Venture Capital für Startups – ein Interview mit Marcel Vonnahme von eCAPITAL



Im heutigen Interview zum Thema Gründungsfinanzierung liegt der Schwerpunkt auf Venture Capital. Wir sprechen mit Herrn Marcel Vonnahme, Innvestment Manager bei der eCAPITAL AG.

Recitfga-bsl: Herr Vonnahme, wie würden Sie eCAPITAL im Profil beschreiben?

Marcel Vonnahme, Investment Manager bei eCAPITAL

Recitfga-bsl: Wie viele Beteiligungen weisen Sie derzeit auf und was waren die Highlights in den letzten Monaten?

Marcel Vonnahme von eCapital: Im Moment haben wir 21 aktive Beteiligungen, die sich über unsere 5 Fonds verteilen. Drei der fünf Fonds befinden sich in der Investitionsphase und werden zeitnah weitere Beteiligungen eingehen. Vier Portfoliounternehmen sind durch unseren neu aufgelegten Cleantech Fonds finanziert. Dies sind Novaled, eZelleron, Heliatek und Feranova. Feranova war ein Highlight, da diese Beteiligung als syndiziertes Investment von unserem Gründerfonds Münsterland und dem Cleantech Fonds Anfang 2011 geschlossen werden konnte. Auch von unserer zweiten Beteiligung in 2011, dem jungen Unternehmen saperatec versprechen wir uns viel. Beide Unternehmen zeichnen sich durch ihren radikalen Innovationsgrad aus und ergänzen unser Cleantech-Portfolio optimal.  Darüber hinaus war natürlich der Gewinn des Deutschen Gründerpreises 2011 durch unsere Beteiligung 4Jet Sales + Service ein Riesen-Highlight für uns. Und das Schöne ist, dass das Jahr 2011 noch zu einem guten Teil vor uns liegt, denn wir haben noch viel vor…

Recitfga-bsl: Welche Startups und junge Unternehmen stehen im Fokus von eCapital?

Marcel Vonnahme von eCapital: Wir differenzieren hier grundsätzlich nach unseren Fonds. Die Gründerfonds, die besonders innovative Technologiegründer im Münsterland und  Bielefeld-Ostwestfalen ansprechen, sind vom Investitionsfokus sehr breit aufgestellt. Hier sind Investments in den Branchen Nanotechnologie, Medizintechnik, Neue Materialen, aber auch Maschinenbau und IKT möglich. Voraussetzung ist dabei, dass das Unternehmen zum Zeitpunkt der Investition den Unternehmenssitz in der Region hat und sich in der Seed-/Start-up Phase befindet.

Gerade diese wichtige Frühphasenfinanzierung ist in Deutschland unserer Meinung nach  unterentwickelt, da sich leider viele Investoren völlig aus diesem Segment verabschiedet haben oder gänzlich vom Markt verschwunden sind. Als eine der großen VC-Gesellschaften in Deutschland liegt uns die weitere Entwicklung jedoch sehr am Herzen. Ein weiterer Fokus liegt auf Unternehmen, die sich mit Technologien im Bereich Cleantech beschäftigen. Cleantech ist nicht mit Erneuerbaren Energien gleichzusetzen.

Unser Cleantech Fonds wurde Ende 2010 erfolgreich mit € 50 Mio. geschlossen und konzentriert sich sowohl auf Early-/Later Stage Investments (Venture Capital) in junge Wachstumsunternehmen als auch auf Investments in bereits etablierte Mittelständler (Private Equity). Grundvoraussetzung für eine eCAPITAL Beteiligung ist hier ein klarer Bezug zu sauberen Technologien z.B. im Bereich Wasser, Energie, Transport oder Neue Materialien.

Recitfga-bsl:  Wenn junge Unternehmen im Erstkontakt auf Sie zukommen – wo liegen die größten Schwierigkeiten bei der Selbstdarstellung und Präsentation?

Marcel Vonnahme von eCapital: Als erstes Aushängeschild dient natürlich der Businessplan. Gründer sollten diesen als eine Art „Visitenkarte“ sehen, der grundsätzlich 2 Funktionen erfüllt. Einerseits dient der Businessplan als eigener, strukturierter Fahrplan der Unternehmensgründung, anderseits soll der Businessplan den Leser von dem Geschäftsmodell/-konzept, der Technologie und dem Potential überzeugen. Ein entsprechend aufbereiteter Businessplan sagt viel über die Gründer aus. Hier liegen oftmals deutliche Schwächen. Der zu erstellende Businessplan ist jedoch kein Buch mit sieben Siegeln. Er ist keine Geheimwissenschaft. Jeder Gründer, der eine Geschäftsidee hat, kann die Grundzüge einer solchen Planung erstellen.

