Bürgschaft zur Existenzgründung – Michael Schwarz von der BB Hessen



Recitfga-bsl: Herr Schwarz, welche Rolle kann die Bürgschaftsbank Hessen für Existenzgründer und junge Unternehmen spielen? Wie engagiert sich die Bürgschaftsbank in der hessischen Gründerwelt und sind Sie auch außerhalb Hessens aktiv?

Michael Schwarz, Bürgschaftsbank Hessen

Michael Schwarz von der BB Hessen: Die Bürgschaftsbank Hessen ist eine besondere Bank. Wir nehmen keine Einlagen entgegen und vergeben auch keine direkten Darlehen. Wir bieten Sicherheiten – Bankbürgschaften, die Banken von Gründern fordern, um ihnen Kredite zu geben. Mit einer solchen Sicherheit kann die Bank einen Gründerkredit leichter bewilligen. Und das in der Regel sogar zu günstigeren Konditionen.

Wir sind an einigen regionalen Gründerinitiativen beteiligt und nahezu auf jeder Existenzgründermesse in Hessen mit einem Informationsstand und mit Vorträgen vertreten. Zu unseren Netzwerkpartnern zählen die hessischen Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern. Mit den Gründungs- und Betriebsberatern der Kammern haben wir enge Verbindungen. In deren Existenzgründerseminaren werden auch die Möglichkeiten der Bürgschaftsbank Hessen vorgestellt.

Die Bürgschaftsbank Hessen ist ausschließlich auf Hessen begrenzt. In jedem Bundesland gibt es eine Bürgschaftsbank wie uns.

Recitfga-bsl: Können Sie uns ein paar Zahlen rund um die Bürgschaftsvergabe an Existenzgründer und junge Unternehmen durch die Bürgschaftsbank Hessen nennen?

Michael Schwarz von der BB Hessen: Unsere Bürgschaften werden von Banken und Sparkassen gerne eingesetzt, um Gründerkredite abzusichern. In den letzten fünf Jahren vom 01.01.2007 bis zum 30.09.2011 haben wir 1.200 Bürgschaften oder Garantien übernommen, 47 % davon waren für Gründerinnen und Gründer. Und in Euro bedeutet das 139 Mio. Euro ermöglichte Bankfinanzierungen. Im Durchschnitt liegen unsere Gründerbürgschaften knapp unter 200.000 Euro. Mit unseren Bürgschaften können Kredite ab 50.000 Euro abgesichert werden; der Höchstbetrag liegt bei 1 Mio. Euro je Gründer bzw. Gründerteam.

Recitfga-bsl: Welche Bürgschaften haben Sie speziell für Existenzgründer und junge Unternehmen im Angebot und auf welchem Weg können Bürgschaften beantragt werden?

Michael Schwarz von der BB Hessen: Existenzgründer können mit unseren Bürgschaften Bankkredite absichern, die für den Unternehmensaufbau oder die Übernahme eines bestehenden Unternehmens benötigt werden. Das gilt sowohl für erforderliche Anschaffungen beziehungsweise für einen zu zahlenden Unternehmenskaufpreis als auch für einen Kreditrahmen, mit dem die in der Anfangszeit anfallenden Kosten überbrückt werden können, bis ausreichende Umsätze da sind, um die laufenden Ausgaben zu finanzieren.

Im Normalfall wendet sich ein Existenzgründer mit seinem Finanzierungswunsch an seine Hausbank. Diese prüft die Tragfähigkeit des Geschäftsplanes und bespricht die notwendige Kreditabsicherung. Hat der Gründer selber keine banküblichen Kreditsicherheiten, stellen Gründer und Hausbank gemeinsam einen Bürgschaftsantrag an die Bürgschaftsbank Hessen. Alle Banken und Sparkassen in Hessen haben die entsprechenden Anträge von uns vorrätig.

