EXIST: Unterstützung für Hochschulgründungen

Das EXIST-Gründerstipendium fördert mit Zuschüssen Gründer an Hochschulen. Die Förderung ist auf ein Jahr beschränkt und dient vor allem der Entwicklung des Businessplans.

Das nachfolgende Beispiel zeigt zwei Gründer, die das EXIST-Gründerstipendium an der TU Darmstadt in Anspruch genommen haben. Unterstützung rund um den Businessplan erhielten die Gründer von Oliver Schmidt.

Existenzgründungsberatung beim EXIST-Gründerstipendium

Die zwei Gründer Eduard Rosert und Maximilian Scherer erkannten im EXIST-Gründerstipendium die Möglichkeit aus der Hochschule Ihre Geschäftsidee zu verfolgen:

"Die Idee zur Unternehmensgründung kam uns Anfang 2011. Max und ich kennen uns aus dem Studium und haben dort gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit gemacht. Danach ging Max in die Forschung und ich in die Wirtschaft. Als wir von EXIST hörten, dachten wir sofort: Das ist die perfekte Möglichkeit die Erfahrungen aus beiden Sphären zu kombinieren und die gemeinsamen Ideen schnell in die Tat umzusetzen."

Beratend wurden sie dann von Oliver Schmidt von Gründerheld.de begleitet.

Die Gründer im Gespräch

Recitfga-bsl.info: Worin besteht Ihre Geschäftsidee und wie ist die Idee entstanden?

Eduard Rosert: Sie haben doch bestimmt schon einmal etwas in einem Online-Shop gesucht. Oft stellt man dann nach langer Suche fest: Hätte ich gegoogelt, wäre ich viel schneller fündig geworden. Genau hier setzt unsere Idee an: Wir wollen die Produktsuche und die Produktempfehlungen in Online-Shops mit semantischen Technologien revolutionieren.

Maximilian Scherer: In meiner Doktorarbeit forsche ich dazu, wie man die wesentlichen Inhalte aus Dokumenten erkennen und herausfiltern kann – seien es Texte, Bilder, Musik, oder Produkte in Online-Shops. Dadurch können Computer in die Lage versetzt werden zu lernen, um was es sich bei den Dingen handelt und wie unterschiedliche Produkte zusammenhängen. Als ich Anfang 2011 Eduard von meiner Forschung berichtete überlegten wir gemeinsam, wie man meine Forschungsergebnisse dafür nutzen könnte Inhalte im Internet leichter auffindbar zu machen. Wir waren uns schnell einig, dass gerade Online-Shops von dieser Technologie profitieren könnten.

Recitfga-bsl.info: Wie funktioniert Ihre Technologie in der Praxis?

Maximilian Scherer: Unser System extrahiert semantische d.h. inhaltliche Merkmale aus Titeln, Beschreibungen und Bildern der Produkte in einem Online-Shop. Die daraus abgeleiteten Produktbeziehungen erscheinen dann als Produktempfehlungen. Wenn Sie sich Artikel anschauen, sehen sie dann weitere interessante Artikel. Bisherige Systeme arbeiten Artikelnummer-basiert und lernen Produktbeziehungen nur auf Basis getätigter Käufe (Fachbegriff: kollaborativ) oder nach statischen Regeln.

Viele Produkte werden aber selten zusammen mit anderen gekauft und haben damit in kollaborativen Systemen bestenfalls fragwürdige Produktbeziehungen. Als Kunde fragt man sich dann: „Warum wird mir zu einem Zelt eine Buddha-Statue empfohlen?". Unser semantisches System vergleicht dagegen Produkte eher wie ein Mensch und kann Produkte – auch ohne Einkaufsstatistik – miteinander in Beziehung setzen. Dazu lassen wir den Algorithmus auf riesigen Datenmengen lernen. Unsere Technologie ist dabei mehrere Größenordnungen effizienter als bestehende Verfahren, so dass wir Online-Shops z.B. eine Live-Volltextsuche über ihr gesamtes Produktsortiment zur Verfügung stellen können.

Eduard Rosert: Dem Kunden, der im Online-Shop einkauft, präsentieren sich die Vorteile eher subtil, als interessante Produktempfehlungen, intelligente Suchvorschläge und eine rasend schnelle Suchfunktion. Unsere Vorstellung ist, dass Technologie uns als unauffälliger Begleiter das Leben einfacher machen soll, statt uns von Webseite zu Webseite zu verfolgen und uns mit stumpfen Retargeting nach dem Motto "Ich kaufe einen Fernseher und sehe dann auf jeder Webseite nur noch Werbung für Fernseher" zu bombardieren.

Recitfga-bsl.info: Wer nimmt im Gründerteam welche Aufgaben wahr?

Eduard Rosert: Derzeit sind wir zweit, Maximilian als Information-Retrieval-Experte treibt die technologische Entwicklung voran und ich entwickle die Schnittstellen zu den e-Commerce-Systemen. Um den Vertrieb kümmern wir uns gemeinsam. Wir pflegen gerne direkten Kontakt zu den Kunden. Dadurch wissen wir was unseren Kunden unter den Nägeln brennt, können schnell auf sich ändernde Kundenbedürfnisse reagieren, bekommen laufend neue Ideen und können so unser System beständig weiterentwickeln.

