Gründerstorys… heute Dr. Matthias Bürger von Kinematics



Auf Recitfga-bsl.info stellen sich regelmäßig Gründer und Selbstständige vor, die über ihre Geschäftsidee und die Herausforderungen rund um die Existenzgründung berichten. Heute sprechen wir mit Dr. Matthias Bürger vom Start-up Kinematics – und dabei schlagen bestimmt nicht nur Kinderherzen höher.

Kinematics entwickelt Roboter für Kinder nach dem Legoprinzip. Wir sprachen mit dem geschäftsführenden Gesellschafter von Kinematics, Dr. Matthias Bürger, über die Gründungsgeschichte, dem herausfordernden Weg in die Selbständigkeit, der Finanzierung über Kickstarter und bekamen Tipps zu einer erfolgreichen Bewerbung für das EXIST-Stipendium.

Recitfga-bsl.info: Hallo Herr Dr. Bürger, wir haben die Roboter von Kinematics auf dem diesjährigen Kongress Junge IKT-Wirtschaft kennengelernt. Erzählen Sie uns doch bitte etwas mehr über Ihre Geschäftsidee „Kinematics – Robotik für Kinder“ und wie Sie auf die Idee gekommen sind.

Dr. Matthias Bürger, von Kinematics: Die Idee zu dem Projekt hatte unser Mitgründer Leonhard Oschütz. Im Rahmen seines Produktdesign Studiums an der Bauhaus Universität Weimar sollte er 2009 eine Wunschmaschine entwickeln. Als leidenschaftlicher Legospieler entschied er sich für das Thema Baukästen. Ziel war es die Technologie des 21. Jahrhunderts in Bausteine zu verpacken, so dass Kinder ohne Programmierkenntnisse mit einfachen Handgriffen interaktive Roboter bauen und steuern können.

Bereits im Frühjahr 2010 konnte er dann den ersten funktionstüchtigen Prototypen am MIT Media Lab in Cambridge, Massachusetts präsentieren. Zuvor hatte er das innovative Produkt zum Patent angemeldet. Das positive Feedback auf die Arbeit und zahlreiche Wettbewerbsgewinne im Jahr darauf führten schließlich zu der Entscheidung aus dem Projekt ein Unternehmen zu machen.

Im Herbst 2011 haben wir uns dann als 3-Mann-Team zusammengefunden, einen ersten Businessplan ausgearbeitet und ein EXIST-Gründerstipendium beantragt. Ziel der Unternehmung ist die Weiterentwicklung und Vermarktung des Kinematics Baukastensystems.

Der Roboterbaukasten von Kinematics
Der Roboterbaukasten von Kinematics

Recitfga-bsl.info: Wer gehört zum Gründerteam von Kinematics und wie sind die Aufgaben verteilt?

Dr. Matthias Bürger, von Kinematics: Das Gründerteam setzt sich zusammen aus dem Erfinder und Initiator des Gründungsvorhabens Dipl.-Des. Leonhard Oschütz, dem gelernten Industriemechaniker und studierten Produktdesigner Christian Guder sowie mir, Dr. Matthias Bürger. Aufgrund seiner Projekterfahrung ist Leonhard für die kreative Leitung der Unternehmung zuständig, insbesondere für Design sowie Forschung und Entwicklung. Christian hat bereits im Bereich Produktentwicklung für international agierende Firmen gearbeitet und ist bei Kinematics für die technische Realisierbarkeit und die Produktion verantwortlich. Er übernimmt zudem alle patentrechtlichen Angelegenheiten. Ich selbst habe Betriebswirtschaft studiert und im Bereich Innovationsökonomik promoviert. Mit diesem Hintergrund übe ich die Tätigkeit des geschäftsführenden Gesellschafters aus und komplettiere somit das Team im kaufmännischen Bereich.

Recitfga-bsl.info: Wo lagen bisher die größten Herausforderungen auf Ihrem Weg in die Selbstständigkeit?

Dr. Matthias Bürger, von Kinematics: Als große Herausforderung für unser junges Startup sind sicher die hohen Entwicklungs- und Patentkosten für ein derartiges Produkt zu nennen. In der Vorgründungsphase muss man daher sehr kreativ sein, um mit EXIST-Mitteln die nötigen Impulse für das Unternehmen zu setzen. Wir konnten aber durch Wettbewerbsgewinne sowie durch sehr guten Support von Unternehmen und Beratern viele Hürden überwinden.