Junge Unternehmen sollten also insgesamt darauf achten, dass sie ordentlich zusammengestellte und vollständige Unterlagen übermitteln. Oft fehlt es an Finanzierungs-Know-how, was bei der Planung und Aufbereitung der Zahlen negativ auffällt. Zu den Unsicherheiten gehört auch, dass sich die Gründer beim Markteintritt verschätzten, nur eine oberflächliche Markt- und Wettbewerbsanalyse durchgeführt haben und die Umsätze dementsprechend nicht realistisch geplant sind.

Oft merken wir auch, dass keine adressierte Ansprache erfolgt, sondern das „Schrotflintenkonzept“ gewählt wurde. D.h. es fließen gleichzeitig jede Menge unkoordinierte Informationen an mehrere Adressaten. Lieber sollten einige wenige VC’s adressiert werden als Unternehmenspräsentationen in die Breite zu streuen.


Als weiteren kritischen Punkt  sehen wir oftmals Schwierigkeiten/Mängel im persönlichen Gespräch. Wenn sich Gründer bei uns vorstellen, sollten diese gut vorbereitet. Hier gibt es jedoch oft Unsicherheiten in der Präsentation und Erklärungsnot des Geschäftsmodells.

Recitfga-bsl: Welche Hauptkriterien sind für Sie besonders wichtig bei der Entscheidung für ein Investment und wie können sich die Gründer auf die Gespräche mit Ihnen optimal vorbereiten?

Marcel Vonnahme von eCapital: Neben der Geschäftsidee und (im besten Falle patentierten) Technologie ist das Unternehmerteam sehr wichtig für unsere Entscheidung. Wie ist das Team aufgestellt? Sind alle tragenden Rollen für ein erfolgreich agierendes Unternehmen komplementär besetzt?  Der Glaube an die Idee und der unbedingte Wille für einen erfolgreichen Unternehmensaufbau müssen vorhanden sein. Die Gründer müssen für das Unternehmen und das Geschäftsmodell regelrecht BRENNEN. Darüber hinaus spielt für uns und generell für die VC Branche die Skalierbarkeit eines Projektes eine große Rolle. Dieses Skalierungspotential ist nur gegeben bei einer technologieorientierten Unternehmensgründung im Gegensatz zu einer reinen Existenzgründung, die auf eine reine personenbezogene berufliche Selbständigkeit abzielt.

Wenn alle ersten Hürden erfolgreich genommen wurden und wir eine Einladung zum ersten Pitching aussprechen, sollten die Gründer sattelfest und plausibel auf Fragen antworten können. Wir haben vorher immer schon selbst  recherchiert sowie Informationen geprüft und stellen natürlich auch die unangenehmen Fragen. Dass Gründer ihr Produkt/Dienstleistung kennen und erklären können, ist dabei Grundvoraussetzung. Wie bei einem Bewerbungsgespräch haben die Gründer für einen bleibenden Eindruck beim potentiellen Investor nur eine Chance und eine begrenzte Zeitvorgabe, um zu überzeugen. Kann der Gründer bzw. das Gründerteam überzeugen, folgen weitergehende intensive Gespräche.

Recitfga-bsl; Wie hoch ist in der Regel eine Beteiligung von eCAPITAL? Wie bringt sich eCAPITAL neben der Finanzierung in das Unternehmen ein?

Marcel Vonnahme von eCapital: Bei der Beteiligungshöhe muss man wieder zwischen unseren verschiedenen Fonds unterscheiden. Mit dem Cleantech Fonds sind ohne Co-Investoren bis zu € 5 Mio. möglich, mit den Gründerfonds  € 500.000 in einer ersten Finanzierungsrunde. Wir gehen in der Regel Minderheitsbeteiligungen ein, das heißt wir erhalten für unser Investment maximal bis zu 50% der Unternehmensanteile. Dadurch bleibt ein Großteil des Unternehmens bei den Gründern /Management und für alle Seiten ist sichergestellt, dass diese weiterhin ausreichend incentiviert sind.
eCAPITAL zeichnet sich dadurch aus, dass wir nicht nur Geld investieren sondern unternehmerische und auch technologische Expertise mitbringen. Neugründern wird so auch qualitativ geholfen und Zugang zum unternehmerischen Know-how der eCAPITAL gegeben. Wir bezeichnen unser Investment als „smart money“ und stehen unseren Unternehmern als Sparrings-Partner zur Verfügung.