Verfügt der Gründer noch über keine Hausbank, besteht die Möglichkeit, dass er sich im Rahmen des Programms „Bürgschaft ohne Bank“ (BoB) zunächst direkt an die Bürgschaftsbank Hessen wendet. Er stellt einen schriftlichen Bürgschaftsantrag. Die Formulare senden wir ihm gerne zu oder er lädt sie sich einfach von unserer Homepage aus dem Internet herunter. Hier findet er auch eine kleine Checkliste, aus der die weiteren Unterlagen hervorgehen, die wir zur Beurteilung benötigen. Sobald wir die eingereichten Unterlagen durchgearbeitet haben, setzen wir uns mit dem Gründer in Verbindung, um ihn auch persönlich kennen zu lernen. So verlieren wir keine Zeit und kommen gemeinsam am schnellsten zum Ziel.

Für die Finanzierung der Selbstständigkeit – eine Bürgschaft von der Bürgschaftsbank Hessen

Recitfga-bsl: Teil Ihres Angebots ist auch der Frankfurter Gründerfonds als ein spezielles Programm für Unternehmer aus Frankfurt. Erläutern Sie doch bitte kurz die wesentlichen Eckpunkte des Gründerfonds.

Michael Schwarz von der BB Hessen: Existenzgründer mit nur einem geringen Kreditbedarf haben es zum Teil schwer, eine finanzierende Hausbank zu finden. Der Frankfurter Gründerfonds ist eine Initiative der Stadt Frankfurt, um speziell Gründern im Stadtgebiet Frankfurts mit einem Kreditbedarf zwischen 2.500 Euro und 50.000 Euro zu helfen. Hier arbeiten die Stadt Frankfurt, die ConCap Connective Capital GmbH, eine Tochtergesellschaft der Frankfurt School of Finance & Management,  sechs regionale Kreditinstitute und die Bürgschaftsbank Hessen für Gründer Hand in Hand. Das klingt kompliziert, ist aber für Gründer in Frankfurt ganz einfach. Sie wenden sich mit ihrer Geschäftsidee an die ConCap. Dort werden sie betriebswirtschaftlich begleitet und ConCap ist behilflich, die erforderlichen Anträge zu stellen, damit Gründer in vertretbaren Fällen eine Hausbank und ihr benötigtes Geld schnell und unkompliziert bekommen.

Recitfga-bsl: Wie prüfen Sie im Einzelfall die Vergabe einer Bürgschaft? Was muss der Gründer mitbringen, um Aussicht auf Erfolg bei Ihnen zu haben? Wie können sich unsere Leser am besten auf ein Gespräch mit Ihnen vorbereiten?

Michael Schwarz von der BB Hessen: Zuerst wollen wir das Geschäftsmodell der Gründung verstehen und zum Anderen schauen wir, dass der Gründer von seinem bisherigen Berufsweg und seinem Naturell her zu diesem Geschäftsmodell passt.

Es ist nützlich, wenn der Gründer sich als Experte für sein zukünftiges Unternehmen präsentiert. Das bedeutet, dass er sein Geschäftsmodell mit eigenen Worten klar beschreiben kann und auch weiß, worin er sich von den Mitbewerbern abhebt. Die für das Unternehmen benötigten Beträge einschließlich der für die zu erwartende Anlaufzeit sollte er vollständig beziffern können. Dafür plant er Finanzierungsmittel ein, die sich im Regelfall aus Eigenkapital und aus Krediten von Banken und anderen zusammensetzen. Eine Finanzierungslücke darf sich nicht schon bei der Planung ergeben.

Letztlich kommt es darauf an, dass der Gründer mit seinem Unternehmen ausreichende Umsätze erzielen kann, damit er alle betrieblichen Aufwendungen fristgerecht bezahlen, seinen benötigten Lebensunterhalt daraus begleichen und Zinsen und Tilgungen für die aufgenommenen Kredite bedienen kann. Wer das alles durchdacht, plausibilisiert und in einem Businessplan niedergeschrieben hat, ist auf eine Gespräch mit uns bestens vorbereitet.

Recitfga-bsl: Wie lang ist die durchschnittliche Bearbeitungsdauer eines Bürgschaftsantrags und wie verläuft das Verfahren im Detail?

