Venture Lounge in Berlin stellt zahlreiche Marktplätze vor



Re-thinking Marketplaces oder Marktplätze neu gedacht – unter diesem Motto fand die zweite Venture Lounge des Jahres 2013 statt. In den Räumen des Inkubators You Is Now aus dem Hause Immobilienscout24 präsentierten sich 9 Start-ups, die Online-Marktplätze für sehr unterschiedliche Produkte und Services schaffen wollen.

Bei der Venture Lounge geht es um Kapital für Start-ups und so hießen die Veranstalter von CatCap, YOU IS NOW, Neuhaus Partners und Shortcut Ventures die zahlreichen Investoren willkommen.

 

Venture Lounge Berlin Intro
Stellvertretend für die Organisatoren der Venture Lounge: Mark Miller (CatCap) und Matthias Grychta (Neuhaus Partners)

 

Doch bevor die ersten Gründerteams die Bühne betraten, zeigte Stephan Uhrenbacher, der als Entrepreneur und Investor aktiv ist, seine Lektionen aus den Erfahrungen bei qype, avocadostore oder 9flats unter dem Titel „Lessons learned in building marketplaces“ auf. Laut Uhrenbacher sind es folgende 5 Komponenten, die im Zusammenspiel zu einem erfolgreichen Unternehmensaufbau im Bereich Online-Marktplätze beitragen:

  • Markt, Nachfrage & Angebot, Kapital, Zeit und Schweiß.

Bei der Komponente Markt geht es vor allem um die Fragen ob der Markt bisher noch nicht bedient wird, stark fragmentiert ist – also die Marktteilnehmer, die auf dem Online-Markt zusammengebracht werden sollen, wenig Marktmacht ausüben können – und natürlich, ob das Marktpotenzial groß ist. Ein erfolgreicher Marktplatz ist zudem in der Lage das Angebot – also beispielsweise private Zimmer als Alternative zum Hotel – auch passgenau zur Nachfrage in einer bestimmten Stadt und vice versa zur Verfügung zu stellen, damit die Marktteilnehmer auch regelmäßig wieder kommen. Instrumente hierfür sind natürlich PR, Werbung oder Suchmaschinenoptimierung. Die verbleibenden Faktoren Kapital, Zeit und Schweiß können laut Uhrenbacher auch zu einem gewissen Teil gegeneinander aufgewogen werden. So ist 9flats mit weniger Kapital als seine amerikanischen Pendants unterwegs, aber das Team hat diesen Nachteil durch hochgekrempelte Ärmel aus seiner Sicht ausgeglichen.

Die ersten 4 Start-up Pitches

Spielzeug, Tickets für Konzerte, Sportartikel und Lebensmittel standen im Mittelpunkt der ersten Pitching-Runde, wobei die Entstehung der Geschäftsideen und die Gründerteams teils deutliche Unterschiede aufwiesen.

 

Venture Lounge Berlin Pitch 1
Start-ups auf der Venture Lounge: Helge Hinrichs von sporTrade (o.l.), Florian Spathelf von meineSpielzeugkiste (o.r.), Florian Kosak von tab ticketbrocker (u.l.), Nils Brummund von Delinero (u.r.)

 

Den Anfang machte Helge Hinrichs von , ein Start-up, das bereits einige Investoren an Bord hat. Hinrichs selbst hat bereits an mehreren Gründungen mitgewirkt und hat als passionierter Sportler nun den Onlinehandel für Sportprodukte für sich entdeckt. Dabei möchte er mit sporTrade nicht Zalando für Sportartikel sein, sondern getreu dem Marktplatzgedanken den Sport-Fachhändler in die Welt des Onlinehandels einführen, der oftmals bisher kaum genutzt wird. Damit können auch kleine Einzelhändler die Absatzmöglichkeiten im E-Commerce erschließen. Und ein weiterer Unterschied zu Zalando sind die bisher sehr geringen Rücksendequoten, denn wer bringt schließlich die schwere Hantelbank wieder zurück zu Post, wie Hinrichs mit einem Augenzwinkern ausführte.