Recitfga-bsl.info: Welche Stärken verbinden Sie im Gründerteam, aber welche Schwächen konnten Sie bei sich auch feststellen?

Eduard Rosert: Gute Organisation, gute Zeiteinteilung und projektorientiertes Arbeiten. Unser hoher Arbeitseinsatz und eine maximale Motivation gepaart mit Fachkenntnissen und langjähriger Berufserfahrung in verschiedenen Brachen sind unsere Stärken. Zudem lieben wir es einfach gute Produkte für unsere Kunden zu entwickeln.

Maximilian Scherer: Unsere Schwäche: Als Entwickler und Wissenschaftler können wir kein sexy Marketing – dafür aber sexy Algorithmen!

Recitfga-bsl.info: Sie nutzen Sie Förderung über das EXIST Gründerstipendium – mit welcher Universität arbeiten Sie hier zusammen und wo sehen Sie die Vorteile dieser Kooperation?

Maximilian Scherer: Mit der Technischen Universität Darmstadt und dem Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme (GRIS) zusammen mit dem Gründernetzwerk UniTechSpin. Dank der Unterstützung unseres Mentors Prof. Dr. techn. Dieter W. Fellner haben wir mit dem Fraunhofer IGD einen tollen Standort gefunden. An der Schnittstelle zwischen Forschung und Wirtschaft sind hier Ansprechpartner für alle Teilbereiche und Phasen des Vorhabens vorhanden. Hier haben wir stets die Möglichkeit Rückmeldungen zum Projekt zu erhalten. Gerade in der schwierigen Anfangsphase aber auch darüber hinaus konnten wir dadurch viele wertvolle Kontakte knüpfen.

Recitfga-bsl.info: Und ganz allgemein: was müssen Gründer mitbringen, damit ein EXIST Gründerstipendium für die Förderung genutzt werden kann?

Eduard Rosert: Vorrangig richtet sich das Stipendium an Hochschulabsolventen und wissenschaftliche Mitarbeiter an Hochschulen. Auch Studenten können unter gewissen Voraussetzungen eine Förderung erhalten. Ein Professor, der an einer an das Gründernetzwerk angeschlossen Universität tätig ist, muss sich für das Projekt als Mentor zur Verfügung stellen. Die Antragstellung erfolgt dann über den Mentor und das Gründernetzwerk der Universität. Zu Beginn der Förderung darf das Unternehmen noch nicht gegründet sein.

EXIST verfolgt das Ziel neue Technologien aus der Forschung in die Wirtschaft zu transferieren, bzw. für diese verfügbar zu machen. Deshalb versprechen vor allem diejenigen Anträge Erfolg, die einen starken wissenschaftlich-technologischen Kern haben und einen hohen Innovationsgrad aufweisen. Selbstverständlich sollte das Gründerteam über die entsprechenden Kompetenzen auf den jeweiligen Fachgebieten verfügen.

Die Antragsschrift wird offiziell als „Ideenpapier" bezeichnet, sie enthält jedoch bereits viele wesentliche Bestandteile eines Businessplans. Neben der eigentlichen Innovation sollte deshalb auch die Geschäftsidee klar dargestellt sein, eine Markt – und Wettbewerbsanalyse enthalten sein, sowie ein Konzept für den Markteintritt und eine Finanzplanung für die Förderperiode und darüber hinaus. Es kann auf jeden Fall nicht schaden, vor EXIST an einem der vielen Businessplan-Wettbewerbe teilzunehmen und sich so Experten-Feedback für die Gründungsidee einzuholen.

Da die Förderung auf 12 Monate beschränkt ist und nicht verlängert werden kann, ist ein lauffähiger Prototyp zum Zeitpunkt der Antragsstellung – auch als Machbarkeitsnachweis – für viele Projekte sinnvoll. Schließlich ist man in der Förderperiode durch Coachingmaßnahmen, Businessplan-Ausarbeitung, Fertigstellung des Produktes, Pilotkundenakquise und ggf. Investorenakquise bzw. Anschlussfinanzierung sehr ausgelastet.

Recitfga-bsl.info: Was steht derzeit im Mittelpunkt Ihrer Aktivitäten und welche nächsten Schritte der Unternehmensentwicklung planen Sie?

Eduard Rosert: Wir testen unser System gerade bei einer großen deutschen e-Commerce-Plattform haben gerade die formale Gründung unseres Unternehmens abgeschlossen. Die nächsten Monate werden wir dazu nutzen, unsere Tätigkeit im e-Commerce-Umfeld auszubauen und weitere Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen, die von unserer Technologie profitieren können.