Recitfga-bsl: Wie lang ist der Beteiligungszeitraum von eCAPITAL im Durchschnitt? Welchen Renditeanspruch hat eCAPITAL und welche Exit-Strategie wird verfolgt?

Marcel Vonnahme von eCapital: Je nach Unternehmensphase kann der Beteiligungszeitraum 3-8 Jahre betragen. Wir sind also nicht auf kurzfristige Beteiligungen aus, sondern begleiten das Unternehmen nachhaltig über einen längeren Zeitraum. Wir bezeichnen das als „Ehe auf Zeit“. Es steht natürlich immer ein Exit am Ende, der von uns meist über einen Trade Sale oder IPO angestrebt wird. Venture Capital Investoren rechnen dabei durchschnittlich mit einer Rendite von 20% p.a., wir sind da keine Ausnahme.

Recitfga-bsl: Wenn ein Startup nicht für eine Finanzierung bei eCapital infrage kommt – haben Sie andere Empfehlungen für die kapitalsuchenden Unternehmen?

Marcel Vonnahme von eCapital: Wie bereits erwähnt, ist nicht jede Gründung geeignet, um Geld von einer VC-Gesellschaft  zu erhalten. Bei Unsicherheit, ob das auf die eigene Gründung zutrifft, sollte man am besten seinen Bank-Berater fragen oder aber direkt bei einem Venture Capitalisten. Wenn wir merken, dass eine Venture Capital Finanzierung ausgeschlossen ist, haben wir natürlich weitere Ansprechpartner und Förderprogramme parat, mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben. Dazu gehört zum Beispiel die Existenzförderung der KfW oder der Hightech-Gründerfonds. Es gibt auch viele gute Webseiten auf denen man sich umfassend über Finanzierungsmöglichkeiten informieren kann, so zum Beispiel auch Recitfga-bsl.info. Wir sehen die Gründer hier aber auch in der Informationspflicht

Recitfga-bsl: Wie kann ein Startup einen guten von einem schlechten Venture Capital-Geber unterscheiden?

Marcel Vonnahme von eCapital: Das ist eine gute Frage. Wir glauben man tut erst einmal gut daran, sich den Investor  mit dem ein Start-up später zusammenarbeiten möchte, sehr genau anzuschauen. Welche Unternehmen wurden schon finanziert? Wie sieht die Zusammenarbeit genau aus? Wie setzt sich das Team des VC’s zusammen? Welche Erfahrungen und Erfolge können sie vorweisen? Was gut und schlecht angeht wäre ich persönlich vorsichtig, auch hier gilt: Jeder Topf hat seinen Deckel,wenn aber bei der Verhandlung klar wird, dass der Finanzierer nicht das Wohl der Firma im Auge hat und nur auf seine Rendite aus ist, wäre ich vorsichtig.

Recitfga-bsl: Sie treffen ja viele Startups, welche Ratschläge würden Sie Gründern mit auf den Weg geben?

Marcel Vonnahme von eCapital: Gründer sollten sich vorab über ihre Finanzierungsmöglichkeiten umfassend informieren. Es gibt viele kostenlose Beratungsstellen oder auch Internetportale und es kann nie schaden, einfach mal bei Finanzierern anzurufen und konkrete Fragen zu stellen. Viele Universitäten haben darüber hinaus für ihre Technologiegründer Beratungsstellen und bieten viele Netzwerkkontakte. Ein Netzwerk aufzubauen mit Befürwortern/Supportern der Idee und den ersten relevanten Geschäftskontakten, die bei dem Unternehmensaufbau hilfreich sein können, ist ein wichtiger Punkt. Dabei ist auch ein gut durchdachter Businessplan Pflicht – denn der ist wie oben erwähnt die erste Visitenkarte des Unternehmens! Ein Praxistipp: frühzeitig Feedback von potenziellen Kunden einholen! Die Entwicklerbrille reicht nicht aus, um das Produkt für den Markt und nicht an der Nachfrage vorbei zu entwickeln. Der wichtigste Ratschlag bleibt jedoch: Glaubt an Eure Idee!

Recitfga-bsl: Herr Vonnahme, vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt zu eCAPITAL:

Marcel Vornnahme
Investment Manager

eCAPITAL entrepreneurial Partners AG
Hafenweg 24
48155 Münster
Telefon: 0251.70 37 67 0
E-Mail: [email protected]

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