Die Rolle der Hausbank in der Unternehmenskrise



Die Hausbank hat für Existenzgründer und Selbstständige oft nicht nur die Funktion den Zahlungsverkehr abzuwickeln. Fachlicher Rat und Kredite zur Unternehmensfinanzierung gehören ebenfalls zu den Aufgaben der Hausbank. Wenn alles gut läuft, ist das Verhältnis zur Bank in der Regel sehr entspannt – doch was passiert in schwierigen Zeiten? Aus Angst, dass der Geldhahn abgedreht wird, stecken Selbstständige oft den Kopf in den Sand und hoffen, dass die Bank schon nichts merkt. Irgendwann wird es schon wieder besser gehen – so der Wunschtraum der Gründer. Wir sprachen mit Michael Rothmann von der Volksbank Bühl über die Rolle der Hausbank in der Unternehmenskrise.

Recitfga-bsl.info: Laut KfW Gründungsmonitor 2011 werden in den ersten drei Jahren knapp 30 % der Gründungsvorhaben wieder eingestellt – viele davon auch im Zuge einer Unternehmenskrise. Aus Ihrer Praxiserfahrung, wie geraten Existenzgründer und junge Unternehmen in eine Unternehmenskrise ?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: Bei Existenzgründungen erkennen wir oftmals eine unzureichende Vorbereitung. Zwar werden die Existenzgründerseminare der IHKs und Handwerkskammern besucht, der Schwerpunkt der Finanzplanung wird aber nur auf die erforderlichen Mittel für das Investitionsvorhaben gelegt.

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl

Dabei werden jedoch Kosten für die Ingangsetzung des Geschäftes nicht oder nur unzureichend berücksichtigt. Kosten für Mängelrügen, Garantieeinbehalte, die dafür erforderlichen Mängelavale sowie daraus resultierende Zahlungsverzögerungen werden ebenfalls oftmals nicht einbezogen. Des Weiteren werden Kosten für die Vorfinanzierung von Material und Produktion und die Finanzierung von Zahlungszielen außer Acht gelassen.

Außerdem wird es auch oftmals unterlassen, den Markt zu sondieren. Dazu gehört eine Prüfung, ob eine nachhaltige Nachfrage nach den angebotenen Gütern und Dienstleistungen besteht, wer die Konkurrenten sind und wo der eigene Wettbewerbsvorteil liegt.

Wenn wir nachfragen, wie die eigenen Angebotspreise kalkuliert wurden, stellen wir öfters fest, dass Gemeinkosten nur unzureichend berücksichtigt sind und Leerlaufzeiten, Mängelbeseitigungen sowie Garantiefälle nicht einbezogen wurden.

Im Handwerk ist meistens ausgezeichnetes handwerkliches Know-how vorhanden, was man vom Vertriebs-Know-how aber oft nicht sagen kann. Deshalb wird auch der Aufwand für Auftragsakquisition, zielgerichtete und effektive Werbung sowie Vertrieb regelmäßig unterschätzt. Gleiches gilt auch für die administrativen Arbeiten rund um den eigentlichen Geschäftsbetrieb, wie Materialbestellung, das Verhandeln von Einkaufskonditionen und die Überwachung der Zahlungseingänge. Gerade bei letzterem beobachten wir oft, dass Mahnungen erst bei Erreichen der Kreditlinie nachgegangen werden. Zudem sollte bei Unternehmen mit großen Auftragssummen eine Forderungsausfallversicherung selbstverständlich sein. Diese wird allerdings oftmals nicht in die Preiskalkulation einbezogen und wird deshalb als zu teuer empfunden.

Immer wieder beobachten wir auch mangelndes Interesse bzw. Qualifikation, die Zahlen aus der Buchhaltung zu lesen und zu beurteilen sowie daraus Konsequenzen zu ziehen. Häufig unterschätzt wird auch die familiäre Belastung durch die Aufnahme der unternehmerischen Selbständigkeit.

Recitfga-bsl.info: Welche Ursachen zählen Sie mit zu den Hauptfaktoren für eine Unternehmenskrise bei jungen Unternehmern ? Und was können Gründer tun, um einer Krise vorzubeugen bzw. wie können sie eine Krise in ihrem jungen Unternehmen rechtzeitig erkennen?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: In vielen Fällen ist der Beschaffungsprozess, der Produktionsprozess und der Vertriebsprozess im Anfangsstadium nicht ausreichend organisiert. Dadurch „verzettelt“ sich der Jungunternehmer und empfindet kaufmännische Dinge als „lästiges Beiwerk“ und nicht als Steuerungsgröße. Die daraus resultierenden Defizite münden vielmals zunächst in eine Erfolgskrise, die eine Liquiditätskrise nach sich zieht, welche wiederum die unternehmerischen Entscheidungsspielräume einengt.

