Untersützung für Gründer: Bernhard Fiedler vom German Venture Club



Für Existenzgründer gibt es viele Möglichkeiten, Unterstützung auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu erhalten. Vor allem im Bereich Finanzierung sind Investitionen von Venture Capital Gesellschaften beliebt. Wie sich die VC-Szene entwickelt und was Gründer bei der Planung der Gründung beachten sollten, darüber haben wir mit Bernhard Fiedler gesprochen, der Mitgründer des Vereins German Venture Club ist.

Recitfga-bsl: Guten Tag Herr Dr. Fiedler, stellen Sie sich doch unseren Lesern zu Beginn bitte kurz vor.

Bernhard Fiedler vom German Venture Club: Ich bin als Rechtsanwalt bei der Kanzlei Norton Rose in Frankfurt am Main im Finanzierungsbereich tätig. Neben meiner Beratungstätigkeit auf international ausgerichtete Finanzierungstransaktionen koordiniere ich dort die Beratung von Unternehmensgründern. Mein Ziel ist es dabei, Unternehmensgründern die Möglichkeiten, das Netzwerk und den Service einer spezialisierten Beratung von Anfang an zur Verfügung zu stellen. Zudem bin ich Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des German Venture Club e.V. (GVC).

Recitfga-bsl.info: Sie sind einer der Mitinitiatoren des German Venture e.V., der 2012 in Frankfurt gegründet wurde. Wer gehört noch zum German Venture e.V. und welche Ziele verfolgen Sie?

Bernhard Fiedler vom German Venture Club: Zum Team des GVC gehören derzeit die neun Gründungsmitglieder, die im Wesentlichen als Banker und Unternehmensberater tätig sind. Uns verbindet unser gemeinsames Interesse an den Themen Unternehmensgründung und Venture Capital. Zudem kennen wir uns bereits seit unserem Studium an der Goethe-Universität in Frankfurt.

Zwei unserer Gründungsmitglieder beschäftigen sich derzeit mit einem eigenem Gründungsvorhaben, dem , das vom Goethe Unibator unterstützt wird. Als gemeinnütziger Verein fördert der GVC die Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe. Dabei geht es uns insbesondere darum, das bei den Mitgliedern vorhandene Fachwissen im Rahmen von Workshops auf gemeinnütziger Basis an gründungsinteressierte Personen weiterzugeben.

(Quelle Screenshot Website www.vc-germany.de)
(Quelle Screenshot Website www.vc-germany.de)

In diesem Zusammenhang haben wir bisher vier Workshops zu primär rechtlichen Themen abgehalten. In diesem Jahr soll dann ein stärkerer Fokus auf betriebswirtschaftliche Themen gelegt werden. Zu den Workshops versuchen wir auch immer entsprechende Spezialisten einzubeziehen. So wurde zum Beispiel der Workshop zum Thema Rechtsform von einem Notar und der Arbeitsrechtsworkshop von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht begleitet.

Recitfga-bsl.info: Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen, wenn es um Venture Capital für Start-ups geht?

Bernhard Fiedler vom German Venture Club: Die erste Hürde, die es hier zu bewältigen gilt, besteht aus unserer Sicht darin, sich einen Überblick über die verschiedenen Finanzierungsformen und Kapitalgeber zu verschaffen, um anschließend die passenden Investoren auszuwählen und anzusprechen. Dabei sollte bei der Finanzplanung frühzeitig überlegt werden, wie die Finanzierung des eigenen Unternehmens erfolgen soll und welche Finanzierungsmittel und Finanzierungsarten in der jeweiligen Phase zur Verfügung stehen können. Insbesondere sollte hier auch eine mögliche Einbeziehung von VC-ergänzenden Mitteln in Form von öffentlichen Förderprogrammen geprüft werden. Hier bestehen teilweise sehr attraktive Möglichkeiten als Alternative bzw. Ergänzung zur klassischen Eigenkapitalfinanzierung.