Eine weitere Herausforderung ist die Suche nach Risikokapitalgebern. Geeignete Partner zu finden und diese von der Realisierbarkeit der Geschäftsidee zu überzeugen, sind wichtige und aufwendige Schritte. Als kleines Team mit beschränkten Ressourcen kann man nicht immer überall sein. Wir müssen daher unsere Hausaufgaben machen und gut überlegen, welches Venture-Forum bzw. welche Präsentationsmöglichkeit wirklich von Nutzen ist. Bisher hatten wir aber auch hier eine glückliche Hand und konnten in den letzten Monaten vielversprechende Kontakte zu möglichen Investoren knüpfen.

Die Suche nach Vertriebspartnern möchte ich an dieser Stelle ebenfalls als Herausforderung nennen. Gerade im B2C-Bereich ist die Distribution ein entscheidender Erfolgsfaktor und besonders auch für Investoren ein entscheidender Punkt. Von unserem Produkt sind alle sofort überzeugt. Die Frage ist eben nur, wie kriegt man den Baukasten zum Kunden?

Das Kinematics Team
Das Kinematics Team

Recitfga-bsl.info: Wie funktionieren die Bausätze genau und was können Kinder alles damit bauen?

Dr. Matthias Bürger, von Kinematics: Der Baukasten besteht aus aktiven Bewegungsmodulen und passiven Bausteinen, welche sich nahezu grenzenlos miteinander verbinden lassen, ohne Kabel und ohne komplizierte Bauanleitung. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Angetrieben werden die Bewegungsmodule durch Servomotoren. Die Energie liefert ein integrierter Akku. So können Kinder bereits ab einem Alter von 6 Jahren bewegungsfähige interaktive Roboter bauen und werden dabei spielerisch an Themen wie Mechanik, Sensorik und erneuerbare Energien herangeführt. Der Baukasten wird lebendig.

Die Steuerung erfolgt über eine mitwachsende Benutzerschnittstelle, die sich den Fähigkeiten des Users anpasst. Die Construct-and-Play-Funktion ermöglicht es den Jüngsten, die Roboter durch systematisches Ausprobieren weiterzuentwickeln und während des Bauens Änderungen vorzunehmen. Über ein Teach-in können erfahrenere Kinder den Modellen auch ohne Computer beliebige Bewegungsabläufe beibringen. Fortgeschrittene nutzen schließlich Smartphones oder Tablets zur genauen An- und Fernsteuerung. So gelingt der Brückenschlag zwischen klassischem Spielzeug und der digitalen Welt von heute.

Recitfga-bsl.info: Wo stehen Sie derzeit in der Unternehmensentwicklung und wann sind die ersten Roboter im Handel erhältlich? Haben Sie schon eine Idee, was so ein Bausatz kosten wird?

Dr. Matthias Bürger, von Kinematics: Im April haben wir das Seed-Anschlussstipendium der Sächsischen Aufbaubank (SAB) für unsere Unternehmung sichern können. Damit sind die Lohn- und Gehaltskosten des Gründerteams für die kommenden 12 Monate gedeckt. Momentan liegt unser Fokus ganz klar auf der Investorensuche. Ohne Investoren hat man mit einem solchen Produkt keine Chance. Der Kapitalbedarf ist zu hoch, um ihn anderweitig decken zu können. Bis Sommer 2013 soll ein industrieller bzw. institutioneller Investor für Kinematics gewonnen werden. Mit dem Investment wollen wir dann die Entwicklung bis hin zur Serienreife realisieren.

Im Moment sprechen wir mit verschiedenen infrage kommenden Partnern. Bis Ende des Jahres soll die technische Entwicklung abgeschlossen sein. Ab dann planen wir den Vertrieb der ersten Baukästen über die Crowd-funding Plattform „Kickstarter“. Hierbei sehen wir Kickstarter weniger als Finanzierungstool sondern vielmehr als Möglichkeit internationale Aufmerksamkeit und Feedback zu bekommen. Wir glauben, dass Kinematics ein sehr erfolgreiches Projekt auf Kickstarter sein wird. Vergleichbare, überaus erfolgreiche Projekte aus dem vergangenen Jahr untermauern unseren Optimismus. Die Auslieferung der ersten Baukästen visieren wir für Mitte 2014 an. Die Kinematics-Produkte können dann über Elektronikversandhändler oder direkt über unseren Webshop bezogen werden. Der Grundbaukasten wird dabei voraussichtlich 249 Euro kosten. Verschiedene Erweiterungsbaukästen sind für 39 bis 99 Euro erhältlich sein.