Da die Liquiditätssituation wesentlich von den Zahlungseingängen und einer ertragreichen Bepreisung abhängt, ist ein besonderes Augenmerk auf das Forderungsmanagement und die Kalkulation der Preise zu legen. Eine oftmals bei Existenzgründern fehlende Nachkalkulation für die einzelnen Aufträge verhindert, dass entsprechende Anpassungen rechtzeitig vorgenommen werden können.

Recitfga-bsl.info: Wie sieht ein exemplarischer Verlauf für eine Unternehmenskrise bei jungen Kleinunternehmen aus?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: Wie zu Beginn schon erwähnt, muss der Kleinunternehmer neben seinem originären Geschäftszweck vielen weiteren Aufgaben und Bereichen gerecht werden. Um neue Aufträge akquirieren zu können, muss sich der Kleinunternehmer um Werbung kümmern, muss Angebote erstellen, Preise kalkulieren und potenzielle Kunden beraten. Da im Angestelltenverhältnis der Fokus verstärkt auf dem originären, d.h. produzierenden Geschäftszweck lag, ist in den anderen Bereichen noch keine Routine vorhanden, so dass Fehler nicht ausbleiben.

Diese Mängel in der Unternehmensführung und Organisation wirken sich dann in unzureichenden Deckungsbeiträgen, Fehlern in der Personalpolitik und in mangelnder Kapazitätsauslastung aus. Woraus dann eine sinkende Produktivität und Rentabilität resultiert. Diese wiederum wirken sich auf die Liquidität aus, was wir in steigenden Kontoinanspruchnahmen und am Rückgang des Eigenkapitals beobachten. Bei schlechter Kapazitätsauslastung werden mitunter nicht kostendeckende Aufträge hereingenommen anstatt geeignete vertriebliche Maßnahmen zu ergreifen oder die entsprechenden Produktanpassungen vorzunehmen.

Recitfga-bsl.info: Kommen wir nun dazu, was ein Selbständiger bei einer Krise auf keinen Fall tun sollte? Was sind hier Ihre Top 3?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: Hier möchte ich gerne ein Zitat von Albert Einstein aufgreifen:

„Wahnsinn ist, immer das gleiche zu tun und zu hoffen, dass dabei etwas anderes herauskommt“.

Bei einer Krise muss eine offene und ehrliche Analyse der Ursachen erfolgen. Da der Jungunternehmer dazu oftmals alleine nicht in der Lage ist, ist es sinnvoll, sachverständige Dritte hinzuzuziehen. Probleme, die der Jungunternehmer nicht selber lösen kann, sollte er nicht aufschieben, ignorieren, verschweigen oder vertuschen. Denn nur wer über Probleme offen redet, kann mit Hilfe rechnen. Dazu gehört nicht nur ein offenes Gespräch mit der Bank, ggf. dem Steuerberater, der Handwerkskammer oder der IHK, sondern vor allem auch mit den Familienangehörigen.

Außerdem sollte er nicht die Haftungsrisiken außer Acht lassen, um noch größere Probleme, wie Gläubigerbegünstigung, Insolvenzverschleppung sowie Haftung für nicht abgeführte Sozialversicherungsbeträge zu vermeiden. Auch hier hilft nur, rechtzeitig aufkommende Probleme mit sachkundigen Vertrauenspersonen zu besprechen.

Das Vermeiden einer Krise ist selbstredend weniger aufwändig, als die Befreiung aus einer Krise. Deshalb sollte natürlich das Augenmerk auf dem Vermeiden der Krise liegen. Und dies geschieht wie gerade bereits beschrieben am effektivsten, wenn die Liquiditätsplanung kontinuierlich durch Vor- und hauptsächlich auch Nachkalkulation überwacht wird. Für diese Kalkulation gilt es, genügend Zeit einzuplanen. Das hat zur Folge, dass anfänglich ohne die vorhin beschriebene Routine weniger Aufträge angenommen werden können, so dass ein Existenzgründer auch die „mageren“ Anfangsjahre nicht außer Acht lassen sollte und den Gründungstermin nicht in eine Zeit mit maximaler privater finanzieller Belastung legen sollte.