Wer nicht dem Volkssport des Kaufens und Verkaufens auf Ebay nachgehen möchte, hat zumindest beim Kinderspielzeug mit dem Start-up nun eine Alternative. Getreu dem neuen Trend der sharing-economy bzw. leihen statt kaufen können hier Spielzeuge für den Nachwuchs solange gemietet werden, bis das neue Lieblingsspielzeug Gefahr läuft in der Gunst der Kleinen abzufallen, um dann endgültig ausrangiert zu werden. Statt auf den Dachboden geht es dann zurück an meineSpielzeugkiste und eine neue Kiste wird geliefert. Und nach den Worten von Florian Metz und Florian Spathelf schätzen immer mehr und mehr Eltern und Kinder den Service des Start-ups.

Für Eltern, die dann abends spontan mal ohne Anhang etwas unternehmen wollen, bietet bald die passende Alternative. Mit einer Last Minute Ticket-App für Konzerte und andere Events können Nutzer bis 1 Minute vor der Veranstaltung ein vergünstigtes Ticket kaufen – dann muss nur noch der Babysitter organisiert werden. Aber dafür gibt es ja vielleicht auch irgendwo eine App oder einen Marktplatz für freie Betreuungskapazitäten am Abend. Mit der App sollen vor allem bisher noch ungenutzte Kartenkontingente in den Markt gehen und damit die Besucherzahlen erhöht werden. Die Last Minute Ticket App ist nicht das bisher einzige Projekt von tab ticketbroker, die bisher vor allem durch Tickets für eigentlich ausverkaufte Events punkten konnten. So startete das Unternehmen bereits vor drei Jahren und tat bisher etwas, das eigentlich eher mit Banken in Verbindung gebracht wurde: nämlich Leerverkäufe. Möchte ein Kunde ein ausverkauftes Event besuchen, führt Tab ticketbroker einen Leerverkauf aus und geht short. Erst danach organisiert das Start-up das Ticket über verschiedene Kanäle und muss liefern. Doch anders als auf den Finanzmärkten hat dies bisher zu zufriedenen Kunden geführt.

Wer dann hungrig zurück nach Hause kommt, kann sich auf die Bestellung bei freuen. Bei dem Online-Marktplatz für hochwertige Lebensmittel sollen Kunden direkt bei den Produzenten einkaufen können, egal ob es Olivenöl aus Griechenland, Pasta aus Italien oder Schinken aus Spanien ist. Eine Besonderheit ist dabei, dass die Vielzahl der Bestellungen im Logistikzentrum von Delinero gebündelt und in ein Paket verpackt werden. Durch den direkten Kontakt zum Produzenten sollen zudem deutliche Preisvorteile für die Kunden möglich sein. Ein entscheidender Faktor dürfte dabei jedoch auch die Qualität der einzelnen Produkte sein, denn Schinken ist ja nicht gleich Schinken und nicht nur anhand des Preises zu unterscheiden.

Johannes Reck getyourguide
Johannes Reck von getyourguide

Nach einer kurzen Pause ging es dann mit zwei weiteren Vorträgen auf der Venture Lounge in Berlin weiter. Zunächst zeigte auf, welche Herausforderungen es beim Aufbau des Start-ups vor allem im Hinblick auf die internationale Skalierung gab. Dabei waren vor allem die Faktoren Mitarbeiter, Kultur und Kontrolle zentrale Elemente. Neben der obligatorischen fundierten Kenntnis des Zielmarkts war sein Tipp für Start-ups so lange wie möglich mit der Eröffnung von Büros in anderen Ländern zu warten, da sich hieraus oftmals viele Probleme in Bezug auf die Steuerung des Unternehmens ergeben. Und wenn es dann doch nicht mehr anders geht, rät Reck sich mit der Auswahl der neuen Mitarbeiter unbedingt so viel Zeit wie nötig zu lassen und auf eine gemeinsame Kultur in den Standorten zu achten. Zudem sind klar definierte Meilensteine und Zielvorgaben unbedingt erforderlich für eine stringente Unternehmensführung.

Rechtliche Aspekte für Online-Marktplätze beleuchtete dann Konstantin Ewald von Osborne Clark, der auch bereits auf den vorherigen Venture Lounge in Bonn zugegen war. Seine Themen waren der Streit zwischen Lieferheld und Pizza.de zu den Zahlungsmethoden auf Online-Marktplätzen, die Button-Lösung für Onlinehändler sowie mögliche Quellen für Probleme von Inhalten, die durch Dritte auf Marktplätzen eingestellt werden und die Haftung der Betreiber hierfür.