Recitfga-bsl.info: Was sind die nächsten Schritte in der Entwicklung? Wie planen Sie den Vertrieb der Roboter?

Dr. Matthias Bürger, von Kinematics: Neben der Investorensuche steht im Moment die Ansprache weiterer Vertriebspartner im Mittelpunkt. Die Baukästen werden, wie bereits erwähnt, zunächst über Online-Elektronikversandhändler und den unternehmenseigenen Webshop verkauft. Daneben wird eine Didaktik-Variante des Baukastens durch einen spezialisierten Partner an Kindergärten und Schulen vertrieben. Durch das so gewonnene Proof of Concept hoffen wir bis 2016 den Eintritt in den Spielwarenhandel realisieren zu können.

Recitfga-bsl.info: Sie haben als Gründer die Förderung durch EXIST erhalten. Dabei ist natürlich für andere Entrepreneure in spe besonders spannend, wie Sie den erfolgreichen Antrag gestellt haben?

Dr. Matthias Bürger, von Kinematics: Eine Voraussetzung für einen erfolgreichen EXIST-Antrag ist die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Produkt, der Zielgruppe, dem Markt und den Wettbewerbern. Wir haben uns gleich zu Anfang der Unternehmung kritische Fragen gestellt und Risiken benannt. Gleichzeitig haben wir versucht Workarounds zu finden ohne dabei eine Rosa Brille aufzusetzen. Wichtig war für uns immer auch die Expertise Dritter, egal ob Gründer, Berater, Investoren oder Unternehmer. Von Beginn an haben wir mit Erfahrungsträgern gesprochen und dieses Feedback in den EXIST-Antrag einfließen lassen.

Recitfga-bsl.info: Sie haben bisher auch eine ganze Reihe an Auszeichnungen erhalten – auf welche Weise haben Sie davon am meisten profitiert?

Dr. Matthias Bürger, von Kinematics: Auszeichnungen sind für uns immer eine Möglichkeit, uns und unser Produkt zu präsentieren. Neben der Öffentlichkeitsarbeit sind Wettbewerbe aber auch eine Möglichkeit Feedback zu erhalten, Kontakte zu knüpfen und natürlich auch mit Preisgeld nach Hause zu gehen.

Recitfga-bsl.info: Und zum Abschluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern geben?

Dr. Matthias Bürger, von Kinematics:

  • Sich mit anderen Austauschen, Feedback einholen.
  • Kritisch aber nicht zu kritisch mit sich selbst und dem eigenen Produkt / Konzept zu sein
  • Flexibel sein – Wir haben am Anfang ein anderes Geschäftsmodell verfolgt und nach mehreren Monaten unseren Businessplan noch einmal komplett umgestellt.
  • Kreativ sein und eventuelle Schwächen zu Stärken machen
  • Das Unternehmensziel steht immer vor persönlichen Belangen. Wenn jeder im Team das so sieht, dann hat das einen sehr positiven Effekt auf die Unternehmensentwicklung.
  • Gerade Gründer mit einer technologischen Geschäftsidee sollten den wirtschaftlichen Teil so früh wie möglich einbeziehen. Einen Wirtschaftler braucht jedes Team. Das verlangt nicht nur EXIST, sondern auch jeder Kapitalgeber. Der BWLer sollte aber auf jeden Fall ins Team passen, eine gleichberechtigte Rolle spielen und nicht nur als notwendiges Übel angesehen werden. Daraus resultierende Probleme bis hin zum Scheitern des Projekts lassen sich bei vielen Teams feststellen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt

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Kinematics – Robotik für Kinder
Oschütz / Guder / Bürger
Zschochersche Str. 79b
04229 Leipzig

Tel.: 0049 (0)341-6509806
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