Die EXIST-Gründer Maximilian Scherer und Eduard Rosert

Unterstützung durch den Berater

Recitfga-bsl.info: Herr Schmidt, wie verlief der Antrag für das EXIST Gründerstipendium in der Praxis und wo konnten Sie als Gründercoach den Gründern besonders gut unter die Arme greifen, damit der Antrag erfolgreich war?

Oliver Schmidt: Die Antragsstellung und Bearbeitung an den EXIST-Projektträger erfolgte über die Gründerberatungsstelle „UniTechSpin" an der TU Darmstadt. Erst nach erfolgreicher Zusage wurde ich als EXIST-Gründercoach für das Projekt ausgewählt. In der Praxis gestaltet sich der Antragsprozess unterschiedlich. Es gibt auch Hochschulen, die bereits bei der Antragsstellung einen Gründercoach hinzuziehen. So werde ich z.B. gelegentlich als Ratgeber für internetbezogene Geschäftsmodelle herangezogen.

Gerade in diesem Umfeld sind die Auswahlkriterien aufgrund der Vielzahl der Bewerber besonders hoch. Neben dem Innovationsgrad ist auch die Zusammensetzung des Gründerteams und die Unterstützung durch Mentoren (z.B. einen Prof. an der Uni) ein wichtiger Faktor. Die TU Darmstadt verfügt allerdings über ein sehr gut funktionierendes und erfahrenes Gründungsnetzwerk, das die eingereichten Ideen umfassend bewertet und vorselektiert. Es gibt meiner Ansicht nach keine andere Hochschule im Rhein-Main Gebiet, die in Sachen Gründungsklima und Anzahl erfolgreicher Ausgründungen mit der TU mithalten kann.

Recitfga-bsl.info: Die Erstellung des Businessplans ist ja ein wesentlicher Faktor im Rahmen von EXIST – wo lagen hier die größten Herausforderungen?

Oliver Schmidt: Meine Hauptaufgabe als Coach sehe ich darin, die Gründer im unternehmerischen Denken und Handeln zu qualifizieren. Der Businessplan ist das Produkt dieses Coachings und soll vor allem ein Leitfaden für die Gründer sein, an dem sie sich bei der Umsetzung ihrer Geschäftsidee orientieren können.

Die größten Herausforderungen lagen bei diesem Projekt im Bereich Marketing und Vertrieb. Beide Gründer sind fachlich top qualifiziert, eine tolle Technologie will aber auch vermittelt werden. Wir haben uns daher frühzeitig mit der Herausarbeitung des Kundennutzens beschäftigt, und uns die Punkte Markt- und Wettbewerbsanalyse sowie Marketing- und Vertriebsplanung genauer angesehen. Gerade High-Tech Startups neigen oft dazu, den Aufwand für den Vertrieb zu unterschätzen

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Liquiditäts- und Finanzplanung, denn sie ist Voraussetzung für die Festsetzung des Finanzierungsbedarfs. Als Coach zeige ich den Gründern mögliche Schwachstellen in der Finanzplanung auf und gebe Tipps als Vorbereitung auf Gespräche mit potentiellen Investoren.

Recitfga-bsl.info: Welche weiteren Meilensteine konnten bislang mit den Gründern erreicht werden und was steht noch an?

Oliver Schmidt: Max und Eduard haben erfolgreich den Weg vom ersten Prototyp zum fertigen Produkt im Live-Betrieb beschritten. Erste Pilotkunden konnten gewonnen werden. Im Rahmen des EXIST-Coachingfahrplans fanden Präsentationen vor dem Gründungsnetzwerk und bei den Wirtschaftjunioren Darmstadt statt. Jetzt steht die Akquise weiterer Kunden und der Unternehmensausbau an. Ich sehe die beiden Gründer hier auf einem guten Weg ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen.

Oliver Schmidt von Gründerheld

Fazit zur Beratung im Rahmen von EXIST

Oliver Schmidt: Die Zusammenarbeit mit den EXIST-Gründern und dem Gründungsnetzwerk hat mir große Freude gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass die Gründer mit Ihrem Vorhaben am Markt erfolgreich sein werden. Sie haben gelernt, wie man ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbaut und entwickelt.

Zudem bietet ihre Technologie einen sehr hohen Mehrwert für Online-Shops, der sich schon bald unter Beweis stellen wird. Als Coach kann ich alle Gründungswilligen an Hochschulen nur dazu aufrufen, es Max und Eddie gleichzutun. Eine solche Gelegenheit bekommt man vielleicht nicht mehr so schnell im Leben…

Oliver Schmidt ist Mitglied im Gründernetzwerk von Recitfga-bsl.info

Als Berater unterstützt Oliver Schmidt mit seinemUnternehmen Gründerheld.de Gründer, Selbstständige, kleine und mittlere Unternehmen. Dementsprechend ist das Unternehmen in der Dienstleister- und Beraterbörse des Portals präsent: zum Profil Gründerheld.de.

Vorheriger Artikel:
Finanzierung Gartencenter
Nächster Artikel:
Gründercoaching nutzen

Aktuelles aus unserem GründerDaily

www.best-cooler.reviews/category/rtic/

http://botoxclub.com.ua