Michael Schwarz von der BB Hessen: Wir haben alle drei Wochen eine Bürgschaftsausschusssitzung, in der über entscheidungsreife Bürgschaftsanträge entschieden wird. Unsere Entscheidungswege sind kurz. Wir benötigen in der Regel zwei Mal eine Woche für eine Entscheidung.

Nach Antragseingang sichten wir den Antrag innerhalb einer Woche, fordern gegebenenfalls fehlende Angaben und Unterlagen nach und bitten die zuständige Kammer um eine Stellungnahme zum Gründungsvorhaben. Sobald die Unterlagen vollständig sind, benötigen wir bis zu einer Woche für ein persönliches Gespräch und um unsere Ergebnisse zu Papier zu bringen. Auf der Basis wird dann über die Bürgschaft entschieden. Den Gründer informieren wir in der Regel taggleich.

Recitfga-bsl: Welche Kosten entstehen in etwa bei der Bürgschaft durch die Bürgschaftsbank Hessen? Wie wirkt sich die Bürgschaft Ihrer Erfahrung nach auf die Kreditkosten aus?

Michael Schwarz von der BB Hessen: Die Bürgschaftsbank Hessen muss ihre Ausgaben selber erwirtschaften. Unsere wesentlichen Einnahmen erzielen wir aus der Übernahme von Bürgschaften und Garantien. Bürgschaften kosten einmalig 1,5 % vom Kreditbetrag und laufend 1,5 % jährlich ab Bürgschaftsübernahme. Für die künftigen Unternehmer ist das eine gute Investition, denn ein gut besicherter Bankkredit ist grundsätzlich billiger als ein nur wenig oder gar nicht abgesicherter Bankkredit. Die Zinsersparnis übersteigt die Kosten für unsere Bürgschaft in vielen Fällen.

Recitfga-bsl: Was passiert, wenn der Unternehmer seinen Kredit nicht zurückzahlen kann und worauf müsste er sich ggf. einstellen?

Michael Schwarz von der BB Hessen: In wenigen Fällen gelingt eine von uns geprüfte und verbürgte Existenzgründung nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig. In diesem Fall wird die Hausbank gemeinsam mit dem Unternehmer nach Lösungsmöglichkeiten suchen, wie er die aufgenommenen Kredite dennoch zurückzahlen kann. Gibt es überhaupt keine Möglichkeit, Rückzahlungen zu leisten, wird die Bank die Kredite kündigen. Wir werden aus der übernommenen Bürgschaft in Anspruch genommen und leisten Zahlung an die Bank. Die Kreditforderung geht dadurch insoweit auf uns über. Wir werden dann versuchen, in der Zukunft unser Geld oder zumindest einen Teil hiervon im Rahmen der Möglichkeiten des Kreditnehmer zurückzubekommen.

Recitfga-bsl: Aus Ihrer Praxiserfahrung, welchen Rat würden Sie Existenzgründern und jungen Unternehmen für eine möglichst erfolgreiche Gründung mit auf den Weg geben?

Michael Schwarz von der BB Hessen: Es ist wichtig, sich für die Vorbereitung einer Selbstständigkeit ausreichend Zeit zu nehmen und sobald der Wunsch konkret ist, zielstrebig darauf hinzuarbeiten. Eine Existenzgründung ist eine der wesentlichen Weichenstellungen im Leben vieler Menschen. Es ist unbedingt notwendig, dass auch die Familie von der zukünftigen Selbstständigkeit des Gründers überzeugt ist. Die Idee, das Konzept und die Planung sollten schriftlich festgehalten, von Zeit zu Zeit überarbeitet und mit Vertrauten diskutiert werden. Das schützt in vielen Fällen vor folgenschweren Fehleinschätzungen und ist die beste Vorbereitung auf später notwendige Gespräche mit Dritten, z. B. auch mit Banken.

Recitfga-bsl: Vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt zur Bürgschaftsbank Hessen:

Michael Schwarz
Geschäftsführer der BB Hessen

Bürgschaftsbank Hessen GmbH
Abraham-Lincoln-Str. 38-42
65189 Wiesbaden

Telefon 0611.15 07 26
Fax     0611.15 07 22
E-Mail: [email protected]

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