Zudem muss das Start-up in der Lage sein, die eigenen Stärken und Schwächen realistisch einzuschätzen und auch an einen Investor zu vermitteln. Insbesondere Schwächen sollten behoben sein, bevor es in die Ansprache potentieller Investoren geht. Aber auch bei den Stärken ist es wichtig, diese realistisch einzuschätzen, denn Maximalforderungen können auch schnell als Wunschdenken und realitätsfremd eingestuft werden.

Recitfga-bsl.info: Welche Fehler werden aus Ihrer Sicht besonders häufig gemacht?

Bernhard Fiedler vom German Venture Club: Aus unserer Sicht ist einer der häufigsten Fehler, dass die Finanzplanung lückenhaft oder zu kurzfristig ist oder nicht regelmäßig auf die aktuelle Entwicklung angepasst wird. Ein typisches Beispiel dafür ist ein Start-up, das zunächst mit eigenen Mitteln der Gründer und vielleicht noch durch eine öffentliche Förderung das z.B. EXIST-Gründerstipendium finanziert wird. Für das erste Jahr ist die Finanzierung damit vielleicht noch gesichert, aber es sollte bereits frühzeitig geplant werden, wie die weitere Finanzierung des Unternehmens erfolgen soll. Die tragischen Beispiele sind dann diejenigen, bei denen an sich eine gute Idee vorhanden ist, die sich aber erst mit der weiteren Finanzierung beschäftigen, wenn das Ende bereits nah ist. Hier kann es dann schwierig werden, eine entsprechende Anschlussfinanzierung zu finden. Insofern sollte darauf geachtet werden, dass das eigene Unternehmen soweit wie möglich durchfinanziert ist und dass erkannte Finanzierungslücken möglichst frühzeitig geschlossen werden.

Recitfga-bsl.info: Ein Teil Ihrer Aktivitäten sind Workshops, zu welchen Themen wurden denn schon Events veranstaltet und wie war das Feedback?

Bernhard Fiedler ist Rechtsanwalt und Mitgründer des German Venture Club
Bernhard Fiedler ist Mitgründer des German Venture Clubs

Bernhard Fiedler vom German Venture Club: Bisher haben wir vier Workshops durchgeführt. Angefangen haben wir mit einem Workshop zum Thema „Rechtsform„. Der zweite Workshop drehte sich dann um die rechtliche Seite von Finanzierungsfragen und um öffentliche Fördermittel. In diesem Zusammenhang haben wir auch eine kurze Broschüre herausgebracht, die aus unserer Sicht besonders interessante öffentliche Förderprogramme mit deren Kernpunkten vorstellt. Im darauf folgenden Workshop wurden arbeitsrechtliche Problemstellungen besprochen, z.B. wie die ersten Praktikanten einbezogen werden können. Dieses Jahr haben wir bereits einen Workshop zum Thema IT/IP durchgeführt. Dabei ging es im Wesentlichen um rechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem Datenschutz und Social Media. Die Präsentationen und Unterlagen der Workshops sind übrigens auch auf der abrufbar.

Wir haben bisher sehr gutes Feedback auf unsere Workshops erhalten. So hat uns beispielsweise das Gründungsbüro der TU und FH Kaiserslautern nach unserem ersten Workshop einen Gastvortrag angeboten. Positives Feedback kam auch von der TU Darmstadt, bei der unsere Broschüre zum Thema öffentliche Förderung sehr gut ankam. Zudem merken wir, dass die Teilnehmer der vorangegangenen Workshops wiederkommen, was für uns natürlich die Bestätigung ist, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen.

Recitfga-bsl.info: Wie helfen der German Venture e.V. und seine Mitglieder außerdem weiter?

Bernhard Fiedler vom German Venture Club: Neben den Workshops stehen wir auf Anfrage auch als Sparringspartner zur Verfügung. So geben wir zum Beispiel Feedback zu Businessplänen und helfen auch bei konkreten Fragestellungen mit unserem Know-how weiter. Darüber hinaus stellen wir unser eigenes Netzwerk zur Verfügung und helfen dabei, Kontakte zu knüpfen.

Recitfga-bsl.info: Der Verein sitzt ja in Frankfurt – wie würden Sie die VC-Szene vor Ort beschreiben?