Start-up Pitches zweite Runde

Zu Beginn der zweiten Pitching-Runde der Venture Lounge ging der Blick nach Osten, genauer gesagt nach Russland. Dort besteht laut Eli Fel nämlich der Grundsatz „online anschauen und offline kaufen“. Und damit herkömmliche Kataloge interaktiv für die potenziellen Kunden präsentiert werden können – egal auf welchem Medium – bietet das Start-up mit ihrer Technologie einen rund-um Marketingservice für die Werbenden. Damit wird der Trend von der Print- zur Onlinewerbung aufgenommen und weitergeführt. Durch Kooperationen mit namhaften Herstellern ist es ShoppingPlus auch gelungen über eine Shoppingapp auf den neuen Smart-TVs in Russland vertreten zu sein.

 

Venture Lounge Berlin Pitch 2
Start-ups auf der Venture Lounge: Eli Fel von ShoppingPlus (o.l.), Jens Junge von Evergate (o.r.), Carsten Görs von IPX (u.l.) und André Kiwitz von trip.me (u.r.)

 

Wer online lieber spielt als einkauft, ist bei in Zukunft vielleicht bald gold- bzw. geldrichtig. So möchte Evergate einen Marktplatz für digitale Güter und Dienstleistungen schaffen. Konkret bezogen auf Onlinespiele bedeutet dies, dass zukünftig Accounts zwischen den Usern gehandelt werden können. Wer also keine Lust mehr auf Spiel xy hat, kann seinen Status an andere Spieler verkaufen und für sich selbst bspw. den Einstieg in ein anderes Spiel wählen. Zudem sollen auch Ausrüstungsgegenstände spieleübergreifend handelbar sein. Vorangetrieben wird Evergate dabei von einem erfahrenen Gründerteam.

Um einen Handel der ganz anderen Art ging es dann im Anschluss bei . Über eine Plattform, die als Software as a Service angeboten werden soll, können Unternehmen in Zukunft unkompliziert Ihre bestehenden Rechte (IP Intellectual Properties) verwalten und handeln können. So kann laut Carsten Görs Ordnung in den oft undokumentierten Stand der IPs gebracht und durch eine dann mögliche Vermarktung neue Einkommensquellen erschlossen werden. Zielgruppe sind im Medienbereich bspw. Verlage oder Agenturen sowie im Technologiebereich große Konzerne aber auch der Mittelstand in Deutschland.

Wer dann eine Auszeit von Onlinespielen und Patenten braucht, wird auf fündig. Selbst mit einer großen Passion für das Reisen und langjährige Erfahrung in der Tourismusbranche will André Kiwitz Individualreisen direkt über den Reiseveranstalter vor Ort vermarkten. Dies spart laut Woppmann Geld, da die Provision für Reisebüro und Tour Operators wegfallen, und Zeit, da die Abstimmung besonderer Details direkt mit dem lokalen Anbieter erfolgt.

Beim letzten Startup der Pitching-Runden ging es dann um Mode und Fashion. Denn statt der sonst üblichen 8 Start-ups gab es auf dieser Venture Lounge in Berlin noch eine Zugabe. Und so präsentierte Frank Engel das Start-up . zitra ist ein Marktplatz für gewerbliche Händler. Auf der B2B-Plattform können auf diese Weise bspw. kleine stationäre Einzelhandelsgeschäfte ihr Sortiment gezielt durch den Kauf der zahlreichen Markenartikel erweitern oder auch Restposten auf dem Marktplatz an andere Händler veräußern.

Zur Abendstunde stand dann – wie es Brauch bei der Venture Lounge ist – die Auszeichnung der besten Pitches an:

  • 1. Platz für meineSpielzeugkiste
  • 2. Platz für Delinero
  • 3. Platz für tab ticketbroker
Gewinner Venture Lounge Berlin 2013
Stolze Gewinner der Venture Lounge in Berlin: Florian Metz und Florian Spathelf von meineSpielzeugkiste.

Wir gratulieren den Start-ups und wünschen allen Unternehmen weiterhin viel Erfolg. Wir danken den Organisatoren der Venture Lounge für ein gelungenes Event und freuen uns auf die nächste Venture Lounge am 22.5. in Hamburg.

source best-cooler.reviews

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