Recitfga-bsl.info: Viele Gründer haben bestimmt das Bild im Kopf, dass die Hausbank Ihnen den Geldhahn zu dreht, wenn sie die Krise eingestehen. Was können Sie diesen Befürchtungen entgegen halten und welche Rolle übernehmen Sie aktiv bei einer Krisensituation im Unternehmen?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: Vertrauen ist die Basis jeden Kreditgeschäfts. Die Bank hat wie der Jungunternehmer auch größtes Interesse daran, dass die Kredite aus der unternehmerischen Tätigkeit also aus Gewinnen zurückbezahlt werden.

Eine Unternehmenszerschlagung und die Verwertung von Sicherheiten sind in der Regel mit hohen Verlusten verbunden und stellen immer nur die letzte Alternative dar.

Deshalb wird eine Bank bei gegebenem Vertrauensverhältnis immer zunächst versuchen, zusammen mit dem Jungunternehmer das Unternehmen in die Gewinnzone zu führen.

Recitfga-bsl.info: Schnell steht das junge Unternehmen ja auch vor einem Liquiditätsproblem. Wie stehen die Chancen für den Gründer, frisches Geld von Ihnen als Hausbank zu erhalten ? Was unternehmen Sie, wenn Ihnen auffällt, dass ein Jungunternehmen in Schwierigkeiten gerät, verschlechtern sich womöglich die Konditionen?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: Zunächst muss geklärt werden, woher der Liquiditätsbedarf herrührt. Ist der Liquiditätsbedarf zunächst nur zu knapp geplant worden und das Unternehmen ansonsten gesund und mit ersten Erfolgen am Markt, kann ggf. mit einer Nachfinanzierung geholfen werden.

Geht der Liquiditätsbedarf auf eine erste Expansion und damit steigende Umsätze mit nachfolgendem zusätzlichen Betriebsmittelbedarf zurück, so wird man sich mit der Möglichkeit einer Existenzfestigungsfinanzierung beschäftigen.

Geht der Liquiditätsbedarf auf eine Verlustsituation zurück, muss geprüft werden ob die Verlustursachen beseitigt werden können und eine Brückenfinanzierung zur Verfügung gestellt werden kann.

Die Konditionen aus der ursprünglichen Existenzgründungsfinanzierung werden nicht erhöht, zumal die Gründung oft mit Festzinskrediten aus öffentlichen Sonderkrediten finanziert sind. Die Konditionen für erforderliche Neukredite werden in Abhängigkeit von der Ursache des Liquiditätsbedarfs und der möglichen Besicherung festgelegt. Bei existenziellen Krisen wird zudem oft auf Zinsaufschläge verzichtet, da sie der Jungunternehmer ohnehin nicht tragen kann.

Recitfga-bsl.info: Welche Schritte würden Sie in der Regel gemeinsam mit dem Unternehmen angehen, um einen Weg aus der Krise zu finden? Haben Sie da ein Beispiel aus der Praxis?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: Typischerweise findet ein erstes Krisengespräch oft mit dem Jungunternehmer sowie gemeinsam mit dessen steuerlichem Berater statt. Nach einer Situationsbeschreibung schließt sich eine detaillierte Ursachenanalyse an. Danach entscheidet sich, ob ggf. weiterer Rat bei IHK, Handwerkskammer, Bürgschaftsbank oder bei einem Unternehmensberater eingeholt werden soll. Entscheidend ist immer die Frage:

Was will und kann der Unternehmer ändern?

Die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen müssen konkretisiert; zeitlich festgelegt und in ihrer Auswirkung abgeschätzt werden. Wichtig ist aber auch, dass der Unternehmer sein Unternehmen führt!! Die Bank kann „sich nicht an das Steuer“ des Unternehmens setzen.

Recitfga-bsl.info: Gibt es öffentliche Förderprogramme die der Gründer bei einer Krise in Anspruch nehmen kann ?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: Grundsätzlich sind „Unternehmen in Schwierigkeiten“ – im Sinne der Leitlinien der Europäischen Gemeinschaft für staatliche Beihilfen zur Rettung und Umstrukturierung von Unternehmen in Schwierigkeiten – aus den Förderprogrammen ausgeschlossen.

Für Unternehmen in Schwierigkeiten gibt es lediglich die Möglichkeit, einen Zuschuss für eine Unternehmensberatung zu erhalten – so z.B. über die Programme: „Runder Tisch“ und „Turn-Around-Beratung“.

Das im Zuge der Finanzmarktkrise in 2009 aufgelegte KfW-Sonderkreditprogramm, das Unternehmen, die nach dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten geraten sind, die Möglichkeit geben sollte, zusätzliche Kreditmittel aufzunehmen, ist zum 31. Dezember 2010 eingestellt worden.

