in Europa belegt Deutschland dann bei der Frage, ob es persönlich erstrebenswert sei, sich in den nächsten 5 Jahren selbstständig zu machen: dies finden nur 17 %. Die Schweden liegen zumindest mit 19 % auf dem vorletzten Platz. Der Durchschnitt in Europa liegt bei 32 % und selbst Frankreich liegt mit 37 % deutlich vor uns. Diese Situation wird dadurch untermauert, dass 65 % der Befragten angaben, dass sie niemals darüber nachgedacht hätten, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Damit gehören wir zur Spitzengruppe in Europa. Es scheint also deutlich an Gründungsimpulsen in der breiten Bevölkerung zu mangeln.

Auch ein paar gute Nachrichten – oder doch nicht?

Deutschland schneidet nicht in allen Fragen schlecht ab. Im europäischen Vergleich bezeichneten nur 37 % den Zugang zu notwendigen Informationen als Gründungshemmnis. Und auch bei bürokratischen Hürden oder finanzieller Unterstützung waren die Werte in Deutschland mit jeweils 65 % besser als in vielen anderen Ländern. Allerdings sind diese Zahlen für sich betrachtet durchaus ein großes Problem, denn mehr als ein Drittel sieht sich nicht in der Lage die richtigen Informationen zur Gründung zu finden und 2/3 schätzen die Bürokratie und mangelnde finanzielle Unterstützung als Gründungshemmnisse ein – somit ist also klar, warum Leute die Lust aufs Gründen verlieren.

Bild des Entrepreneurs in der Öffentlichkeit

Eigentlich hat der Entrepreneur scheinbar kein Image-Problem in Deutschland. So sehen ihn 90 % der Befragten als „Job Creator“, 80 % geben an, dass Entrepreneure Produkte und Dienstleistungen herstellen, von denen wir alle profitieren und nur 39 % sagen, dass ein Entrepreneur Vorteile aus der Arbeit anderer zieht. Ebenfalls nur 47 % waren der Meinung, dass der Entrepreneur nur an seinen Profit denke – in vielen europäischen Ländern liegt dieser Wert deutlich höher. Und im Vergleich mit Top-Managern werden Entrepreneure auch deutlich positiver beurteilt. Doch trotz der positiven Meinung scheint kaum jemand in die Gründer-Fußstapfen treten zu wollen.

Keine Gründungsthemen in der Ausbildung

In deutschen Schulen und Universitäten scheint das Thema Existenzgründung sehr stiefmütterlich behandelt zu werden. So gaben nur 24 % der Befragten aus Deutschland an, einen Kurs oder eine Aktivität zum Thema Gründung besucht zu haben. Und nur etwas mehr als jeder Zweite sagte, dass die Schulausbildung dabei geholfen hätte Entrepreneur-hafte Eigenschaften zu entwickeln. Nur 49 % stimmten zu, dass die Schulausbildung ihnen die Rolle des Gründers für die Gesellschaft verständlich gemacht hätte. Und den drittletzten Platz belegen wir bei der Frage, ob die Schulausbildung die für eine Gründung notwendigen Qualifikationen vermittelt hätte – dies finden nur 34 %. Und einen weiteren Dämpfer gibt es dann auch noch: lediglich magere 17 % meinen, dass die Schule bei ihnen das Interesse an einer Gründung geweckt hat. Hier teilen wir uns den letzten Platz mit Großbritannien.

Fazit: Gründungsstimmung im Fokus der Politik?

Die Ergebnisse der Studie der EU-Kommission decken sich mit den rückläufigen Gründerzahlen in Deutschland. Wir sind immer mehr auf dem Weg zum „Nicht-Gründerland“. Dabei geht es vor allem um Gründungen in der Breite und nicht im Einzelnen um Gründungen im IKT oder Hightech-Bereich. Denn insgesamt herrscht in der Breite der Bevölkerung keine Gründerstimung und der Weg in die Selbstständigkeit tritt oft hinter die abhängige Beschäftigung zurück. Somit sind zwar die verstärkt wahrnehmbaren Aktivitäten von bspw. Philipp Rösler in diesem Technologie-Segment lobenswert (Stichwort oder die , in der der Minister ankündigt die Bedingungen von Technologie-Start-ups verbessern zu wollen) aber greifen viel zu kurz – und auch der Verweis auf den guten Arbeitsmarkt verbirgt, dass die Ursachen des Problems viel tiefer reichen. Somit ist es an der Zeit, weniger Fotos und Initiativen für den Wahlkampf zu machen oder Geschenke für Business Angels (Stichwort Investitionszuschuss) zu verteilen und stattdessen mehr über breite Gründungsförderung nachzudenken.

Die vollständige Studie finden Sie unter:

 

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