Bernhard Fiedler vom German Venture Club: Für die Antwort auf diese Frage kommt es aus unserer Sicht im Wesentlichen darauf an, welche Finanzierungsphase man im Auge hat. Im  Seed-Bereich gibt es gleich sieben BA Netzwerke in Rhein-Main, drei davon direkt in Frankfurt. Hinzu kommt hier noch exchangeBA als Venture Capital Marktplatz ebenfalls mit Sitz in Frankfurt. Klassische VC Gesellschaften findet man in diesem Bereich mit wenigen Ausnahmen z.B. Aurelia und Creathor in Frankfurt dagegen nicht. Diese sind eher in der Expansions- oder Wachstumsfinanzierung tätig  wie z.B. Brockhaus oder EVP. Allerdings sollte man hier berücksichtigen, dass insbesondere die größeren VC Gesellschaften ihr Geschäft von einem Standort regelmäßig deutschlandweit oder sogar europaweit betreiben, so dass in der geringen Anzahl an lokalen Venture Capital Gesellschaften nicht unbedingt ein Standortnachteil zu sehen ist. Natürlich verfügt Frankfurt mit der MBG Hessen auch über einen regional tätigen VC-Geber.

Im Vergleich zu anderen Standorten wie etwa Berlin oder München ist die VC Szene in Frankfurt allerdings deutlich kleiner. Dies hängt aus unserer Sicht auch damit zusammen, dass sich eine „Gründerszene“ in Frankfurt und Rhein-Main erst in den letzten eineinhalb Jahren sichtbar entwickelt, so dass hier noch ein gewisser Nachholbedarf bestehen dürfte. Potential dürfte im Rhein-Main-Gebiet ausreichend vorhanden sein. Zudem werden Formate wie das Venture Capital Forum der Wirtschaftsjunioren hier hoffentlich zu einem „mehr“ an Angebot führen.

Recitfga-bsl.info: Wie kann man Mitglied im German Venture e.V. werden?

Bernhard Fiedler vom German Venture Club: Bisher haben wir keine aktive Mitgliederanwerbung verfolgt. Der Hintergrund dafür ist, dass die Workshops und das Fachwissen des Vereins allen gründungsinteressierten Personen offen stehen, ohne dass  diese Mitglied im Verein sein müssen. Auf finanzielle Beiträge sind wir bisher nicht angewiesen, da die Räumlichkeiten für unsere Workshops gesponsert werden und wir faktisch keine laufenden Ausgaben haben. Zudem liegt unser Fokus bisher darauf, das bereits vorhandene Fachwissen in neue Workshops zu kanalisieren. Wer über relevantes Know-how verfügt und dieses im Rahmen der Workshops teilen möchte, kann uns aber gerne jederzeit für eine Mitgliedschaft kontaktieren.

Recitfga-bsl.info: Und zum Abschluss: Was würden Sie sich für die Start-up und VC-Landschaft in Deutschland wünschen?

Bernhard Fiedler von Norton Rose: Die Investorenlandschaft muss sich im Interesse der Start-up Landschaft deutlich verbreitern. Aus unserer Sicht gibt es gerade in der Seed-Phase zu wenige, große VC Investoren, die Start-ups direkt durchfinanzieren können. Zwar gibt es viele kleinere Investoren, aber deren Beitrag reicht häufig nicht, um ein Start-up durchzufinanzieren. Crowd investing bietet hier sicher einen Ansatz, diese Investoren zu bündeln. Dieses Konzept wird sich aber erst noch beweisen müssen, gerade wenn es bei den Start-ups mal nicht wie geplant läuft, und auch hier ist noch offen, ob dauerhaft Finanzierungen deutlich jenseits der 100.000 Euro Grenze möglich sind bzw. von der Crowd getragen werden.

Zudem wäre es sicher auch hilfreich, wenn die Möglichkeiten der öffentlichen Förderung transparenter gestaltet würden, damit diese Angebote häufiger genutzt würden. Für die Start-up Landschaft an sich würden wir uns mehr originelle Projekte wünschen, die dann erfolgreich aufgebaut werden und somit als Vorbilder für Innovation dienen können.

Recitfga-bsl.info: Vielen Dank für das Gespräch!

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Dr. Bernhard Fiedler
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