Recitfga-bsl.info: Sollte ein Ausweg aus der Krise aus Ihrer Sicht nicht möglich sein, was empfehlen Sie in diesem Fall?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: In diesem Fall sollte sich der Unternehmer auf jeden Fall rechtlich beraten lassen. Die Bank wird dabei keinen konkreten Anwalt empfehlen. Nach einer Beratung muss geprüft werden, ob eine stille Liquidation möglich und sinnvoll ist. Dabei muss der Unternehmer zusammen mit seinem Berater ggf. auch Haftungsfragen klären.

Unter Umständen kann am Schluss auch ein Restschuldverzicht der Bank stehen, wenn der Erlös aus einer Liquidation wahrscheinlich besser ist als eine zerschlagende Verwertung der Sicherheiten. Ebenfalls ist zu klären, ob eine übertragende Sanierung möglich ist oder ein Insolvenzplanverfahren sinnvoll ist. Der Unternehmer wird ggf. prüfen ob bei einer Insolvenz eine anschließende Restschuldbefreiung möglich ist.

Recitfga-bsl.info: Was möchten Sie Existenzgründern und Selbständigen mit auf den Weg geben, damit diese von vorneherein eine solche Situation vermeiden können ?

Michael Rothmann von der Volksbank Bühl: Aus den bisher beantworteten Fragen ist ersichtlich, dass die Gründe, weshalb ein Unternehmen in eine Krise gelangen kann, vielschichtig sind. Ich möchte die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte wie folgt in Form einer Liste von Fragen aufführen:

  • Ist die berufliche Qualifikation gut und ist auch ausreichende Berufserfahrung vorhanden?
  • Ist die kaufmännische Qualifikation vorhanden und ist diese bereits auch schon in der Praxis angewandt worden?
  • Wurden die Existenzgründungsberatungen der IHK oder Handwerkskammer besucht?
  • Wurde mit der Familie besprochen, ob die Belastungen in zeitlicher und auch psychischer Sicht getragen werden können?
  • Ist die Existenzgründung nicht spontan, sondern wohl überlegt und von langer Hand vorbereitet worden?
  • Sind die benötigten Mittel zusammen mit einem Steuerberater und der Bank geplant worden?
  • Konnte ein Minimum an Eigenmitteln angespart werden?
  • Wurde das Motiv bzw. die Motivation für die Existenzgründung durchdacht, besprochen und zur Diskussion gestellt?
  • Ist das Interesse an einer lebenslangen Lernbereitschaft und Anpassungsfähigkeit vorhanden? Wie kann der angehende Unternehmer als zukünftig Alleinverantwortlicher dies dauerhaft sicherstellen?
  • Jeder Unternehmer arbeitet täglich mit Menschen zusammen, sei es mit den eigenen Mitarbeitern als auch mit den Kunden. Deshalb muss sich der angehende Unternehmer die Frage stellen „kann ich mit Menschen umgehen und kann ich auf Menschen zugehen?“ Dabei kann ein Blick in die Vergangenheit bezüglich seines Umgangs mit seinen Kollegen und dem früheren Chef hilfreich sein.
  • Kann ich mit aufkommenden Problemen offen und ehrlich umgehen? Kann ich Hilfe frühzeitig in Anspruch nehmen? Wie definiere ich Hilfe, als Schwäche oder als Unterstützung?
  • Bin ich bei der Gründung körperlich gesund?
  • Ist vor der Gründung eine Markt- und Konkurrenzanalyse vorgenommen worden? Und lässt der Markt eine ausreichende und nachhaltige Nachfrage nach den angebotenen Leistungen vermuten?
  • Besteht Klarheit darüber wie hoch die Markteintrittsschranken für Mitbewerber sind?
  • Ist die Standortwahl geeignet und ist der Standort gesichert?
  • Wenn die Existenzgründung in angemieteten Räumen begonnen wird: besteht ein ausreichend langer Mietvertrag und gibt es evtl. Kündigungsmöglichkeiten für den Existenzgründer
  • Nicht zuletzt setzt sich das Wort „selbstständig“ zusammen aus den Wörtern „selbst“ und „ständig“. Kann sich der Existenzgründer auch ehrlich die Frage beantworten, ob er mit der Dauerbelastung umgehen kann und möchte?

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Volksbank Bühl eG

Friedrichstraße 4
77815 Bühl

Mail: [email protected]
Telefon: 07223/985-1250

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